Brechstange mit Handbremse: Intels Umgang mit schnell alternden Core-CPUs wirft Fragen auf
Intel hat bereits seit Monaten mit anhaltenden Problemen durch schnell alternde und dadurch instabilen Core-i-Prozessoren aus der 13. und 14. Generation zu kämpfen, doch der Umgang damit und die Kommunikation ist das größere Problem.
Intel hat bereits seit Monaten mit anhaltenden Problemen durch schnell alternde und dadurch nicht selten instabilen Core-i-Prozessoren der 13. und 14. Generation alias "Raptor Lake" und "Raptor Lake Refresh" zu kämpfen. Doch vor allem der Umgang damit und die Kommunikation zum Endkunden ist das größere Problem und ist mitunter schon als fragwürdig zu bezeichnen. Immer mehr der Boardpartner "beglücken" den Endanwender mit BIOS-Updates, welche wiederum Intels "Werkseinstellungen" sicherstellen sollen, doch wie sehen diese aus?
Intel begegnet Instabilität mit Werkseinstellungen
Bereits seit mehreren Monaten häufen sich immer mehr Berichte von Spielern in den Subreddits r/buildapc und r/intel sowie in einem Sammelthread auf Steam, die inzwischen zweifelsfrei belegen, dass Core-CPUs der 13. und 14. Generation in gewissen Situationen und unter ganz bestimmten Lastzuständen, wie in Spielen, vermehrt zu Stabilitätsproblemen neigen. Bereits Ende Februar hatte Intel die Untersuchungen "gemeinsam mit den Mainboard-Herstellern" eingeleitet.
Während Hersteller wie Asus und ASRock mit BIOS-Updates und einem sogenannten "Intel Baseline Profile" reagiert haben und MSI mit einer Anleitung für den stabilen Betrieb von Core-CPUs mit K-Suffix auf das "Core-Desaster" reagiert, ist sich der Prozessor-Gigant aus Santa Clara keinerlei Schuld bewusst, wie die aktuelle Stellungnahme verdeutlicht. Schuldig seinen die "Mainboardhersteller".
Vom Werks-OC der Mainboard-Hersteller ist aber wohl nur Intel überrascht, dafür hätte es auch keinerlei Untersuchungen gebraucht. Auch kann eine solche Verschiebung der Grenzen nicht wirklich als valide Erklärung für die zu schnell alternden und infolgedessen instabilen Prozessoren dienen. Doch während Intel spricht, kommunizieren die Mainboard-Hersteller nichts an ihre Kundschaft.
Werks-OC der Mainboards ist ein alter Hut
Dabei sollte aber nicht verschwiegen werden, dass die seit jeher höheren Limits für TDP ("PL1 = 125 Watt") und Maximale Turbo-Leistungsaufnahme ("PL2 = 253 Watt"), welche die Hersteller der Mainboards einsetzen, um sich von der eigenen Konkurrenz abzuheben und so auch Intel oftmals zu besseren Benchmark-Ergebnissen verhelfen, nicht nur der Fachpresse und den Anwendern, sondern auch Intel bekannt sind. Eine Überraschung ist dieser Sachverhalt ganz gewiss für niemanden, der sich auch nur halbwegs mit der aktuellen CPU-Entwicklung auseinandersetzt. Die offizielle Stellungnahme von Intel liest sich aber exakt so und lässt so tief blicken.
Die Analyse der betroffenen Prozessoren zeigt, dass es bei einigen Bauteilen zu Verschiebungen der Mindestbetriebsspannungen kommt, die möglicherweise mit dem Betrieb außerhalb der von Intel spezifizierten Betriebsbedingungen zusammenhängen.
- Intel -
Der vorzeitige und ganz besonders schnelle Alterungsprozess der aktuellen hybriden Core-i-Prozessoren, welcher seit dem Release der 13. Generation ("Raptor Lake") zu beobachten ist, gilt mit dem Statement Intels, dass es "bei einigen Bauteilen zu Verschiebungen der Mindestbetriebsspannungen kommt" als gesichert. Die abweichenden Betriebseinstellungen der Mainboard-Hersteller, die auch generationsübergreifend zum Standard gehören, sollen Schuld sein?
Ungeachtet der Tatsache, dass das Gütesiegel "Unlocked" auf aktuellen Core-CPUs mit K-Suffix in erster Linie für Overclocking steht, stellt sich die Frage, weshalb Spieler und Enthusiasten überhaupt noch zu einer "K-CPU" greifen sollten, wenn diese dann ausschließlich mit einem "Intel Baseline Profile" stabil betrieben werden kann. In Anbetracht der Tatsache, dass in vielen Fällen nur ein gesenkter Takt für die entsprechende Abhilfe sorgt, wird klar, Intel hat sich dieses Mal mit der Vorgehensweise der "Brechstangenmethode" deutlich verspekuliert.
Hinzu kommt, dass das Thema "Intel Baseline Profile" absolut unzureichend kommuniziert wurde. Die Mainboard-Hersteller wurden von Intel dazu aufgefordert, ein entsprechendes Profil per BIOS-Update bereitzustellen, welches sich exakt und ohne jede Abweichung an Intels Werkseinstellungen hält.
Intel fordert die System- und Motherboard-Hersteller auf, den Endbenutzern ein Standard-BIOS-Profil zur Verfügung zu stellen, das den von Intel empfohlenen Einstellungen entspricht.
Intel empfiehlt nachdrücklich, dass die Standard-BIOS-Einstellungen des Kunden den Betrieb innerhalb der von Intel empfohlenen Einstellungen gewährleisten.
Darüber hinaus empfiehlt Intel den Motherboard-Herstellern dringend, Warnhinweise für Endbenutzer zu implementieren, welche diese vor der Verwendung von entsperrten oder übertaktenden Funktionen warnen.
- Intel -
Die Mainboard-Hersteller kooperierten allesamt und haben mittlerweile flächendeckend BIOS-Updates veröffentlicht, welche das "Intel Baseline Profile" implementieren. Wie bei Asus und Gigabyte gesehen, handelt es sich aber nicht um die Standardauswahl des Mainboards, die Werkseinstellungen von Intel müssen nach wie vor händisch vom Anwender aktiviert werden. Anwender, die das tun, müssen mitunter mit einem größeren Leistungsverlust rechnen, Uniko's Hardware hat mittlerweile einen 13900KF untersucht, und im Cinebench eine signifikant geschmälerte Multi-Core-Leistung (- 28 Prozent) gemessen.
Auch in Spielen (etwas) langsamer
Erste Spiele-Benchmarks haben hingegen ergeben, dass das "Intel Baseline Profile", welches merkwürdigerweise je nach Mainboard-Hersteller in 125 Watt ("TDP/PL1") sowie 253 Watt ("MTL/PL2"), oder aber 188 Watt ("MTL/PL2") resultiert, mit einem Leistungsverlust von bis zu 10 Prozent einhergeht. Wenngleich auch weiterhin die Herstellerangaben für Takt und Leistung erreicht werden, muss die Frage als gerechtfertigt angesehen werden, was an K-CPUs "Unlocked" sein soll.
Intel möchte im Mai nachlegen
Intel hat bereits angekündigt, sich im Mai noch einmal zum Problemstatus und den empfohlenen BIOS-Einstellungen zu äußern. Besitzer einer aktuellen Core-CPU der 13. und 14. Generation dürften mit Spannung auf diese Stellungnahme warten.
Intel wird eine öffentliche Stellungnahme zum Problemstatus und den von Intel empfohlenen BIOS-Einstellungen veröffentlichen, welche für den Mai 2024 geplant ist.
- Intel -
Klar ist derzeit aber auch, Anwender, die das Baseline-Profil nutzen, verzichtet also in erster Linie auf eine werksseitige Übertaktung. Die CPU ist damit also wohl nicht langsamer, als von Intel vorgesehen und beworben. Enthusiasten dürfte das mitnichten zufriedenstellen. Das letzte Wort wird nicht gesprochen sein.
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Quelle: Intel, Asus, Gigabyte, Uniko's Hardware

Ich hab es jetzt leider auf die Schnelle nicht ausrechnen können, weil das in gängiger Zahlendarstellung überall den Rahmen sprengt, aber schon für ein k_B von 10^-10 (statt 23) kommen riiiesige unterschiede heraus, wenn man 50 und 95°C Betriebstemperatur miteinander vergleicht:
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
Also doch, die von dir angeführte Gleichung sagt, dass die Betriebstemperatur einen gigantischen Unterschied macht.
Dein Link spuckt bei mir ne Warnung aus, aber ausgehend von dem was da in der Adresse steht, haben sich da ein paar Fehler in deinem Beispiel eingeschlichen.
Wir reden hier von einer Temperaturdifferenz, und die Boltzmann-Konstante kann man, auf eV bezogen, auch als Zahl der Dimension 10^-5 darstellen. Das Delta der Temperatur bleibt allerdings in Kelvin, T steht für die absolute Temperatur, nicht bezogen auf den Gefrierpunkt von Wasser wie die Celsius-Skala.
50°C entsprechen 323 Kelvin, 95°C sind dann 368 Kelvin, das sind nur etwa 14% Unterschied, nicht fast 100%. Das ist der Einfluß der Temperatur, der ist also deutlich geringer als von dir angenommen.
Gehen wir weiter, die Aktivierungsenergie ist irgendwas zwischen 0,8 und 1,3 eV. Den Unterschied können wir mal mit Ea von 1,0 ausrechnen, das macht es recht einfach. Am Ende bleiben dieselben 13,9% stehen, es ändert sich ja nur die Temperatur.
Es kommt also ganz auf die Stromdichte an, die Basis der Exp-Fu. Beispiel: 2^2 ist jetzt nicht soweit von 2^2,26 entfernt, aber der Unterschied beträgt deutlich mehr als 14%, es sind fast 20%. Gehen wir von Basis 5 aus, bekommen wir einmal 25 und für 5^2.26 sind wir schon bei fast 38, das Ergebnis fällt um über 50% höher aus.
Also, zusammengefasst, du hast Recht, der Exponent ist nicht vernachlässigbar. Absolut nicht, das ist im Falle der Exponentialfunktionen auch deutlich veranschaulichbar.
Ich wollte nicht erklären, dass ein Unterschied von 45°C wenig ausmacht, aber im Verhältnis eben geringer gewichtet ist als ein entsprechender Unterschied in der Stromdichte. Bei nur 25°C oder weniger Temperaturdifferenz eben noch geringer, da wir von der absoluten Temperatur ausgehen.
Liest da noch jemand die Ironie draus?
Macht für mich Intel-CPU's mit K-Suffix obsolet. Oder vielleicht gar geplante Kurzzeit-Obsoleszenz, damit die treuen Kunden früher neue Intel-Produkte kaufen?
mit frdl. Gruß
Und dann müssten viele Tests mit den neuen Vorgsben wiederholt werden. Und zwar reproduzierbar und verifizierbar. Einzelne Ergebnisse von User XY hier oder in anderen Foren sind da nur wenig aussagekräftig.
Ich verstehe einen Teil der Diskussion hier einfach nicht. Intel räumt eine Problematik ein. Ob jetzt die Ursache bei Intel liegt oder den Boardherstellern ist doch erstmal zweitrangig. Da schiebt eh einer dem anderen die Schuld zu. Wichtig ist doch das die Systeme stabil laufen und nicht vorzeitig die Grätsche machen.