AMD im PCGH-Interview: Mobile Geräte, 45-Nanometer, Fusion (Teil 3)

0
News Christian Gögelein Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Die Cebit wurde von PCGH für verschiedene Interviews genutzt. Neben Intel musste uns auch AMD Rede und Antwort stehen. Wir sprachen mit Jochen Polster, Vize-Präsident Vertrieb und Marketing bei AMD über die aktuelle Situtation und kommende Produkte wie Fusion.

Jochen Polster, AMD Quelle: AMD Jochen Polster, AMD PCGH: Intel hat einen Chip für ultramobile Geräte vorgestellt, den Atom. AMD hat in diesem Segment den Geode im Programm...

Jochen Polster: Im Moment noch, da tut sich noch mehr. Zurzeit können wir aber noch nicht darüber reden.

PCGH: ... und den Imageon-Chip.

Jochen Polster: Ja, aber das ist ein bisschen was anderes. Fangen wir mal damit an, dass Ultravalue- und Ultramobile-PCs einen absoluten Nischenmarkt bedienen. Der ist klein und bisher lohnt er sich für uns nicht.

PCGH: Er soll aber schnell wachsen, von einem großen Trend ist die Rede. Sagen jedenfalls Intel und Asus.

Jochen Polster: Wir können darüber reden, ob vielleicht sehr, sehr billige PCs in Form von Eee-PCs vielleicht ein gewisses, neues Marktsegment erschließen, wobei dieser Beweis noch aussteht. Aber das ist kein Ultramobile-PC, das ist ein Ultravalue-PC, das ist eine ganz andere Sache. Ultramobile-PCs, das sind kleine, teure PCs, die einen absoluten Nischenmarkt bedienen. Und sie sehen ja auch die schleppenden Wachstumsraten.

Die andere Sache ist der Imageon-Chipset, den Sie gerade ansprachen. Das ist aber kein Chipsatz für PCs, sondern einer für Handheld-Geräte. Dieser enthält eine sehr starke Grafikengine und eine kleine CPU, welche nicht x86-basiert ist. Tatsächlich ist das ein anderer Markt. Er ist für uns wichtig, alleine auf Grund der Tatsache, dass wir die Synergien nutzen können. Sie können dann auf dem Handheld ähnliche Applikationen laufen lassen und so weiter. Wir haben da noch viel vor. Aber es ist kein Chip, der jetzt morgen in einem PC oder in einer PC-artigen Applikation auftauchen wird, einfach weil es kein x86-Prozessor ist.

PCGH: Der Imageon wurde ja noch von Ati entwickelt.

Jochen Polster: Ja. Er hat viel Gemeinsamkeit mit unseren Grafiklösungen im PC-Bereich und da steckt eine Menge gleicher Technologie drin, aber es ist ein anderer Prozessorkern.

PCGH: Sie sagten vorhin "im Moment noch mit dem Geode". Ist ein Nachfolgeprodukt geplant?

Jochen Polster: Man guckt sich diesen Markt natürlich an und es gibt da schon Ideen, was man machen könnte. Das ist glaube ich das Maximale, was wir sagen können.

PCGH: Ein anderes Thema: Acht Kerne in 45-Nanometer-Technik - machbar?

Jochen Polster: Das sollte mit 45 Nanometern theoretisch möglich sein, aber jetzt bleiben wir mal alle auf dem Teppich (lacht). Wir haben im Moment im Massenmarkt zwei Kerne, wir gehen gerade langsam über auf Quadcores. Die Software kann gerade mal mit zwei Kernen umgehen, ein paar Spiele fangen an, vier Kerne zu unterstützen. Alle andere Software weiß überhaupt nicht, was vier Kerne sind. Und da reden wir jetzt schon drüber, wann endlich 8 oder 16 oder 32 Kerne kommen. Die Zahl der Kerne bestimmt die Leistung nur zum Teil. Es gibt mindestens vier Möglichkeiten, die Performance im PC zu steigern: Über die Architektur, die Frequenz, die Anzahl der Kerne oder...

PCGH: ... Registerbreite...

Jochen Polster: ... Registerbreite. Gut, aber wenn Sie auf 128 Bit gehen, hängen da aber sehr viele Sachen dran. Wenn Sie es so sehen, dann haben wir sogar fünf Möglichkeiten.

PCGH: Ich hatte Sie unterbrochen...

Jochen Polster: Schließlich gibt es Load Balancing. Viele der speziellen Aufgaben, die im PC laufen und zum Beispiel sehr floatingpoint-intensiv sind, kann die Grafikkarte ganz gut erledigen. Warum lagere ich die nicht dahin aus? Das ist eine Softwarefrage, die durchaus lösbar ist und sehr viel Potenzial birgt. Uns bei AMD steht diese Möglichkeit nun offen, weil wir jetzt beide Seiten im Konzern haben. Man sollte an allen Schrauben drehen und nicht immer nur auf die Aufrüstung der Zylinder schauen.

PCGH: Womit wir bei Fusion sind, dem Konzept von einem vereinten Grafik- und Hauptprozessor. Wie ist allgemein der Stand der Dinge, kann man vielleicht schon eine vage Leistungseinschätzung geben?

Jochen Polster: Bei dieser Integration geht es nicht nur um Performance. Performance ist eine Sache und Sie werden für eine integrierte Lösung eine ganz gute Performance kriegen. Wir haben ja erst bei der integrierten Chipsatz-Grafik einen Riesenschritt getan. Durch das Zusammenwachsen werden wir sicherlich noch einmal einen Performancezuwachs sehen. Ich denke aber, dass bei dieser Integration andere Sachen viel wichtiger sind, vor allem was den mobilen Bereich und das Power-Segment betrifft. Aufgrund der Tatsache, dass alles auf einem Chip sitzt, können wir den Stromverbrauch deutlich reduzieren. Das ist viel wichtiger als das letzte Quentchen Leistung. Vergessen Sie nicht: Die absolut bestmögliche Grafikleistung werden Sie weiterhin mit zwei, drei, vier Grafikkarten kriegen. Dieser Markt wird mit Fusion nicht wegfallen. Aber der Mainstream-Sektor wird sicher auf Dauer mit einer Fusion-Lösung besser bedient.

PCGH: Daher erscheint die Technik also auch zunächst für Notebooks?

Jochen Polster: Ja, natürlich.

PCGH: Wenn man aber langfristig denkt und fünf, sechs, sieben Jahre vorausblickt, ist ja ein unglaubliches Potenzial erkennbar - zwei Stream-Prozessoren schaffen heute schon ein Teraflops. Wie kommen wir dahin? Will AMD überhaupt dahin kommen?

Jochen Polster: Natürlich wollen wir dahin kommen, aber Sie müssen mir noch die Applikationen geben, die diese Leistung wirklich verwenden.

PCGH: Das alte Henne-Ei-Problem.

Jochen Polster: Nun ja, einem High-End-Gamer kann ich so viel Leistung an die Hand geben wie ich zu jeder gegebenen Zeit leisten kann, sie werden sie brauchen. Aber Otto-Normal-Verbraucher, die 99 Prozent des Marktes ausmachen, lassen Powerpoint, Excel und E-Mail laufen ...

PCGH: Also keine Top-Leistung für Spieler?

Jochen Polster: Doch, das wird kommen, denn wir brauchen die maximale Leistung noch für einen anderen Bereich, den Servermarkt. Auf dem Servermarkt kann ich auch so viel Leistung gebrauchen, wie ich mir nur leisten kann. Und letztlich sind es modifizierte Serverchips, die wir dann auch auf dem Spielemarkt verwenden. Dazu gibt es natürlich noch die optimale Grafikleistung - und wenn dann noch Load Balancing kommt, wird das sicher interessant.

PCGH: Herr Polster, wir danken für das Gespräch.

0
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 07/2026 PC Games 06/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk