E-Autos: Verkürzt AMD Ryzen die Reichweite beim Tesla Model 3?

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Innenraum im Tesla Model S Facelift
Quelle: Tesla Motors

Laut der Webseite Insideevs bietet das Model 3 mit AMDs Ryzen-Prozessor eine geringere Reichweite als zuvor. Woran soll die geringere Reichweite liegen?

Der Elektroautohersteller Tesla hat im Jahr 2021 begonnen, in sein Infotainmentsystem AMD-Ryzen-Prozessoren zu verbauen. Mit der neuen Hardware, die beim Facelift von Model S und X ihr Debüt feierte, ist das Infotainmentsystem leistungsstark genug, um Videospiele zu ermöglichen. Inzwischen ist der eigentlich nur für Beifahrer gedachte Spielstart während der Fahrt nicht mehr möglich, sodass man nur noch im Stand - etwa bei der Ladepause - spielen kann. Wie nun der Webseite Insideevs.com aufgefallen ist, könnte die verbaute Ryzen-CPU dafür verantwortlich sein, dass die Reichweite beim Model 3 im Modelljahr 2022 gesunken ist. Schließlich hat Tesla keine weiteren Änderungen zum neuen Modelljahr verkündet.

So verändert sich die Reichweite beim Tesla Model 3 des Jahrgangs 2022

Beim Modelljahrgang 2022 wird die AMD-Hardware auch in alle neuen Model 3 und Model Y eingebaut. In der Version Tesla Model 3 Maximale Reichweite mit den serienmäßigen Reifen und Felgen mit 18 Zoll werden nun 626 Kilometer Reichweite nach WLTP-Messzyklus angegeben. Zuvor lag die Reichweite aber noch bei 637 Kilometern. Falls man die leistungsstärkste Version Model 3 Performance mit 20 Zoll Reifen für 55.990 Euro kauft, wird die Reichweite mit nur noch 547 Kilometern statt zuvor 567 Kilometern angegeben. Aktuell gibt der Hersteller für die Mittelklasseautos Model 3 und Y folgende Daten an:

  • Einstiegsmodell: Tesla Model 3 mit Heckantrieb. Aus dem LFP-Akku (ohne Kobalt) mit einer Kapazität von 60 kWh werden - je nach Felgen- und Reifengröße - bis zu 510 Kilometer WLTP-Reichweite herausgeholt. Preis: ab 42.990 Euro
  • Tesla Model 3 Maximale Reichweite mit Allradantrieb. Lithium-Ionen-Akku (mit Kobalt) mit 77 kWh Kapazität und einer Reichweite von 626 Kilometer (mit Aero-Felge 18 Zoll). Zuvor lag die WLTP-Reichweite bei 637 km. Preis: ab 51.990 Euro
  • Tesla Model 3 Performance mit Allradantrieb und einem Lithium-Ionen-Akku mit 77 kWh. Reichweite: Statt 567 Kilometer nun 547 Kilometer. Preis: ab 55.990 Euro
  • Tesla Model Y Maximale Reichweite mit Allradantrieb. Neuer Akku mit 82 kWh statt 77 kWh. Reichweite: 565 Kilometer (mit 18-Zoll-Reifen) statt zuvor 537 Kilometer. Preis: ab 56.990 Euro
  • Tesla Model Y Performance mit Allradantrieb. Neuer Akku mit 82 kWh statt 77 kWh. Reichweite: 514 Kilometer (mit 21-Zoll-Reifen) statt zuvor 480 Kilometer. Preis: ab 63.990 Euro

Bildergalerie

Für die beim Model 3 verminderte Reichweite soll die neue Version MCU 3 schuld sein, denn bei Version 2 der Infotainment-Hardware waren beim Model 3 und Model Y noch ein Intel Atom verbaut, der weniger Strom verbraucht, als die neue Hardware von AMD. Neben einem Ryzen Embedded V1807B mit vier Zen-1-Kernen mit SMT und einer TDP von 35 oder 45 Watt, verfügt jeder neue Tesla über eine RDNA-2-GPU, wobei man auf einen Navi-23-Chip mit bis zu 160 Watt Stromverbrauch setzt. Zudem sind 8 Gigabyte GDDR6-RAM eingebaut. Insgesamt verfügt das Infotainmentsystem bei Tesla über eine Leistung von 10 Teraflops, sodass man via Tesla Arcade Videospiele im Elektroauto spielen kann.

Alles in allem scheint der Reichweitenverlust aber nicht (nur) an der neuen Hardware beim Festeinbau-Navi zu liegen, sondern viel eher an weiteren - nicht offiziell kommunizierten - Veränderungen beim Tesla Model 3 Maximale Reichweite und beim Performance-Modell. Neben überarbeiteter Motorsoftware könnten etwa auch andere Reifen eine größere Rolle in Sachen Reichweite spielen.

Dank neuem LFP-Akku gibt's nicht weniger Reichweite beim Tesla Model Y

Das Mittelklasse-SUV Model Y hat - im Gegensatz zum Model 3 Maximale Reichweite und Performance - einen neuen LFP-Akku spendiert bekommen. Bei der Limousine Model 3 hingegen hat lediglich die Einstiegsversion den neuen LFP-Akku erhalten, welcher ohne Kobalt auskommt und an den Elektroden auf Eisenphosphat setzt.

Mit diesen LFP-Akkus löst Tesla das aufkommende Problem der Kobalt-Knappheit. Man verzichtet auf das seltene Kobalt und spart Kosten. So ist ein LFP-Akku günstiger in der Herstellung. Ein LFP-Akku ist zudem robuster, als ein Lithium-Kobalt-Akku und kann z. B. gar nicht explodieren. Allerdings nimmt beim LFP-Akku das Gewicht, aufgrund der geringeren Energiedichte zu, weil mehr Zellen verbaut werden müssen, um die gleiche Kapazität zu erhalten. Zudem ist ein LFP-Akku empfindlicher gegenüber winterlichen Temperaturen, als ein herkömmlicher Lithium-Ionen-Akku, sodass die Reichweite und Ladegeschwindigkeit im Winter stark sinken kann. Um diesen Effekt abzumildern, hat Tesla neben einer Wärmepumpe auch ein überarbeitetes Thermomanagement eingebaut. Falls man im Navigationssystem eine Ladestation als Ziel ausgewählt hat, wird zudem der Akku vorkonditioniert, damit beim Ladevorgang die Ladegeschwindigkeit einigermaßen aufrecht gehalten werden kann. Beim Model 3 mit dem neuen LFP-Akku ist übrigens keine verminderte Reichweite festzustellen, im Gegensatz zu den Versionen mit dem "alten" Lithium-Ionen-Akku.

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Ebenfalls lesenswert: AMD und Tesla: Im Model S/X Plaid arbeiten ein Ryzen-Vierkerner und eine Navi-23-GPU

Sammlung zur niedrigeren Reichweite bei manchen Tesla Model 3:

  • Einige Versionen des Mittelklasseautos Tesla Model 3 haben weniger Reichweite, als beim Jahrgang 2021.
  • So offeriert das Model 3 Maximale Reichweite nur noch 626 Kilometer Reichweite, statt 637 Kilometer.
  • Schuld daran soll die neue Hardware im Infotainmentsystem sein. Beim aktuellen Modelljahr wird erstmals beim Model 3 auf AMD-Hardware gesetzt, die aus einem Ryzen-Prozessor und einem RDNA-2-Grafikchip besteht und 10 Teraflops Leistung bietet. Zuvor war lediglich ein leistungsschwacher und sparsamer Intel Atom im Tesla verbaut.
  • Allerdings erscheint es unglaubwürdig, dass alleine neue Hardware im Festeinbau-Navi so viel Reichweite kostet. Viel eher werden unterschiedliche - nicht offiziell von Tesla kommentierte - Veränderungen für die neue Reichweitenangabe verantwortlich sein. Mögliche Ursachen wären etwa eine andere Motorsteuerung oder neue Reifen.
  • Nicht betroffen von der gesunkenen Reichweite sind alle Tesla Model Y und das Einstiegsmodell des Model 3, da dieses auf einen neuen LFP-Akku setzt.

Quellen: Insideevs, Teslamag, Auto Motor und Sport, Wikipedia, Tesla

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    • Kommentare (52)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von derneuemann Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Threshold
        Das ist schlicht falsch. Im Winter braucht ein Verbrenner mehr Treibstoff als im Sommer. Thermodynamik und so.
        Ist jetzt nicht so, das der Verbrenner nicht mehr Energie erzeugen muss, sondern um die selbe Energie zu erzeugen, mehr Treibstoff einbringen muss. Also bei kälterem Wetter (auch nasserem) ineffizienter arbeitet.

        Da hier ja auch schon geschrieben wurde, das es kaum etwas ist. Bei mir sind es 0,3 - 0,5 Liter mehr, die bei kaltem, nassen Wetter durch gehen.

        Zitat von Kuhprah
        Ihr glaubt wirklich dass ihr in 10 Jahren noch annähernd 200 fahren dürft?
        Aber sicher
      • Von derneuemann Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Threshold
        Das ist schlicht falsch. Im Winter braucht ein Verbrenner mehr Treibstoff als im Sommer. Thermodynamik und so.
        Ist jetzt nicht so, das der Verbrenner nicht mehr Energie erzeugen muss, sondern um die selbe Energie zu erzeugen, mehr Treibstoff einbringen muss. Also bei kälterem Wetter (auch nasserem) ineffizienter arbeitet.

        Da hier ja auch schon geschrieben wurde, das es kaum etwas ist. Bei mir sind es 0,3 - 0,5 Liter mehr, die bei kaltem, nassen Wetter durch gehen.

        Zitat von Kuhprah
        Ihr glaubt wirklich dass ihr in 10 Jahren noch annähernd 200 fahren dürft?
        Aber sicher
      • Von Threshold Großmeister(in) des Flüssigheliums
        Zitat von plusminus
        Das muss der Verbrenner zum Heizen unter anderem schon mal nicht !!

        Erzähl hier bitte nicht so einen unqualifizierten hanebüchenen Unsinn !!

        Du hast offensichtlich so gar keine Ahnung wie ein " Verbrenner " KFZ funktioniert
        Hä?
        In Thermodynamik nicht aufgepasst?
        Du willst mir also echt erklären, das ein Verbrenner im Winter nicht mehr Sprit benötigt als im Sommer?
      • Von plusminus BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Threshold
        Ändert aber nichts daran, dass auch der Verbrenner mehr Energie erzeugen muss, wenns kalt ist. Der Verbrauch steigt im Vergleich zu den warmen Tagen.
        Das muss der Verbrenner zum Heizen unter anderem schon mal nicht !!

        E Autos verbrauchen schon ohne das sie sich einen Meter bewegt haben Teuren Strom ( KWH ca. 45 cent !?! ) um den Akku im für den Betrieb nötigenTemperaturfenster zu halten !!

        Heißt er muss im Winter ab bestimmten Temperaturen mit der Akkuleistung des Fahrzeugs beheizt werden ,und im Sommer im Betrieb gekühlt werden .

        Um nur mal ein Manko anzusprechen.

        E Autos sind ein Nischenprodukt , und können mit der derzeitig eingesetzten Technologie , weder den Verbrenner vollständig ersetzen , noch die Klimaerwärmung aufhalten.
      • Von Hoppss Software-Overclocker(in)
        Zitat von Technologie_Texter
        Liegt dieser Experte des KÜS also falsch?
        Sicherlich nicht! Nur ... hier kommt der Mensch ins Spiel:
        " ... mehr Kraftstoff auf 100 Kilometern benötigt werden. Begrenzen lässt sich das, indem man etwa die elektrischen Heizfunktionen sofort abschaltet, wenn sie nicht mehr benötigt werden."
        Wenn ich mal in das Auto steige, das eher meine Frau nutzt, merke ich häufiger an sonnigen Frühlingstagen, daß mir trotz AC zu warm wird. Nicht nur die Sitzheizung des Fahrers ist dann auf Maximum ... nein, auch für den leeren Beifahrersitz ...
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von Olstyle
        Du vergisst die Heizung. Beim E-Auto muss die Wärme zusätzlich produziert werden. Bei teureren Gefährten mit Wärmepumpe, bei günstigeren durch reine Heizstäbe. (Was man beim aktuellen Zyklus aber nicht in der Verbrauchsangabe sieht weil richtig kalte Temperaturen fehlen)
        Beim Verbrenner kann man dagegen die Abwärme wegen der sonst so gescholtenen Ineffizienz des Verbrennungsprozesses "gratis" nutzen.
        Wenn der Wagen erst einmal warm ist (weil er stationär an der Dose vorgeheizt wurde, weil die Aufheizphase bei einer langen, reichweitenkritischen Autobahntour sowieso nur einen kleinen Anteil hat oder weil es sich um einen WLTP-Test mit warmen Auto handelt), verbrauchen auch Sitz- und Lenkradheizung zum Erhalt des Wohlfühlfaktors eine überschaubare Menge Energie. Einige lassen die ja sogar beim Verbrenner lange Zeit mitlaufen, ohne sich am Mehrverbrauch zu stören.

        Zitat von Threshold
        Das ist schlicht falsch. Im Winter braucht ein Verbrenner mehr Treibstoff als im Sommer. Thermodynamik und so.
        Es gibt mehr theoretische Gründe, die dafür sprechen, als solche, die dagegen sprechen, aber zumindest bei mir ist der Effekt im laufenden Betrieb nicht messbar; die typischen Schwankungen zwischen Fahrten sind viel größer.

        Einzig die wenig effiziente Warmlaufphase ist bei Frost natürlich länger. Wie stark dieser Effekt ist, hängt aber stark von der Motogröße ab. Bei einem dicken 3-4-mehr-Liter-Motor, insbesondere als Diesel, kann es ohne Zuheizer bis zu einer halben Stunde dauern, bis er voll durchgewärmt ist. Aber da liegt dann wohl allemein keine Fahrzeugwahl vor, bei der der Verbrauch eine größere Rolle gespielt hat. Die 1,0-1,5-Liter-Motörchen, die in sparsamen Klein- und Mittelklassewagen üblich sind, erreichen dagegen schon nach wenigen Minuten 90 °C Öltemperatur und haben somit das ganze Jahr über ähnliche Reibungsverluste.

        Zitat von Technologie_Texter
        Liegt dieser Experte des KÜS also falsch?

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
        Falsch ist relativ: Sicherlich hat er recht wenn er sagt, dass zusätzliche Verbraucher zusätzliche Energie verbrauchen. Aber aus der anekodtenhaften Feststellung, dass im Winter mehr Leute mit Scheibenheizung fahren, kann man nicht direkt auf einen deutlichen Mehrverbrauch schließen – "einer statt keiner" wäre auch "mehr", aber die Gesamtsumme hängt sehr vom individuellen Verhalten der breiten Masse ab. Genauso gilt der höhere Rollwiderstand nicht zwingend absolut. Zwar haben Winterreifen immer eine weichere Gummimischung, aber sie kleben bei -10 °C oft sogar schlechter an der Straße als Sommerreifen bei 40 °C. Und zum Mehrverbrauch der Antriebstechnik bleibt er aus gutem Grund wage, denn so etwas lässt sich bei modernen Konstruktionen nur noch schwer abschätzen. Kühle Ansaugluft bringt nämlich auch einen besseren Füllgrad, der Leistung und Effizienz verbessern kann* und einige Fahrzeuge arbeiten auch mit adatptiven Kühllufteinlässen, haben bei niedrigen Außentemperaturen also eine bessere Aerodynamik.

        *: Nicht umsonst haben mittlerweile praktisch alle Verbrenner Ladeluftkühler. Eine Ansaugluftheizung habe ich dagegen noch nie gesehen (Flugzeuge hatten mal Vergaserheizungen, um Vereisung zu verhindern). Dabei wäre (Abgas-)Wärme bei Verbrennern im Überfluss verhanden, man könnte also leicht einen künstlichen Dauer-Sommer für den Motor herbeiführen.
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