Atemalkohol-Sperre: Jedes neue EU-Auto wird ab Juli sperrfähig

84
News Sven Bauduin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Atemalkohol-Sperre: Jedes neue EU-Auto wird ab Juli sperrfähig
Quelle: Dräger Deutschland

Ab dem 7. Juli 2026 schreibt die EU im Rahmen ihrer General Safety Regulation 2 (GSR II) jedem neu zugelassenen Fahrzeug eine standardisierte Schnittstelle für Atemalkohol-Sperren (Alcolocks) vor - Teil der Vision-Zero-Strategie.

Mit dem Inkrafttreten der dritten und letzten Stufe der EU-Verordnung 2019/2144 - besser bekannt als General Safety Regulation 2 oder kurz GSR II - muss ab dem 1. Juli jedes innerhalb der Europäischen Union verkaufte Fahrzeug eine standardisierte, beim Kauf bereits vorinstallierte Schnittstelle besitzen, über welche sich später einmal eine Atemalkohol-Wegfahrsperre ((Alcolocks) an das Zündsystem anschließen lässt.

Alcolocks: EU macht Schnittstelle ab 7. Juli 2026 Pflicht

Konkret greift die Pflicht laut EU-Amtsblatt am 7. Juli 2026 und gilt damit nicht nur - wie bislang seit Juli 2024 - für neu typgenehmigte Baureihen, sondern für jedes Auto, das ab diesem Stichtag erstmals in der EU zugelassen wird, einschließlich bereits seit Jahren am Markt befindlicher Modelle, heißt es vonseiten der Europäischen Union.

Wichtig für alle Neuwagenkäufer: Pflicht ist ausschließlich die Vorinstallation der Schnittstelle, nicht das eigentliche Atemalkohol-Messgerät. Niemand muss also ab Juli vor dem Anlassen seines neuen Wagens in ein Röhrchen pusten - die Hardware-Vorbereitung werde lediglich sicherstellen, dass ein nach EN 50436 zertifiziertes Alcolock-Gerät, ein sogenanntes Alkohol-Interlock, jederzeit nachgerüstet werden kann, beispielsweise gerichtlich angeordnet bei Wiederholungstätern oder bei Berufskraftfahrern. Es handelt sich somit noch um eine reine Vorrüstung.

Atemalkohol-Sperre: Was die EU-Verordnung vorschreibt

Das neue EU-Pflichtpaket umfasst eine elektrische Anschlussstelle plus reservierten Bauraum in der Fahrerkabine. Das nachgerüstete Gerät selbst muss der europäischen Norm für Alkohol-Zündsperren entsprechen sowie von einer akkreditierten Prüfstelle zertifiziert sein. Diese seit 2013 vom CENELEC-Komitee BTTF 116-2 entwickelte Normenreihe legt "Testmethoden und Leistungsanforderungen" für Atemalkohol-Sperren fest - sie ist also kein Hersteller-Wildwuchs, sondern ein verbindlicher europäischer Standard. Die Dräger Safety AG & Co. KGaA aus Lübeck hat entsprechende Sicherheitslösungen beispielsweise im Angebot.

Dräger Alcohol Interlock 5000 soll Alkoholfahrten verhindern Quelle: Dräger Deutschland Ein fest installierter Alcohol Interlock 7500 der Dräger Safety AG & Co. KGaA aus Lübeck. Damit folgt die EU einem Stufenplan, der bereits 2019 im Amtsblatt veröffentlicht wurde. Phase 1 (ab Juli 2022) betraf neue Fahrzeugtypen, Phase 2 (ab Juli 2024) alle neu zugelassenen Modelle dieser Typen - und Phase 3 (ab dem 7. Juli 2026) schließt nun die letzte Lücke, indem sie auch ältere, weiter produzierte Baureihen einbezieht.

Alcolock nach EN 50436: So funktioniert die Atemalkohol-Sperre

Technisch besteht ein Alcolock aus zwei Hauptkomponenten: einem Mundstück mit elektrochemischem Sensor und einer Steuereinheit, die typischerweise unter dem Armaturenbrett verbaut wird und den Strom zum Starter-Relais kontrolliert.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Fahrer pustet vor dem Start in das Gerät, das den Atemalkoholgehalt misst. Übersteigt das Ergebnis den eingestellten Grenzwert, blockiert die Wegfahrsperre den Zündvorgang automatisch und das Fahrzeug kann nicht gestartet werden.

Vision Zero: Wie die Atemalkohol-Sperre Verkehrstote senken soll

Die GSR II ist Teil der Vision-Zero-Strategie, mit der die EU die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis zum Jahr 2050 auf nahezu null senken will. Adoptiert wurde der EU-Politikrahmen für die Verkehrssicherheit 2021-2030 Ende 2021; ein erstes Zwischenziel ist die Halbierung der Toten und Schwerverletzten bis 2030.

Die Atemalkohol-Sperre soll dabei helfen, die Zahl der alkoholbedingten Verkehrstoten und -verletzungen bis zum Jahr 2030 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren. Die Website der EU Road Safety: Towards "Vision Zero" liefert weitere Details.

Der Hebel ist beträchtlich: Alkoholbedingte Verkehrsunfälle forderten allein 2023 in der Europäischen Union rund 5.000 Menschenleben - das entspricht etwa 25 Prozent aller Verkehrstoten. In mehreren EU-Staaten - Finnland, Frankreich, Schweden - sind die Alcolocks bereits weitverbreitet, Spanien und Italien setzen sie für rückfällige Trunkenheitsfahrer ein. In Deutschland fehlt bislang ein gesetzlicher Rahmen.

GSR II Phase 3: Diese Pflichten gelten zusätzlich ab Juli 2026

Die Atemalkohol-Schnittstelle ist nur einer von mehreren neuen Hardware-Standards, die der 7. Juli 2026 mit sich bringt. Zur Pflichtausstattung jedes EU-Neuwagens gehören dann zusätzlich:

  • Autonome Notbremssysteme (AEB) der neuesten Generation, die Fußgänger und Radfahrer auch bei Abbiegevorgängen erkennen.
  • Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarner (ADDW), die per Innenkamera Augenbewegungen, Lenkverhalten und Anzeichen von Smartphone-Nutzung überwachen.
  • Notbremslicht (Emergency Stop Signal), das bei Vollbremsungen oberhalb 50 km/h automatisch blinkt.
  • Intelligenter Geschwindigkeitsassistent (ISA) mit Verkehrszeichenerkennung und GPS-Kartendatenabgleich.
  • Notruf-System eCall NG auf LTE/5G-Basis, das die abgekündigten 2G-/3G-Netze als Übertragungsweg ablöst.
  • Ereignisdatenspeicher (EDR), die in der Sekunden vor und nach einem Unfall sämtliche Fahrzeugparameter aufzeichnen - eine Art "Black Box" für Pkw.

In Summe verändert sich damit die Hardware-Plattform jedes EU-Neuwagens spürbar: Innenkameras, GPS-Empfänger, Mobilfunkmodule und elektronische Schnittstellen werden ab Juli zum gesetzlich verankerten Pflichtprogramm.

Ihre Meinung ist gefragt!

Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Um zu kommentieren, müssen Sie auf PCGH.de oder im Extreme-Forum eingeloggt sein. Sollten Sie bisher noch keinen Account haben, könnten Sie sich hier unverbindlich registrieren. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die geltenden Forenregeln.

Quelle: Europäische Union via Wired via Golem

84
    • Kommentare (84)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von SKYNET-1 Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von Parrallax
        ohman umso mehr Elektronik und Überwachungssysteme verbaut werden umso schwerer werden die Fahrzeuge. man soll ja E fahren wegen Umwelt aber keine Ahnung ob Reifenabrieb ne Rolle fürs Klima spielt aber falls ja ist halt auch nich knorke bei dem Gewicht.
        japp, sieht man bei unseren beiden... der eine ist 30 jahre alt, der andere knapp 4, beide haben nen 3L / 2.8L reihen-6-zylinder der 2er vollgestopft mit allen möglichen geschizzel, der Z3 nur fahrer und beifahrer airbag + nen paar fahrassistenten, fertig.[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
      • Von SKYNET-1 Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von Parrallax
        ohman umso mehr Elektronik und Überwachungssysteme verbaut werden umso schwerer werden die Fahrzeuge. man soll ja E fahren wegen Umwelt aber keine Ahnung ob Reifenabrieb ne Rolle fürs Klima spielt aber falls ja ist halt auch nich knorke bei dem Gewicht.
        japp, sieht man bei unseren beiden... der eine ist 30 jahre alt, der andere knapp 4, beide haben nen 3L / 2.8L reihen-6-zylinder der 2er vollgestopft mit allen möglichen geschizzel, der Z3 nur fahrer und beifahrer airbag + nen paar fahrassistenten, fertig.[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
      • Von muadib Freizeitschrauber(in)
        Wenn das nur bei Fahrern angewendet wird die bereits mit Alkohol am Steuer erwischt wurden, frage ich mich, wieviele der Personen die betrunken andere tot fahren, bereits vorher wegen Alkohol am Steuer aufgefallen sind. Bei mir wurde auch nach zehntausenden von gefahrenen Kilometern nur ein einziges Mal ein Alkoholtest gemacht und auch nur deshalb, weil ich relativ sportlich fuhr.
      • Von Andreas1975 Volt-Modder(in)
        Zitat von TrueRomance
        Bisher ist die Argumentation von Andreas nachvollziehbarer und überzeugender.
        Damkeschön!
        Halt einfach meine Gedanken was sein könnte. Wir werden sehen was tatsächlich eventuell kommt.
        Geht eventuell schnell wenn Deutschland bei der WM im Halbfinale steht und gleichzeitig BT Sitzung ist.
      • Von TrueRomance Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von BiTbUrGeR
        Redet euch das aber gerne weiter selbst schön.
        Schade, dass eine pro contra Diskussion oft so abgewürgt wird. Pro Argumente kommen dann nur von "Lemmingen" und der Ton wird abfällig. Warum eigentlich?

        Eine sachliche Contra Argumentation ist doch immer viel zielführender um das Gegenüber zu überzeugen. Abfällige Beleidigungen führen in den meisten Fällen nicht zum Ziel, was mich vermuten lässt, dass Du an einer Diskussion gar nicht interessiert bist.

        Daher stellt sich mir die Frage, inwieweit die Schnittstelle die Autofahrenden denn jetzt eigentlich einschränkt? Kann die Schnittstelle ohne Endgerät irgendwas?

        Bisher ist die Argumentation von Andreas nachvollziehbarer und überzeugender.
      • Von Andreas1975 Volt-Modder(in)
        Na ich dachte es wird sich da ich zitiert würde aufeine Aussagen Gedanken bezogen. Das Du noch knallhart am Bericht bist war mir so nicht klar.
        In dem Bericht steht ja nicht viel nur das der Einbau vorbereitet sein soll.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk