Intel greift nach der IT-Weltherrschaft - Das sagen die PCGH-Redakteure dazu
Die Redakteure der PC Games Hardware kommentieren aktuelle Ereignisse oder Entwicklungen aus der Welt der PC-Hardware, IT-Branche, Spiele, Technik oder Unterhaltung. Lesen Sie die wirklich persönlichen Meinungen der PCGH-Redakteure, heute zum Thema "Intel greift nach der IT-Weltherrschaft"
Das Format "Redaktion intern" gibt Ihnen Einblicke in die Redaktion fernab einer Webcam oder einer Heft-Kolumne. Jeder PCGH -Redakteur gibt hier seinen persönlichen Kommentar zu einem aktuellen Thema ab. Dabei behandeln wir nicht nur die ganze Welt der PC-Hardware, sondern auch Spiele inklusive aktueller Konsolentitel, Filme und ganz allgemein der Technik - welche in mannigfaltiger Art und Weise unser tägliches Leben beeinflusst. Redaktion Intern erscheint regelmäßig am Wochenende. Das Thema diesmal:
Intel greift nach der IT-Weltherrschaft
Bildergalerie
Hintergrund zu Intels Roadmap 2022+
Intels CEO Pat Gelsinger wurde just von Finanzanalysten gefragt, ob man "Zen-Momente" am Horizont sieht - eine Anspielung auf den Erfolg der höchst erfolgreichen CPU-Architektur von AMD. Daraufhin antwortete Gelsinger, dass man einige Dinge in der Pipeline habe. Bei dreien wurde er konkreter. Der Start von Alder Lake, einer neuen Prozessor-Mikroarchitektur, steht kurz bevor und erwartungsgemäß nennt Gelsinger das heterogene Design als einen der potenziellen "Zen-Momente". Sollte das Hybrid-Konzept aufgehen, hätte Intel auch eine zeitlang freie Fahrt, denn bei AMD kommt Vergleichbares erst mit Zen 5. Gelsinger weist zudem auf die geänderte Kern-Architektur hin, die ein großes Leistungsplus entfalten soll. Ob er damit auf Alder Lake anspielt oder auf die größeren Änderungen für Meteor Lake, bleibt dabei offen.
Ein weiterer großer Punkt ist die Arbeit an Grafikchips, bei denen Intel offenbar Nvidia als Ziel im Visier hat. Laut Gelsinger ist Intel mit seiner Entwicklung in der Lage, Druck auf Nvidia auszuüben. Auch da ist die Deutung aber leicht schwammig - die Aussage könnte sich rein auf Datacenter-Applikationen und nicht auf Endkundenkarten beziehen. Zum Schluss wird auch die IPU-Architektur erwähnt, die Gelsinger als Meilenstein sieht. Neben diesen drei konkreten Entwicklungen habe man auch noch ein paar Dinge köcheln, die noch nicht öffentlich konkretisiert wurden.
Was die PCGH-Redakteure zum Thema meinen, lesen Sie unverblümt in der Bildergalerie.

(1) Tante*in Käthe
(2) Neulich auf Arbeit
(3) Vom Kellerraum zum Serverzentrum
(4) Hyperscaler Overlords
Wenn Tante Käthe losrennt und ein Computerartiges Gerät kauft, dann stehen die Zeichen nicht auf Intel. Smartphones und Tablets dominieren den Mainstream, bei Laptops hat Intel mit Apple und AMD große Konkurrenz, bei Spielkonsolen ist Intel ganz raus. Egal wie sehr Intel mit Millionen an verkauften CPUs protzen möchte, von 1,3 Milliarden Android Devices pro Jahr (!) haben ca. 0.0% einen Intel Prozessor und gemessen an diesen 1,3 Milliarden Devices verblasst alles was Intel so an Eure Onklel*innen*innes verkauft.
Dann lieber ins Büro und Outlook eingeschalten, das ist am ehesten das Intel Wohlfühlhabitat, wenn es darum geht die Marke Intel Leuten näherzubringen die ansonsten Siri brauchen um eine Google Suche in Windows erfolgreich zu meistern. Das ist der Ort von dem man Intel wirklich kennt.
Geht man in die Keller der Firmen oder in Serverzentren, dann ist das der eigentliche Heimvorteil von Intel. Aber auch das ist eine aktuelle Momentaufnahme und viel von Intels Stabilität rührt davon, dass Firmen wichtige Software seit 20 Jahren mitgeschleppen die nur auf x86 läuft und niemand auf eine architekturagnostische API porten will, damit sie anschließen nur noch im Browser läuft und die Firma sich der Windows Lizenzen auch gleich entledigen kann, weil ab sofort reicht theoretisch jeder Raspberry mit Ubuntu und Firefox. Viel von Intels Erfolg hängt von der aktuellen Art der digitalen Büroausstattung vor und hinter den Kulissen ab, egal ob in Firmen mit 1 oder 10.000 Angestellten. Intel ist heute dort wo IBM vor 30 Jahren war: in fast jedem Büro und keiner kann sich vorstellen, dass in den Büros mal keine IBMs mehr stehen. Und irgendwie hat das IBM auch nix geholfen. Intels Situation ist nicht ohne Untiefen.
Hyperscaler sind eh noch mal eine ganz andere Nummer. Dort wo ein Rechenzentrumsanbieter mit den Racks voller Intel/HP Server sich fragt wie sein Peering ist und wie man es verbessern könnte, schickt die IT eines Hyperscalers einfach noch ein Schiff los das ein weiteres Überseekabel im Atlantik verlegt. Wo die Nvidia 3090 Plebs über Binning, Waver und Ausbeute sinniert, kauft sich der Hyperscaler schon mal einen Cerebras so zum Ausprobieren. Ein Cerebras ist die absolute Spitze der technologischen Unvernunft. Eine CPU, pro Wafer, weil die CPU so groß ist wie der ganze Wafer. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Während andere selbsternannte Technologieführer panisch richtung Multichip rennen um die Ausbeute zu verbessern und dann irgendwelche GPUs und CPU damit "zusammenkleben", gibt es am andere Ende des Hochleistungsspektrum eine CPU mit 44.000 (!) mm² und 40 GB (!) Cache. Da muss AMD noch ein paar Jahrzehnte 3D stacken für so viel on Die Cache. Und auch wenn Intel ein Bein bei diesen Hyperscalern in der Tür hat, so muss man sagen, dass Intel in 10 Jahren wohl kaum etwas an dieses Segments verkaufen werden. Denn jeder Hyperscaler hat längst erkannt, dass CPUs auf dem Niveau Marke Eigenbau sein sollten und entworfen werden die nicht von genialen Einzelentwicklern, oder Gruppen von genialen Entwicklern, sondern in erster Linie per machine learning, deep learning und anderen KI Techniken. Daher der Cerebras zum Ausprobieren.
Damit sollte klar sein, warum manche Investoren Intel dazu drängen die Herstellung von der Chip Entwicklung zu trennen. Denn wer nur herstellt und sich bei den Prozessen an der Spitze halten kann (vgl. TSMC) ist auf Jahrzehnte ein gutes Investment. Die Entwicklung und das Design von Chips ist selbst für Intel ein viel risikoreicheres Unterfangen und von dem Risiko will sich so mancher Investor befreien. Bis zur Intel IT Weltherrschaft ist also noch ein kleiner Weg.