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  • [Wieder aktualisiert - Update 12] Porno-Abmahnungen von U+C wegen Redtube: Alle Hintergründe und Details

    Die Enthüllungen der Redtube-Porno-Abmahnungen von U+C im Auftrag von The Archive AG sind um einige Wendungen reicher. Hier finden Sie alle Hintergründe und Details auf einen Blick. Klar ist, dass es sich wohl bald gerichtlich entscheiden wird, ob Internet-Streams in der Grauzone liegen oder nicht. Außerdem dürfte die jetzige Abmahnwelle erst der Anfang sein und sich nicht nur auf Redtube beschränken. > Das Update von heute ist Punkt 12und seine Unterpunkte. <

    Inhaltsverzeichnis

    1. 1Porno-Abmahnungen - Hintergrund vom 06.12.2013: So fing alles an
    2. 2Original-Artikel vom 10.12.2013: Erste Erkenntnisse und Unklarheit bei der Rechtslage
      1. 2.1Porno-Abmahnungen: Fragwürdige Anträge seitens der Abmahner
      2. 2.2Porno-Abmahnungen: Auskunftsersuchen fälschlicherweise stattgegeben
      3. 2.3Porno-Abmahnungen: Die gestellten Abmahnkosten sind umstritten
    3. 3Update vom 11.12.2013: Redtube-Porno-Abmahnungen: Spam-Welle durch dreiste Trittbrettfahrer
    4. 4Update vom 12.12.2013, #1: Die Anwälte der Redtube-Abgemahnten nehmen die Arbeit auf
      1. 4.1Porno-Abmahnungen: Landgericht weist Vorwürfe von sich
      2. 4.2Porno-Abmahnungen: Endgültige gerichtliche Klärung bahnt sich an
    5. 5Update vom 12.12.2013, #2: Fachanwalt Solmecke liefert Informationen aus erster Hand
      1. 5.1Porno-Abmahnungen: Offenbar doch eine Urheberrechtsverletzung
      2. 5.2Porno-Abmahnungen: Die Redtube-Abmahnungen sind erst der Anfang
    6. 6Update vom 13.12.2013: Urmann + Collegen verweigert die Auskunft zur IP-Adressen-Beschaffung
      1. 6.1Porno-Abmahnungen: Bereits abgemahnte Stream-Nutzer haben schlechte Karten
      2. 6.2Porno-Abmahnungen: Die Abmahnwelle könnte die Nutzung des Internets maßgeblich ändern
    7. 7Update vom 14.12.3013: Mögliche Hintergründe zur Herkunft der IP-Adressen
    8. 8Update vom 16.12.2013: Redutube wehrt sich und U+C will weitermachen
      1. 8.1Porno-Abmahnungen: Redtube plant rechtliche Schritte gegen Abmahner und Spammer
      2. 8.2Porno-Abmahnungen: Anspruch auf Schadensersatz denkbar
    9. 9Update vom 17.12.2013: Staatsanwaltschaft soll ermitteln
      1. 9.1Porno-Abmahnungen: Piraten veröffentlichen Abrechnungsdokumente von U+C
      2. 9.2Porno-Abmahnungen: Offene Fragen ohne Ende
    10. 10Update vom 19.12.2013: So sollen die Abmahner sich die IP-Adressen beschafft haben
      1. 10.1Porno-Abmahnungen: Anwalt Urmann im Zeit-Interview – P2P ist tot
      2. 10.2Porno-Abmahnungen: "Von einem Gericht kann ich erwarten, dass es das Verfahren prüft."
    11. 11Update vom 03.01.2014: Staatsanwaltschaft Hamburg leitet Ermittlung gegen Urmann ein
    12. 12Update vom 08.01.2014: Video-Streaming laut Justizministerium eine erlaubte Privatkopie
      1. 12.1Video-Streaming im Internet: Richterlich entschieden ist nichts
      2. 12.2Video-Streaming im Internet: Die Unsicherheit im Internet bleibt

    Porno-Abmahnungen: Landgericht Köln verwechselt P2P mit Streaming Porno-Abmahnungen: Landgericht Köln verwechselt P2P mit Streaming Quelle: UrhG Die Redtube-Porno-Abmahnungen von U+C im Auftrag von The Archive AG nimmt mittlerweile umfangreiche Ausmaße an. In diesem Artikel finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Abmahnungen in chronologischer Reihenfolge. Betroffene finden hier die ersten Informationen, gefährdete Streaming-Zuschauer die ersten Warnungen. Nach Einschätzung von Experten steht die Streaming-Abmahnwelle erst am Anfang.

    Porno-Abmahnungen - Hintergrund vom 06.12.2013: So fing alles an

          

    Erstmals wurde in Deutschland ein Fall bekannt, indem ein Internetnutzer für das Sehen eines Videostreams abgemahnt wurde. Bisher galt das Videostreaming als relativ sicherer Hafen für entsprechend Interessierte, weil Abmahner längere Wege gehen müssen, um an die entsprechenden IP-Adressen zu kommen. Außerdem ist das Videostreaming aus dem Internet bei Rechtsanwälten rechtlich heiß diskutiert. Die Kernfrage: Legt der Zuschauer in solchen Fällen eine Kopie des Films an oder nicht?Doch zurück zum bekanntgewordenen Fall: Die Abmahnung liegt Rechtsanwalt Karsten Gulden vor, der diese nun öffentlich gemacht hat. In besagtem Fall mahnt die Kanzlei U+C (Uhrmann und Collegen) den Betroffenen ab, weil sich dieser einen Videostream auf dem Pornografie-Portal Redtube angeschaut habe. Abmahnen lässt die Firma The Archive AG im Auftrag und in Vertretung der Rechteinhaber. Offenbar wurde ein Auskunftsgesuch beim Landgericht Köln eingereicht, um an die IP-Adresse des Betroffenen beim Provider zu kommen.

    Allerdings ist laut Rechtsanwalt Gulden derzeit noch vollkommen unklar, wie die Verbindung hergestellt wurde, denn U+C muss die IP-Adressen der Zuschauer auf dem Portal in Erfahrung bringen, um die Daten abzugleichen. Derzeit wird davon ausgegangen, dass Redtube mit entsprechenden Kanzleien und Rechteinhabern auf deren Druck zusammenarbeitet und die Datensätze herausgibt. Allerdings liegen noch keine Informationen vor. Man wisse nur, dass der entsprechende Server in den Niederlanden stehe. Der Betreiber des Portals selbst sitzt in den USA.

    Gulden hält es für fraglich, ob die Vorwürfe vor Gericht haltbar sind. Allerdings muss man nun sehen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Nach der Schließung des Videostreaming-Portals kino.to wird unter Rechtsanwälten diskutiert, ob das Anschauen eines Streams nach aktuellem Urheberrecht ein Gesetzesverstoß ist. Derzeit werden vor allem Filesharer in Peer-2-Peer-Netzwerken angegangen, weil ihnen eine gewerbsmäßige Verbreitung durch die Weiterverbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material angehängt wird. Bei reinen Downloads ohne Weiterverbreitung können die Strafen nicht so hoch angesetzt werden und im speziellen Fall des Streamings ist wie eingangs schon erwähnt überhaupt fraglich, ob das Puffern im Arbeitsspeicher eines Computers eine Urheberrechtsverletzung ist.

    Original-Artikel vom 10.12.2013: Erste Erkenntnisse und Unklarheit bei der Rechtslage

          

    Die Porno-Abmahnungen der Regensburger Kanzlei Urmann und Collegen (U+C) kommen nicht aus den Medien. Das liegt vor allem daran, dass deren Rechtmäßigkeit immer fragwürdiger wird. Dem Anwalt Johannes von Rüden wurde Akteneinsicht gewährt und mithilfe der dortigen Informationen läge der Verdacht nahe, dass das Landgericht Köln getäuscht worden sein könnte. Die Kölner Richter gingen wegen der Ausführung des beantragenden Anwalts Daniel Sebastian von einem klassischen P2P-Auskunftsersuchen aus. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie die Anträge allenfalls überflogen und sich nicht im Detail für die Herkunft der IP-Adressen interessiert hätten.

    Der Berliner Anwalt zitiert: "Durch das öffentliche Zugänglichmachen des geschützten Werkes zu den aus der Anlage ersichtlichen Zeitpunkten über eine sogenannte Tauschbörse liegt zudem eine Rechtsverletzung im Sinne vom Paragraf 19a Urheberrechtsgesetz vor". Doch in dem Antrag habe "nichts von einer Tauschbörse" gestanden, sagte Johannes von Rüden. Die Kanzlei Werdermann/von Rüden hatte per Eilverfahren Akteneinsicht beantragt. Anhand der verwendeten Software ist es derzeit auch mehr als fraglich, ob die IP-Adressen von U+C auf legalem Wege beschafft worden sind. So ist den Akten zu entnehmen, dass die IP-Adressen der Verdächtigen mit der Software GladII 1.1.3. von ITGuards ermittelt worden ist.

    Porno-Abmahnungen: Fragwürdige Anträge seitens der Abmahner

          

    Johannes von Rüden erklärt, dass die Vorgehensweise - die aus den Akten ersichtlich wird - von U+C stark an die übliche Herangehensweise bei P2P-Abmahnungen erinnere. Derzeit geht man davon aus, dass die Darstellung von U+C nicht zutrifft. Die Filme seien wahrscheinlich nicht im klassischen Sinne heruntergeladen und angesehen worden. Den Abgemahnten sei zudem derzeit nicht die öffentliche Zugänglichmachung vorzuwerfen. Dieser Vorwurf sei nur dem Uploader auf Redtube zu machen. Viel mehr liegt der Verdacht laut von Rüden derzeit nahe, dass die Daten zu den IP-Adressen unter Verstoß gegen das Datenschutzgesetz herausgegeben worden sind. Das könnte strafbar, zumindest aber auf jeden Fall ordnungswidrig gewesen sein. Rechtsanwalt Christian Solmecke führt zudem aus, "dass die Auskunftsbeschlüsse aufgrund eines falschen Sachverhalts erlassen worden sind." Derzeit werde das geprüft.

    "Weder weisen der Antrag, noch der Beschluss darauf hin, dass hier ein Streaming-Portal oder überhaupt Redtube überwacht wurde", sagte von Rüden. In Stellungnahmen aus den Medien ist sich die Anwaltschaft derzeit auch einig darüber, dass es für Nutzer nicht ersichtlich sei, dass es sich bei Redtube um ein Streaming-Portal handelt, auf dem offensichtlich illegales Videomaterial verteilt wird. Der Nutzer von Redtube könne gar nicht feststellen, ob es sich um legal oder illegal verbreitetes Material handelt - schon gar nicht, ohne es vorher gesehen zu haben.

    Porno-Abmahnungen: Auskunftsersuchen fälschlicherweise stattgegeben

          

    Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt: "Damit [mit den Ausführungen des RA Johannes von Rüden, A. d. Red.] lässt sich feststellen, dass die Beschlüsse schlichtweg falsch sind und eine Auskunft nie hätte erteilt werden dürfen. Wäre den Richtern am Landgericht Köln der komplette Sachverhalt bekannt gewesen, hätten sie erkannt, dass eine Urheberrechtsverletzung nicht gegeben ist, und daher wäre keine Auskunft erteilt worden. Für die Nutzer ist dies jedoch nur ein Pyrrhussieg. Denn selbst eine rechtlich nicht einwandfrei erlangte Auskunft kann vor Gericht verwendet werden. Für die Zukunft wird das allerdings bedeuten, dass dieser Abmahn-Maschinerie ein Riegel vorgeschoben wird. Dann können alle Streaming-Nutzer wieder aufatmen und nur die Tauschbörsennutzer müssen weiterhin mit Abmahnungen rechnen."

    Abgemahnte werden trotz dieser Wendung davor gewarnt, nichts zu tun. Wer eine Abmahnung von U+C erhalten hat, sollte umgehend unter Wahrung der Fristen einen Anwalt aufsuchen und bei zeitlichen Problemen eine Fristverlängerung beantragen. Für gewöhnlich sind die gesetzten Fristen kurz, um Druck zu erzeugen - so die Anwaltschaft. Nichtstun könnte zu einer einstweiligen Verfügung führen, gegen die man sich nur gerichtlich wehren kann. Das dürfte die verlangten Abmahngebühren bei Weitem überschreiten. Es wird zudem derzeit nicht empfohlen, eine modifizierte Unterlassungserklärung abzugeben, da in diesem Fall kein klassisches P2P-Filesharing vorliegt.

    Porno-Abmahnungen: Die gestellten Abmahnkosten sind umstritten

          

    Von den Abmahnungen der Kanzlei U+C sind nach ersten Vermutungen über 10.000 Menschen betroffen. Bekannt ist, dass der Film "Amanda's Secret" zwischen 08. und 11. August ausspioniert wurde. Trotz der Abmahnungen geht man derzeit von einem neuen Versuch der Abmahner und Rechteinhaber aus, schnelles Geld zu machen. Der Verdacht läge nahe, da der angebliche Rechteinhaber The Archive AG erst vor wenigen Wochen in der Schweiz den Betrieb aufgenommen hat und diese zu alten Bekannten in der Abmahnszene führe. Dazu suche man sich insbesondere Pornografie-Konsumenten heraus in der Hoffnung, dass diese den geforderten Betrag einfach zahlen, um nicht weiter behelligt zu werden. Die von U+C veranschlagten Kosten in der Abmahnung sind aber derzeit höchst umstritten und gelten als zu hoch. So rechnet Solmecke vor, dass der Streitwert mit 1080,50 Euro zu hoch angesetzt sei, was wiederum Anwaltsgebühren in die Höhe treibe, und dass 65 Euro Ermittlungsgebühren nicht einfach pauschal durchgereicht werden können. Außerdem gelte es zu klären, wie man auf die 15,50 Euro tatsächliche Schadenskosten kommt. Allerdings ist die in der Summe geforderte Abmahngebühr von rund 250 Euro meist noch niedrig genug, um ein gerichtliches Vorgehen gegen die Abmahnungen unwirtschaftlich zu machen.

    Update vom 11.12.2013: Redtube-Porno-Abmahnungen: Spam-Welle durch dreiste Trittbrettfahrer

          

    Die Welle von Abmahnungen durch die Kanzlei U+C wird derzeit kritisch betrachtet und als rechtlich fraglich eingestuft. Ohne Zweifel rechtlich fraglich ist die Spam-Welle, die nun über E-Mail-Konten hereinbricht. Trittbrettfahrer versuchen, schnelle Kasse zu machen, indem sie die Red-Tube-Abmahnungen von U+C dreist kopieren und per E-Mail verschicken. Die Absender agieren dabei geschickt und sprechen die Empfänger sogar mit ihrem Namen an.In den E-Mail-Abmahnungen werden dem Empfänger Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen und die Zahlung von rund 150 Euro verlangt. In der E-Mail wird darauf hingewiesen, dass Protokolle als Nachweis und Informationen zur Bankverbindung und Kontaktdaten in einer angehängten Zip-Datei zu finden sind. Es muss wohl an dieser Stelle nicht erwähnt werden, dass man die Datei besser nicht herunterlädt und entpackt. Die Gefahr auf verpackte Viren und Trojaner ist sehr hoch.

    Einmal davon abgesehen, dass Abmahnungen keinesfalls via E-Mail verschickt werden, weisen zahlreiche Flüchtigkeitsfehler auf Spam hin. Zwar sind echte Abmahnungen auch nur Serienbriefe, aber Weitem nicht so dilettantisch wie die derzeit verschickte Spamwelle. Die Abzocker schafften es nicht einmal, den Filmtitel richtig zu schreiben, bei dem man die Urheberrechtsverletzung begangen haben soll. Außerdem sind die verwendeten IP-Adressen den USA und nicht Deutschland zuzuordnen.

    Die Dreistigkeit der Abzocker ist so groß, dass sogar die Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen auf der eigenen Webseite vor den Betrügern warnt. Auch hier versichert man noch einmal, dass Abmahnungen insbesondere aus eigenem Hause immer auf postalischem Weg zugestellt werden. Das hat auch rechtliche Gründe, um im Streitfall Nachweise erbringen zu können. PC Games Hardware rät: Löschen Sie die Spam-Mails ungelesen und schützen Sie sich. Am besten mit einer der Empfehlungen aus unserem Anti-Virus-Software-Test.

    Update vom 12.12.2013, #1: Die Anwälte der Redtube-Abgemahnten nehmen die Arbeit auf

          

    Die Weihnachtszeit bei der Regensburger Kanzlei U+C (Urmann + Collegen) könnte stressig werden, denn die Anwälte der Abgemahnten im Fall Redtube-Streaming gehen zum Gegenangriff über. Alexander Hufendiek aus Essen, Fachanwalt für IT-Recht, hat für seinen Mandaten beispielsweise eine sogenannte negative Feststellungsklage vor dem Amtsgericht Potsdam eingereicht. Hufendiek will gerichtlich feststellen lassen, dass sein Mandant die vorgeworfene Urheberrechtsverletzung nicht begangen hat. Außerdem soll im Rahmen des Verfahren geklärt werden, wie U+C an die Daten gekommen ist.

    Auch die schon im Original-Artikel genannte Kanzlei Werdermann/von Rüden ist nun für ihre Mandaten aktiv geworden: Bei der Berliner Staatsanwaltschaft wurde Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz gegen Anwalt Daniel Sebastian gestellt. Der soll nach aktuellem Informationsstand die Papiere für das Auskunftsersuchen beim Kölner Landgericht eingereicht haben. Johannes von Rüden wirft seinem Gegenspieler Irreführung der Kölner Richter vor. "Die Anträge an das Landgericht Köln waren dabei so geschickt formuliert und allgemein gehalten, dass keiner der Richter damit rechnen musste, dass hier wohl erstmals ein Streaming-Portal überwacht wurde. [...] Ich nehme nicht an, dass die Filesharing-Ermittlungssoftware GladII 1.1.3. überhaupt dazu geeignet und bestimmt ist, den Internetverkehr zwischen einem Internetnutzer und einem seriösen Streaming-Portal zu überwachen und beweissicher zu dokumentieren."

    Porno-Abmahnungen: Landgericht weist Vorwürfe von sich

          

    Es gilt nun zu klären, ob das Auskunftsersuchen in Köln rechtswidrig war und die Richter in Köln die den Antrag erst gar nicht hätten abnicken dürfen. Schon seit gestern steht im Raum, dass die Kölner den/die Antrag/Anträge einfach durchgewunken haben. Sebastian wird falsche Tatsachenbehauptungen vorgeworfen. Außerdem soll ermittelt werden, ob die Software GladII 1.1.3 von ITGuards überhaupt in der Lage ist, solche Daten rechtmäßig zu beschaffen und ob im Rahmen dessen ein Mitarbeiter des Softwareherstellers eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Sollte das der Fall sein, drohen ein bis drei Jahre Haft.

    Auch das Landgericht Köln nimmt zum Fall nun erstmals Stellung, nachdem man sich bisher sehr ruhig verhalten hatte. Den Kölnern Richtern wird, wie oben angedeutet und im Original-Artikel erklärt, mangelnde Sorgfalt vorgeworfen. In der Stellungnahme beruft man sich auf Verletzung des "Urheberrechts in gewerblichem Ausmaß". Laut den verteidigenden Anwälten ist diese aber gar nicht gegeben, da ein Streaming-Portal dies gar nicht zulasse, sondern nur in P2P-Netzwerken möglich sei. In der Kölner Stellungnahme heißt es weiter: "Ob diese Voraussetzungen im konkreten Fall gegeben waren, ist in den circa 90 hier anhängig gewesenen Verfahren durch die jeweils zuständigen Zivilkammern unterschiedlich beurteilt worden. Während teilweise den Anträgen stattgegeben worden ist, wurden sie teilweise auch zurückgewiesen oder nach einem vom Gericht erteilten Hinweis von der Antragstellerin zurückgenommen. Eine einheitliche Rechtsprechung innerhalb des Landgerichts existiert insoweit nicht." Zu den Vorwürfen im Detail äußert sich der Gerichtssprecher nicht. Man verweist auf das Beschwerderecht: "In diesem Rahmen können die Entscheidungen nochmals überprüft werden." Mittlerweile sind auch die Verbraucherzentralen in den sich anbahnenden großen Schlagabtausch eingestiegen. In Mecklenburg-Vorpommern etwa hält man die Porno-Abmahnungen für rechtlich angreifbar. Betroffene sollten keinesfalls die geforderte Summe zahlen und die Unterlassungserklärung einfach unterschreiben, so die Empfehlung. Anwälte hatten bereits angemerkt, dass getätigte Zahlungen in die Schweiz zum Rechteinhaber The Archive AG quasi verloren sind. Zwar ließe sich das Geld über Gerichte grundsätzlich zurückholen, aber entsprechende Klagen in der Schweiz seien bei 250 Euro wirtschaftlich unrentabel.

    Porno-Abmahnungen: Endgültige gerichtliche Klärung bahnt sich an

          

    Ob sich U+C mit der jüngsten "Porno-Abmahnungen" einen Gefallen getan hat, wird sich nun zeigen müssen. Das schnelle Geld mit den Abmahnungen bei Urheberrechtsverletzungen steht seit längerem in der Kritik - auch bei Anwälten. Unter Experten sind nach wie vor viele Punkte strittig. Nun droht eine rechtliche Klärung der bisherigen Grauzone Filmstreaming. Außerdem dürfte es ein Rückschlag für die abmahnende Kanzleien sein, wenn die Datenbeschaffung im Fall Redtube als illegal deklariert wird. Der Klärungsbedarf ist hoch und auch politisch dürfte das Thema mittlerweile für Aufmerksamkeit gesorgt haben, auch wenn die neue Regierung sich noch formt. Dem politischen Berlin wird nämlich auch seit längerem vorgeworfen, dass man dem Treiben tatenlos zusieht - selbst wenn bei P2P-Filesharing die Beweislage oft klar ist.

    Update vom 12.12.2013, #2: Fachanwalt Solmecke liefert Informationen aus erster Hand

          

    Quasi stündlich gibt es neue Erkenntnisse im Fall der Porno-Abmahnungen durch U+C an Nutzer des Streaming-Portals Redtube. Wie sich nun herausstellte, plant die Regensburger Kanzlei Urmann + Collegen, weitere Streaming-Plattformen zu überwachen. Redtube sei erst der Anfang, ebenso seien die bisher ausschließlich Betroffene ausschließlich Klientel der Deutschen Telekom. Der Fachanwalt für Internet- und Urheberrecht Christan Solmecke berichtet in seinem Blog unter Berufung auf den U+C-Gesellschafter Urmann, dass in den kommenden Jahren zahlreiche weitere Abmahnungen folgen sollen.

    Derzeit wird versucht, gerichtlich zu klären, wie U+C an die IP-Adressen gekommen ist. Auch Solmecke fragte ohne gerichtlichen Beschluss bei den Regensburger Abmahnern nach, doch dort berief man sich auf die anwaltliche Schweigepflicht. Es gäbe aber durchaus Mittel und Wege, über Werbeeinblendungen und Tracking an die IP-Adressen zu kommen. Aus manchen Akten sei durchaus zu entnehmen, wie die Software in Detail funktioniere. Ob diese Art der Datenbeschaffung rechtlich gedeckt ist, ist bisher umstritten.

    Porno-Abmahnungen: Offenbar doch eine Urheberrechtsverletzung

          

    Auch das Thema Streaming wurde offenbar diskutiert. Nach Ansicht der Kanzlei U+C habe man am Kölner Landgericht bewusst von Download-Portalen und nicht von Streaming-Portalen gesprochen. Die Begründung: "Hier ging es doch um Progessive Downloading. Fragen Sie mich nicht zu den technischen Details, aber auf Wikipedia ist nachzulesen, dass nach dem Anschauen eines solchen Streams nachher die gesamte Datei im temporären Ordner auf der Festplatte liegt." Solmecke kommentiert dazu: "Ich selbst habe diesen Sachverhalt nicht überprüft, tatsächlich gibt es Meinungen, dass die Privilegierung nach § 44a UrhG dann nicht mehr greifen soll. Da ich selbst die Auffassung vertrete, dass hier § 53 UrhG einschlägig ist, dürfte dieses Argument hinfällig sein. Jedenfalls reichte es wohl, um in den Schreiben an das Landgericht Köln von Download Plattform zu sprechen."

    Wer bisher keine Abmahnung bekommen hat, aber im fraglichen Zeitraum auf Redtube unterwegs war, könnte noch Post bekommen. U+C erklärt, dass man bisher nur das Auskunftsersuchen bei der Deutschen Telekom in Abmahnungen umgewandelt habe. Ersuchen bei anderen Providern wurden ebenfalls gestellt und sind aufgrund der enormen Masse noch nicht bearbeitet. U+C wehrt sich auch gegen die Vorwürfe, man habe das Landgericht durch den beantragenden Hamburger Anwalt Daniel Sebastian getäuscht. Die Richter hätten auch keinesfalls die wohl 62 Beschlüsse einfach durchgewunken. In einigen Verfahren hätten die Richter noch Gutachten angefordert und sich den Sachverhalt näher erklären lassen. Erst danach habe man die Auskunft gestattet. Sollte das stimmen, so resümiert Solmecke, gingen die Richter in der Tat von einer illegalen Handlung aus. Daher sollen sich in manchen Akten auch Informationen zur Funktionsweise der besagten Software finden, weil sich die Richter mit dem Hinweis auf die anwaltliche Schweigepflicht abspeisen ließen und eine Auskunft von U+C einforderten.

    Porno-Abmahnungen: Die Redtube-Abmahnungen sind erst der Anfang

          

    Wie sich nun herauszustellen scheint, ist Urmann + Collegen auch nicht die treibende Kraft hinter den Abmahnungen, sondern der Hamburger Anwalt Daniel Sebastian. Der habe sich vor etwa zwei Wochen Hilfe bei den Regensburgern geholt. Die Abmahnungen sollten noch vor Weihnachten verschickt werden, so Urmann gegenüber Solmecke. Man rechnet in Regensburg damit, dass die Abmahnwelle wieder zunehmen wird. Die Kanzlei hatte sich bereits auf andere Geschäftsfelder fokussiert, um den Rückgang bei Abmahnungen aufzufangen. Diese Planung sei angesichts der neuesten Wendung nun eigentlich gar nicht notwendig gewesen. Von Redtube gibt es mittlerweile auch eine Stellungnahme, die den Kollegen von Golem vorliegt: "Wir haben keine Nutzerinformationen oder IP-Adressen herausgegeben. Persönliche Daten sind private Daten und der Schutz der Privatsphäre hat bei uns hohe Priorität."

    Update vom 13.12.2013: Urmann + Collegen verweigert die Auskunft zur IP-Adressen-Beschaffung

          

    Nach neuesten Erkenntnissen sollten sich Stream-Nutzer über Weihnachten gut überlegen, ob sie weiterhin Video-Strea,s im Internet ansehen wollen. In einem Interview bestätigte Thomas Urmann von U+C, dass man weitere Streaming-Plattformen überwachen will und wird. Ob man sich dabei auf Portale mit pornografischem Inhalt beschränken will oder nicht, wird offen gelassen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass man sich auf Pornografie beschränkt, wenn sich die jüngste Abmahnwelle als rechtens erweist. gegenüber dem Spiegel sagt Urmann: "Wir werden für unseren Mandanten weiter das Streaming seiner Werke abmahnen, wenn sich an der Rechtsprechung bei höheren Instanzen nichts ändert." Auf eine Debatte über die Rechtmäßigkeit der Datenbeschaffung will man sich in Regensburg erst gar nicht einlassen. Die Gerichte würden entscheiden, was rechtens sei. Sollten sich die Vorzeichen ändern, werde man bei U+C den Mandanten andere Vorgehensweisen empfehlen.

    Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass die IP-Adressen von Urmann + Collegen nicht auf rechtlich sauberem Weg ermittelt wurde, sind diese als Beweismittel für die bereits Abgemahnten nach deutschem gültig. Das ist in etwa mit den Vorgehensweisen bei Steuer-CDs aus der Schweiz vergleichbar. Ob es jemals zu einer solchen gerichtlichen Feststellung kommen wird, ist derzeit ungewiss. Anwälte erläutern, dass sich die Frage vor Gericht zwar klären lässt, aber dies mit einem enormen Prozesskostenaufwand verbunden sein wird, den wohl kaum jemand wegen 250 Euro Abmahngebühren tragen wollen wird. Spätestens wenn Gutachter vonnöten sind und die Berufungen oder Revisionen eingelegt werden, die vor höheren Instanzen landen, steigen Prozesskosten schnell in ungeahnte Höhen.

    Porno-Abmahnungen: Bereits abgemahnte Stream-Nutzer haben schlechte Karten

          

    Bei U+C gibt man sich nach wie vor sehr bedeckt bezüglich der Ermittlung der IP-Adressen. Das kann viele Gründe haben: Denkbar wäre, dass man selbst genau weiß, dass die Daten vielleicht nicht ganz koscher beschafft wurden. Möglich ist aber auch, dass sich die Technik bei genauerer Kenntnis durch den Surfer aushebeln lässt. Sollte etwa mit Werbemitteln getrackt worden rein, reicht ein Werbeblocker und eine Browser-Erweiterung, die Skripte abfängt. Ob ein angestrebter Prozess die Mittel aufdecken wird, ist derzeit ebenfalls ungewiss. Urmann selbst sagt, dass auch das Gutachten der Kanzlei Diehl & Partner die Technik nicht im Detail entlarven wird.

    Für die bereits Abgemahnten - derzeit rechnet man damit, dass eine weitere Welle kommen wird - ist die Situation unangenehm. Neben einer (teuren) gerichtlichen Vorgehensweise ohne konkrete Erfolgsaussichten bleibt nur eine Beschwerde gegen die Auskunftsbeschlüsse. Sollte sich eine Großzahl der Abgemahnten hierfür entscheiden, würde das die Gerichte einige Zeit beschäftigen. Die Verwertung der IP-Adressen ist aber - wie oben erwähnt - nicht mehr zu stoppen. Auch zukünftige positive Auskunftsbeschlüsse werden davon nicht beeinflusst. Zwei verfahren der Rechtsanwälte Alexander Hufendiek und Werdermann/von Rüden laufen bereits. Zunächst gilt es abzuwarten, wie sich diese beiden Verfahren entwickeln.

    Porno-Abmahnungen: Die Abmahnwelle könnte die Nutzung des Internets maßgeblich ändern

          

    Die Art und Weise des Vorgehens und die webweit drohende Gefahr von Abmahnungen könnte Internetnutzer massiv in die Verwendung von Skript- und Werbeblockern sowie VPN-Anbietern treiben. Selbst versierte Internetnutzer können sich kaum noch sicher sein, was im Internet legal ist und was nicht. Beispiele gibt es zahlreiche: Das große Problem ist, dass Webseiten wie Redtube grundsätzlich legal sind und nicht von außen ersichtlich illegale Inhalte anbieten. Wem Redtube zu schmuddelig ist, kann als Alternative das Streaming-Portal Youtube einsetzen. Auch hier finden sich illegal hochgeladene Inhalte, die man im schlechtesten Fall erst dann als solche identifizieren kann, wenn man den Inhalt gesehen hat.

    Rechtsanwalt Christian Solmecke etwa warnt auf seiner Webseite davor, Fußballstreams im Internet zu schauen. Die Abmahngefahr sei nach den neuesten Erkenntnissen sehr hoch. Auch von One-Click-Hostern und Streaming-Portalen sollte man die Finger lassen. Derzeit ist vollkommen unklar, welche Kanzleien bereits die nächsten Abmahnwellen vorbereiten. Das weiß man immer erst dann, wenn die Post bereits verschickt ist. Portale mit pornografischem Inhalt sollte man nach Möglichkeit auch meiden, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass die Inhalte absolut legal sind. Derzeit ist immer noch fraglich, wie das Anschauen eines Streams eine Urheberrechtsverletzung in gewerblichem Ausmaß sein kann. Wer sich Weihnachten nicht nachträglich vermiesen lassen will, sollte Vorsicht walten lassen. Allerdings darf man sich schon einmal die Frage stellen, warum U+C nicht die Uploader der besagten Werke abmahnt. Die Antwort dürfte das zum Manwin-Konzern gehörende Redtube selbst gegeben haben: Man arbeitet (nach eigenen Angaben) nicht Anwälten zusammen.

    Update vom 14.12.3013: Mögliche Hintergründe zur Herkunft der IP-Adressen

          

    Derzeit steht eine zentrale Frage im Fall der U+C-Streaming-Abmahnungen im Raum: Wo kommen die angeblichen IP-Adressen der abgemahnten Personen her? Die Mutmaßungen reichen derzeit von absichtlich auf den Computern der Betroffenen platzierten Trojanern bis hin zu manipulierten Links auf Webseiten, die auf die Webseite von Redtube.net weitergeleitet haben sollen. Ebenfalls möglich sei, dass durch die angezeigte Werbung bzw. den Werbebannercode die IP-Adressen gespeichert und später für die Abmahnungen verwendet wurden. Zu guter Letzt könnte das Pornoportal selbst mit den Abmahnern zusammengearbeitet haben. Den oben stehenden Behauptungen steht derzeit die Sachlage beim Landgericht Köln entgegen. Die IP-Adressen sollen über die Software Gladell 1.1.3 ermittelt worden sein. Warum das nicht stimmen kann, versucht der Blogger Klemens Kowalski in seinem Blog näher zu erläutern.Kowalski forschte das Unternehmensgeflecht von Rechteinhaber und beaufragten Softwareunternehmen aus. Der Rechteinhaber ist eine Schweizer Gesellschaft namens The Archive AG. Die Gesellschafter der The Archive AG seien Deutsche. The Archive AG wiederum betreibt ihre Webseite (the-archive.ch) über den Anbieter Wix.com. Wix.com bietet die Möglichkeit, Webseiten nach dem Baukastensystem zu erstellen. Am 28.03.2013 wurde eine deutsche Domain (the-archive.de) registriert. Dem Landgericht Köln wurde mitgeteilt, dass die IP-Adressen über die Software Gladell 1.1.3 ermittelt worden sind. Die Software soll von einem US-Unternehmens namens itGuards Inc. entwickelt worden sein. Gegründet wurde das Unternehmen am 21.02.2013. Kowalski konstatiert einen merkwürdigen Zufall: Die Webseite http://www.itguards.net wird wie die Webseite von der The Archive AG auf Wix.com betrieben und wurde am 14.03.2013 registriert.

    Ebenfalls im März 2013 wurde ein Gutachten erstellt, das die Funktionsweise und Zuverlässigkeit von Gladell 1.1.3 bezeugen soll. Kowalski fand zudem später heraus, dass die Webseiten von itguards und the-archive.ch nicht nur denselben Hostinganbieter verwenden. Beide Webseiten seien auch auf demselben Server hinterlegt. Möglicherweise könnte das für ein gemeinsames Konto und damit für eine gemeinsame und zentrale Verwaltung beider Webseiten stehen.

    Update vom 16.12.2013: Redutube wehrt sich und U+C will weitermachen

          

    Die Porno-Abmahnungen der Regensburger Kanzlei U+C kommen nicht aus den Schlagzeilen. Am Wochenende wurde offen in Frage gestellt, ob die IP-Adressen der Abgemahnten rechtlich legitim beschafft wurden. Rechtsanwalt Thomas Urmann hatte bereits angedeutet, dass diese Abmahnwelle erst der Anfang gewesen sei. Das bestätigte er nun auch noch einmal gegenüber der Tageszeitung Welt am Sonntag. Dort ließ er allerdings wissen, dass auch weitere Portale bereits überwacht worden seien. U+C werde in den kommenden Monaten auch Nutzer anderer Portale anschreiben. Seiner Auffassung nach sei das Anschauen eines Streams eine Vervielfältigung (in den Arbeitsspeicher des Computers) im Sinne des Urheberrechts-Gesetzes. Dieser Umstand ist derzeit unter Anwälten umstritten. Urmann erwartet zudem, dass der Bundesgerichtshof sich dem Thema in etwa fünf bis acht Jahren annehmen wird, wenn es zu unterschiedlichen Rechtsprechungen vorgelagerter Gerichte kommen sollte.

    Porno-Abmahnungen: Redtube plant rechtliche Schritte gegen Abmahner und Spammer

          

    Auch Redtube hat sich noch einmal zum Fall geäußert. Das zum Manwin-Konzern gehörende Portal schreibt in einer Erklärung: "Redtube halt an seiner unerschütterlichen Überzeugung fest, dass diese Briefe vollkommen unbegründet sind und die Rechte der Empfänger in ernsthafter Weise verletzen." Redtube arbeite zudem unter keinen Umständen mit Anwaltskanzleien, Behörden oder anderen Organisationen zusammen, die solche Anmahnungen erlauben würden. Die Anschuldigungen weist man von sich. "Wir versichern, dass unsere Firmenleitung nach den kürzlich in den Medien lautgeworden ernsten Anschuldigungen umgehend Maßnahmen eingeleitet hat, um alles Erforderliche zu tun, damit die Verursacher für den entstandenen Schaden aufkommen müssen", erklärt Alex Taylor, Vice President bei Redtube. "Die Verletzung der Rechte, die Erpressung deutscher Bürger und das Eindringen in deren Privatsphäre sollte und wird 2013 nicht hingenommen werden."

    Außerdem sollen sich Empfänger der Spam-Mails bei Redtube unter media@redtube.com melden. Trittbrettfahrer hatten versucht, aus den Abmahnungen von U+C Profit zu schlagen. Man werde versuchen gegen die Absender des Spams vorzugehen. Ebenso wie gegen den Hamburger Anwalt Daniel Sebastian, der die Auskunftsersuche am Kölner Landgericht eingereicht hat, und die Regensburger Kanzlei U+C, die die Abmahnungen verschickt hat. Derzeit ist höchst umstritten, ob die IP-Adressen rechtlich sauber ermittelt wurden. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden die IP-Adressen mittels Skimmed Traffic ermittelt. Sollte das zutreffen, könnte den Abmahnern gewerblichen Computerbetrug auf Kosten vermeintlicher Nutzer vorgeworfen werden. Es wäre damit ein weiteres Verfahren gegen die Abmahner, nachdem bereits zwei Verfahren angestrebt wurden.

    Porno-Abmahnungen: Anspruch auf Schadensersatz denkbar

          

    Gegenüber der aktuellen Focus-Ausgabe sagte Rechtsanwalt Christian Solmecke, dass er es für möglich halte, dass das Land Nordrhein-Westfahlen Schadensersatz zahlen muss, da die Richter den Auskunftsersuchen nicht hätten stattgeben dürfen. Wer die Abmahngebühr bereits gezahlt hat, könne unter Umständen das Landgericht Köln gerichtlich zur Rechenschaft ziehen. Das Kölner Landgericht verteidigt sich mit einem "Versehen", während die Anwälte der Abgemahnten den Richtern vorwerfen, sie hätten die Anträge nicht gelesen oder deren Inhalt nicht verstanden. Sogar die Verbraucherzentralen trommeln immer lauter gegen die "Abmahn-Abzocke": "Darin sehen wir einen klaren Missbrauch der Rechtslage", so Michaela Zinke.

    Update vom 17.12.2013: Staatsanwaltschaft soll ermitteln

          

    Da es immer noch unklar ist, wie die Anwälte von The Archive AG an die IP-Adressen der Redtube-Abgemahnten gekommen sind und das Thema sich mittlerweile medial dermaßen ausgeweitet hat, dass sich nun offenbar auch die Staatsanwaltschaft für die Herkunft der Daten interessiert. Den Auskunftsantrag hatte der Rechtsanwalt Daniel Sebastian erwirkt, die Abmahnungen wurden von U+C verschickt. Ziel der Ermittlungen ist es laut Medienberichten, dass herausgefunden wird, wie man an die IP-Adressen gekommen ist. Derzeit geistern hierzu zahlreiche Vermutungen durch das Internet und in Foren wird wild spekuliert. Die aktuell populärste Theorie ist, dass die Daten via Skimmed Traffic des Anbieters traffdicholder.com und manipulierten Umleitungsseiten erfasst wurden. Das Unternehmen versorgt gegen Gebühr Pornografie-Portale mit Traffic von Nutzern, die sich sogar nach Land auswählen lassen.Selbst am Landgericht Köln scheint nicht bekannt zu sein, wie genau die Daten erfasst wurden. Ein Sprecher des Gerichts sagte, dass man sich auf das Gutachten einer weiteren Kanzlei und die eidesstattliche Versicherung eines Technikers verlassen habe. "Wenn die Staatsanwaltschaften nun auch ohne Anzeigen ermitteln, bedeutet dies, dass hier offenkundig der Verdacht von Straftaten im Raum steht. Damit kann der Frage nachgegangen werden, wie itGuards die IP-Adressen tausender unbescholtener Bürger ermitteln konnte", erläutert Rechtsanwalt Johannes von Rüden.In Foren analysieren Abgemahnte und am Fall interessierte, teils offenbar auch versierte Nutzer, die Situation und kommen zu interessanten Ergebnissen, die derzeit aber allesamt rein spekulativ sind. So geht man derzeit davon aus, dass es weitere Abmahnungen geben könnte, die das Portal pornup.me betreffen, da hier ähnliche Skimmed-Traffic-Konstruktionen vorgefunden worden sein sollen. Moniert wird in Foren auch, dass die Webseite der Schweizer Verwertungsgesellschaft The Archive seine Partner nur noch nach Eingabe eines Passworts anzeigt. Vorher war diese Unterseite frei zugänglich. Selbst Heise kommt nicht umhin in einem Bericht festzustellen, dass die Aktion merkwürdig anmutet. Hierzu führt man auch eine interessante Grafik eines Lesers an, der die besagten Videos auf Redtube analysiert hat.

    Porno-Abmahnungen: Piraten veröffentlichen Abrechnungsdokumente von U+C

          

    Derweil haben die Piraten Abrechnungsdokumente der Kanzlei U+C veröffentlicht, die die Kontobewegungen aus Oktober 2010 zeigen. Zu dieser Hochzeit der Abmahnungen – damals noch P2P – sind demnach 24.000 Euro monatlich verdient worden. 50 Prozent behielt die Kanzlei, 40 Prozent gingen an den Rechteinhaber, 10 Prozent wurden als Rücklage für gerichtliche Auseinandersetzungen geparkt. Teilweise sollen sogar bis zu 40.000 Euro monatlicher Gewinn möglich gewesen sein, die sich die Parteien teilten. Rechtsanwalt Solmecke erklärt hierzu, dass diese Abrechnungsweise illegal ist. Rechtsanwältin Neubauer erklärt in einem Beitrag auf ihrer Seite, dass mit der Masche schnell Millionen zu machen sind. Dabei werde gezielt auf die Sofortzahler gehofft, die die Sache schnell und unbürokratisch aus der Welt haben wollen. Die Psychotricks der Abmahner wurden in 20 Prozent der Fälle wirken. Es wird vorgerechnet, dass somit im aktuellen Fall schnell 2,5 Millionen Euro eingefahren werden können. Nach wie vor Grenzwertig und vor Gericht zu diskutieren halten viele Fälle auch das Abmahnschreiben von U+C, dass sich auf ein Urteil aus Leipzig beruft. Dieses Urteil wird allerdings sehr kritisch gesehen. Davon abgesehen sei die vielbesagte Grauzone eigentlich gar keine, sondern im Urhebergesetz klar geregelt. Zu dumm nur, dass sich Gesetze interpretieren lassen. Unter den aktuellen Geschehnissen neigen Anwälte bereits dazu, sich andere Internet Service Provider zu suchen, deren Gerichtsstand nicht wie im Fall der Telekom bei den auskunftsfreudigen Kölnern liegt. In München etwa, zuständig für Vodafone (die IP-Adressen derzeit nicht speichern), nehme man es mit Auskunftsersuchen von Abmahnanwälten genauer. Da die große Koalition aber die Vorratsdatenspeicherung wieder einführen will, wären letztlich alle Provider aufgefordert, IP-Adressen sechs Monate zu sichern.

    Porno-Abmahnungen: Offene Fragen ohne Ende

          

    Für interessante Theorien sorgen auch immer wieder zahlreiche Zusammenhänge in Redtube-Abmahnfall. So fragen sich Nutzer, warum Scheinwebseiten wie "retdube.net" in Panama registriert wurden, kurz vor dem angeblichen Start der Datenaufzeichnung durch die Abmahner. Gefragt wird auch, wie die Rechte vom ursprünglichen Inhaber Combat Zone (USA) über die Serrato Consultores S. L (Spanien) an The Archive AG (Schweiz) gegangen sind. Gefragt wird auch nach der Verstrickung zwischen The Archive AG und dem angeblichen Dienstleister ITGuard. Die Webseiten beider sollen beim gleichen Hoster liegen und sogar auf die gleiche UserID laufen. Kritische Stimmen gibt es auch zum Konstrukt in der Schweiz, das Regressansprüche quasi ausschließt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass U+C bei Regressforderungen durch Abgemahnte auch nur bis 25.000 Euro haftet, weil die Kanzlei als GmbH firmiert.

    Eines hört man in vielen Foren-Kommentaren: Die eigentlichen Gewinner der aktuellen Schlacht sind Anwälte, die für ihre Dienste auf allen Seiten Honorare einstreichen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass sich der Fall mit Unterstützung der medialen Präsenz über kurz oder lang aufklärt und dreisten Abmahnmaschen zur Bereicherung der Vergangenheit angehören.

    Update vom 19.12.2013: So sollen die Abmahner sich die IP-Adressen beschafft haben

          

    Wie kam die Regensburger Kanzlei U+C an die IP-Adressen der Redtube-Abgemahnten? Diese Frage beschäftigt seit Tagen das Internet und mittlerweile auch Staatsanwälte und Anwälte der Abgemahnten. Theorien gab es viele, doch es scheint sich eine Populäre herauszukristallisieren, zu der es zahlreiche Indizien gibt, sodass sie für die Wahrscheinlichste gehalten wird. Ob es wirklich so gelaufen ist, werden wohl erst gerichtliche Verfahren klären, aber die Möglichkeit ist hoch, dass folgendes aufgedeckt wird.

    Um eine Abmahnung zu schreiben, braucht eine Kanzlei einen Mandanten mit dem Urheber- oder Verwertungsrecht. Außerdem muss sie die IP-Adressen der mutmaßlichen Filesharer ausfindig machen. Bei P2P-Netzwerken ist das relativ einfach, weil der Downloader auch gleichzeitig als Uploader fungiert und der Client auf dem Rechner läuft, der gerade mit der IP uns Web eingeloggt ist. Die umgangssprachlich "Loggerbude" genannte Einrichtung muss nur noch mit einer Software alle relevanten Daten festhalten. Die gibt sie der Kanzlei, die daraufhin beim Zuständigen Gericht ein Auskunftsersuchen für den ISP stellt und der rückt dann auf richterlichen Erlass die Informationen zum Kunden heraus. Ein paar Wochen später kommt die Post wegen gewerblichem Filesharing.

    Die Redtube-Abmahnungen sind aber kein P2P-Sharing, sondern Streaming. Der Ablauf ist grundsätzlich der gleiche, allerdings kommt man nicht an die IP-Adressen heran. Einzig und allein der Serverberteiber loggt die IP-Adressen mit Zugriffsinformationen. Diese kann er aufbewahren oder löschen. Eine Abmahnkanzlei musste also nun mit dem Betreiber zusammenarbeiten. Er würde die IP-Adressen rausrücken und damit geht die Kanzlei dann zum Gericht und zum ISP. Im Fall Redtube streitet das Unternehmen aber jedwede Zusammenarbeit mit Abmahnkanzleien ab. Wie kam U+C, bzw. der initialisierende Anwalt Daniel Sebastian an die IP-Adressen?

    Die derzeit populärste Theorie, die sich mit Indizien belegen lässt, ist, dass auf irgendwelchen Webseiten Werbung zu pornografischen Inhalten geschaltet wurde. Die meisten dürften wissen, dass man auf vielen zwielichtigen Portalen Werbung von Inhalten kaum unterscheiden kann. Bei solchen Anzeigen sind sogar oft mehrere Klicks notwendig, bis man zum versprochenen Ziel kommt. Solche Werbung kann über adulttrafficpackages.com/skimmed-traffic.html gebucht werden. Die garantieren einem Seitenbetreiber Traffic gegen Bargeld und der kann sich sogar aussuchen, woher die Leute kommen sollen. Also buchte man im Redtube-Abmahn-Fall Traffic und leitete diesen auf Domains wie retdube.net um (achten sie auf die Schreibweisen!).

    Auf der Fake-Seite liegt aber nicht das Video. Einzig und alleine eine getunte Weiterleitung wird dort installiert. Der Server meldet einfach dem Browser, dass die Inhalte jetzt woanders zu finden sind und verweist auf den echten Inhalt auf redtube.com. Sie sehen das Video und sind zufrieden. Was sie gar nicht mitbekommen haben ist, dass im Zwischenschritt ihre IP-Adresse in eine Datenbank gesichert wurde - inklusive Zugriffszeiten. Zwar behauptet die Abmahn-Kanzlei nun in ihren Schreiben, dass auch genau nachvollzogen werden kann, wann das Video gestartet oder gestoppt wurde, aber ob das stimmt, ist noch nicht geklärt. Mit der oben erklärten Methode wäre das nicht möglich, aber grundsätzlich ist auch das kein Problem, denn weitverbreitete Flashplayer im Internet erlauben solche Notizfunktionen durchaus. Sollte U+C tatsächlich auch solche Informationen haben, wäre es noch herauszufinden, wie sie hierangekommen sind.

    Auch zahlreiche andere Hinweise sprechen für die Theorie. Zwar ist es üblich, dass Seitenbetreiber auch Verschreib-Domains registrieren, aber in diesem Fall kann das klar ausgeschlossen werden. Während redtube.com in Luxemburg registriert ist und auf die Server-IP 62.212.83.1 läuft, läuft retdube.net aus Panama auf die IP 192.31.186.35. Es ist natürlich möglich, dass beide Domains den gleichen Herren haben, aber sind wir ehrlich: Diese Möglichkeit kann man quasi ausschließen. Diverse Recherchen ergaben zudem weitere Indizien, die die Abmahner nicht im besten Licht dastehen lassen. Wie gesagt: Bewiesen ist bisher nichts, aber die Nummer wirft berechtigte Fragen auf.

    Porno-Abmahnungen: Anwalt Urmann im Zeit-Interview – P2P ist tot

          

    In einem ausführlichen Interview mit der Zeit hat sich Anwalt Urmann auch noch einmal zu Wort gemeldet und gibt sich selbstsicher. Dort macht klar, dass seine Kanzlei nicht hauptsächlich Abmahnungen schreibt. Es sei nur der Bereich der Arbeit, die am meisten Aufmerksamkeit auf sich zieht. Urmann sieht Abmahnungen gegen Filesharer als vollen Erfolg an, denn seiner Ansicht nach ist das klassische P2P wie Bittorrent tot. Daher konzentriere man sich jetzt auf One-Click-Hoster und Streaming-Portale. Dabei über er auch Kritik an der Regierung, denn Urheberrecht sei eigentlich ein strafbewehrtes Gesetz, aber einen Staatsanwalt bekäme man nicht. Es sei laut Urman zu viel Arbeit und der Staat habe vor dem Urhebergesetz kapituliert. Daher würden sich Rechteinhaber nun privat schützen. Überraschende Worte findet Urmann zur Gesetzeslage. Die ist auch seiner Ansicht nach unzureichend und wurde durch die letzten Änderungen nicht einfacher. Ewig so weiter gehen könne es laut Urmann nicht, es müsse entschieden werden, ob man alles freigeben will oder ob man die Gesetze wasserdicht macht.

    Porno-Abmahnungen: "Von einem Gericht kann ich erwarten, dass es das Verfahren prüft."

          

    Zum Konkreten Fall sagt Urmann, dass man von der Schweizer The Archive AG beauftragt wurde. Er erklärt zudem auch die problematische Sicht der Rechtsexperten auf Buffering so, dass es auch Laien verstehen. Sein Kollege Sebastian sieht darin eine Urheberrechtsverletzung und ist damit in Köln vorstellig geworden. Die Kölner hätten dann entschieden, dass dem so ist. Man könne auch nicht beurteilen, ob dem Landgericht etwas untergeschoben worden ist. Und dann sagt er das, wovon PCGH schon vor einigen Tagen berichtete: "Aber selbst wenn die nicht wussten, was da Sache ist, hätte es auf die Abmahnungen keinen Einfluss. Es gibt kein Beweisverwertungsverbot für die Daten, man könnte die IP-Adressen also nach wie vor für Abmahnungen verwenden." Dann beginnt das Zuschieben der Verantwortung: "Die Ermittlungsfirma hat die IP-Adressen an den Mandanten The Archive AG übergeben, der hat sie an den Anwalt Sebastian übergeben, der hat den Antrag beim Landgericht gestellt und das zurück an den Mandanten geleitet. Der Mandant hat anschließend das ganze Paket an uns geschickt. Aber selbst wenn die IP-Adressen auf eine illegale Art erlangt worden wären, kann uns das juristisch völlig egal sein. Denn ein Gericht hat sich das angeschaut und einen Beschluss erlassen. Von einem Gericht kann ich erwarten, dass es das Verfahren prüft." Urmann erläutert sogar, dass es ihm egal sein muss, weil er sonst alle Gerichtsbeschlüsse in Zweifel ziehen müsste. Auch eine Prüfungspflicht der überreichten Daten sieht Urmann nicht. Man sei eine Kanzlei, kein Sachverständigenbüro. Zuletzt fällt noch der spannende Hinweis, warum der U+C-Mandant nicht das Missbrauchs-System von Redtube verwendet hat. Das habe er, so Urmann, aber kaum später sein das Video woanders hochgeladen. Der Mandant wollte die Kosten für solche Scan-Software nicht mehr tragen. Bei Abmahnungen sei das Verfahren wenigstens kostendeckend. Ob sich das Nutzverhalten durch die Abmahnungen ändern wird,

    Update vom 03.01.2014: Staatsanwaltschaft Hamburg leitet Ermittlung gegen Urmann ein

          

    Ende des vergangenen Jahres sorgten die Abmahnungen der Kanzlei U+C für Porno-Streaming für Aufsehen. Nachdem immer fraglicher wurde, ob die Abmahnungen überhaupt rechtens sind, gab es deutliche Gegenwehr. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat nun mit Ermittlungen begonnen, die auf Basis einer Strafanzeige der Kanzlei Müller Müller Rößner (MMR) initiiert wurden. Dem Geschäftsführer der Kanzlei Urmann + Collegen, Thomas Urmann, wird in der Strafanzeige schwere Erpressung bzw. schwerer Betrug vorgeworfen.

    Carl Christian Müller von MMR erklärt die Strafanzeige wie folgt: "Mit der Abmahnung wird ein Sachverhalt vorgetragen, in dem keine Urheberrechtsverletzung zu sehen ist, da der Abruf eines Streams über die Plattform Redtube jedenfalls nach Paragraf 53 Absatz 1 Urheberrechtsgesetz zulässig ist. Thomas Urmann behaupte jedoch gegenüber Verbrauchern auf anwaltlichem Briefpapier das Gegenteil. Er droht diesen u. a. damit, weitere staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, einstweilige Verfügungen zu beantragen und den Sachverhalt unter strafrechtlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Wenn juristische Laien durch Behauptungen und Androhungen eines mit der Autorität eines Organs der Rechtspflege ausgestatteten Rechtsanwaltes veranlasst werden sollen, von diesem geltend gemachte Ansprüche zu erfüllen, die nicht bestehen, ist das nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung strafbar."

    MMR möchte ausdrücklich nicht als "Rächer der Enterbten" auftreten und gegen Kollegen Strafanzeige zu stellen, aber Thomas Urmann habe mehrfach angekündigt, weiter Abmahnungen dieser Form versenden zu wollen. Das wolle man nach reiflicher Überlegung nicht länger hinnehmen, weil nicht nur die Reputation der Anwaltschaft sondern auch die des Urheberrechts auf dem Spiel stünde. Zudem sieht die Kanzlei die Grundsätze der freiheitlichen Gesellschaft in Gefahr, weil man durch die Abmahnungen von U+C den Eindruck bekomme, im Internet auf Schritt und Tritt überwacht zu werden. Zudem wird noch einmal auf das bereits viel besprochene Problem des Streamings hingewiesen. Bei ungünstiger Rechtsprechung in einem solchen Fall könnte man sich nicht einmal mehr gefahrlos auf normalen Plattformen wie Youtube bewegen.

    Update vom 08.01.2014: Video-Streaming laut Justizministerium eine erlaubte Privatkopie

          

    Ist Streaming legal oder nicht? Diese Frage bewegt spätestens seit der Pornoabmahnwelle von U+C, die zahlreiche Redtube-Nutzer getroffen hat. Die Linke wollte von der Bundesregierung wissen, wie sie zu dem Fall steht, und hat vom Justizministerium eine Antwort bekommen. Das hält "das reine Betrachten eines Videostreams nicht für eine Urheberrechtsverletzung." Selten zuvor hat man in Berlin derart deutlich bei einem Urheberrechtsthema Stellung bezogen. Im Klartext bedeutet die Aussage, dass man das reine Betrachten von Videos im Browser nicht als Verletzung des Urheberrechts sieht und damit auch nicht abgemahnt werden kann.

    Ganz überraschend kommt die Aussage nicht, denn das Justizministerium orientiert sich auch nur an den Paragrafen 44a und 53 des Urheberrechtsgesetzes, der von Juristen unterschiedlich ausgelegt wird, von dem aber viele klar sagen, dass er als erlaubte Privatkopie auszulegen ist. Gerichtlich ist das allerdings bisher nicht entschieden worden. Allerdings dürfte ein deutscher Richter kaum eine andere Auslegung des Gesetzestextes wie das Justizministerium finden. Die jüngsten Redtube-Abmahnungen hätten damit vollkommen an Substanz verloren, denn neben der fraglichen Beschaffung der Daten fehlt nun auch in der Theorie eine Grundlage. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Nicht umsonst sind in Rechtsstaaten Legislative und Judikative voneinander getrennt.

    Video-Streaming im Internet: Richterlich entschieden ist nichts

          

    Das Justizministerium führt in seinem Schreiben an die Abgeordneten entsprechend aus: "Ob die Nutzung von Streaming-Angeboten eine Vervielfältigung darstellt, die Rechte von Urhebern oder Leistungsschutzberechtigten verletzt, ist allerdings bislang noch nicht durch die höchstrichterliche Rechtsprechung geklärt worden." In letzter Instanz sei das auch nur vom Europäischen Gerichtshof zu klären, der im niederländischen Den Haag sitzt. Das bedeutet letztlich, dass im Redtube-Fall mindestens ein Abgemahnter den kompletten Gerichtsweg bis ganz nach oben beschreiten müsste, um eine finale richterliche Entscheidung herbeizuführen. Das allerdings kostet Geld und Nerven. Das Justizministerium erwähnt die Abmahnwelle durch U+C in seinem schreiben auch nicht und umschifft das Thema geschickt, verweist aber immerhin auf das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken, das 2013 erlassen wurde. Das würde auch bei den Redtube-Abmahnungen greifen, aber das Gesetz soll erst 2015 evaluiert werden.

    Video-Streaming im Internet: Die Unsicherheit im Internet bleibt

          

    Zwar hält man im Justizministerium Streaming für eine Privatkopie, und in der Antwort an die Abgeordneten der Linken steht auch: "Die Bundesregierung will das Urheberrecht den Erfordernissen und Herausforderungen des digitalen Zeitalters anpassen und dabei die digitalen Nutzungspraktiken berücksichtigen", aber anschließend wird auf die strittigen Paragrafen 44a und 53 des Urheberrechtsgesetzes verwiesen. Der ist wie eingangs erwähnt nicht eindeutig formuliert und durchaus auslegungsfähig. Die Linken-Politikerin Halina Wawzyniak fordert daher eine klare Ergänzung der Paragrafen, die das Streaming von Videoinhalten aus dem Internet erlaubt. "Tut sie nichts, bleibt die Unsicherheit für Bürger bestehen", so Wawzyniak. Die Chronologie des Falls können Sie in unserem Special nachlesen.

    Verwendete Quellen: WVR Law, WBS Law, N-TV, Law Blog, Conlegi, NVZMV, ANKA, WBS Law, Golem, RA Gulden via Infodocc, Spiegel, Kowabit, Welt am Sonntag, Focus, ITespresso, Welt, Heise, WBS-Law, Neubauer Law, Nebelhorn, Komsologelei #1, Kosmologelei #2, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Golem, Heise, MMR, Zeit

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    01:37
    The Lock In: Christlicher Filmtrailer über Pornografie veröffentlicht
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    Es gibt 130 Kommentare zum Artikel
    Von Lichterflug
    Jeder Bürger hat die Möglichkeit seinen eigenen Kopf anzustrengen oder Schreiben von "irgendwelchen" Anwälten, bei…
    Von Nils16866
    Hallo Klemsi was bedeuten denn die ganzen Abkürzungen?
    Von Klemsi
    Ich wollte eigentlich grad auf Kuschluk antworten...Hat schon ein anderer gemacht.Noch kurz: Genauso wie Gratisapps…
    Von TimoReimann
    Kanzlei Müller Müller Rößner FTW.Thomas Urmann + Collegen in Sicherheitsverwahrung und einkassieren sämtlicher…
    Von FrozenFlame6
    Nunja, so unrecht hat er aber doch!Es geht hier doch nicht darum, dass der Download eines Films und/oder Spiels…
      • Von Lichterflug Freizeitschrauber(in)
        Zitat von TimoReimann
        Was ist denn jetzt mit denen die sich leider einschüchtern haben lassen und schon gezahlt haben? Hier muss der Staat helfen, dass die ihr Geld wieder zurückbekommen!

        Jeder Bürger hat die Möglichkeit seinen eigenen Kopf anzustrengen oder Schreiben von "irgendwelchen" Anwälten, bei einem Fachmann seiner Wahl prüfen zu lassen. Wer im Jahr 2013 in so eine Falle tappt ist selbst Schuld.

        Die lassen sich heute von U+C einschüchtern, morgen von X+Y. Man kann nicht allen helfen...

        Deine Aussage klingt fast so, als wäre jeder Abgemahnte nicht in der Lage sich selbst zu helfen und der Staat hat gefälligst - wie ein Kindererzieher - einzugreifen.
      • Von Nils16866 PC-Selbstbauer(in)
        Hallo Klemsi was bedeuten denn die ganzen Abkürzungen?
      • Von Klemsi Schraubenverwechsler(in)
        Ich wollte eigentlich grad auf Kuschluk antworten...
        Hat schon ein anderer gemacht.
        Noch kurz: Genauso wie Gratisapps gibt, gibts auch Gratisvideos. Von youtube schon gehört?

        Und noch was zum Nachdenken:
        Gute Spiele und Filme werden immer noch zu genüge gekauft. Nicht jede Raubkopie ist entgangener Gewinn. Gebe es die RK nicht, wäre der Titel nur vielleicht gekauft worden. Das bitte immer bedenken.
        Und solange für einen (Kino)Filmstream über 5 Euro (HD) verlangt werden, darf man sich auch nicht wundern... für 15 bekomm ich die BR, kann sie öfters ansehen und auch Familie u. Freunden geben.
      • Von TimoReimann Gesperrt
        Kanzlei Müller Müller Rößner FTW.

        Thomas Urmann + Collegen in Sicherheitsverwahrung und einkassieren sämtlicher Vermögen.

        Was ist denn jetzt mit denen die sich leider einschüchtern haben lassen und schon gezahlt haben? Hier muss der Staat helfen, dass die ihr Geld wieder zurückbekommen!
      • Von FrozenFlame6 Freizeitschrauber(in)
        Zitat
        ... so unrecht hat er auch wieder nicht. wenn ich seh was alles gezogen wird statt gekauft.
        Nunja, so unrecht hat er aber doch!

        Es geht hier doch nicht darum, dass der Download eines Films und/oder Spiels verboten ist - dem ist so!
        Hier handelt es sich um den Vorwurf, dass auf einer Website, auf der eigentlich KEIN urheberrechtlich geschützter Inhalt liegt, eben solcher geguckt wurde - Angeblich!
        Abgesehen davon, dass es inzwischen stark danach aussieht, dass die User bewusst auf diese Domains gelenkt wurden auf denen BEWUSST solches Material hochgeladen war UM die entsprechenden Nutzer abzumahnen...

        Selbst wenn das Material auf Redtube gewesen ist. Woher soll den ein User wissen, DASS es urheberrechtlich geschützt ist, bevor er es angeklickt hat? Vorher kann man es doch nicht sehen.

        Und zusätzlich dazu: Wieso sollte es illegal sein, eine "Kopie im Arbeitsspeicher" zu erstellen? Das macht mein Fernseher auch wenn ich einen Film auf SKY gucke. Ist das dann ebenfalls eine illegale Kopie?
        ...Der Sachverhalt ist zwar noch nicht eindeutig entschieden, aber dies als "illegale Kopie" anzusehen wäre absolut idiotisch.
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1100881
Filesharing
[Wieder aktualisiert - Update 12] Porno-Abmahnungen von U+C wegen Redtube: Alle Hintergründe und Details
Die Enthüllungen der Redtube-Porno-Abmahnungen von U+C im Auftrag von The Archive AG sind um einige Wendungen reicher. Hier finden Sie alle Hintergründe und Details auf einen Blick. Klar ist, dass es sich wohl bald gerichtlich entscheiden wird, ob Internet-Streams in der Grauzone liegen oder nicht. Außerdem dürfte die jetzige Abmahnwelle erst der Anfang sein und sich nicht nur auf Redtube beschränken. > Das Update von heute ist Punkt 12und seine Unterpunkte. <
http://www.pcgameshardware.de/Filesharing-Thema-209950/Specials/Porno-Abmahnungen-Redtube-UC-1100881/
08.01.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2013/12/Videostreams_Anwaelte_verschicken_erste_Abmahnungen-pcgh_b2teaser_169.JPG
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