"Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

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Special Roland Austinat (US-Korrespondent) Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Wir hatten die seltene Gelegenheit, mit dem CEO von Activision Publishing, Eric Hirshberg, ein Interview zu führen. Die Themen sind unter anderem die jetzt angekündigte Xbox One, Call of Duty Ghosts und der Spielemarkt an sich.

PCGH: Herr Hirshberg, was haben Sie sich gedacht, als Microsoft verkündete, dass die nächste Xbox-Generation definitiv Ende 2013 erscheinen wird?

Eric Hirshberg Quelle: Activision Eric Hirshberg Eric Hirshberg: Ich war begeistert. Ich komme aus dem kreativen Bereich und bin auch hier bei Activision Publishing der Meinung, dass Kreativität an erster Stelle stehen muss, sei es beim Spieldesign, der Entwicklung unserer Marken oder dem Marketing. Deswegen begeistert mich eine neue Konsole erst einmal vom kreativen Standpunkt, wobei der Balanceakt darin besteht, dass wir einerseits den Spielern immer neue Spielerfahrungen bieten müssen, aber andererseits nicht aus den Augen verlieren dürfen, warum ihnen ein Titel wie Call of Duty überhaupt so sehr am Herzen liegt.

PCGH: Früher lockten neue Konsolen Käufer mit 3D-Grafik, Online-Fähigkeiten sowie CD-, DVD und Blu-ray-Unterstützung. Die neue Xbox bringt auf den ersten Blick "nur" bessere Optik mit. Was macht ein Spielepublisher, um dennoch Kunden zu gewinnen?

Eric Hirshberg: Bessere Grafik war auch der erste Eindruck der letzten Konsolengeneration. Selbst das Online-Spielen war zu deren Start noch nicht das große Thema, das es heute ist. Ich würde die Anziehungskraft besserer Grafik nicht unterschätzen: Gelingt es uns, detailliertere, schönere und überzeugendere Spielwelten zu entwickeln, wird das die Spieler von der Relevanz einer neuen Konsolengeneration überzeugen. Dazu kommt: Mit anderen Menschen über soziale Netzwerke in Kontakt zu treten, ist einer der Trends des letzten Jahrzehnts schlechthin. Spiele wie Call of Duty gehören zu den Vorreitern dieses Trends, doch die soziale Interaktion bei Onlinespielen hinkt den heutigen Standards hinterher. Eine neue Konsolengeneration gibt uns mehr Werkzeuge in die Hand, um das zu verbessern, sei es beim aktiven Spielen oder bei der Verbindungsaufnahme mit dem Spiel und seiner Spielergemeinde über ein anderes Endgerät.

PCGH: Die Umsätze der Spielebranche gehen zurück. Publisher wie Ubisoft klagen, dass die "alten" Konsolen es ihnen nicht mehr erlauben, ihre Visionen dafür umzusetzen und dass es Zeit für eine neue Generation wird. Verrückte Welt, denn eigentlich sollte ein längerer Lebenszyklus doch dazu führen, dass die Spieldesigner mehr Erfahrung gewinnen, um die Hardware immer besser auszunutzen - und ihr eigenes Können zu steigern. Bei kürzeren Hardwarezyklen bleibt das doch auf der Strecke, oder nicht?

Eric Hirshberg: An beiden Aussagen ist etwas dran. Spieler interessieren sich für die Fähigkeiten der neuesten Hardware und wollen sehen, wie sie sich auf das Spielerlebnis auswirkt. Doch sehen wir uns heute das erste Call of Duty für die Xbox 360 ansehen, das seinerzeit viele Preise und Auszeichnungen eingeheimst hat, und vergleichen wir es mit den aktuellen Vertretern der Serie, die auf der gleichen Hardware laufen: Das ist nahezu ein Unterschied wie Tag und Nacht, was die Optik, das Spielerlebnis, die Engine und die Ideen angehen, die unsere Designer darin untergebracht haben. Das wird auf der nächsten Xbox nicht anders sein. Doch uns ist es wichtig, dass wir schon mit Call of Duty: Ghosts einen wesentlichen Schritt nach vorne machen.

PCGH: Sony nannte den Grafikchip der PlayStation 2 die "Emotion Engine" - doch ist Grafik wirklich der einzige Weg, um Emotionen beim Spieler hervorzurufen? Sicher, umwerfende Optik sorgt für Begeisterung, doch das ist nur eine Emotion von vielen. Wie kann eine neue Konsole eine größere emotionale Bandbreite hervorrufen? Im Kino laufen ja auch nicht nur Action-Filme.

Eric Hirshberg: Um sich mit einer Spielfigur emotional zu identifizieren, hilft es, wenn diese realistisch dargestellt wird. Das ist meiner Meinung nach einer der größten Pluspunkte der neuen Xbox. Emotionen werden durch sehr subtile Gesten wie dem Hochziehen einer Augenbraue, einem schiefen Grinsen oder geweiteten Nasenflügeln vermittelt, doch solche Feinheiten waren bisher nur schwer darstellbar. Mit neuer Hardware können wir die Beziehungen der Spieler zu den Charakteren und zur Geschichte eines Spiels bedeutsamer und tiefer gestalten. Gleichzeitig ist es wichtig, Spiele nicht mit den gleichen Maßstäben zu messen, die wir an andere Medien legen. Spiele vermitteln eine bestimmte Unterhaltungserfahrung besser als alle anderen Medien - und gleichzeitig können sie nicht alles, was andere Medien fertigbringen. Ich weiß, worauf Sie mit dem Kino-Vergleich abzielen, aber wir dürfen nicht vergessen: Spiele sind ein interaktives Unterhaltungsmedium, das sich von allen anderen Medien grundlegend unterscheidet. Deswegen liegt unser Fokus zuerst darauf, großartige Spielerlebnisse zu erschaffen - und nicht verschiedene Filmgenres nachzuahmen.

PCGH: Mit der Wii U ist die erste Spielkonsole der nächsten Generation bereits auf dem Markt, die beispielsweise mehr auf soziale Interaktionen der Spieler setzt. Doch mit der Unterstützung der Spielentwickler sieht es bislang nicht so berauschend aus. Dabei würde es doch Sinn ergeben, Titel für so viele Systeme wie möglich herzustellen, statt Nintendo den Markt allein zu überlassen.

Eric Hirshberg: Deswegen stehen wir auf Nintendos Seite und veröffentlichen etliche Titel für die Wii U. Die Wii U wäre nicht die erste Plattform, die sich nach einem eher verhaltenen Start zu einem erfolgreichen System entwickelt. Das haben wir in der letzten Konsolengeneration gesehen, und obendrein hat Nintendo bis jetzt nur wenige der firmeneigenen Erfolgsserien für die Wii U veröffentlicht. Deshalb glaube ich, dass es noch nicht "Game over" heißt.

PCGH: Activisions Firmensitz befindet sich in Santa Monica, nur wenige Kilometer von Hollywood entfernt, dem Zentrum der weltweiten Film- und Fernsehindustrie. Warum arbeitet Eric Hirshberg hier und nicht bei der glamourösen Konkurrenz?

Eric Hirshberg: Weil die Videospielbranche die aufregendste aller Unterhaltungsbranchen ist. Wir beschäftigen uns heute tiefgehender mit Spielen als mit allen anderen Medien. Und in der Spielebranche gibt es die meisten Innovationen - kontinuierlich. Ich sage immer: Wenn die Spiel- die Filmindustrie wäre, befänden wir uns noch immer in der Stummfilmzeit, so jung ist unsere Branche. Und wir gehören zu denen, die das Regelwerk verfassen, was Videospiele als interaktives Medium sein können. Dank synergistischer Beziehungen zwischen Soft- und Hardwareherstellern wie etwa Microsoft entwickeln wir das Lieblingsmedium einer ganzen Generation. Das ist noch deutlich ausbaufähig: Als ich vor zweieinhalb Jahren zu Activision kam, staunte ich, dass die Branche Spiele als Produkt und nicht als Marke ansieht. Dabei gehören sie wirklich zu den langlebigsten Marken mit den treuesten Fans der ganzen Welt. Und deswegen ist für uns ein Spiel sowohl von der kreativen als auch von der Kundenperspektive nicht mit der Veröffentlichung abgehakt. Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt. Seine Fans spielen es gemeinsam: jede Woche, jeden Monat, das ganze Jahr und mehrere Jahre in Folge. So eine langanhaltende Begeisterung lässt sich statt mit Filmen viel besser mit Sportarten und bestimmten Mannschaften vergleichen, die uns in ihren Bann schlagen und mit denen wir große Teile unserer Freizeit verbringen. Das macht es für mich so spannend: Marken zu entwickeln, die zu einem Teil der Popkultur werden.

PCGH: Herr Hirshberg, danke für das Interview

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    • Kommentare (18)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DerBratmaxe Software-Overclocker(in)
        AW: "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

        "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt"

        Dem kann ich nur zustimmen ... denn um etwas wegwerfen zu können, müsste ich es erstmal kaufen ... und ein CoD werd ich sicherlich nicht kaufen
        Zitat

        Ich würde die Anziehungskraft besserer Grafik nicht unterschätzen: Gelingt es uns, detailliertere, schönere und überzeugendere Spielwelten zu entwickeln, wird das die Spieler von der Relevanz einer neuen Konsolengeneration überzeugen. Dazu kommt: Mit anderen Menschen über soziale Netzwerke in Kontakt zu treten, ist einer der Trends des letzten Jahrzehnts schlechthin. Spiele wie Call of Duty gehören zu den Vorreitern dieses Trends, doch die soziale Interaktion bei Onlinespielen hinkt den heutigen Standards hinterher.
        Hab ich irgendwas verpasst ? Oder womit vergleicht der Clown die Grafik der Call of Duty Spiele ? Mit einer anderen Engine die schon 6-7 Jahre alt ist ?

        Innovation ? "The same shit as every year ... but with a new cover"!
      • Von DerBratmaxe Software-Overclocker(in)
        AW: "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

        "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt"

        Dem kann ich nur zustimmen ... denn um etwas wegwerfen zu können, müsste ich es erstmal kaufen ... und ein CoD werd ich sicherlich nicht kaufen
        Zitat

        Ich würde die Anziehungskraft besserer Grafik nicht unterschätzen: Gelingt es uns, detailliertere, schönere und überzeugendere Spielwelten zu entwickeln, wird das die Spieler von der Relevanz einer neuen Konsolengeneration überzeugen. Dazu kommt: Mit anderen Menschen über soziale Netzwerke in Kontakt zu treten, ist einer der Trends des letzten Jahrzehnts schlechthin. Spiele wie Call of Duty gehören zu den Vorreitern dieses Trends, doch die soziale Interaktion bei Onlinespielen hinkt den heutigen Standards hinterher.
        Hab ich irgendwas verpasst ? Oder womit vergleicht der Clown die Grafik der Call of Duty Spiele ? Mit einer anderen Engine die schon 6-7 Jahre alt ist ?

        Innovation ? "The same shit as every year ... but with a new cover"!
      • Von KastenBier Software-Overclocker(in)
        AW: "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

        Ich muss sagen dass für mich gerade Assassins Creed eine der größten Müllschleudern überhaupt darstellt. Gut jedes Jahr ein neuer Titel, stets die selben Mechaniken und Aufgaben so wie grottige Portierung auf den PC.
      • Von Pixy Software-Overclocker(in)
        AW: "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

        Zitat
        Da stimme ich zu.

        Die Aussage hinsichtlich dummer Menschen ist allerdings lächerlich. Zocken ist nunmal ein Massenmarkt geworden und nicht jeder erklärt das gleich zu seiner Hauptnebenbeschäftigung - entsprechend wird alles halt simpler und einsteigerfreundlicher.
        Dass das keine tolle Entwicklung war / ist, würde ich allerdings unterschreiben .
        Ok, deins ist netter ausgedrückt und bringt es wahrscheinlich besser zur Geltung.
        Nichtsdestotrotz, wenn ich lese, dass einige Spieler Probleme hatten, mit dem letzten Splinter Cell, da es ihnen zu schwer war und die unter Anderem nicht mit der Steuerung klar kamen, dann ist es Verdummung.
        Wenn sich Jemand nichtmal 5min. mit dem Spiel auseinander setzen kann und denen schon dieses mehr als vereinfachte Splinter Cell zu schwer erscheint, dann ist dieser Jemand in meinen Augen einfach zu faul/dumm.

        Zitat
        Da kann ich dir nicht zu 100% beipflichten. Denn eine Spieleserie, welche stets mit komplett verschiedenen Szenarien und Missionen aufwartet, scheinst du vergessen zu haben. Anno!
        Anno habe ich gedanklich komplett ausgeschlossen, hätte ich evtl. erwähnen sollen.
        Auch wenn ich Anno 2070 nicht gekauft habe, es gefällt mir einfach nicht, gefällt die Anno Reihe mir sonst sehr gut.

        Auch habe ich die Assassins Creed Reihe ausgeschlossen, da mir die Spiele soweit eigentlich Spaß gemacht haben, zumindest die Teile mit Ezio.
        Den aktuellen dritten Teil habe ich bis heute nicht durchgespielt, muss mich dazu nochmals überwinden.
        Mir gefallen an dem letzten Teil die sekundären Aufgaben überhaupt nicht, einige sind ganz easy, aber andere sind so dämlich gewählt, dass man sich nur darauf konzentrieren muss und der Rest der Mission unter geht.

        Da fragt man sich schon, ob Ubischrott sowas überhaupt testet.
        Leider bin ich perfektionistisch veranlagt und da bringen einige Aufgaben das Blut zum Kochen.
      • Von mumble_GLL Freizeitschrauber(in)
        AW: "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

        Zitat von Deimos
        Abwarten. Die Wii U wird sich, so sie denn erscheinen, wie immer über die tollen Spiele differenzieren und eben nicht über High-end Hardware - ist ja auch nicht nötig.
        In Sachen Spieleinnovation bietet Nintendo mit N64/Wii/Wii U seit Jahren die beste Plattform imo.
        Sorry, aber da muss ich dir widersprechen. Sobald Nintendo eine neue Konsolengeneration rausbringt heisst es doch an allen Ecken und Kanten Mario hier, Mario da.
        Beispiele? Kein Problem: Mario Party 1-9 für alle Konsolen, Mario Tennis, Mario Kart, Mario Football usw. Sowas nenne ich nicht Innovation. Das ist einfach nur kalter Kaffee.
        Und von Zelda fang ich erst garnicht an.
      • Von KastenBier Software-Overclocker(in)
        AW: "Ein Spiel ist kein Wegwerfprodukt" - Interview mit Activisions Publishing-CEO Eric Hirshberg zur Xbox One

        Zitat von Pixy
        Drittes Beispiel, sämtliche Ubisoft Spiele, ich erspare mir jetzt die Titelbenennung, da ich sonst mit Zuckungen eingeliefert werden müsste.

        Da kann ich dir nicht zu 100% beipflichten. Denn eine Spieleserie, welche stets mit komplett verschiedenen Szenarien und Missionen aufwartet, scheinst du vergessen zu haben. Anno!
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