Ubisoft setzt Aktienhandel aus: Viel Lärm um nichts?
Kein Grund zur Panik bei Ubisoft: Nach einer Woche an Spekulationen mitsamt Aussetzung des Aktienhandels meldet der französische Publisher stabile Halbjahreszahlen.
Vergangene Woche setzte der französische und börsennotierte Spielepublisher Ubisoft überraschend den Aktienhandel aus und sorgte so für große Unruhe am Markt. Die Gerüchte rund um die Zukunft des Unternehmens scheinen sich aber zumindest in diesem Kontext in Luft aufzulösen, denn Ubisoft hat mit der nachträglichen Veröffentlichung der Halbjahreszahlen für Klarheit gesorgt: Die wichtigsten Kennzahlen sehen stabiler als zunächst befürchtet aus.
Buchhalterische Korrektur statt Übernahme-Drama
Die verspätete Veröffentlichung der Zahlen sowie die kurzfristige Aussetzung des Wertpapierhandels gingen auf die Korrektur nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS 15 zurück.
- Externe Prüfer hatten Ubisoft auf Unstimmigkeiten bei der Erlöszuordnung in Zusammenhang mit einer unbekannten Vertragsvereinbarung aufmerksam gemacht.
- Das Ergebnis: Rückwirkende Anpassungen wurden notwendig und eine vorzeitige Rückzahlung eines Darlehens über 286 Millionen Euro stand an. Gleichzeitig zerstreute das Management auch die kursierenden Gerüchte um eine etwaige Übernahme.
Parallel löst Ubisoft die nächste Phase der eigenen Konzernstrukturierung ein. Gemeinsam mit Großaktionär Tencent schließt das Unternehmen einen bereits angekündigten Milliarden-Deal ab: Für 1,16 Milliarden Euro fließen Rechte der wichtigsten Ubisoft-Titel Assassin's Creed, Rainbow Six und Far Cry in das neu gegründete Joint-Venture "Vantage Studios".
Ziel ist eine klarere Trennung der einzelnen Entwicklungsbereiche, wobei die Vantage Studios als erste von mehreren relativ unabhängigen Firmensparten ("Creative Houses") fungiert. Die Planungen rund um diese Umstrukturierungen sollen bis Jahresende finalisiert werden, ehe die Öffentlichkeit im Januar über weitere Einzelheiten informiert werde. Im Zuge dieser Neuaufstellung setzt Ubisoft auch auf strikte Kostensenkungen. Ende September zählte der Konzern knapp 17.000 Beschäftigte, rund 1.500 weniger als noch im Vorjahr.
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Seite 6: "deleverage"
ein schöner Euphemismus dafür, dass man die Kronjuwelen verkauft. Tencent holt sich für 1 Milliarde schon mal die Beteilugung an einem Sahneanteil.
Seite 6: "Creative Houses"
Übersetzung: Glückwunsch Studios, ihr werdet jetzt als individuelle Profitcenter betrachtet, behandelt und im Zweifelsfall abverkauft. Gut, dass wir die Filetstücke vorher schon gebündelt haben. Wenn ihr viel Kohle macht kauft Tencent vielleicht auch Anteile an eurem Creative House. Anno kann drei mal auf Holz klopfen, dass die schon veröffentlicht haben, weniger Wusel NPCs auf den Feldern hin oder her, aber die Erbsenzähler nicht schon von Tag1 am Arsch.
Seite 7:
Da steht im Klartext, dass Ubisoft 700 Millionen eingenommen hat und dann ist es ihnen in den Händen zu nichts zerronnen.
Seite 10:
Fixkosten von 700 Millionen im Halbjahr. Wir erinnern uns, dass ein paar Seiten drüber die 700 Millionen Einnahmen noch als "es läuft gut" dargestellt wurden. Wie sollen die Einnahmen besser werden, wenn die besten Spiele in ein neues Creative House gebündelt worden, dessen Einnahmen nicht den Anschein machen als würden sie in Zukunft zu 100% in Ubisoft fließen?
Seite 11:
die Illustere Seite, allein schon weil sie als Seite 6 nummeriert ist.
"complying with its leverage covenant ratio" bedeutet in der Übersetzung dass du einen Schuldschein hast in dem steht, dass die Menge deiner Schulden und der Wert des Unternehmens ein gewisses Verhältnis haben müssen. Ich leihe gerne jemandem eine Milliarde, der eine Millarde wert ist, weil worst case, er kann nicht zahlen, dann bekomme ich statt meiner Milliarde zurück die Firma, die ist ja auch eine Milliarde wert (stark vereinfachtes Beispiel, damit es für jeden leicht verständlich ist).
Jetzt gab es also diesen Wirtschaftsprüfer (erster Absatz Auditor), der sich Partnerträge angesehen hat und diese "natürlich" nach Internationa Accounting Standard 8 verbucht hat. Das hat zu dem zweiten Bullet Point geführt. Da steht, dass ein Vertragsabschliuss aus dem zweiten Quartal nicht als Einnahmen verbucht werden konnten.
Das wiederum führt zu der Situation, dass Ubisoft zu viel Schulden bei zu wenig Werte hat (sinkender Aktienkurs, sinkender Unternehmenswert), das kann ganz schnell die Insolvenz bedeuten. Das zwingt Ubisoft zu folgender Aktion:
However, this is being addressed by the actions relating to the concerned debt instruments, notably the early repayment of the Term Loan and Schuldschein loans which have an outstanding principal amount of c.€286m.
Seite 13:
Ubisoft selbser sagt, dass sie stabil Geld machen wollen und nicht erwarten große Gewinne einzufahren. Break-Even als Ziel steht da wortwörtlich. Das macht keinen Hype um die Aktie, wenn ihr mich fragt, das ist ein Abschied vom Aktienmarkt auf Raten. Klar, Activision und EA haben das auf dramatische Art und mit viel Geld auf einmal gemacht.
tl;dr
zwei Dinge bleiben bei mir kleben. Es war echt knapp mit der Rate zwischen Eigenkapital und Verschuldung diesmal. Und zweitens der Sozialvertrag zwischen den Studios ist von der Unternehmensführung gekündigt. Die Money Machines halten die anderen nicht mehr über Wasser. Das ist genau das was Activision gemacht hat und sich dann 5 Jahre später gewundert hat, warum sie nur noch Call of Duty als Spiel hatten.
Und das größte Problem an Ubisoft: Ubisoft macht Ubisoftdinge