Solarenergie vor dem Preisanstieg? China zieht Notbremse beim Polysilizium
Chinas Regierung greift in den Preiskampf der Solarindustrie ein - mit spürbaren Folgen für die weltweiten Solarmärkte. Was der Eingriff beim Polysilizium bedeutet und warum Verbraucher in Deutschland jetzt genau hinsehen sollten.
Der Preisverfall bei PV-Modulen in den vergangenen Jahren kam Verbrauchern sehr entgegen, aber auf der anderen Seite der Handelskette sorgte das für viel Schmerz. Chinesische Anbieter haben quasi den gesamten westlichen Wettbewerb zum Erliegen gebracht und sich dann eine Preisschlacht im eigenen Land geliefert.
Nun greift die chinesische Regierung ein und die Preise für Polysilizium sind binnen einer Woche um 30 Prozent gestiegen, nachdem sie Ende Juni einen Tiefststand erreicht hatten. In Peking will man Maßnahmen gegen den "ungeordneten" Wettbewerb in der heimischen Solarindustrie ergreifen. Dazu trifft man sich mit den großen Herstellern, um den brutalen Preiskampf zu beenden.
Verbraucher fürchten sich deswegen vor steigenden Preisen. Doch die werden nicht sofort am Markt bemerkbar sein, da die Ereignisse in China alle noch recht weit vorn in der Wertschöpfungskette zum fertigen Modul stehen. Das Polysilizium wird von Waferherstellern verarbeitet, die aber wegen der schwachen Nachfrage deutlich weniger Polysilizium abnehmen.
Zunächst hatten wohl einige chinesische Anbieter aufgrund der 30-Prozent-Rally Preisangebote ausgesetzt, bis die Lage sich stabilisiert hatte und Angebote auf realen Produktionskosten abgegeben werden können. Hohe Lagerbestände in der ganzen Produktionskette könnten das Eingreifen aber erst einmal dämpfen. Allein beim Polysilizium ist von einem auf 300.000 Tonnen bezifferten Lagerbestand die Rede.
China kämpft mit enormen Überkapazitäten und Analysten bleiben auch deswegen vorsichtig: Zwar könnte der brutale Preiskampf ein Ende finden, aber Endprodukte im Preis relativ stabil bleiben, denn effektiv würde China wohl lieber seine Kapazitäten auslasten, statt Fabriken zu schließen. Minister Li Lecheng habe aber deutlich gemacht, dass man gegen ungeordnete Niedrigpreiskonkurrenz vorgehen will und den geordneten Ausstieg veralteter Kapazitäten fördern möchte. Manager der Unternehmen hätten sich verpflichtet, an einer Initiative gegen "ruinösen Wettbewerb" teilzunehmen.
Der Markt nimmt die Meldung erst einmal positiv auf: Polysilizium-Futures stiegen auf 39.200 Yuan pro Tonne. Der Preisanstieg erfolgte, nachdem Hersteller damit begonnen hatten, Angebote auf Basis der "Vollkosten" zu kalkulieren, anstatt weiterhin Verluste in Kauf zu nehmen, die Peking abstellen will. Die Marktdynamik beim Polysilizium kann sich mittelfristig aber durchaus auf Modulpreise auch in Deutschland auswirken - wenn vielleicht auch erst ab kommendem Jahr.
Quellen: Caixin Global, Bernreuther Research, PV-Magazin, SCMP
