Pyrrhussieg im App Store: Schlägt Apple den ersten Sargnagel ein?
Schlägt Apple den ersten eigenen Sargnagel ein? Der Digital Markets Act (DMA) zwingt Apple in der EU dazu, die Geräte wie das iPhone für Drittanbieter zu öffnen - voraussichtlich mit iOS 17.4. Doch viele sehen nur einen Pyrrhussieg, denn Apple will den eisernen Griff um sein Ökosystem nicht aufgeben.
Apples Appstore war kräftig unter Druck: Epic Games klagte sich wenig erfolgreich durch die Instanzen wegen der Umsatzbeteiligung und die EU nimmt den Konzern aus Cupertino in die Zange, sodass Apple den App Store voraussichtlich mit iOS 17.4 öffnet. Doch für viele ist es ein Pyrrhussieg, denn Apple schnappt zurück und manche kritischen Beobachter sagen, es wird der erste Sargnagel eingeschlagen.
Mozilla, Entwickler von Firefox, findet die neuen App-Store-Regeln "extrem" enttäuschend, nachdem Apple entschieden hat, das "neu angekündigte BrowserEngineKit auf EU-spezifische Apps zu beschränken". Und auch auf der Gebührenseite droht neues Ungemach. Spotify rechnet fest damit und kritisiert die neuen Richtlinien für die App-Verteilung. CEO Daniel Ek nennt Apples Vorgehen "ein neuer Tiefpunkt, selbst für sie." In beiden Fällen sind die Vorwürfe im Kern gleich: Apple benehme sich, als gelten Regeln für sie nicht. Und man macht es Dritten so schwer wie möglich, im Ökosystem von Apple zurechtzukommen - insbesondere, wenn Apple selbst das Segment beackert.
Entwickler kritisieren neue Gebühren
Nach einer Analyse der neuen Regeln mit dem Rechtsteam von Spotify nennt Ek diese "eine Meisterklasse der Verzerrung". Unter anderem, weil Apple neue Wege findet, Geld zu machen und die Öffnung des Stores auszuhebeln. So findet man im Kleingedruckten, dass Apple für Apps mit mehr als einer Million Downloads eine sogenannte "Core Technology"-Gebühr für "jede erste jährliche Installation pro Jahr" erhebt (übrigens 50 US-Cent). Die Gebühr wird auch von Nikita Bier kritisiert, der unter anderem mit Discord und Meta zu tun hat. Er rechnet vor, dass 10 Millionen neue Installationen von Einzelkunden 6,2 Millionen US-Dollar kosten, die Apple in jedem Fall bekommt - ob eigener Store oder Drittanbieter.
Das macht vornehmlich die Neukundenakquise nicht nur für Spotify schwieriger, sondern auch für Mozilla. Und nicht nur die soll bedroht sein, sondern auch Apps von kleinen Anbietern, die kostenlos sind und viral gehen. Kostenlose Apps sind ohnehin schon eine Rarität im Ökosystem von Apple und es wird wohl nicht mehr besser werden - mindestens ein Dollar sollte der Entwickler nehmen, damit er im Zweifel nicht draufzahlt.
Bei Apple sieht man das logischerweise etwas anders: "Die Änderungen, die wir für Apps in der Europäischen Union vornehmen, geben Entwicklern die Wahl - mit neuen Optionen für den Vertrieb von iOS-Apps und die Abwicklung von Zahlungen", sagt ein Sprecher Business Insider. "Jeder Entwickler kann sich für die gleichen Bedingungen entscheiden, die heute gelten. Und unter den neuen Bedingungen würden mehr als 99 % der Entwickler das Gleiche oder weniger an Apple zahlen."
Mit den neuen Gebühren versucht Apple, den eisernen Griff um den App Store zu halten. In der EU muss man schließlich nicht nur Drittanbieter-Marktplätzen einen Raum auf iPhone, iPad und Co. geben, sondern kann auch nur noch 17 statt der bislang üblichen 30 Prozent Umsatzbeteiligung abrechnen - mit 3 Prozent zusätzlich für die Finanztransaktion.
Direkte Einflussnahme auch auf Drittanbieter
Selbst einer der ersten Krieger gegen Apples System, Epics CEO Tim Sweeney, bezeichnet die Änderungen als "hot garbage". Epic Games hatte letztlich die rechtliche Auseinandersetzung um den App Store vor dem obersten US-Bundesgericht verloren, aber immerhin bekam Apple auch da Hausaufgaben auf den Weg. Aus Sicht der US-Richter liegt kein Verstoß gegen Wettbewerbsrecht vor. Ironischerweise hatte Epic gegen Google gewonnen, die Berufung steht noch aus.
Die EU indes hat Apple nicht nur um den Lightning-Anschluss gebracht, sondern reguliert mit dem Digital Markets Act (DMA) nun auch noch einen der wichtigsten Einkommensströme. Apple wehrt sich indirekt mit neuen Regularien. Der Spielraum für Marktplätze von Dritten ist klein: "Apple schlägt vor, dass es selbst darüber entscheiden kann, welche Marktplätze mit seinem App Store konkurrieren dürfen", so Sweeney. "Sie könnten zum Beispiel Epic daran hindern, den Epic Games Store zu eröffnen und Fortnite über diesen zu vertreiben, oder Microsoft, Valve, GOG oder neue Marktteilnehmer blockieren."
"Es erscheint mir seltsam, dass die Europäische Kommission diesen Plattformen erlaubt, Gebühren für Apps zu erheben, die von Drittanbietern heruntergeladen werden", so Eric Seufert, Gesellschafter bei Heracles Capital. Angesichts des Gegenwindes bei Unity, wo man 20 US-Cent pro Installation bei mehr als 200.000 Installationen haben wollte, sehen manche Marktbeobachter Apple den ersten Sargnagel einschlagen. Unity ruderte schnell zurück und tauschte das Management aus. Bei Apple wird das nicht so schnell gehen, aber manch einer sieht den Niedergang schon starten. Wie Epic Games' Sweeney es ausdrückt: "Es wird mehr Zeit brauchen, um sowohl die geschriebenen als auch die ungeschriebenen Teile dieser neuen Horrorshow zu analysieren, also bleibt dran."

Und Epic bietet sehr viel, neben der ganzen Unreal Engine eben auch jede Menge guter Angebote und kostenloser Spiele. Und eine Alternative zum Monopolisten, das alleine ist viel Wert.
Hier wird, wie so oft, mit verschiedenen Maßstäben gemessen.
Bis auf diese Fall-Guys-Kapriole habe ich mich aber schon lange nicht mehr wirklich darüber aufgeregt und das ist ja auch schon eine Weile her und da haben ja auch zwei dazugehört. Sollen sie mal machen. Eine Alternative zu haben ist immer beruhigend, schon weil es auch einen übermächtigen Marktführer erdet. Ich halte den Weg, den Epic geht, zwar für wenig überzeugend, aber das ist nicht wirklich mein Problem, ich unterstütze ihn halt nur nicht.
Oder ist Sony diesem Shitstorm ausgesetzt? Oder Valve, deren gesamtes Geschäftsmodell auf Exklusivität aufbaut? Das wird immer gerne vergessen.