Radikaler Wechsel: Microsoft geht dem Passwort an den Kragen - Passkeys neuer Standard

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Radikaler Wechsel: Microsoft geht dem Passwort an den Kragen - Passkeys neuer Standard
Quelle: Microsoft 

Microsoft hat eine große Änderung an den eigenen Accounts vorgenommen: Ab sofort sollen diese ohne Passwort, sondern nur noch mit Passkey erstellt werden. Auch bestehende Accounts sollen migrieren, um Passwörter komplett loszuwerden.

Pünktlich zum 1. Mai, dem World Password Day, hat Microsoft eine Änderung an den Accounts des Unternehmens vorgenommen. Gefeiert werden Passwörter anhand ihres Ehrentags aber nicht - ganz im Gegenteil. Stattdessen hat das Unternehmen den World Passkey Day ausgerufen und die zunehmende Abkehr von Passwörtern verkündet. Nutzer sollen sich in Zukunft stattdessen über den Login-Screen des Geräts anmelden.

Passkey statt Passwort

Die Abkehr von Passwörtern treibt Microsoft schon seit Jahren mit Windows Hello voran, jetzt wird dieser Ansatz aber radikal ausgebaut. So können Microsoft-Accounts ab sofort auch komplett ohne Passwort erstellt werden. Und nicht nur das: Ebendieser Weg wird sogar der neue Standard. Beim Erstellen eines neuen Accounts müssen Nutzer also nur noch einen Passkey einrichten, ein Passwort ist nicht vorgesehen. Zudem sollen auch bestehende Nutzer beim nächsten Login zum Wechsel aufgefordert werden. Bestehende Passwörter können in den Account-Einstellungen gelöscht werden.

Von diesem Schritt erhofft sich Microsoft eine höhere Sicherheit für die Nutzer. Zudem sollen Logins schneller und erfolgreicher ablaufen. Angeblich schaffen es 98 Prozent der Passkey-Nutzer, sich beim ersten Versuch einzuloggen. Mit dem etablierten Passwort-Login soll dieser Wert hingegen nur bei 32 Prozent liegen. Die Nutzer haben das passende Passwort also häufig nicht im Kopf und probieren herum, bis der Login klappt.

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Zumindest vorerst werden bestehende Passwörter von Microsoft zwar noch unterstützt. Mit Passkeys als neuer Standard und dem nun laufenden Versuch, Nutzer zum Wechsel zu bewegen, sind die Tage der alten Login-Methode aber gezählt. Microsoft schreibt in der entsprechenden Ankündigung, dass es langfristig das Ziel ist, den Passwort-Support aus den eigenen Accounts komplett zu entfernen. Wie lange es bis dahin dauern wird, ist aktuell aber noch nicht abzusehen. Das dürfte wohl maßgeblich von der Akzeptanz der Nutzer abhängen.

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Quelle: Microsoft via The Verge

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    • Kommentare (28)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Schlimmer noch: Da immer mehr Zugangsmethoden auch mobil genutzt werden, stehen dutzende bis hunderte Möglichkeiten zur versteckten Notiz eines Passworts (neben "einfach merken") einer niedrigen einstelligen Zahl von transportablen Speichermöglichkeiten für einen Key gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls steigt dadurch extrem an.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Schlimmer noch: Da immer mehr Zugangsmethoden auch mobil genutzt werden, stehen dutzende bis hunderte Möglichkeiten zur versteckten Notiz eines Passworts (neben "einfach merken") einer niedrigen einstelligen Zahl von transportablen Speichermöglichkeiten für einen Key gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls steigt dadurch extrem an.
      • Von empy Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Incredible Alk
        Prinzipiell nicht, das blöde ist aber der menschliche Faktor.
        Natürlich ist es genauso praktisch unmöglich, ein PW zu einem Hash aus dem nichts zu erraten wie inen private Key zu erraten. Nur sind Leute was das angeht ziemlich blöd wenn man ihnen oft frei überlässt welches Passwort sie wählen.
        Es stimmt schon, dass die meisten Passwörter (sowohl rein mathematisch als auch aus Wörterbuchangriffssicht) zu schwach und auch gute Passwörter in aller Regel deutlich schwächer als die üblichen Schlüssel sind, wobei man schon auf Werte kommen kann, bei denen man davon ausgehen kann, dass der Angreifer da eine ganze Weile dran zu knabbern hat (also tendenziell so lange, dass es sich lohnt auf entsprechende Quantencomputer zu warten). Aber der menschliche Faktor ist erfinderisch und wer Passwörter auf Zetteln in der Rechnernähe aufbewahrt, wird das gleiche auch mit dem Medium machen, auf dem sich der Schlüssel befindet (was ja schon existieren sollte), wobei die Rate eventuell steigt, weil man sich einen Schlüssel definitiv nicht merken kann.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Vorsicht dabei: Ich hatte schon das Problem, dass Authentifikatoren nach einer gewissen Zeit nicht mehr akzeptiert wurden. Weiß nicht, ob es an Updates, an Uhrzeitverlusten oder an expliziten Zeitlimits des Anbieters lag, aber ein zweites Reserve-Gerät in der Schublade ist gegebenenfalls gar nichts wert.

        Zitat von Lord-Haelmchen
        Hmm, auch "brain.exe" geht kaputt. Demenz, Tod, oder sonst was. Auch das Hirn "läuft" auf ner "Maschine" bzw einem "Gerät". Aber back to topic: Gibt´s da ne Lösung?
        Ich kann keinen konkreten Support für Microsoft geben, aber ganz allgemein gibt es bei Passkeys zwei Möglichkeiten:
        Entweder es gibt keinen alternativen Weg oder das System ist unsicher.

        In dem Moment, wo ein (Wiederherstellungs-)Log-In ohne Passkey möglich ist, gehen die Sicherheitsvorteile dieses Verfahrens größtenteils verloren, denn der Angreifer kann einfach die weniger sichere Alternative nutzen. Geradezu bescheuert ist in diesem Rahmen die gängige Praxis, den regulären Zugriff mit mehreren komplexen Abfragen inkl. Biometrie und 2FA abzusichern, aber ein Reset über eine beliege Mail-Adresse zu ermöglichen. In so einem Szenario entfällt durch Passkey nur noch die Gefahr einer direkten Passwort-Ausspähung, da ein Beobachter eben nicht bei der Eingabe des (nicht mehr genutzten) z.B. Microsoft-Passworts, sonder der des Mailaccounts zuschauen muss. Aber das ist keine deutliche Verbesserung und ließe sich genauso über einen Passwort-Manager realisieren.

        Zitat von Incredible Alk
        Prinzipiell nicht, das blöde ist aber der menschliche Faktor.
        Natürlich ist es genauso praktisch unmöglich, ein PW zu einem Hash aus dem nichts zu erraten wie inen private Key zu erraten. Nur sind Leute was das angeht ziemlich blöd wenn man ihnen oft frei überlässt welches Passwort sie wählen.

        Jemand, der die Hashdatei frei verfügbar hat und nicht auf irgendwelche Anzahl Versuche pro zeit limitiert ist kann mit schnellen GPUs heutzutage zig Millionen PWs in kurzer Zeit durchprobieren. Zum erraten starker langer Passwörter oder Privatekeys viel zu wenig aber um die häufigsten 10.000 PWs sowie alle Wörterbücher der Menschheit und Kombinationen daraus schnell mal durchzutesten mehr als genug.
        Neben der Passwort-Datenbank bräuchte der Angreifer in deinem Beispiel auch noch den kompletten Hash-Algorithmus sowie die Salt- und die Pepper-Strategie. Insbesondere letztere wird nicht nur nicht zusammen mit den Passwörtern gespeichert, sondern am besten gar nicht, sondern nur in den Log-In-Algorithmus eingebettet. Und wenn der gekapert wird, sind die Daten ohnehin zugänglich.

        Aber selbst wenn Angreifer all das haben, wären damit nur die 0815-Rainbow-Tables in übersichtlicher Zeit abarbeitbar. Gegen generierte Passwörter hilft es gar nicht und gegen die, bei wichtigeren Accounts, mittlerweile doch recht weit verbreiteten Sonderzeichen- und Variationsstrategien auch nur bedingt. Rechenbeispiel: Man kann zwar für einen Großteil der User relativ leicht einen in Frage kommenden, aktiven Wortschatz von vielleicht 1.000-2.000 Vokabeln abgrenzen. Aber wenn man dann noch verschiedene Kurzschreibweisen und gängige Buchstabenersatzmöglichkeiten dazunimmt, hat man trotzdem schnell 100.000 Möglichkeiten, bei einem aus nur drei Bestandteilen gebildeten Passwort also 1.000.000.000.000.000 Wort-Basiselemente; zwei-drei Ziffern an zehn denkbaren Stellen hängen mindestens einen weiteren Block Nullen an und ein weiterer kommt mit möglichen Sonderzeichen.

        Das ist dann zwar weiterhin nur eine Trilliarde naheliegender Möglichkeiten, aber eine 5090 mit 1.000 MH/s (in sehr einfachen Algorithmen, in härteren eher ein Zehntel) wäre damit trotzdem einige Jahrtausende beschäftigt. Klar: 100.000 RTX 5090 könnten die statistische Hälfte der Kommunikationsmöglichkeiten in unter einem Quartal abarbeiten, weswegen man bei el Dictatores Atomwaffenprogramm vielleicht noch eine vierte Silbe integrieren sollte. Aber ein Krimineller, in dessen geklauten Datensatz pro Million registrierter Accounts vermutlich 900.000 Fake-/Einweg-Anmeldungen und 50.000 kommerziell nicht verwertbare enthalten sind, hat weder diese Hardware noch pro Account soviel Zeit.
      • Von LDNV BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Lord-Haelmchen
        Mein MS-Account ist schon seit längerem Passwortlos. Die vielen LogIn-Versuche aus dem Ausland (Russland, Indien, China scheitern wegen der Eingabe eines falschen Passwortes.......

        Identifizierung erfolgt über Passkey bzw MS-Authenticator-App. Mir ist nur nicht ganz klar, was ich machen soll bzw kann, wenn der Zugriff auf die App nicht klappt (Handy defekt/geklaut/Akku leer....) und ich mich auf nem neuen Gerät anmelden will. Oder die Authenticator-App auf nem neuen Handy einrichten will - ohne Zugriff auf ein bereits verknüpftes Gerät zu haben.

        Also kurz gefragt: Wie bekomme ich Zugriff auf mein MS-Konto auf einem neuen Gerät ohne Smartphone, ohne Email, ohne auf dem neuen Gerät bei WindowsHello angemeldet/eingerichtet zu sein?
        Ist bei mir genauso.

        Zum einen kannst den Authentifikator auf mehreren Geräten einrichten. (In meinem fall zum beispiel für mich auch auf dem Handy meiner Frau und umgekehrt) Zum anderen kannst noch deine handynummer wie auch alternative Email hinterlegen.
      • Von Incredible Alk Flüssigstickstoff-Guru (m/w)
        Zitat von empy
        Klar, wobei die anderen Daten da vermutlich eine größere Rolle spielen. Das passende Passwort zu einem Hash zu erraten sollte aber eigentlich nicht leichter sein als den passenden Private Key zu einem Public Key zu erraten.
        Prinzipiell nicht, das blöde ist aber der menschliche Faktor.
        Natürlich ist es genauso praktisch unmöglich, ein PW zu einem Hash aus dem nichts zu erraten wie inen private Key zu erraten. Nur sind Leute was das angeht ziemlich blöd wenn man ihnen oft frei überlässt welches Passwort sie wählen.

        Jemand, der die Hashdatei frei verfügbar hat und nicht auf irgendwelche Anzahl Versuche pro zeit limitiert ist kann mit schnellen GPUs heutzutage zig Millionen PWs in kurzer Zeit durchprobieren. Zum erraten starker langer Passwörter oder Privatekeys viel zu wenig aber um die häufigsten 10.000 PWs sowie alle Wörterbücher der Menschheit und Kombinationen daraus schnell mal durchzutesten mehr als genug.

        Das Argument "sicherer" kann ich bei der Zielgruppe "User ohne IT-Ahnung " also durchaus nachvollziehen, denn die werden vermutlich erschreckend häufig passwort123 benutzen wollen und erst wenn MS sagt "geht nicht siehe PW-Policy" sich etwas wie "HansOtto17.03.1963" ausdenken was für nen guten Bruteforcer mit Hashdateizugriff genauso leicht knackbar ist.

        Der einzige (für mich) echte Grund für passkey statt Passwort ist, den Unsicherheitsfaktor Mensch deutlich weiter zu begrenzen. Für neudeutsch "Poweruser" die genau wissen was sie tun ist es aber ggf. nur ein Mehraufwand ohne Mehrnutzen.
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