Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

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Auf der Gamescom stellte uns Brian Fargo, Entwickler des ursprünglichen Wastelands, sein ganz persönliches Traumspiel vor. Mehr als 20 Jahre nach dem kultigen Erstling, der in der Zwischenzeit als Vorlage für die Fallout-Reihe diente, kann Brian dank erfolgreicher Kickstarter-Kampange dem Nachfolger sein Herzblut widmen. Ist das ein Rezept für einen Rollenspiel-Hit?

Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor Quelle: PC Games
Völlige Entscheidungsfreiheit, tiefgründige Dialoge, ein komplexes und forderndes Rollenspielsystem, freie Entwicklung und Anpassung der Charaktere, spannende und fordernde Taktikkämpfe und eine Welt, die auf alle Entscheidungen des Spielers reagiert und ihm die Konsequenzen aufzeigt - die Blaupause von Wasteland 2 liest sich sehr ambitioniert. Die Frage, ob sich dies alles überzeugend in ein mit vergleichsweise geringen finanziellen Mittel umzusetzendes Spiel integrieren lassen wird, regt sich spürbar im Hinterkopf. Doch als Brian Fargo uns sein Spiel in einer kleinen, versteckten Ecke der Gamecom präsentiert, können wir sehen, dass zumindest das Grundgerüst des Spiels schon sehr gut funktioniert.

Hintergrund - Wasteland

Als 1988 Wasteland auf dem PC, Apple II und C64 erschien, waren Spieler noch Drachen, Orks und untote Magier gewöhnt, das Setting von Wasteland war einzigartig: 10 Jahre in der Zukunft - also 1998- wird die Erde durch einen atomaren Krieg verwüstet. Nur wenige Menschen überleben die selbst herbeigeführte Katastrophe. Sie schließen sich zu kleinen Gemeinden zusammen und versuchen, in der feindlichen Umbebung zu überleben.

Der Spieler übernimmt dabei die Rolle von vier Desert Rangern, die er selbst mit dem komplexen Editor kreieren kann und wird dann von dem Spiel in die post-apokalyptische, völlig offene Welt entlassen. Dabei trifft er auf andere NPCs die ihre eigene Agenda haben, erlebt Abenteuer oder heuert Söldner aus der Bevölkerung zur Verstärkung seiner Truppen an. Die trostlose Atmosphäre der verwüsteten Erde und das komplexe Rollenspielsystem machten das Spiel zu einem von Spielern und Kritikern hochgelobten Hit - auch wenn man die Story von Wasteland beim Spielen nebenbei in dem 164 Seiten starken Handbuch verfolgen musste. Aufgelockert und erleichtert wurde das durch den rabenschwarzen Humor, der sich wie ein rotes Band durch Wasteland, seinen Nachfolger und die Fallout-Reihe zieht und bei dieser - nicht ganz fair - ebenso als Markenzeichen gilt wie das post-apokalyptische Szenario. Das Ur-Wasteland wurde von Computer Gaming World auf den neunten Platz der besten Spiele aller Zeiten gewählt. Wir sind gespannt, ob Brian Fargo den Coup mit dem Nachfolger und den old-schooligen Gameplay-Mechaniken wiederholen kann. No Pressure, right?

Wasteland 2 - Die Textwüste

Auch in Wasteland 2 gibt es Text. Viel Text. Das beginnt schon bei der Charakter-Erstellung, bei der den Spieler unzählige Optionen und Skills mit jeweilig sehr detaillierten Beschreibungen schnell davon überzeugen, dass es sich hierbei nicht um einen dem Mainstream angepassten Titel handelt. Spieler, die Mass Effekt für einen reinrassigen Rollenspiel-Titel halten, werden eine Überraschung erleben. Nicht unbedingt eine unangenehme, denn Wasteland 2 ist ein Spiel, das sich Zeit nimmt und für das man sich selbst Zeit nehmen muss, dann belohnt es den Spieler mit einer Tiefe, die heutigen Titeln fremd ist. Alles wird ausführlich beschrieben, das Spiel gibt neben den umfangreichen Dialogen auch Eindrücke von Umgebung und Beschreibungen von Charakteren in Textform wieder. Wenn auch im späteren Spiel die Welt so detailliert ausgearbeitet ist, könnte uns mit Wasteland 2 einer der komplexesten und tiefgründigsten Titel der letzten 10 Jahre erwarten.

Wasteland 2 - Komplexe Charaktere

Mit jedem NPC in der Welt kann man sich unterhalten, alle haben etwas zu sagen und färben ihre geistigen Ergüsse mit ihrem individuellen Charakter. Darunter sind etwa 20 Söldner, die der Spieler für seine Party anwerben kann. Doch diese bezahlten Abenteurer sind nicht nur hilfreich in Kämpfen oder greifen der Truppe mit ihren Fähigkeiten unter die Arme, sie haben mitunter auch durchaus dubiose Vorhaben oder Charaktereigenschaften. So kann ein wertvoller Scharfschütze durchaus zur Belastung werden, weil er von seiner Drogensucht geplagt das Inventar der Party regelmäßig um Medizin und Stimulanzien erleichtert. Oder aber ein beinharter, abgebrühter Kämpfer entläd wegen seiner Ratten-Phobie plötzlich panisch Magazin um Magazin der wertvollen Munition in die kleinen Pelztiere. Die Spieler- wie Nichtspieler-Charaktere können bei ihren Streifzügen über die verbrannte Erde auf eine Vielzahl - ja beinahe Unzahl - von Fähigkeiten und Eigenschaften zurückgreifen. Darunter sind auch einige eher seltsam anmutende Skills wie etwa "Toaster reparieren", "Hart-Arsch" oder "Bullshit Detektor", die sehr schön den schwarzen Humor des Titels wiederspiegeln.

Auch bei der Charakter-Erstellung und der anschließenden Entwicklung gibt sich Wasteland 2 komplex: So kann etwa festgelegt werden, ob ein Charakter ein Problem mit der feinen Ausdrucksweise hat und den Rest der Welt mit ausgefallenen Schimpfwörtern bedenkt, auf dem linken Bein hinkt oder Kettenraucher ist. Fusioniert mit der detaillierten Spielewelt kann ein Spieler-Charakter so mit anderen NPCs ins Gespräch kommen und etwa von einem anderen Hinkebein Informationen erhalten, die ein anderer Charakter nicht oder auf andere Weise erhalten würde. Ein so komplexes System zwischen Welt und Charakteren, wie es Wasteland 2 verspricht, ist uns - wenn überhaupt einmal - schon lange nicht mehr untergekommen.

Wasteland 2 - Lebendige Welt

Die verwüstete Landschaft wirkt auf den ersten Blick nicht gerade lebendig, doch neben einer Vielzahl an NPCs laufen auch unzählige Ereignisse im Hintergrund des Spieles ab. Jede Aufgabe, jedes kuriose Vorkommnis soll auf viele verschiedene Weisen anzugehen sein. So kann ein Minenfeld etwa geräumt werden, indem ein Charakter mit der "Tier bezirzen"- Fähigkeit einige Ziegen dazu ermuntert, über die Sprengfallen zu laufen. Ein Charaker mit guter Sinneswahrnehmung könnte sie auch umgehen, oder mit Hilfe des "Sprengstoff"-Skills entschärfen und für den späteren Gebrauch einsammeln. Wählt man die Methode mit den Ziegen, könnte es unter Umständen sein, dass sich damit Teile der knappen Lebensmittelversorgung einer Siedlung buchstäblich in Rauch aufgelöst haben. Worüber die Bewohner verständlicherweise nicht besonders erfreut sind und den Rangern von nun an äußerst skeptisch gegenübersteht.

Die Fraktionen der Welt reagieren ebenfalls dynamisch aufeinander und die Aktionen des Spielers. Hilft man einer Gruppierung im guten Glauben, der verstreuten Menschheit zu Helfen und für eine bessere Zukunft zu sorgen, könnte es passieren, dass eine andere Gruppierung unter der Aktion leidet und uns von daher feindlich gegenübersteht. Die Welt konfrontiert den Spieler stets mit den Auswirkungen seiner Aktionen, selbst Faktoren wie die Art der Kleidung oder der Gesundheitszustand eines Charakters kann Folgen auf das Spielerlebnis haben. Der Spieler kann im Umkehrschluss aber auch Situationen ausnutzen, die sich durch die Reibereien zwischen den einzelnen Fraktionen wie etwa den militanten Ronald-Regan-Anhängern oder den höflichen Kannibalen auftun. Wer nicht kämpfen will kann auch mit Diplomatie zu Erfolgen kommen. Doch dann würde man dem ausgeklügelten Kampfsystem, das bereits einen sehr ausgereiften Eindruck machte, nicht die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die es verdient.

Wasteland 2 - Taktisch anspruchsvolle Kämpfe

Das Kampfsystem von Wasteland 2 läuft rundenbasiert ab und erinnert stark an die geistige Verwandtschaft, namentlich die ersten beiden Fallout-Teile. Das ist zum einem dem Interface "geschuldet", welches wie eine moderne Interpretation der besagten Titel wirkt. Modern auch deshalb, weil es sich ganz nach den Wünschen des Spielers anpassen lässt. Auch die Kämpfe erinnern an die kultigen Titel, sind aber durch die Einbindung einer ganzen Party, Berücksichtigung von Höhenunterschieden und Deckungen deutlich komplexer. Die Figuren agieren auf einem in Kacheln unterteiltem Spielfeld und haben eine bestimmte Anzahl Aktionspunkte zur Verfügung, um sich darauf zu bewegen oder Befehle wie Angreifen oder in Deckung gehen auszuführen. Bei Schusswechseln zählt außerdem die Entfernung zum Ziel und die Art der Waffe. Eine Schrotflinte etwa ist auf höhere Entfernungen eine eher schlechte Wahl und wird mit Abzügen bestraft, ein Scharfschützengewehr brilliert in dieser Funktion, ist aber im Nahkampf kaum zu gebrauchen. Das Spiel stellt diese Berechnungen optisch sehr verständlich dar, die Effektivität der jeweiligen Waffe wird mit den Farben grün, gelb und rot verdeutlicht. Ziele im gelben Bereich werden mit normaler Wahrscheinlichkeit getroffen, für die anderen Sektionen gibt es Boni, respektive Mali auf die Treffergenauigkeit.

Bei den Kämpfen gilt auch zu beachten was sich in der Schusslinie befindet. Das können Objekte wie etwa Kisten sein, hinter denen Gegner Deckung genommen haben und nun die Munition der Spieler-Charaktere aufsaugen, oder aber auch einer der eigenen Figuren selbst, die man zweifellos ungeschickt in die Schussbahn manövriert hat. Gleiches gilt aber auch für die Gegner, Friendly Fire ist in den Gefechten stets zu beachten. Doch bei den Kämpfen spielen auch andere Faktoren eine Rolle: In der Präsentation ließen ein paar Banditen einen "Disco-Bot" auf die Ranger los, eine autonome, mechanische Disko-Kugel, welche die Spieler-Charaktere mit blitzenden Lichtern und gnadenlosen Disko-Beats irritiert. Der Spieler kann darauf mit mehreren Aktionen antworten, etwa den Disco-Bot einfach zerstören, ihn per Fähigkeits-Einsatz abschalten oder aber auf die Feinde loslassen. Kurzum: Das Kampfsystem erlaubt eine Vielzahl an taktischen Möglichkeiten, bleibt dabei aber sehr übersichtlich und bedienungsfreundlich. Viele weit weniger komplexe Titel schaffen den Spagat mit sehr viel weniger Eleganz.

Wasteland 2 - Die Technik

Wasteland 2 basiert auf einer modifizierten Version der Direct-X-11-fähigen Unity-Engine. Was bisher auf dem Bildschirm zu sehen ist, ist allerdings nicht sehr spektakulär: Die Grafik ist polygonarm, die Texturen sind alles andere als hochauflösend. Spektakuläre Effekte sucht man - zumindest bisher - vergeblich. Die Welt wurde aber mit viel Liebe designt, überall gibt es kleine Details zu bewundern. Ansonsten ist die Grafik eher Mittel zum Zweck. Sie gibt dem Spieler eine ansehnliche und übersichtliche Oberfläche, um sich auf angenehme Weise mit der komplexen Spielmechanik auseinanderzusetzen. Schon das erste Wasteland wurde 1988 wegen seiner unzeitgemäßen Grafik (leise) kritisiert, dem Spielspaß tat dies aber schon damals keinen Abbruch. Wasteland 2 wird außerdem mit einem Editor ausgeliefert werden, der es Fans erlaubt, eigene Abenteuer oder Mods zu entwerfen.

Wasteland 2 - Toller Eindruck, leichte Bedenken

Wasteland 2 wird überaus komplex, soviel ist klar. Doch durch die intuitive Oberfläche macht es dennoch einen gut zugänglichen Eindruck. Gelingen für den Spielspaß essenzielle Mechaniken so gut, wie in der Präsentation angedeutet, und kann das Spiel die massiven Hintergrundberechnungen für die Auswirkungen auf Welt und Fraktionen unfallfrei händeln, könnte hier ein potentieller Rollenspiel-Hit in der Mache sein. Doch durch die Komplexität hat Wasteland 2 auch das Potenzial für ein unspielbares Bug-Fest. Erst die Zukunft wird zeigen, was der Titel wirklich auf dem Kasten hat und wie gut das Spielprinzip in unserer von schneller, bombastischer Action durchsetzten Spiele-Szene funktioniert.

Meinung

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    • Kommentare (17)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von M4xw0lf Lötkolbengott/-göttin
        AW: Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

        Hä? Ist das ein sehr schwacher Trollversuch, oder was stimmt nicht mit dir?
      • Von M4xw0lf Lötkolbengott/-göttin
        AW: Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

        Hä? Ist das ein sehr schwacher Trollversuch, oder was stimmt nicht mit dir?
      • Von Gast1675465802
        AW: Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

        Ich sehe das anders das Fallout mit Mods macht das gleiche aus. Von der Spielmechanik her wird es gleich sein usw. , ich verstehe nicht warum man sowas unterstützt. Wäre ich Chef von Kickstarter dann würde ich direkt den Hahn abdrehen..

        Kann einfach nicht sein...
      • Von M4xw0lf Lötkolbengott/-göttin
        AW: Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

        Das ist allerdings ausgezeichnet
      • Von PCGH_Phil BIOS-Overclocker(in)
        AW: Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

        Zitat von M4xw0lf
        Diese Hintergrundstücke aus Fallout 1 und 2 sind entscheidend für deren geniale Atmosphäre (einige davon wurden auch in FO3 wiederverwendet, in NV sogar noch ein paar mehr), ich hoffe das Wasteland 2 sowas auch bietet.

        Da habe ich wohl eine gute Nachricht für dich: Mark Morgan, der Komponist der ersten beiden Fallout-Teile ist bei Wasteland 2 mit an Bord.

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      • Von M4xw0lf Lötkolbengott/-göttin
        AW: Wasteland 2: Toller Eindruck, leichte Bedenken - Fallout-Entwickler Brian Fargo stellte uns sein "Baby" vor

        Diese Hintergrundstücke aus Fallout 1 und 2 sind entscheidend für deren geniale Atmosphäre (einige davon wurden auch in FO3 wiederverwendet, in NV sogar noch ein paar mehr), ich hoffe das Wasteland 2 sowas auch bietet.
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