Nvidia Titan V im Nachtest: Wie schlägt sich die 3.100-Euro-Grafikkarte acht Jahre später?
815 mm² Kernfläche, 5.120 FP32-Einheiten, HBM2-Speicher und ein Preisschild von 3.100 Euro: Nvidias Titan V stand Ende 2017 für pure Dekadenz, welche nicht nur für Jubel, sondern auch reichlich Kopfschütteln sorgte. Wir bitten die Supercomputer-Architektur zum XXL-Nachtest.
In diesem Artikel
Nvidias Geforce GTX 1080 Ti wird vielerorts als "GOAT" bezeichnet, kurz für "Greatest Of All Time" - sprich: die beste Grafikkarte aller Zeiten. Im vorliegenden Artikel wollen wir nicht nur diese Lobpreisung mit frischen Fakten abgleichen, sondern vor allem eine andere Grafikkarte des Jahres 2017 erneut unter die Lupe nehmen: Nvidias Titan V, das einzige Endkundenprodukt auf Basis der Volta-Architektur, neben der die GTX 1080 Ti wie Kinderspielzeug aussieht. Tatsächlich kann man das so sehen: Während Pascal kompromisslos auf Gaming und speziell Rasterizing-Leistung getrimmt war, spannte Volta Ende 2017 die Brücke ins KI-Zeitalter - mit zahlreichen Superlativen, welche aufgrund des unerhörten Preises an den allermeisten Nutzern vorbeigegangen sind. Wie hält sich die Semi-Profi-Grafikkarte rund acht Jahre später?
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie "XXL-Nachtests". Hin und wieder ist es angebracht, zurückzublicken und wegweisende Produkte erneut zu bewerten. Welchen Einfluss hatten fundamentale Architekturumbauten? Wurden Visionen Realität? Hat sich die Investition ausgezahlt? In diesem Atemzug legen wir Ihnen weitere PCGH-Nachtests ans Herz: Geforce GTX Titan (2013), Radeon Vega (2017) und Geforce RTX 2080 Ti (2018).
Quelle: PCGH
Nvidia Titan V GV100 Re-Test 2025: Full Spec Overview
Titan V: Es war einmal ...
Die mittlerweile auf Eis gelegte Titan-Serie bediente eine nicht scharf abgegrenzte Sparte, eine Art Zwischenwelt. Adressiert wurden einerseits betuchte Spieler, die das Beste vom Besten wollten. Daneben richtete man sich an Menschen, die ihren Rechner auch zum Arbeiten nutzen, aber nicht den Bedarf und die finanziellen Mittel einer Firma haben, um aufs Workstation-Segment rund um die Tesla- und Quadro-Beschleuniger zuzugreifen. Simulationen, Videoschnitt, Modellierung, Gaming: Eine Titan war die teure, im Vergleich zu Profi-Geräten aber preiswerte Lösung. Damals wie heute gilt, dass Nvidias Profi-Grafikkarten auf andere Treiber mit Fokus auf Stabilität und so manche Spezialfunktion zurückgreifen, während die Titanen mit dem gleichen Code wie Geforce-Grafikkarten funktionieren. Das gilt auch für die Titan V, obwohl ihre Innereien außergewöhnlich sind. Es handelt sich um die letzte Supercomputer-Architektur, welche den Sprung ins Endkundensegment geschafft hat.
Um zu verstehen, was die Titan V so besonders macht, reicht ein Blick ins Datenblatt: 815 mm² Kernfläche, 5.120 FP32-Einheiten, eine 3.072-Bit-Speicherschnittstelle und die damals neuartigen Tensor-Kerne verdeutlichen, dass hier Grenzen verschoben werden sollten. Tatsächlich gab Nvidia bei der Präsentation im Mai 2017 zu Protokoll, dass der GV100-Prozessor "am Limit des technisch Möglichen" liege: Die Monster-GPU sprengte das sogenannte Reticle-Limit - die Größe der Belichtungsmaske -, sodass man bei der Fertigung eine Extrarunde drehen musste. Der Volta GV100 war bis 2024 der größte Grafikprozessor, welcher jemals gebaut wurde. Erst der professionelle Blackwell B200 toppt Volta, auf Consumer-Grafikkarten ist er jedoch bis heute ungeschlagen. Dahinter folgen der TU102 (RTX 2080 Ti) mit 754 mm² und der GB202 (RTX 5090) mit 750 mm².
Quelle: Nvidia (Shot: PCGH)
Nvidia Volta max. Throughput (Volta Whitepaper)
Apropos Geforce RTX 5090: Nicht erst seit dieser Generation erhalten Endkunden lediglich die "Abfallprodukte" der Profi-Sparte, diese Produktpolitik betraf Volta aufgrund der mutmaßlich schwachen Chip-Ausbeute (Yield) und hohen Fertigungskosten ebenfalls. So wurden Workstations mit der Tesla V100 in verschiedenen Varianten bestückt. Diese verfügten allesamt über 5.120 aktive FP32-Einheiten, 2.560 FP64-Einheiten, das volle Speichersubsystem mit 6 MiByte Level-2-Cache sowie 16 GiByte HBM2-Speicher, welcher über 4.096 Bit angebunden wurde. Das obige Bild zeigt die damit mögliche Rechenleistung: Knapp 16 TFLOPS bei einfacher Genauigkeit (FP32), die Hälfte bei doppelter Genauigkeit (FP64), bahnbrechende 125 TFLOPS beim Deep/Machine Learning sowie (nicht im Bild) 900 GByte/s Speichertransferrate. Es handelt sich folglich immer um minimal beschnittene GPUs (Salvage), ein Vol(l)ta-Ausbau mit 5.376 FP32-ALUs hat es nie in die Serienfertigung geschafft.
Das komplexe Package des GV100, welcher den Logik-Kern zusammen mit vier HBM2-Speicherstapeln auf einem Interposer vereint, übersteht die Verdrahtung nicht in jedem Fall. Exemplare, die dabei einen Defekt erleiden, sowie GPUs mit einem Fehler im Speicher-Controller, landeten auf der Titan V. Auch diese kann auf 5.120 FP32- sowie 2.560 FP64-ALUs zurückgreifen, muss allerdings mit einem Viertel weniger Cache und Speicher auskommen; hier stehen noch 4,5 MiB L2-Cache sowie 3.072 Bit zur Verfügung. Das Wort "nur" wirkt bei derart hohen Zahlen unangebracht, sollte im Angesicht des selbstbewussten Preises jedoch nicht verschwiegen werden: 2.999 US-Dollar respektive 3.100 Euro kostete die Titan V bei ihrem Erscheinen Ende 2017, zeitweise wurden hierzulande sogar 3.200 Euro (UVP) fällig. Sehen wir uns die gesamte Spezifikation der Titan V neben GTX 1080 Ti und Vergleichsmodellen an, weitere finden Sie in unserer gepflegten GPU-Datenbank:
| Grafikkarte | RTX 2080 Ti | Titan V | GTX 1080 Ti | RTX 5060 | RX 7600 XT | B580 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Hersteller | Nvidia | Nvidia | Nvidia | Nvidia | AMD | Intel |
| Referenzkarte verfügbar? | Ja | Ja | Ja | Nein | Nein | Ja |
| Vorstellung/Marktstart | 20.08.2018 | 08.12.2017 | 01.03.2017 | 19.05.2025 | 24.01.2024 | 13.12.2024 |
| UVP zum Release (Euro) | 1.259 | 3.100 | 819 | 319 | 359 | 289 |
| Architektur | Turing | Volta | Pascal | RTX Blackwell | RDNA 3 | Xe 2 (BMG) |
| GPU-Codename/Konfektion | TU102-300-Kx | GV100-400 | GP102-350 | GB206-250 | Navi 33 XT | BMG-G21 |
| Chipgröße (Die) | 754 mm² | 815 mm² | 471 mm² | 181 mm² | 204 mm² | 272 mm² |
| Transistoren Grafikchip (Mrd.) | 18,6 | 21,1 | 12,0 | 21,9 | 13,3 | 19,6 |
| Fertigungsverfahren (Foundry) | 12FFN (TSMC) | 12FFN (TSMC) | 16FF+ (TSMC) | 4N (TSMC) | N6 (TSMC) | N5 (TSMC) |
| FP32-ALUs/TMUs/ROPs | 4.352/272/88 | 5.120/320/96 | 3.584/224/88 | 3.840/120/48 | 2.048*/128/64 | 2.560/160/80 |
| Raytracing-Einheiten | 68 | – | – | 30 | 32 | 20 |
| Matrix-Einheiten („AI-Cores”) | 544 (Gen 2) | 640 (Gen 1) | – | 120 | 64 | 160 |
| Level-2-Cache (MiB) | 5,5 | 4,5 | 2,75 | 24 | 2 | 18 |
| Level-3-Cache (MiB) | – | – | – | – | 32 | – |
| GPU-Boost-Takt in Spielen (MHz) | 1.800 | 1.560 | 1.820 | 2.720 | 2.700 | 2.850 |
| FP32-Leistung ALUs (TFLOPS) | 15,7 | 16,0 | 13,0 | 20,9 | 22,1 | 14,6 |
| FP64-Leistung ALUs (DP:SP Ratio) | 0,49 (1:32) | 8,0 (1:2) | 0,41 (1:32) | 0,33 (1:64) | 0,69 (1:32) | 0,91 (1:16) |
| Füllrate (Gtex/Gpix pro Sek.) | 489,6/172,8 | 499,2/149,8 | 407,7/163,1 | 326,4/130,6 | 345,6/172,8 | 456,0/228,0 |
| Speicheranbindung (Bit) | 352 | 3.072 | 352 | 128 | 128 | 192 |
| Geschwindigkeit RAM (GTs/MHz) | 14,0/7.001 | 1,7/852 | 11,0/5.508 | 28,0/14.001 | 18,0/9.000 | 19,0/9.500 |
| Speichertyp | GDDR6 | HBM2 | GDDR5X | GDDR7 | GDDR6 | GDDR6 |
| Transferrate Speicher (GB/s) | 616 | 653 | 485 | 448 | 288 | 456 |
| Speicherkapazität (MiB) | 11.264 | 12.288 | 11.264 | 8.192 | 16.384 | 12.288 |
| PCI-Express-Anbindung | 3.0 ×16 | 3.0 ×16 | 3.0 ×16 | 5.0 ×8 | 4.0 ×8 | 4.0 ×8 |
| Stromanschlüsse | 2× 8-Pol | Je 1× 8-/6-Pol | Je 1× 8-/6-Pol | 1× 8-Pol | 1× 8-Pol | 1× 8-Pol |
| Board Power | 260 Watt (FE) | 250 Watt | 250 Watt | 145 Watt | 190 Watt | 190 Watt |
Angaben der Leistung auf Basis der von uns umfassend getesteten Grafikkarten (durchschnittlicher GPU-Boost über alle Benchmarks) - die rechtlich abgesicherten Herstellerangaben liegen teils deutlich darunter. *ALUs mit Dual-Issue-Fertigkeit; angegeben ist der bestmögliche (doppelte) Durchsatz.
PCGH attestierte der Titan V im zeitgenössischen Test erwartungsgemäß eine hohe Leistung sowie ein ungenügendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwar erhielten Käufer die schnellste Grafikkarte bis zum Erscheinen der Geforce RTX 2080 Ti im Herbst 2018, grundsätzlich drängte sich jedoch eine Frage auf: "Was soll der Quatsch?" Ganz einfach: Die Stärken des GV100 und somit der Titan V finden sich abseits des Gamings, überall dort, wo entweder eine sehr hohe oder geringe Präzision benötigt wird. Mit einer Leistung von knapp 8 TFLOPS bei doppelter Genauigkeit (DP/FP64) ist die Titan V bis heute die mit Abstand stärkste Lösung für wissenschaftliche Berechnungen, beispielsweise Wetter-Simulationen. Die Anfang 2019 erschienene Radeon VII stemmt immerhin 3,4 TFLOPS, eine Geforce RTX 5090 lediglich die Hälfte. Daneben führte Volta die Tensor-Kerne ein, welche erstmals die 100-TFLOPS-Marke bei halber Präzision (FP16) durchbrachen. Wer sich für weitere Technikdetails interessiert, findet diese im Technik-Tauchgang der folgenden Seite. Wer hingegen nur für die (hoch spannenden!) Balken da ist, springt direkt zu Seite 3.

Edit: lief durch, aber 88.1% Stabilität ist jetzt nicht der Knaller. Muss ich mir morgen noch genauer ansehen. Gute Nacht erstmal
Hier übrigens der Film zum Buch.
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MfG
Raff
Heute siehts so aus:
- Mittlerweile sind ~20-30% Leistungszuwachs beim Generationswechsel die Norm (wie bei CPUs schon lange)
- Mittlerweile ein FPS-Paygap von gut ~350% zwischen ner 5060 und ner 5090
- Selbst die 60Ti sowie 9060XT schlagen in 2025 gerade so eben eine fünf Jahre olle 3070
FRAGE: In welchem Jahrhundert wird die 60er Klasse die 5090 einholen? Die 4090? 5080? 4080? Wann kommt der Mainstream samt Steam also in den Premium-Gamer-Hochgenuss, Borderlesslands in Extreme-Settings 4K nativ spielen zu können? Wenn Borderlands 8 raus ist? 9? 9000? Wetten werden akzeptiert. Und Schummeln gilt nich'!
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