The First Explorers im Pre-Alpha-Test: Ein Hauch Siedler, eine Prise Manor Lords und viel Liebe
Mit The First Explorers möchte Entwickler Buchwald Interactive die Lücke zwischen den klassischen Siedler-Teilen und modernen Aufbauspielen schließen. Wir konnten den Titel bereits in einer frühen Entwicklungsphase anspielen und schauen jetzt, wie viel tatsächlich im "modernen Siedler" steckt.
Inhaltsverzeichnis
Sie bauen gern Städte, empfinden Anno jedoch als zu komplex? Ihnen gefällt der Aufbau-Aspekt von Pioneers of Pagonia, gleichzeitig wünschen Sie sich aber direkte Kontrolle über Ihre Einheiten und Kämpfe gegen KI? Oder suchen Sie Echtzeitkämpfe mit mehr spielerischer Freiheit, ohne dabei die Komplexität eines Manor Lords in Kauf nehmen zu müssen? Genau hier setzt The First Explorers an. Das Spiel kombiniert klassische Siedler-Tugenden mit Echtzeitstrategie-Elementen und verfolgt dabei einen zugänglicheren Ansatz, der Aufbau, Wirtschaft und Kämpfe miteinander verbindet, ohne den Spieler zu überfordern - Siedler 3 und 4 lassen grüßen. Was in The First Explorers drinsteckt, was bislang nicht so gut funktioniert und wie wir das Potenzial des neuen Aufbauspiels bewerten, lesen Sie jetzt im Test.
Ein Entwickler hält die Stange
Hinter Buchwald Interactive steht mit Sebastian Buchwald nur ein einzelner Entwickler. Der bekennende Siedler-Fan orientiert sich dabei vor allem an Die Siedler 3 und Die Siedler 4 und verfolgt die Entwicklung der traditionsreichen Aufbau- und RTS-Reihe seit Jahren kritisch. Spätestens nach der Übernahme durch Ubisoft hat sich die Ausrichtung der Serie deutlich verändert (wir werfen hier einmal den Namen Volker Wertich ins Rennen). Bereits Die Siedler 5 hat damals durch seinen Echtzeitstrategie-Teil einen grundlegenden Wandel eingeleitet. Die Siedler 6 gilt bis heute als einer der unbeliebteren Teile, während Die Siedler 7 zwar viele interessante Ideen besitzt, von zahlreichen Fans jedoch nicht mehr als klassisches Siedler wahrgenommen wird. Parallel arbeitet Volker Wertich mit Pioneers of Pagonia an einer modernen Interpretation des bekannten Spielprinzips, verzichtet dort bislang allerdings auf klassische KI-Gegner und direkte RTS-Konflikte. Es ist eben kein "Siedler".
| Minimum | Empfohlen | PCGH-Empfehlung | |
|---|---|---|---|
| CPU | Intel Core i7-4790K/AMD Ryzen 5 1600 | Intel Core i5-12600KF/AMD Ryzen 7 5800X | AMD Ryzen 7 5800X3D oder Intel Core i5-13600K |
| RAM | 16 GiB RAM | 16 GiB RAM | 32 GiB RAM, optimiert |
| Grafikkarte | Nvidia GTX 1070/AMD Vega 56 | Nvidia Geforce RTX 3060 Ti/AMD Radeon RX 6700 XT | Nvidia Geforce RTX 4070 Ti oder AMD Radeon RX 9070 |
| DirectX/Sonstiges | Version 12 | Version 12 | SSD empfohlen |
Das moderne Siedler 3.5 von Sebastian Buchwald
Gerade Fans der Teile 3 und 4 sehen seit Jahren eine Lücke im Genre. Aus diesem Frust entsteht schließlich die Idee hinter The First Explorers. Sebastian Buchwald entwickelt gewissermaßen seinen eigenen geistigen Nachfolger, der sich stilistisch und spielerisch stark an den klassischen Siedler-Teilen orientiert, gleichzeitig aber moderne Einflüsse aus anderen Aufbau- und Strategiespielen integriert. Technisch basiert das Projekt auf der Unreal Engine 5 und kombiniert klassischen Siedler-Städtebau mit Echtzeitkämpfen, wie sie aus Siedler 3 und 4 bekannt sind. Ein Highlight sind die Gebäude, die sich dank Fotogrammetrie sichtbar Stück für Stück zusammensetzen.
Generell folgt The First Explorers konsequent dem WYSIWYG-Prinzip ("What You See Is What You Get"), das bereits bei den klassischen Siedler-Teilen einen großen Teil des Spielgefühls und der Atmosphäre ausmacht. Waren existieren physisch in der Spielwelt, werden transportiert, verarbeitet oder eingelagert, anstatt lediglich abstrakt über Menüs dargestellt zu werden. Auch die Produktionsabläufe bleiben jederzeit nachvollziehbar. Gebäude besitzen einen individuellen Stil, Arbeitsschritte lassen sich direkt beobachten und Rohstoffe befinden sich sichtbar in der Umgebung. Ein Baum ist dabei beispielsweise ein Baum: Er kann nicht einfach durch den Bau eines Gebäudes "entfernt" werden. Wenn Sie den Bauplatz nutzen möchten, müssen Sie zuerst einen Holzfäller bauen, der die Bäume fällt, und am besten dann noch ein Sägewerk, das die Bretter daraus formt. Und dasselbe gilt auch für die Steine oder das Kupfer. Von nichts kommt nichts, und dieser Reiz war bei den Siedler-Spielen schon zugegen.
Grafik-Vergleich Low vs. Ultra mit Hardware-Overlay
Unreal Engine 5.7 als Motor
Technisch setzt The First Explorers auf die aktuelle Unreal Engine 5.7.4.0 und nutzt zahlreiche moderne Features der Engine. Entwickler Sebastian Buchwald greift dabei auf Nachfrage bewusst auf die neuesten UE-Versionen zurück, um sowohl von Optimierungen als auch von neuen Funktionen zu profitieren. Perspektivisch soll zudem die neue Nanite-Foliage-Voxel-Technologie integriert werden, die ursprünglich im Zusammenhang mit der Techdemo für The Witcher 4 vorgestellt wurde. Sie verspricht nicht nur eine bessere Darstellung von Vegetation in der Ferne, sondern reduziert auch den Overdraw deutlich und kann die Performance spürbar verbessern. Bei der Beleuchtung kommt ein abgestuftes System zum Einsatz. In niedrigen Qualitätsstufen verzichtet das Spiel auf Lumen und setzt stattdessen auf Screen Space Global Illumination. Auf mittleren Einstellungen ergänzt Distance Field Ambient Occlusion (DFAO) das Paket, während Lumen erst ab der Qualitätsstufe "Hoch" aktiviert wird.
Hardwarebeschleunigtes Raytracing für Lumen nutzt The First Explorers derzeit nicht. Für die Geometrie setzt das Spiel vollständig auf Nanite. Klassische LOD-Stufen kommen nicht mehr zum Einsatz. Bei den Schatten vertraut Buchwald auf Virtual Shadow Maps, die speziell in Kombination mit Nanite ihre Stärken ausspielen. Von der geplanten Nanite-Foliage-Voxel-Technologie erwartet sich der Entwickler zusätzliche Vorteile, da sie einige bekannte Performance-Probleme klassischer WPO-basierter Vegetation im Zusammenspiel mit Virtual Shadow Maps entschärfen kann.
Quelle: PCGH
Beim Heranzoomen werden auch die kleinsten Details sichtbar: Gräser, einzelne Pflanzen oder schuftende Arbeiter. Hier kann das Siedler-Herz wunderbar beim Wuseln zusehen.
Klassische Probleme und die Performance
Die Pre-Alpha-Version hat natürlich vereinzelt noch Schwierigkeiten. Das ist völlig normal, und wir hegen hier keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder eine Version, die frei von Bugs ist. Doch letztere halten sich wirklich in Grenzen. Das Schlimmste, was beim Aufbau der Siedlung passiert, sind Träger, die an Gebäuden hängen bleiben. Diese "kleben" dann daran, bis ein eingebauter Timeout-Workaround dafür sorgt, dass sie sich wieder lösen und normal weiterarbeiten können. Dem Entwickler ist dieser Bug bereits bewusst und er arbeitet daran, ihn bis zum Start der Early-Access-Phase auszumerzen.
Quelle: PCGH
Ende im Gelände, die beiden Planierer haben entschieden, sich am Sammelgebäude für Beeren einzuhaken. Erst nach einer Weile lösen sie sich und arbeiten normal weiter. Bei einer Pre-Alpha sind solche Bugs jedoch nicht ungewöhnlich.
Zu den Dingen, die auch noch nicht so gut funktionieren, gehört die Performance. Der Entwickler bestätigt zwar, dass The First Explorers schon gut optimiert ist, hier und da aber noch viel Luft nach oben ist. Auf unserem High-End-Testsystem mit Ryzen 9 9950X3D, 64 GiB DDR5-6000-Speicher und RTX 4090 sind Bildraten im Bereich von 40 Fps unter UHD und maximalen Details keine Seltenheit - da müsste deutlich mehr drin sein. Gleichwohl lässt sich der Titel auch auf älteren Grafikkarten flüssig spielen. Wir haben dazu testweise den altehrwürdigen Intel Core i7-4790K mitsamt Geforce GTX 1070 und 16 GiB DDR3-1600 aufgebaut und konnten das Spiel in Full HD und mit minimalen Details die meiste Zeit über mit 30 Fps spielen. Die Mindestanforderung wurde daher nach Absprache mit uns durch den Entwickler auf eben diese Hardware bei Steam gesetzt. Gerade die Performance kann sich aber während der Entwicklung noch deutlich verändern oder verbessern.
Der Weg zum Early Access
Quelle: Buchwald Interactive
The First Explorers enthält derzeit die Grundlagen, was eine Fraktion, eine ganze Sammlung aus Gebäuden und Waren, Echtzeitstrategie-Kämpfe und KI bedeutet, die bereits dazu in der Lage ist, eigene Städte zu bauen und sogar den Spieler angreifen kann. Die Roadmap gibt einen Ausblick darauf, was die Spieler bis zum Start der EA-Phase noch erwarten können: Minen, Bogenschützen, ein Lager und insbesondere Optimierungen an der Wegfindung sind herzlich willkommen. Das Spiel soll später drei Fraktionen bieten (Römer, Karthager und Gallier) und sogar eine Kampagne und eine prozedurale Kartengenerierung. Da darf man durchaus gespannt sein, was Sebastian Buchwald hier im stillen Kämmerlein in die Tat umsetzt.
PCGH-Fazit
Ein neues Aufbauspiel als geistiger Nachfolger von Die Siedler 3 und 4? Das ist kein schlechter Deal und sicherlich willkommen. The First Explorers möchte diesen Wunsch erfüllen und die Pre-Alpha-Version erlaubt Patreon-Unterstützern bereits einen ersten Einblick. Hervorragend funktionieren bereits der Aufbau der Siedlung und der Kampf - die Siedler, wie der Entwickler sie selbst nennt, wuseln schon zahlreich über den Bildschirm, gehen ihrer Arbeit nach und lassen den Spieler deutlich sichtbar daran teilhaben. Ein Knackpunkt der aktuellen Version ist noch die Wegfindung und natürlich die Performance. Wenn Buchwald Interactive hier noch etwas Liebe investiert, dann könnte The First Explorers zum Start der Early-Access-Phase auf jeden Fall einen Blick für alle Siedler-Fans wert sein.
Gleichzeitig spielt auch die Finanzierung des Projekts eine wichtige Rolle, wie uns der Entwickler anvertraut hat. Buchwald hat bereits ein eigenes Unternehmen gegründet und die organisatorischen Voraussetzungen für eine professionellere Entwicklung geschaffen. Ob The First Explorers langfristig in Vollzeit entsteht oder sogar zusätzliche Entwickler beschäftigt werden können, hängt nach seinen Angaben maßgeblich vom wirtschaftlichen Erfolg und der Unterstützung durch die Community ab. Ziel ist es, die Entwicklung nicht nur fortzuführen, sondern bei entsprechender Nachfrage auch deutlich auszubauen. Von der Finanzierung hängt am Ende auch der EA-Release ab. Auf Nachfrage hin konnte uns der Entwickler noch keinen Zeitraum dafür nennen, wir gehen aber von frühestens 2027 aus.Das Spiel lebt von der Zusammenarbeit mit der Community. Mir ist es wichtig, zusammen mit den Leuten zu entwickeln und Feedback einfließen zu lassen.
- Sebastian Buchwald
Meinung
Mitmachen und kommentieren
Endlich wieder Siedler? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu diesem Artikel. Sollten Sie noch keinen Foren-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gern PCGH bei 🔈 Youtube oder 💬 Whatsapp und erhalten Sie Neuigkeiten zu Grafikkarten, CPUs und Gaming direkt in Ihrem Feed.

MfG
Raff
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]