The Evil Within 2 angespielt - Gruseliger denn je mit STEM-Engine
Worauf können sich PC-Spieler freuen, wenn am 13. Oktober The Evil Within 2 erscheint? PC Games Hardware hat Bethesda besucht und bei einem Vor-Ort-Termin schon einmal herausfinden können, wie gruselig der Survival-Horror-Schocker wird. Und natürlich haben wir ein Augenmerk auf die Technik geworfen.
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Das Horror-Adventure The Evil Within wurde von vielen Kritikern wie Fans dafür gefeiert, dem klassischen Survival-Horror-Genre neues Leben eingehaucht zu haben. Denn während dieses Genre von der Mitte der 1990er bis etwa 2005 sehr stark vertreten war und neben der Genre-definierenden Resident-Evil-Reihe unzählige weitere Titel existierten - darunter auch einige, die selbst zu Klassikern wurden, wie etwa Silent Hill -, trieb die Entwicklung das Genre über die Zeit stark in Richtung Action-Adventure. Mehr Gegner, mehr Munition, mehr Blockbuster-Action - klar, so lassen sich spektakuläre Szenen realisieren, doch vom eigentlichen Horror bleibt nicht viel mehr als ein laues Bangen und vielleicht der eine oder andere Jump-Scare übrig. Abseits des Indie-Marktes und einem kurzen Aufbäumen beim ersten Dead Space - ab Teil 2 driftete der Sci-Fi-Horror dann stark Richtung Action ab - war das Genre Survival-Horror für viele Jahre quasi ausgestorben.
The Evil Within brach diesen Trend 2014, das Spiel ist klassischer Survival-Horror im Stile von Silent Hill oder Resident Evil. Eigentlich kein großes Wunder, denn mit Shinji Mikami, Leiter des zuständigen Studios Tango Gameworks, ist niemand geringerer als der Erfinder der Resident-Evil-Reihe an der Produktion beteiligt. Dieser trägt auch bei The Evil Within 2 zur Entwicklung bei, aber nicht mehr in leitender Funktion. Game Director ist indes John Johanas, der für einige DLCs des ersten Teils zuständig war.
Der erste Teil von The Evil Within setzt auf eine recht stark modifizierte id Tech 5, um die durchaus im positiven Sinne schaurigen Umgebungen umzusetzen. Prinzipiell machte das Spiel einen ordentlichen technischen und optischen Eindruck, doch leider gab es zu Beginn einige - insbesondere für PC-Spieler lästige - Unschönheiten, darunter das eingeschränkte Bild im Letterbox-Format und ein 30-Fps-Framelock. Diese anfänglichen Ärgernisse wurden schnell per Patch behoben und bis auf einige Ausnahmen machte die id Tech 5 in The Evil Within einen ordentlichen, wenn auch keinen umwerfenden Eindruck.
The Evil Within 2 - Aus id Tech wird STEM-Engine
Für den zweiten Teil greift das japanische Studio Tango Gameworks ebenfalls auf Technologie aus dem Hause id Software zurück. Allerdings handelt es sich bei der technischen Basis nicht um die id Tech 6, welche in Doom (2016) und Wolfenstein 2 The New Colossus zum Einsatz kommt, sondern eine auf Basis der id Tech kreierte Eigenschöpfung namens STEM-Engine. Unserer Einschätzung nach basiert die Technik noch auf der im Vorgänger genutzten id Tech 5, schließlich wurde für The Evil Within einiges an der Engine verändert, darunter Kameraperspektive und Steuerung, wohl aber auch tiefergreifende Funktionen des Grafikmotors überarbeitet, um die teils recht hohe Dynamik von The Evil Within, deren Ausleuchtung sowie die zu Teilen relativ offene Umgebungen umzusetzen. Diese Änderungen wiederum von Grund auf in die id Tech 6 einfließen zu lassen, dürfte im Verhältnis wenig praktikabel und wirtschaftlich sein, wenn man stattdessen auch die ursprüngliche Engine kräftig modernisieren kann.
Letzteres scheint mit The Evil Within 2 und STEM-Engine geschehen, STEM ist unserer Auffassung nach eine auf die Bedürfnisse des Entwicklers und Spiels zugeschnittene Version der id Tech 5, lose vergleichbar etwa mit der in Dishonored 2 genutzten Void-Engine, die ebenfalls von der id Tech 5 abstammt. Dabei flossen sichtbar eine ganze Reihe technischer Verbesserungen in die Engine ein, darunter ein physikbasiertes Rendermodell, die Beleuchtung wurde verfeinert und ist offenbar auch gegenüber dem Vorgänger dynamischer, einige Levelabschnitte sind noch weitläufiger und offener gestaltet, dazu kommen einige schicke Partikel- und volumetrische Effekte sowie eine Vielzahl anderer optischer Tricks, welche das verstörende Horror-Szenario von The Evil Within 2 untermalen.
The Evil Within 2 - Optik und Performance
Die grafische Güte und die Performance anhand der bereits von uns gespielten Versionen zu beurteilen, weist sich dabei allerdings als knifflig heraus. Das liegt auch daran, dass wir nicht nur zwei sehr verschiedene Gameplay-Demos anspielen konnten, sondern auch daran, dass diese auf unterschiedlichen Testsystemen und unterschiedlichen Settings liefen.
Unsere erste Begegnung mit The Evil Within 2 fand auf der Gamescom statt. Dort konnten wir eines der oben beschriebenen, offenen Gebiete erkunden. Im kleinen Städchen Union suchen wir als Sebastian Castellano nach unserer verschwunden Tochter Lily. Dabei können wir uns frei durch die weitläufigen Straßenzüge, Gassen, Hintergärten und Felder bewegen - was auch nötig ist, denn es gilt, patroullierenden Horror-Gestalten auszuweichen. Deren Design ist noch furchterregender als im ersten The Evil Within, Garant für schweißnasse Hände beim Umschleichen der alptraumhaften Erscheinungen. Die Horror-Atmosphäre ist gegeben, die optische Darbietung ist gefällig, wenn auch nicht herausragendes Merkmal. Die Texturen sind ordentlich und zeigen zumindest auf dem Präsentationsrechner keinerlei von der id Tech 5 bekannte Nebeneffekte wie beispielsweise ein verspätetes Hereinstreamen oder starke Kompressionsartefakte. Screen-Space-Reflections zieren den feuchten Asphalt, volumetrischer Nebel verhängt trübe die Nacht, nur von der Taschenlampe unseres Helden und einigen gleißenden Straßenlaternen unterbrochen - durchaus nett anzusehen und atmosphärisch. Etwas weniger schön ist die generell etwas gering anmutende Polygonzahl bei Umgebungen und Objekten sowie die etwas grobschlächtig anmutende Darstellung der Vegetation. Die Charaktere hingegen können überzeugen. Die Figuren zeigen sich in den (zumindest in der Demo komplett) in Echtzeit ablaufenden Zwischensequenzen von ihrer besten Seite, herausgestellt mit einer qualitativ hochwertigen Bokeh-Tiefenschärfe, gut vertont und unterhaltsam geschnitten kommt in diesen Kino-Feeling auf. Insbesondere in Ultra HD, denn auf der Gamescom lief The Evil Within 2 laut dem bereits schon umfangreichen Grafikmenü außerdem mit Ultra-Details sowie SMAA.
Und nun wird es etwas kurios: Die zweite Demo konnten wir bei Bethesda in Frankfurt anspielen. Die Demo startet in einem Kapitel, welches chronologisch kurz nach dem Zeitpunkt der ersten Demo stattfindet. Das Städtchen Union hat sich zwischenzeitlich gewandelt, beziehungsweise ist in Stücke zerbrochen, die in surrealen Winkeln und Perspektiven um uns herum schweben - wir befinden uns schließlich in einer (Alb-)Traumwelt. Das optisch Dargebotene ist sehr interessant und verbreitet eine Art Lovecraft'sche Stimmung, doch scheinen uns Details, Texturen, Schatten und Effekte ein wenig gröber, zudem liegt offensichtlich nur Full-HD-Auflösung vor. Ein schneller Blick ins Grafikmenü offenbart zudem, dass die zweite Demo zu The Evil Within 2 nur mit mittleren Details läuft, statt SMAA kommt außerdem FXAA zum Einsatz. Weshalb sich Bethesda so entschieden hat, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, die Performance auf der Gamescom war in Anbetracht der hohen Auflösung und maximalen Details nicht wirklich zu kritisieren. Allerdings wurde der dortige Präsentionsrechner sehr heiß. So heiß tatsächlich, dass wir gegen Ende der Demo die Hitze durch die dicke Jeanshose als sehr auffällig wahrnahmen, zudem bemerkten wir nach etwa 45 Minuten Spielzeit einige Ruckler, die zuvor nicht aufgetreten waren - eventuell ein Indiz für eine sich aufgrund zu hoher Temperaturen heruntertaktende Grafikkarte.
Was auch immer Bethesda dazu motiviert hat, die Einstellungen für die zweite Demo zu reduzieren, beeinflusst leider auch unsere Fähigkeit, die optische Güte sowie die Performance des Spiels einschätzen zu können. Trotz mittlerer Details machte The Evil Within 2 optisch jedoch auch in der zweiten Demo eine ordentliche Figur. Dies liegt auch daran, dass prinzipiell alle wichtigen Effekte sowie die Beleuchtung und Schattenwürfe schon bei mittleren Details vorhanden sind und wir dieses Mal ein etwas anderes Gameplay-Szenario ausprobieren konnten. Dieses Mal verschlägt es uns für den Großteil der Demo ins Rathaus von Union. Hier jagen wir einen durchgeknallten Kriegsfotografen, dessen verwirrter Geisteszustand sich unter anderem in Form verstörender "Kunstwerke" bezeugen lässt - sehr stimmungsvoll. Der spielerische Fokus hat sich gegenüber der Gamescom-Demo ebenfalls verschoben, nun ist weniger Schleichen als vielmehr ein bisschen Knobeln angesagt. Zudem werden wir mit zwei Gegnern konfrontiert, die nicht nur schrecklich-schön gestaltet und animiert wurden, sondern beim Entsorgen auch bestimmte Taktiken erfordern. Das Konzept funktioniert, zumindest auf hoher Schwierigkeitsstufe müssen wir unseren leider noch immer etwas hüftsteif animierten Protagonisten geschickt per Gamepad durch die Umgebungen lotsen, den Gegnern ausweichen und in Fallen locken, um sie schlussendlich zu erledigen. Bei den schweißtreibenden Auseinandersetzungen zündet The Evil Within 2 zudem die Effekt-Nachbrennerstufe: Von für Horrorfilme und -spiele typischen optischen Illusionen, Verzerrungs- und Grieselfiltern bis hin zu schicken Lichtspielen und Partikelwolken hat die Engine einiges im Repertoire, auch wenn wir darunter nichts wirklich Herausstechendes entdecken konnten - zumindest nicht bei mittleren Details.
The Evil Within 2 - Fazit
Es fällt ob der oben genannten Umstände etwas schwer, Optik und Performance zu beurteilen - es sind definitive Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger vorhanden, zudem ist The Evil Within 2 ein ansehnliches Spiel, das scheint gewiss. Doch die recht unterschiedlichen Demo-Versionen sowie die sehr unterschiedlichen Settings verkomplizieren eine Einschätzung der generellen optischen Darbietung. Das offene Szenario der ersten Demo war zu weiten Teilen sehr düster und nebelverhangen, auch wenn wir einige Gebäude betreten konnten und so zumindest ansatzweise eine Überleitung zur weitestgehend im Inneren des Rathauses stattfindenden zweiten Demo bilden können. Das recht weitläufige Szenario, bei dem wir durch Union streifen konnten, zeigte immerhin eine hohe Weitsicht sowie recht viele Details und dürfte gar die anspruchsvollere der beiden Demos gewesen sein - auf der nicht näher spezifizierten Hardware des Gamescom-Rechners lief diese Demo in Ultra HD bei Ultradetails zu weiten Teilen flüssig, die gegen Ende der Spielzeit auftretenden, kleinen Ruckler dürften unseres Erachtens auf die hohe Temperatur des Präsentationsrechners und die sich daraufhin heruntertaktende Grafikkarte zurückfallen.
Die zweite Demo dürfte die trotz höherer Effektdichte und in Innenräumen sehr schick anmutender Beleuchtung eher weniger hohe Anspüche an die Hardware stellen - allein schon deshalb, weil die Umgebung durch enge Gänge und kleine Räume stark begrenzt ist. Es wäre gut gewesen, hätten wir diese hohe Effektdichte und Beleuchtung in maximaler Qualität bestaunen können, so bleibt uns nur eine Optik, die wohl am ehesten mit den Konsolenfassungen vergleichbar sein dürfte. Trotz alledem ist unser Eindruck positiv - allerdings mit Vorbehalt. Erst wenn wir das Spiel noch einmal genauer ins Auge fassen können, können wir uns ob unserer Einschätzung sicherer sein.
