Cloud Gaming mit Geforce Now - macht es Nvidia besser?
Seit dem 04. Februar ist es nun soweit: Nvidia hat Geforce Now aus der fünf Jahre langen Betaphase gehoben. Der nun vollwertige Cloud-Computing-Service kann kostenlos mit Einschränkungen genutzt werden oder man bezahlt einen geringen Betrag, um auch in den Genuss von RTX zu kommen. Handelt es sich hier um einen Stadia-Killer? Was kann Nvidias Service nach fünf Jahren Beta? PCGH hat sich den Game-Streaming-Dienst etwas genauer angeschaut.
Letzten November mischte Google die Gaming-Landschaft etwas auf, als man den eigenen, aber leider unausgereiften cloudbasierten Gaming-Service Stadia veröffentlichte. Der Dienst wurde großspurig als "Zukunft des Gamings" propagiert, obwohl massive Probleme den Markenstart erheblich behinderten: Eine schlechte Verbindungsqualität, fehlende Kompatibilität und eine mehr als fragwürdige Preispolitik mit undurchsichtigen Besitzverhältnissen und Nutzungsgarantien. Für Nvidia ist Cloud-Computing kein Neuland, da der Chiphersteller seit Oktober 2015 mit der Technologie herumexperimentiert. Aus diesem Grund, sprach man vorher auch immer von einer Betaphase, die unentgeltlich ausprobiert werden konnte - bis eben zum 04. Februar 2020, als Geforce Now den Betastatus abstreifte und als vollwertiger cloudbasierter Streaming-Dienst veröffentlicht wurde.
Geforce Now: Voraussetzungen
Genau wie bei ähnlichen Services steht der Gaming-Rechner nicht zuhause, sondern zig Kilometer entfernt in einem Rechenzentrum. Deswegen brauchen Sie für die Nutzung von Geforce Now auch erstmal nur ein Abspielgerät. Aktuell geht das mit einem Mac, einem Windows-PC, Nvidias Streaming-Konsole Shield oder einem Android-Smartphone mit Android 5 oder höher. Der Rechner selber muss im Endeffekt nur einen ruckelfreien Videostream zustande bekommen, weshalb ein Dual-Core mit 2,0 GHz Rechenleistung in Kombination mit einer DirectX-11-Grafikkarte ausreichen sollte. Als Grenze gibt Nvidia die 600er Serie an (ausgeschlossen sind aber auch GTX 800m-Karten) respektive ab der AMD Radeon HD 3000-Serie und bei Intels integrierten GPUs muss mindestens die Leistung einer Intel HD Graphics 2000 erreicht werden. Natürlich lebt ein cloudbasierter Spieleservice von Ihrer Internetleitung, sodass für 720p/60 Fps mindestens 15 Mbit/s fällig werden. Aktuell ist die beste Auflösung 1080p/60 Fps, für das ihre Internetleitung mindestens einen Durchsatz von 25 Mbit/s aufweisen sollte. Das sind ungefähr die gleichen Anforderungen, die auch Stadia oder andere cloudbasierte Streaming-Services an ein 1080p-Bild mit einer Bildwiederrate von 60 Fps stellen. Generell empfiehlt Nvidia für eine stress- und problemfreie Nutzung des Dienstes mindestens eine Leitung mit 50 Mbit/s.
Geforce Now: Was macht Nvidia anders?
Im Gegensatz zu Googles Stadia können Sie nicht Ihre Computerspiele nicht direkt bei Nvidia kaufen, sondern Sie müssen die Spiele schon im Vorfeld besitzen und deshalb bei einem der üblichen Distributoren erworben haben. Im Moment haben Sie die Möglichkeit auf Ihre digitalen Spielebibliotheken bei Steam, Uplay und den Epic Games Store zuzugreifen. Dadurch werden Sie nicht in undurchsichtige Besitzverhältnisse wie bei Stadia gedrängt, da Sie die Titel auf den üblichen und sich etablierten Plattformen erstanden haben. Zudem können Sie, sofern Nvidia den Service abschaltet oder Sie keine Lust mehr auf cloudbasiertes Gaming haben, das Spiel auf einem beliebigen Rechner Ihrer Wahl installieren - Sie sind dadurch viel flexibler und weniger abhängig von Geforce Now. Das Spiel Ihrer Wahl muss schlussendlich in der aktuellen Liste von Nvidia vorhanden sein, da sich der Titel sonst nicht installieren lässt. Spiele von GOG.com, EA, Bethesda, Square Enix oder Titel die Sie auf einem optischen Datenträger oder einer Festplatte bei Ihnen zuhause haben, können Sie im Moment nicht mittels Geforce Now nutzen. Spiele von Activision Blizzard musste Nvidia auf Verlangen des Publishers wieder aus dem Sortiment nehmen.
Quelle: PC Games Hardware
Geforce Now - User Interface mit etwas Info zu den Spielen
Nvidia unterscheidet zudem zwischen einer kostenfreien Standardversion und einer "Gründer"-Mitgliedschaft. Als Gründer muss man 5,49 Euro im Monat berappen, bekommt dafür aber RTX-Effekte, der Service ist die ersten drei Monate kostenlos und man erhält mehr Spielzeit sowie einen bevorzugten Zugang zu den Servern. Im Gratis-Modell ist die Spielzeit auf eine Stunde begrenzt, sodass man dann wieder in einer Warteschlange landet, bis einem ein freier Slot zugewiesen wird. Da es sich aber nur um ein zeitlich begrenztes Angebot handelt, kann man in Zukunft mit einem angehobenen Preis für Geforce Now rechnen. Im Moment ist die Preisgestaltung des Gründer-Paketes aber mehr als fair, schließlich zahlt man nur knapp die Hälfte als beim direkten Konkurrenten Stadia. Aktuell ist es nicht möglich, mit einer höheren Auflösung als 1080p/60 Fps zu spielen, obwohl dem Spieler die Power Bis zu einer RTX 2080 zur Verfügung steht. Laut Nvidia liegt das an der Bandbreite, die durch einen 4K-Datenstrom deutlich angehoben wird. Google Stadia bietet zwar 4K als Auflösung an, aber nur sofern man den Ultra Chromecast nutzt. Zudem gibt anscheinend kaum Spiele in Googles Service, die 4K unterstützen. Stattdessen bekommt man oft ein hochskaliertes Full-HD- oder im besten Fall 1.440p-Bild vorgesetzt.
Geforce Now: Latenzmessung
Die Latenzzeit ist beim cloudbasierten Game-Streaming vor allem von der Entfernung des Clients vom Servers abhängig: Je weiter dieser weg ist, desto länger braucht das Signal für den Hin- und Rückweg. Erschwerend für Cloud Computing kommt hinzu, dass der Provider die Streckenführung vom Endkunden in das Nvidia Datazentrum auf einen möglichst effektiven und kurzen Weg optimiert haben muss. Mit möglichst vielen und gleichmäßig verteilten Rechenzentren versucht man stets eine geringe Latenz zu erzeugen. Nvidia hat deswegen Server in Frankfurt am Main, Amsterdam, Stockholm, Paris und London aufgestellt.
Quelle: PC Games Hardware
Geforce Now - Latenzmessungen
Latenzzeiten werden in der Regel im Millisekundenbereich ermittelt, sodass für die Messung eine Aufnahme mit 1.000 Fps erstellt wurde. Damit lässt sich die Zeitspanne zwischen der Input-Aktion und der Reaktion am Bildschirm millisekundengenau messen. Um einen Input auch visuell ermitteln zu können, wurde an eine Maustaste eine LED angelötet, die aufleuchtet, sobald eine Eingabe stattfindet. Die Zeit zwischen Input und visueller Reaktion am Bildschirm definiert dann die gespürte Latenzzeit, kann aber nur als relativer Wert gesehen werden und deswegen auch nicht mit anderen Messungen anderer Outlets oder Ähnlichem verglichen werden. Verglichen wird offensichtlicher Weise mit einem lokalen Rechner, bei dem die internen Grafikeinstellungen an die eingesetzte Grafikkarte angepasst wurde - hier wurde also nicht mit den Minimal- oder Maximaleinstellungen hantiert. Gemessen wurde die Latenz bei Doom (2016) und Destiny 2, bei letzterem erlauben wir uns noch einen Vergleich mit Stadia, sodass man den Unterschied zwischen beiden Services erkennen kann.
Wie Sie unschwer den Messungen entnehmen können, ist die Latenz in Doom durch cloudbasiertes Gaming enorm: Ganze 105 Millisekunden benötigt man nun vom Input zu einer Reaktion am Bildschirm. Im Spiel selber merkt man eine etwas träge und schwammige Steuerung, Multiplayer-Matches sind quasi unmöglich zu bestreiten. Bei Destiny 2 sieht es ähnlich aus, obwohl hier die eingeführte Latenz deutlich geringer ausfällt. Am PC benötigt man zwischen Betätigung der Taste und einer visuellen Reaktion 114 ms, mit Geforce Now werden 21 zusätzliche Millisekunden eingeführt, sodass wir im Mittel bei 135 ms liegen. Bei Stadia sind es dagegen 143 ms, wahrscheinlich auf Grund unterschiedlicher Server-Standorte. Destiny 2 und andere Spiele wie Wolfenstein Youngblood haben sich am Rechner natürlich viel direkter angefühlt. Beim Cloud-Gaming merkt man die eingeführte Latenz vor allem zu Beginn deutlich, man gewöhnt sich aber zu einem gewissen Maße daran.
Geforce Now: Fazit
Der Service von Nvidia hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Stadia: Er funktioniert und ist deutlich weniger störungsanfällig. Das Bild ist im Großen und Ganzen ok, wie eben ein Videostream auf Youtube oder Dergleichen. Schön sind die RTX-Effekte anzusehen, denn selbst bei dem in h.264 oder h.265 codierten Stream machen die noch was her. Natürlich haben die Codecs mit den üblichen Problemen zu kämpfen, sodass beispielsweise Graslandschaften schon mal im Artefaktematsch landen oder das dunkle Bereiche nie wirklich dunkel sind. Aber, es gibt kaum Aussetzer und der Ton ist hervorragend. Zwar gibt es keine Liste welche Spiele aktuell unterstützt werden, aber laut Nvidia sollen es mehr als 1.000 sein. Findet man das Wunschspiel nicht, wird Nvidia darüber informiert und der Titel entsprechend dem Interesse nachgereicht.
Super ist, dass man nicht für Spiele bezahlen muss. Man muss die Titel zwar im Vorfeld schon besitzen, aber kann, sofern man sich ein Spiel extra für Geforce Now kauft, dieses auch auf beliebig anderen Systemen spielen - man ist nicht an Nvidia gebunden. Es gibt außerdem eine Basis-Version, ein Feature das Google bei Stadia schon einführen wollte. Klar, man muss vielleicht mal warten und kann nur eine Stunde am Stück spielen, aber man zahlt dafür dann auch nichts. Wer dagegen 5,49 Euro bereit ist auszugeben, kann zudem mit RTX herumspielen. Das alles funktioniert auch recht gut, kommt natürlich nicht an die grafische Finesse eines lokalen Systems heran, weil hier ja komprimiert und dekodiert werden muss, aber es ist vollkommen ausreichend und die Latenz ist in animationsgeschwängerten oder langsameren Spielen auch nur Gewöhnungssache. Multiplayer oder frame-genaue Spiele lassen sich dagegen auf einem cloudbasierten Service nicht so gut spielen. Im Großen und Ganzen bietet Geforce Now einen stabilen Service und macht es besser als die Konkurrenz.
Hier geht es zu den Specs und hier zum Service.

Aber es gibt wie immer mehr als genug Leute, die den Irrwitz mitmachen.
Aber es gibt wie immer mehr als genug Leute, die den Irrwitz mitmachen.
„Was ist GeForce NOW?“ und andere haeufig gestellte Fragen.
Ich verstehe das so, dass nach 6h lediglich die Spielsession endet, nicht aber dass man draufzahlen muss. Heißt das Abo kostet 5,49€/Monat, zusätzliche Kosten gibt es keine.
Aber sie haben es sich vorbehalten die Bedingungen jederzeit zu ändern und bei Streitfragen, darf man in Delaware klagen (viel Spaß noch!). Wie die Premiumversion, in die alle Founderseditionaccounts umgewandelt werden sollen, aussieht, wird mit keinem Wort erwähnt, da könnte noch eine böse Überraschung lauern.
Es kann natürlich sein, dass Nvidia ersteinmal den Markt an sich reißen will und ähnlich wie Google, große Mengen Geld verbrennt (wobei Google die Spiele wenigstens selbst verkauft und so zusätzlichen Gewinn macht). Wirklich nachhaltig sind die Preise wohl nicht und irgendwann wird Nvidia sein wahres Gesicht zeigen müssen, wenn sie nicht bis in alle Ewigkeit Geld verbrennen wollen. Streaming hat seinen Preis und der kunde wird ihn wohl irgendwann zahlen müssen.
„Was ist GeForce NOW?“ und andere haeufig gestellte Fragen.
Ich verstehe das so, dass nach 6h lediglich die Spielsession endet, nicht aber dass man draufzahlen muss. Heißt das Abo kostet 5,49€/Monat, zusätzliche Kosten gibt es keine.