Twitch zum Status bei DMCA-Anzeigen und wie es weitergehen soll [Update]

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Twitch zum Status bei DMCA-Anzeigen und wie eas weitergehen soll (1)
Quelle: Twitch

Twitch hat ein umfangreiches Statement zur Lage um die DMCA-Anzeigen veröffentlicht, in der man in Aussicht stellt, wie es weitergehen wird. Man entschuldigt sich auch für technisch mangelhafte Lösungen, die die Situation noch verschärften. Am Ende steht aber die Erkenntnis, dass die Menge an Musik wohl weniger werden wird.

Update vom 16.11.2020

Während die Stellungnahme von Twitch zum Thema DMCA an einigen Stellen positiv aufgenommen wurde, gibt es erwartungsgemäß auch negative Stimmen. Insbesondere Streamer, die schwerpunktmäßig Musik im Programm haben, werden auch künftig Probleme haben und die sind entsprechend angesäuert. Als Protest wurden Clips ohne Musik aufgezeichnet, was bei Spielen wie Rocksmith oder Just Dance allenfalls zur Belustigung dient. Auf Twitter läuft die Kampagne "#DMCAsoundoff".

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Fairerweise muss man aber sagen, dass solcher Content es in Zukunft generell auf Twitch schwer haben wird. Hier läge es bereits an den Entwicklern der Spiele, den Content auch zur öffentlichen Aufführung zu lizenzieren. Das wird aus Kostengründen aber kaum passieren. Spiele mit Soundtrack aus lizenzierten Stücken lassen einem als Streamer letztlich auch nur die Option, den Soundtrack abzustellen. Manche Titel bieten "streamerfreundliche" Musik an, die entsprechend lizenziert ist. Zudem würde solche Content sehr wahrscheinlich trotzdem erst einmal per DMCA-Anzeige abgemahnt werden und der Creator müsste dann jeweils nachweisen, dass er die Musik rechtmäßig abgespielt hat. Das passiert sogar Musikern wie Hermann Li und seinen eigenen Titeln.

Der Unmut der Streamer ist zwar nachvollziehbar, aber ohne Urheberrechtsnovelle wird hier wohl nur die Option bleiben, die Musik entsprechend zu lizenzieren. In den USA und der EU scheint eine Änderung der Rechtslage aber im Moment unwahrscheinlich, da beide Systeme noch nicht sonderlich alt ist und lange um sie gerungen wurde.

Für Liveübertragungen besitzt Twitch nach eigener Aussage Lizenzen; aber eben nicht für Aufzeichnungen. Bislang wurde kritischer Content an den entsprechenden Stellen stummgestellt, aber das war letztlich nur eine Behelfsmaßnahme, bevor die RIAA das Thema für sich entdeckte. Content mit Musik gerät auch bei Youtube in die Maschine der Musikindustrie, aber der Inhalt ist dann dank des dahinterliegenden Systems in der Regel weiter verfügbar, wenngleich der Creator damit nichts verdienen kann. Ganz interessant ist auf der anderen Seite des Streaming-Geschäfts, dass sich Facebook um eine passende Lizenz für seine verpartnerte Streamer bemüht hat.

Quellen: Twitter (1, 2, 3), Reddit, Facebook


Original-Artikel vom 13.11.2020

Nach Youtube hat die Musikindustrie Twitch entdeckt. Das Drama bahnte sich schon seit einiger Zeit an und war wohl auch zu erwarten. Twitch wurde über die Jahre immer mehr vom "Wilden Westen" zu einem gut regulierten Asset von Amazon. In der Corona-Krise explodierte der Service förmlich in Zuschauerzahlen sowie Streamern und das nahm man bei den Musiklabels zum Anlass, im großen Stil gegen Streamer vorzugehen, die rechtlich geschützte Werke abspielen.

Es hagelte DMCA-Anzeigen auf die Archive der Streamer, in denen Musik ohne Lizenz abgespielt wurde. Und oft auch auf die mit Lizenz, weil man das in solchen Massenanzeigen gar nicht kontrollieren kann und will. In diesem Prozess sah aber auch Twitch ein ums andere Mal nicht besonders gut aus, wofür man sich nun entschuldigte.

Bis Mai 2020, vor dem großen "Raid", sollen es weniger als 50 Verstöße gewesen sein, die man bei Twitch hatte bearbeiten müssen. Danach wurde es Tausende pro Woche und ein Ende ist nicht in Sicht, denn erst mussten technische Möglichkeiten geschaffen werden, wie man großflächig das Archiv löscht und dann kam Twitch mit den Löschaufträgen nicht nach, sodass viele Clips und Aufzeichnungen trotz Löschaufforderung bis heute online sind.

Aber auch bei der Bearbeitung der tausendfachen DMCA-Anträge (nach dem Digital Millennium Act in den USA) war man wohl etwas überfordert. Nach der Anzeige müssen die Betreiber nämlich binnen festgesetzter Fristen reagieren. Twitch war darauf wohl nicht vorbereitet. Im August sollen es laut CNN 1.800 DMCA-Anträge seitens der RIAA gewesen sein, die die Musikindustrie als Lobbyverband in den USA vertritt.

Entsprechend unzufrieden sind auch die Streamer mit der Gesamtsituation, die Twitch unter anderem unzureichende Werkzeuge vorwerfen und denen trotz der richtigen Maßnahmen eine Kanalsperre und damit Umsatzausfälle drohen. Bislang scheint Twitch zumindest bei Sperren mit DMCA-Hintergrund großzügig zu agieren, wenn man sich mit dem Creator-Management auseinandersetzt. Aber auch das dürfte bald ein Ende finden.

Einigung mit Rechteinhabern uninteressant

Twitch hat zur Lösung des Problems wohl auch mit dem Lobbyverband und Musiklabeln gesprochen, aber eine Lizenzierung der Inhalte ist laut Twitch für das Geschäftsmodell in einem internationalen Umfeld offenbar nicht tragbar, da wohl auch die Umsatzbeteiligung der Labels erheblich wäre. Zudem musste man sich für jeden Standort mit dem lokalen Lobbyverband einigen, in Deutschland etwa der GEMA.

Twitch betont, dass man offen an das Thema herangeht, aber der Fokus liegt zunächst darauf, die jüngst eingeführte Musikbibliothek mit lizenzierten Titeln auszubauen. Derweil sollen zudem bessere Werkzeuge bereitgestellt werden, um den Content der Streamer zu verwalten. Man beteuert, aus dem Debakel gelernt zu haben, aber bittet auch die Creator, dass sie sich mit dem Thema Copyright auseinandersetzen müssen.

"Most importantly, don’t play recorded music in your stream unless you own all rights in the music, or you have the permission of the necessary rights holder(s)."

Am Ende bleibt nur die Erkenntnis, dass man ohne Einigung mit den Rechteinhabern keine urheberrechtlich geschützte Musik abspielen kann, ohne dabei Gefahr zu laufen, eine DMCA-Anzeige zu bekommen. Das gilt letztendlich auch für Stücke, die in Spielen wie GTA, Watch Dogs und sonst wo vorkommen. Twitch sagt zwar, dass es hier nur eine Handvoll Anzeigen gab, aber das ändert nichts an der Rechtslage und bleibt ein Risiko, wenn die Verwendung nicht im End User License Agreement des Spiels explizit erlaubt ist. Wer solche Spiele mit Musik spielt, sollte mindestens die Archivfunktion und die Clips abstellen; mit Pech wäre die Aufzeichnung ohnehin an vielen Stellen stummgestellt.

Immerhin: Liveübertragungen von Musik, etwa von Mixes von DJs, bleiben möglich, da Twitch eine entsprechende Gebühr (zumindest in den USA) zahlt. Allerdings wird davor gewarnt, voraufgenommene Musik abzuspielen. Problematisch bleiben auch hier die Archive, weshalb Clips und Aufzeichnungen abzustellen sind.

Selbst ist der Creator

Einzelpersonen in Deutschland steht es natürlich frei, Deals mit der GEMA abzuschließen. Aber auch das dürfte im "on demand"-Bereich der Archive nicht ganz problemlos sein. Einzelne Tracks selbst zu lizenzieren ist ebenfalls eine Option, aber die Erfahrung auf Youtube zeigt, dass man hier im Zweifel jeden Einzelfall nachweisen muss. Der Aufwand dürfte in keinem Verhältnis stehen. Twitch empfiehlt (neben dem neuen eigenen System) zudem noch bereits lizenzierte Inhalte wie Soundstripe, Monstercat Gold, Chillhop, Epidemic Sound und NCS. Hier wird für gewöhnlich eine monatliche Gebühr fällig.

Quelle: Twitch

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von FCA PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von realmanitu
        Ich habe mittlerweile schon vier mal mit der GEMA telefoniert, welche keine Lizenzen für eine Unterseite von twitch.tv anbietet. Die GEMA ist lediglich daran interessiert einen Vertrag mit Twitch selbst zu schließen.
        Vielleicht sollte man dann den Wunsch der GEMA respektieren und es unterlassen Musik von ihrem Mitgliedern abzuspielen oder seine Inhalte dort produzieren wo es die entsprechenden Verträge gibt oder selbst was auf die Beine stellen. Für die eigene Website gibt es Lizenzen zu erweben.

        Gibt viele Möglichkeiten aber keine ist halt so bequem.
      • Von FCA PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von realmanitu
        Ich habe mittlerweile schon vier mal mit der GEMA telefoniert, welche keine Lizenzen für eine Unterseite von twitch.tv anbietet. Die GEMA ist lediglich daran interessiert einen Vertrag mit Twitch selbst zu schließen.
        Vielleicht sollte man dann den Wunsch der GEMA respektieren und es unterlassen Musik von ihrem Mitgliedern abzuspielen oder seine Inhalte dort produzieren wo es die entsprechenden Verträge gibt oder selbst was auf die Beine stellen. Für die eigene Website gibt es Lizenzen zu erweben.

        Gibt viele Möglichkeiten aber keine ist halt so bequem.
      • Von KnaTTerMaxe Freizeitschrauber(in)
        ... mal langsam - nur weil man Inhalte produziert ist man noch lange kein Künstler

        Da gehört ein bisschen mehr dazu.

        Ich weiß ja nicht was du machst, verrate es mir.

        Aber ein Musiker "erschafft" ein Werk, seine Musik - entsprungen seiner Kreativität.

        Und verdient damit seinen Lebensunterhalt, was unter anderem von der GEMA kommt - von Leuten die sich seiner

        Kreativität bedienen um ihrerseits wieder Geld zu verdienen.

        Alles andere wäre mit fremden Federn schmücken, man könnte auch von Diebstahl reden.
      • Von realmanitu Schraubenverwechsler(in)
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        Ob ihr es glaubt oder nicht, aber die Streamer wollen auch für die Musik bezahlen, denn sie sind selbst Künstler, die Inhalte produzieren, genau wie die Musiker.
        Und? Was denkt ihr jetzt ist das Problem an der ganzen Sache? Natürlich entsprechende Lizenzen zu erwerben.

        Ich habe mittlerweile schon vier mal mit der GEMA telefoniert, welche keine Lizenzen für eine Unterseite von twitch.tv anbietet. Die GEMA ist lediglich daran interessiert einen Vertrag mit Twitch selbst zu schließen.

        Viele bekannte Streamer würden sehr gerne Lizenzen für Musik erwerben (bei kleineren, bis 72.900 Aufrufe im Jahr,
        würde das 240€ für Streaming und 240€ für VoD bedeuten). Leider blockt die GEMA an dieser Stelle ab.

        Es gibt für Streamer auf Twitch keine Möglichkeiten eine Lizenz jeglicher Art zu erwerben.
        Die GEMA sagt, sie wäre in der Übergangszeit kulant, allerdings ändert dies auch nichts daran, dass man an der Stelle gegen die Terms of Service von Twitch verstößt und damit seinen Kanal verlieren kann.

        Und so gibt es lediglich die, denen ihr Kanal egal ist und die, die ganz auf Musik verzichten. Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht und ich bin schon längere Zeit mit der GEMA in Kontakt.

        Ich finde es traurig!
      • Von FCA PC-Selbstbauer(in)
        Müssen sich halt die Streamer um die Lizenzen kümmern. Wenn jemand Selbstständig ist muss er auch dafür sorgen das er arbeiten kann. Aber wenn man zum größten Teil die Hardware sowie die Software geschenkt bekommt wird man doch wohl auch noch erwarten dürfen das einem der Rest auch reingeschoben wird.
      • Von xkraid Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Bestimmt wieder eine Fantastilliarden Dollar die den Verwertern da verloren gehen, wenn irgendein Streamer da etwas Musik im Hintergrund laufen lässt.

        Ich bin dann vermutlich wieder mal ein Einzelfall, weil ich schon mehrfach durch die Musik in nem Stream auf neue Bands gestoßen bin und im Nachgang ganze Alben gekauft habe.

        Seit der ersten DMCA-Welle ist mir das dann nicht mehr passiert.
      Direkt zum Diskussionsende
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