Star Trek Strange New Worlds Staffel 4: Deshalb ist Folge 1 kein schlimmer Kanonbruch

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Star Trek Strange New Worlds Staffel 4: Deshalb ist Folge 1 kein schlimmer Kanonbruch
Quelle: Paramount, Montage: PCGH

In der ersten Folge der vierten Staffel von Star Trek: Strange New Worlds entsteht der Eindruck, dass zwei nicht ganz unbedeutende Folgen aus Voyager und The Next Generation für ungültig erklärt wurden. Doch ist das wirklich so? Achtung Spoiler!

Vergangenen Donnerstag feierte die vierte Staffel von Star Trek: Strange New Worlds auf Paramount+ ihre Premiere. Wer den Staffelauftakt "Valles Marineris" noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen

Christopher Pikes Prädestinationsschleife

In besagter Folge wird die U.S.S. Enterprise 65 Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert, unmittelbar vor das berüchtigte Massensterben. Neben der Erde ist auch der Mars bewohnt. Seine Bewohner führen Krieg gegen die Dol'drm, eine offenbar bösartige Insektenspezies vom fünften Planeten des Sol-Systems.

Die Marsianer vernichten die Welt der Dol'drm mithilfe von gestohlener Technologie der Enterprise in der Hoffnung, ihre Heimat zu retten. Die freigesetzte Energie verschiebt allerdings die Umlaufbahn des Mars, wodurch er unbewohnbar wird. Ein Fragment des zerstörten Planeten schlägt zudem auf der Erde ein und löst dort das erwähnte Massensterben aus.

Es ergibt sich eine Prädestinationsschleife: Erst durch die Zeitreise der Enterprise kommt es zu den Ereignissen, die letztlich ihre eigene Existenz ermöglichen.

Über die Plausibilität der Handlung kann man streiten. Wir haben uns stattdessen gefragt, ob die Serie sich überhaupt an den aus Star Trek: The Next Generation und Star Trek Voyager bekannten Kanon hält. In den sozialen Netzwerken wurde darüber nämlich hitzig diskutiert.

Wurde beliebte Voyager-Folge wirklich für ungültig erklärt?

Der Voth Forra Gegen. Quelle: Paramount Der Voth Forra Gegen.

Beginnen wir mit der Voyager-Episode "Distant Origin/Herkunft aus der Ferne". Sie wurde 1997 für die dritte Staffel der Serie produziert, als Autoren fungierten die Urgesteine Brannon Braga und Joe Menosky.

Darin entdeckten zwei Wissenschaftler der heimatlosen Voth, dass sie mit Menschen genetische Merkmale teilen. Im Laufe der Folge verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Voth von den Hadrosauriern abstammen und die Erde vor Millionen von Jahren verließen.

Zuschauer von Strange New Worlds haben sich mitunter gefragt, wieso man auf der Erde anstelle der Zivilisation der Voth nur primitive Dinosaurier vorfindet. Laut gängiger Fan­theorie verließen die hochentwickelten Saurier als Folge des Massensterbens/des Asteroideneinschlags die Erde.

Janeway und der Doktor betrachten den Hadrosaurier. Quelle: Paramount Janeway und der Doktor betrachten den Hadrosaurier.

Ignoriert Strange New Worlds also Voyager? Nein. In der Voyager-Folge wird nie gesagt, dass die Voth vor 65 Millionen Jahren aufbrachen. Im Gegenteil: Janeway und der Doktor spekulieren auf dem Holodeck, dass die Hadrosaurier das Artensterben überlebt und sich danach weiterentwickelt haben könnten. Die Voth hätten sich demzufolge erst später entwickelt.

Zudem erfährt man, dass die Doktrin der Voth etwa 20 Millionen Jahre alt ist. Sie müssen sich also irgendwann zwischen dem Massensterben und der Zeit vor 20 Millionen Jahren entwickelt haben.

Darf es vor 65 Millionen Jahren schon Humanoide gegeben haben?

Die Urhumanoiden lebten vor Milliarden von Jahren. Quelle: Paramount Die Urhumanoiden lebten vor Milliarden von Jahren.

Etwas seltsam mutete es für manche an, dass es sich bei den Marsianern aus Strange New Worlds um eine humanoide Spezies handelt.

Die meisten bekannten Aliens im Star-Trek-Universum sind tatsächlich menschenähnlich. In "The Chase/Das fehlende Fragment" aus der Feder von Joe Menosky liefert Star Trek: The Next Generation dafür auch eine Erklärung. Demnach gehen alle auf sogenannte Urhumanoide zurück. Sie hatten vor langer Zeit das Universum erkundet, fanden es aber einsam und verlassen vor. Darum entschlossen sie sich, ihre DNA in der Galaxis zu verteilen.

Darf es vor 65 Millionen Jahren noch kein humanoides Leben gegeben haben? Doch, denn die Urhumanoiden lebten bereits vor 4 Milliarden Jahren.

Auch Dr. M'Bengas Feststellung, dass wohl einige Marsianer überlebten, da ihr genetisches Material in vielen Spezies zu finden sei, widerspricht The Next Generation nicht. Es könnten letztendlich beide, die Marsianer und die Urhumanoiden, ihr Material im All verteilt haben.

Womöglich trafen die Marsianer im Laufe der Zeit auf andere Humanoide und zeugten gemeinsame Kinder. In den meisten Menschen findet man schließlich auch genetisches Material von Neandertalern.

Der Mars hätte längst unbewohnbar sein müssen

Das größte Problem der Episode "Valles Marineris" ist ohnehin ein anderes.

Vermutlich hatte der Mars vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren eine dichtere Atmosphäre, flüssiges Wasser und möglicherweise sogar Seen und/oder einen Ozean. Sein flüssiger Kern kühlte sich, da kleiner, jedoch schneller ab als jener der Erde. Dadurch kam der sogenannte Dynamo-Effekt zum Erliegen, der das globale Magnetfeld erzeugt. Ohne schützendes Magnetfeld trafen geladene Teilchen der Sonne direkt auf die obere Atmosphäre. Über Hunderte Millionen bis Milliarden Jahre wurde die Atmosphäre nach und nach ins All getragen. Eine Atmosphäre hat der Mars zwar bis heute, aber nur einen kümmerlichen Rest. Ihr Druck beträgt etwa 0,6 Prozent des Luftdrucks auf der Erde.

Vor 65 Millionen Jahren war der Mars nach aktuellem Forschungsstand bereits seit sehr langer Zeit eine kalte, trockene Wüstenwelt. Laut Strange New Worlds starb der Mars aber erst, weil sich vor 65 Millionen Jahren die Umlaufbahn verschob.

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    • Kommentare (1)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Chaddy PC-Selbstbauer(in)
        Die Folge war an sich ganz gut, aber es gab leider mehrere scheunentorgroße Logiklöcher bzw. Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das hat es mir dann doch wieder etwas verleidet.

        Neben dem, was im Artikel schon genannt wurde, z. B. auch: Die beschriebene Abkühlung des Erdklimas im Känozoikum ist der Öffnung der Drakestraße (die Seestraße zwischen der Antarktis und Südamerika - früher bestand da eine direkte Landverbindung zwischen den beiden Kontinenten) und damit verbundenen Änderungen der Meeresströmungen zu verdanken, nicht irgendwelchen Bahnänderungen des Mars. Das würde auch zeitlich nicht passen, denn diese Abkühlung der Erde begann erst ungefähr 30 Millionen Jahre nach den Ereignissen in der Episode.

        Dieser in der Episode zerstörte Planet zwischen Mars und Jupiter hätte nach heutigen wissenschaftlichem Stand auch kaum existieren können, da die vom Jupiter erzeugten Störungen in diesem Bereich wahrscheinlich die Bildung eines weiteren Planeten unmöglich gemacht hätten.

        Hätte es eine derart fortschrittliche Zivilisation auf dem Mars gegeben oder überhaupt höher entwickeltes Leben, dann müsste man auch heute noch fossile Überreste finden. Da der Mars keine Plattentektonik hat, also da auch nichts im Laufe der Zeit im tiefere Gesteinsschichten wandert, und auch keine besonders starke Erosion oder anderweitige starke physische und chemische Zersetzung stattfindet, müsste man aber sogar noch Überreste der Städte, Infrastruktur usw. finden. Es würden auch künstliche Veränderungen der Marsoberfläche nachgewiesen werden können, Bergbauminen, Staudämme usw. Im 23. Jahrhundert ist der Mars ja längst besiedelt und mit Sicherheit auch gründlich erforscht. Es hätte also wahrscheinlich bereits lange bekannt sein müssen, dass da mal eine fortschrittliche Zivilisation lebte.
      • Von Chaddy PC-Selbstbauer(in)
        Die Folge war an sich ganz gut, aber es gab leider mehrere scheunentorgroße Logiklöcher bzw. Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das hat es mir dann doch wieder etwas verleidet.

        Neben dem, was im Artikel schon genannt wurde, z. B. auch: Die beschriebene Abkühlung des Erdklimas im Känozoikum ist der Öffnung der Drakestraße (die Seestraße zwischen der Antarktis und Südamerika - früher bestand da eine direkte Landverbindung zwischen den beiden Kontinenten) und damit verbundenen Änderungen der Meeresströmungen zu verdanken, nicht irgendwelchen Bahnänderungen des Mars. Das würde auch zeitlich nicht passen, denn diese Abkühlung der Erde begann erst ungefähr 30 Millionen Jahre nach den Ereignissen in der Episode.

        Dieser in der Episode zerstörte Planet zwischen Mars und Jupiter hätte nach heutigen wissenschaftlichem Stand auch kaum existieren können, da die vom Jupiter erzeugten Störungen in diesem Bereich wahrscheinlich die Bildung eines weiteren Planeten unmöglich gemacht hätten.

        Hätte es eine derart fortschrittliche Zivilisation auf dem Mars gegeben oder überhaupt höher entwickeltes Leben, dann müsste man auch heute noch fossile Überreste finden. Da der Mars keine Plattentektonik hat, also da auch nichts im Laufe der Zeit im tiefere Gesteinsschichten wandert, und auch keine besonders starke Erosion oder anderweitige starke physische und chemische Zersetzung stattfindet, müsste man aber sogar noch Überreste der Städte, Infrastruktur usw. finden. Es würden auch künstliche Veränderungen der Marsoberfläche nachgewiesen werden können, Bergbauminen, Staudämme usw. Im 23. Jahrhundert ist der Mars ja längst besiedelt und mit Sicherheit auch gründlich erforscht. Es hätte also wahrscheinlich bereits lange bekannt sein müssen, dass da mal eine fortschrittliche Zivilisation lebte.
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