Stop Killing Games: Rückendeckung aus dem EU-Parlament
In einer öffentlichen Anhörung legte die Bürgerinitiative "Stop Destroying Videogames" dem EU-Parlament das Problem mit dem digitalen Verbraucherschutz bei Videospielen dar. Die zuständige Kommission sprach breite Zustimmung aus.
Am 16. April 2026 fand die öffentliche Anhörung der Bürgerinitiative "Stop Destroying Videogames" im EU-Parlament statt. Über eine Million EU-Bürger unterschrieben die Petition, die klare Lösungen zum Erhalt von Videospielen im digitalen Raum fordert. Die zuständige Kommission zeigte sich bereit, die Forderungen der Initiative ernst zu nehmen und gab Ausblicke auf rechtliche Ansätze in naher Zukunft.
Hört auf, Videospiele zu zerstören
In der Eröffnung schildert Ross Scott, der Gründer der verbundenen Initiative "Stop Killing Games", das Problem genauer:
Wenn wir sagen, ein Spiel wurde zerstört, meinen wir, dass ein Publisher alle Kopien, die jemals verkauft wurden, für immer deaktiviert hat, sodass sie niemand jemals wieder spielen kann.
Gerade aktuelle Beispiele hierfür sind Concord und Anthem, die beide nicht lange nach ihrer Veröffentlichung in der Versenkung verschwanden.
In der 45-minütigen Anhörung kommen verschiedene Angehörige der Initiative zu Wort und beleuchten das Problem von Standpunkten des Rechts, der Industrie und vor allem der Verbraucher aus. Bisherige Lösungsvorschläge der Industrie werden kritisiert, weil sie das Anliegen der Initiative verfehlen und die unklare Rechtslage rund um das Thema wird ebenfalls problematisiert.
Die Antwort der Kommission
Am Ende der Anhörung gibt die Kommission verschiedene Rückmeldungen, zeigt sich aber zu großen Teilen den Anliegen der Initiative zugeneigt. Sie verweist auch auf den Digital Fairness Act, den die Kommission am Ende des Jahres ins Rollen bringen möchte. In den Regelungen geht es allerdings primär um Verbraucherschutz im Netz in Bezug auf Personalisierung und Marketing, der nur indirekt mit dem Problem der verschwindenden Spiele zu tun hat.
Des Weiteren spricht die Kommission die Probleme mit Videospielen in Verbindung mit den Richtlinien zum Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt an. Ein Artikel der Richtlinien bestimmt, dass nicht länger kommerziell verfügbare Werke über Verwertungsgesellschaften oder Einrichtungen des Kulturerbes lizenziert werden können. Videospiele fallen aber zu leicht durch die Kriterien, die für eine solche Lizenzierung erfüllt werden müssen. Deswegen werden die Richtlinien einer Revision unterzogen, deren Ergebnisse die Kommission dann im Juli präsentieren möchte.
Ilhan Kyuchyuk drückt nochmal die breite Unterstützung aus den drei Ausschüssen für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO), Recht (JURI) und Petitionen (PETI) aus und möchte den Dialog mit den Beteiligten aufrechterhalten.
Im Schlusswort fasst der Vorsitzende Nils Ušakovs gut zusammen, was die Anhörung erreicht hat: Die EU-Kommission versteht ihre Aufgabe nun besser, sicherzustellen, dass digitale Käufe funktionsfähig bleiben und die Verbraucherrechte in der sich wandelnden digitalen Landschaft respektiert werden.
Quellen: Youtube, EUR-lex, Legislative Train Schedule, Stop Killing Games, Stop Destroying Videogames

Bei digitalen Gütern auf physischen Medien verhält es sich ähnlich. Meine N64 Super Mario Kopie bleibt weiterhin in meinem Besitz, auch wenn Nintendo plötzlich Abstand von dem Spiel nimmt. Ich kann weiterhin meinen N64 an die Röhre klemmen und das Spiel spielen, auch wenn das Spiel zwischenzeitlich nicht mehr verkauft/unterstützt wird. Nintendo kann auch nicht in meine Wohnung kommen und meine N64 Sammlung aus meinem Besitz entfernen.
Jetzt haben wir halt das Problem, dass Spiele nicht mehr in physischer Form vertrieben werden, sondern nur mehr als digitaler Download angeboten werden. Und plötzlich kann der Publisher "in meine Wohnung kommen" und das Spiel kaputt machen, also dafür sorgen, dass ich es nicht mehr spielen kann.
Es gibt vielleicht Gründe dafür, den Support einzustellen. Server sind nicht mehr wirtschaftlich, Probleme mit Lizenzgebern, usw.
Aber das ist ja nicht mein Problem, sondern dass des Herausgebers.
Deswegen verlangt die Initiative Stop Killing Games explizit nach einer Verpflichtung der Publisher zu einem "End of Life"-Planes für Spiele, damit sichergestellt ist, dass Konsumenten nicht unerwartet mit digitalem Schrott konfrontiert werden, alsbald der Publisher kein Interesse am Spiel mehr hat.
Das kann folgendermaßen aussehen:
- Das Spiel wird nach EOL von Always-Online Maßnahmen befreit, ein Patch löst die Komponente aus dem Spiel und das Spiel kann anschließend auch ohne aktiver Verbindung zu einem Server gespielt werden - Vor allem bei SinglePlayer Spielen eine gute Option.
- Der Publisher stellt die Server-Side Files zur Verfügung und die Spieler können einen eigenen Server hosten um das Spiel weiter ausführen zu können - Vor allem bei MultiPlayer Spielen interessant.
- Publisher geben ein explizites, verbindliches Haltbarkeitsdatum für Spiele an. Quasi eine Gewährleistung auf digitale Güter, innerhalb derer die bezahlte Ware in einem funktionstüchtigem Zustand gehalten werden muss. Ab Ablauf der Unterstützung kann der Publisher das Produkt terminieren und die Käufer können angesichts der klaren Rahmenbedingungen eine informierte Kaufentscheidung treffen.
"Kaufe ich Spiel XY für 60€, wenn der Support in einem Jahr endet und das Spiel dann nicht mehr gespielt werden kann?"
im Gegensatz zu:
"Kaufe ich Spiel XY für 60€, ohne zu wissen wie lange mein Spiel noch in einem funktionstüchtigem Zustand verbleibt?"
- Zumindest sollen Publisher dazu verpflichtet werden, Sorge zu tragen, dass ein Spiel nach EOL weiterhin dem Käufer zugänglich bleibt. Niemand erwartet bei einem Spiel unendlich langen Support, aber einen fortlaufende Nutzbarkeit. Wie der Publisher dieser Verpflichtung nachzukommen hat, soll besonders breit gefächert sein, es geht ja auch nicht darum, dem Publisher auf die Füße zu treten, nur darum die Rechte der Konsumenten zu wahren.
Ich denke, dass bei MP-Only ein Haltbarkeitsdatum eine besonders gute Lösung wäre, welche beiden Seiten zuträglich ist. Dann überlegt sich der Publisher einfach sehr gut, ob er ein Spiel wie Highguard oder Concord auf den Markt bringen möchte und die Spieler können eine fundierte Kaufentscheidung treffen. Dabei gehen dann zwar weiterhin Spiele im digitalen Nirvana verloren, weil die Spiele mit EOL unspielbar werden (sofern keine Serverfiles veröffentlicht werden) aber es wäre in meinen Augen ein gangbarer Mittelweg.
Bei Spielen, welche aus technischer Sicht grundlos unspielbar werden würden, weil nur ein Aktivierungsserver abgedreht wird, würde ich rigoros darauf bestehen, dass der Always-Online Zwang entfernt wird.
Ich hoffe, dass am Ende des Tages eine Lösung gefunden wird, mit welcher alle Parteien zu einem besserem Verhältnis zueinander finden. Auch Hut ab vor Scott Ross, welcher sich für unser Hobby diesen Aufwand antut.
Trotzdem bleibt auch dann ein riesen Rattenschwanz an Fragen. Auf so was Diffusem wie "die Community" lässt sich nun mal keine rechtliche Regelung aufbauen. Da brauchst du - für jedes Spiel(!) - einen ganz konkret Verantwortlichen, ob nun eine Einzelperson, ein Verein, eine Stiftung, eine Firma, oder was auch immer. Und für diesen Verantwortlichen müssen dann genau die damit verbundenen Rechte und Pflichten festgelegt werden, und ganz insbesondere muss geklärt werden, was passieren soll, wenn derjenige seinen Pflichten (insbesondere Bereitstellung und rudimentäre Pflege) nicht länger nachkommen kann oder will. Wenn du nicht willst, dass sich mit dem Ende einer Community (aus Zeit- oder Interessemangel) oder dem Tod von ein paar Nerds, die sich bis dahin verantwortlich gefühlt haben, genau die selben Fragen wieder stellen, die sich gestellt haben, als das Spiel beim Publisher sein Lebensende erreicht hatte, braucht's dafür irgendeine verlässliche Institution. Ohne eine solche wird es nun mal nicht gehen, und der Glaube, alles werde schon irgendwie gut, wenn man es einfach nur in die Hände "der Community" legt, ist nicht nur viel zu unkonkret, sondern auch - sorry - albern und naiv.
Ob gute oder schlechte Idee, will ich überhaupt nicht beurteilen; ich kann mir nur schlechterdings einfach nicht vorstellen, wie das ohne etwas, das zumindest grob in diese Richtung geht, auch nur ansatzweise funktionieren soll. Die Gefahr von Fehlanreizen sehe ich nicht. So lange ein Spiel Kohle generiert, wird es ein Publisher immer unter seiner Fittiche behalten, und erst, wenn das nicht mehr der Fall ist, wird er es nicht weiter pflegen oder irgendwann abschalten. Daran würde sich ja grundsätzlich nichts ändern, also wieso sollten Publisher ihre Spiele dann plötzlich deutlich früher ausmustern?
es geht auch nicht darum, das das spiel zu 100% alles bieten muss was mal existierte. aber wenn zum beispiel ein diablo3 auf pc was ja blizzard server vorraussetzt dann halt nur noch singleplayer offline gespielt werden kann, dann ist das auch ein "playable state". und sollte es ein fan projekt geben das irgendwie den multiplayer wieder möglich macht, dann ist das halt so und man kann sich drüber freuen. aber dann sollte der publisher halt nicht sagen dürfen ja ne das dürft ihr nicht.
die müssen halt nur von anfang an das ende des produktes schon mit einplanen. und klar das kann bei mmo's und dergleichen vielleicht schwieriger werden aber selbst da kennt man ja die ganzen wow vanilla fan server die auch funktioniert haben aber halt nicht legal waren. das wären sie aber dann. wenn das von vornherein mit eingeplant ist, ist alles machbar.
Morgen schaltet Valve die komplette Bibliothek ab, klar ist das konstruiert. Aber letztendlich sind wir abhängig ohne Datenträger, selbst dann besteht die Gefahr, wenn digitale Anmeldung Zwang ist.
Was möchte man dagegen tun? Datenträgerpflicht einführen, Server selbst bereithalten /hosten? Offlineschalterzwang? Gesetztesgrundlage ändern bezüglich Besitzrechte?
Bin gespannt.
Trotzdem bleibt auch dann ein riesen Rattenschwanz an Fragen. Auf so was Diffusem wie "die Community" lässt sich nun mal keine rechtliche Regelung aufbauen. Da brauchst du - für jedes Spiel(!) - einen ganz konkret Verantwortlichen, ob nun eine Einzelperson, ein Verein, eine Stiftung, eine Firma, oder was auch immer. Und für diesen Verantwortlichen müssen dann genau die damit verbundenen Rechte und Pflichten festgelegt werden, und ganz insbesondere muss geklärt werden, was passieren soll, wenn derjenige seinen Pflichten (insbesondere Bereitstellung und rudimentäre Pflege) nicht länger nachkommen kann oder will. Wenn du nicht willst, dass sich mit dem Ende einer Community (aus Zeit- oder Interessemangel) oder dem Tod von ein paar Nerds, die sich bis dahin verantwortlich gefühlt haben, genau die selben Fragen wieder stellen, die sich gestellt haben, als das Spiel beim Publisher sein Lebensende erreicht hatte, braucht's dafür irgendeine verlässliche Institution. Ohne eine solche wird es nun mal nicht gehen, und der Glaube, alles werde schon irgendwie gut, wenn man es einfach nur in die Hände "der Community" legt, ist nicht nur viel zu unkonkret, sondern auch - sorry - albern und naiv.