Crucial P5 Plus im Test: Solide SSD ohne Superlative
Wie schon bei den Modellen mit PCI Express 3.0 veröffentlicht Micron recht spät ein Modell mit der schnelleren Schnittstelle PCI Express 4.0. Andere Marken haben dort schon fast zwei Jahre Vorsprung. Jetzt mit der zweiten Generation der 4.0-SSDs ist schon fast jeder große Hersteller vertreten. Im Gegensatz zum legendären SATA-Modell MX500 fanden die 3.0-Modelle P2 und P5 nicht so richtig ihre Nische auf dem Markt. Ob sich das nun mit der P5 Plus ändern wird? Wir haben ihre Leistung abgeklopft.
An der Spitze der Königsklasse mit PCI Express tummeln sich bereits große Namen wie Corsair, WD Black oder Samsung. Das hat Micron bislang ja auch nicht gestört und hat sich in der SATA-Klasse stets einen Preis-Leistungs-Schlagabtausch mit Samsung geliefert. Die Crucial MX300 und MX500 haben der 860 und 870 Evo von Samsung das Fürchten gelehrt, indem sie bei gleicher Leistung oftmals einen Hauch günstiger waren. Bei den M.2-Modulen mischte Micron mit der Endkundenmarke Crucial lange nicht mit und wagte sich erst mit einem Billig-Modell mit QLC-Flash auf dem Markt. Solche Modelle sind nach wie vor beliebt unter Käufern, die den Preisvergleich lediglich nach Gigabyte-Preis sortieren und auf die restliche Ausstattung und Eigenschaften keinen Wert legen. Für alle andere sind solche Tests wie der gedacht. Die Crucial P5 sollte in der PCI-E-3.0-Oberklasse mitmischen, aber konnte weder im Preis noch in der Leistung im Meer an SSD-Modellen hervorstechen. Ob der P5 Plus das nun gelingen könnte, haben wir hier geprüft.
Crucial P5 Plus: Solide Specs
Das Datenblatt liest sich grundsolide: Sowohl Flash als auch Controller kommen von Micron selbst. Bei Letzterem handelt es sich um eine Eigenentwicklung namens Micron DMA02A1. Der Flash besteht aus 176 lagigen TLC-Modulen, die üblichen Zellen mit drei Bit also. Die maximalen Datenraten von 6.600 MB/s lesend und 5.000 MB/s schreibend sind nun nicht etwa das neue Nonplusultra und konkurrieren eher den 4.0-Modellen der ersten Generation von 2019. Eine Samsung SSD 980 Pro, WD Black SN850 oder Corsair MP600 Pro sind da etwas schneller, aber auch wesentlich teurer - so viel sei jetzt schon gesagt. Dafür punktet die P5 Plus aber in der B-Note: 5 Jahre Garantie und ein DRAM-Cache zeigen, dass es sich hier nicht um ein Billigmodell handelt.
Wie alle SSDs mit TLC-Flash verfügt die P5 Plus auch über den sogenannten Pseudo-SLC-Cache - nicht zu verwechseln mit dem DRAM-Cache. Das bedeutet, dass die Zellen zugunsten der Geschwindigkeit mit nur einem Bit statt drei beschrieben wird. Er schrumpft stets mit voller werdender Kapazität, was aber für die Anwenderpraxis irrelevant sind, da zum einen noch immer viele Gigabyte mit voller Geschwindigkeit geschrieben werden können und zum anderen die Leistung recht moderat auf "nur" circa 1.000 MB/s bzw. 600 MB/s einbricht.
Crucial P5 Plus: Benchmark- und Praxisleistung
In unseren praktischen Kopiertests duplizieren wir Referenzmengen auf dem Laufwerk. Dadurch bekommen wir die isolierte Transferleistung des Testmusters, jedoch lediglich lesend und schreibend gemischt, also gleichzeitig. Nun ist das schnelle Schaufeln großer Datenmengen eigentlich die einzige Eigenschaft, in der sich die PCI-Express-4.0-Modelle gegenüber den langsameren 3.0-Modellen in der Praxis absetzen können. Die P5 Plus versinkt hier aber im Mittelfeld unter schnellen 3.0-SSDs und kann mit den teuren Nonplusultra-Modellen von Samsung, Corsair oder WD Black nicht ganz mithalten. In unseren Diagramm-Gruppen haben wir bewusst alle Schnittstellen der SSDs gemischt, also nicht etwa zwischen SATA und PCI Express unterschieden, um genau solche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
Lediglich mit den Benchmarks von PCMark 10 setzt sie sich gegenüber anderen Modellen, etwa der MP600 Pro, ab. Aber hier führt die Samsung SSD 980 Pro unangefochten das Feld an. Auffällig auch die starke Leseleistung in AS SSD 2.0, welcher mit unkompromierbaren Daten testet. Kurioserweise ist die Leistung im Atto-Disk-Benchmark, welcher mit dankbareren komprimierbaren Daten testet, etwas langsamer. Die 6.000er Marke in der Transferrate aber knacken wir nur mit dem Crystal Disk Benchmark.
Fazit: Preis-Leistungs-Mittelklasse unter 4.0-SSDs?
Bislang setzten neue 4.0-Modelle in Sachen Leistung immer gerne eins drauf: Die Samsung SSD 980 Pro etwa löste die erste Generation der 4.0-Modelle mit dem alten Phison-Controller und dem 5.000er-Limit ab. Die WD Black SN850 oder Corsair MP600 Pro schienen auch um den Thron der Consumer-SSDs zu kämpfen. Nicht so Die Crucial P5 Plus: Hier scheint Micron mit dem Preis punkten zu wollen, ohne an wichtigen Ausstattungsmerkmalen wie eine lange Garantie oder den DRAM-Cache sparen zu wollen. Micron hat gerne Alternativmodelle ohne DRAM parallel angeboten, etwa die BX-Modelle unter den SATA-SSDs oder die P2. Das ist aber hier nicht der Fall. Sie ist zwar noch immer wesentlich teurer als eine P5 ohne Plus oder andere gute 3.0-SSDs, aber der Straßenpreis soll sich wohl unter den genannten Topmodellen der Konkurrenz ansiedeln, um genau diese Nische unter den Modellen mit PCI-Express-4.0-Schnittstelle zu besetzen. So richtig da ist diese Nische aber noch nicht: Wer eine gute und günstige PCI-Express-SSD sucht, ist mit einem 3.0-Modell trotz eventuellen 4.0-Unterbau noch immer besser beraten. Eine Crucial P5 Plus lohnt sich also erst dann, wenn sie im Preis mit den Topmodellen der 3.0-Liga konkurrieren kann.