SSD-Kauf: Wegen Bauteilwechseln ein "unkalkulierbares Risiko"?

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SSD-Kauf: Wegen Bauteilwechsel ein "unkalkulierbares Risiko"? (1)
Quelle: Silicon Motion

Bauteilwechsel auf Elektronik sind nicht ungewöhnlich, doch bei SSDs können diese sehr schnell die Leistungsdaten ändern. Toms Hardware hat das Thema untersucht und beklagt ein potenziell "unkalkulierbares Risiko" für den Kunden, weil die Hersteller mit Transparenz geizen - insbesondere dann, wenn der Kunde einen Nachteil hat. Manch einer erinnert sich an die SMR-Debatte bei Festplatten.

Den erfahrenen Technik-Interessierten dürfte es nicht überraschen, dass Hersteller von Hardware mitunter während der Laufzeit Bauteile austauschen. Das gilt vom Widerstand bis zur Bestückung mit Chips und das kann sich am Ende auf die Leistung auswirken. Oft merkt man davon nicht viel, bei SSDs aber kann das Ergebnis solcher Änderungen durchaus messbar durchschlagen.

In einem Bericht führt Toms Hardware aus, dass der Kauf einer SSD zu einem "unkalkulierbaren Risiko" werden kann, denn es werden nicht nur NAND-Chips unterschiedlicher Herkunft verwendet, die im Idealfall zumindest vergleichbare Spezifikationen haben, sondern auch Controller. Drei Angebote wurde untersucht und im schlechtesten Fall trat eine Leistungsabweichung von 41 Prozent auf. Die SSDs erreichten teilweise auch nicht mehr die Spitzen-Transferleistungen, mit denen sie in der Ursprungsrevision beworben wurde.

Das alles dürfte nicht wahnsinnig überraschend kommen, aber ähnlich wie bei der Debatte um Festplatten und SMR (Shingled Magnetic Recoding), fehlt hier die Transparenz seitens der Anbieter, wenn Revision geändert werden. Das verschärft auch das Problem, wie ernst man Tests zum Launch nehmen kann. Dass zuweilen spezielle Rezensionsexemplare für Produkttests aller Art verschickt werden, kann man in Tests zumindest erwähnen - neue Hardware-Revisionen indes müsste man wohl generell komplett neu auf den Prüfstand stellen. Insbesondere dann, wenn SSDs in neuer Revision unter gleichem Namen vertrieben werden, auf denen komplett neue Bauteile verwendet werden, die leistungskritisch sind.

Mehr Transparenz wäre nötig

Die Gründe für solche Änderungen sind in der Regel a) Kostenreduktion oder b) nicht mehr verfügbare Bauteile. Den meisten Kunden kann das egal sein, solange die Leistung vergleichbar bleibt. Im Fallbeispiel mit der Adata XPG SK8200 Pro hat das Unternehmen aber seit Release die komplette Bestückung ausgetauscht - Flash-Chips, Controller, Firmware. Der Wechsel ist von Adata bestätigt, wo man vergleichbare Leistungswerte verspricht. Die ließen sich allerdings in Tests nicht nachweisen.

Und das lässt die Kritik aufkommen. Die Praxis des Komponentenwechsels mag man dulden, möglicherweise auch den Vertrieb mit gleichem Produktnamen. Das Anpassen der technischen Daten auf der Produktseite aber wird zunehmend unterlassen - und kann dann auch kaum von Shops erwartet werden, die sich auf Herstellerangaben verlassen.

Komponentenwechsel gang und gäbe

Adata ist nicht alleine: Teamgroup etwa tauschte laut Bericht den Controller auf der MP34S von Phison zu Silicon Motion. Immerhin gabs dafür 2 Jahre mehr Garantie. Kingston tauschte NAND-Chips auf der V300, ohne den Produktnamen zu ändern. Die Unternehmen machen das aber durchaus, wenn es ihnen passend kommt. Etwa bei der Kingston KC2500, die baugleich mit der KC2000 ist und nur eine höhere Geschwindigkeit am NAND-Bus-Interface bietet. Bei Western Digital reichte ein Firmware-Update der SN750, um ein neues Produkt zu schaffen. Wille scheint es also zu geben, wenn es dem Verkauf hilft. In alten Zeiten gab es 20 Prozent mehr Leistung mit einer neuen Firmware, ohne die Crucial M4 umzubenennen.

Nun mag man meinen, dass große Marken mit eigener Produktion etwas stabiler Produkte bestücken, aber das ist nicht zwingend der Fall. Samsung wechselte bei der 850 Evo den NAND zu mehr Layern. Das wurde allerdings kommuniziert - wohl auch, weil es die Leistung verbesserte und so ein Interesse bestand, die SSDs neu testen zu lassen. Es geht aber auch anders herum: Micron schickte die Crucial BX500 mit TLC zum Test, die Retail-Ware hatte dann QLC-NAND. Das fiel vor allem durch das geänderte Overprovisioning auf, das die Kapazitäten der SSDs änderte.

Einige dieser Fälle hat Toms Hardware analysiert und die Ergebnisse des Bauteilwechsels veröffentlicht. Manchmal gewinnt der Kunde, manchmal verliert er. Das Problem ist letztlich, dass er nicht transparent über Änderungen informiert wird. Hersteller behalten sich Änderungen schon aus rechtlichen Gründen stets vor und es mag auch nicht weiter stören, wenn die versprochene Leistung dabei nicht nachteilig verändert wird. Auf Tests aber kann man sich so nur noch verlassen, wenn genau die Revision deklariert wurde und man dann auch eben diese erwirbt - oder es versucht.

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    • Kommentare (42)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von BoMbY Software-Overclocker(in)
        Ich würde mal behaupten bei Samsung besteht dieses Problem nicht.
      • Von BoMbY Software-Overclocker(in)
        Ich würde mal behaupten bei Samsung besteht dieses Problem nicht.
      • Von XT1024 Volt-Modder(in)
        Zitat von ΔΣΛ
        Hier wäre die Politik hilfreich, sie könnten Bußgelder verteilen, weil nicht das drinnen ist womit das Produkt beworben wurde,
        Eine steile These. Mit was außer einer ATTO-Geschwindigkeit und der Kapazität wird denn regelmäßig geworben?

        Zitat von ΔΣΛ
        die teureren Produkte werden schließlich unter anderem auch mit besseren Teilen beworben, beim Speicher und den Controllern.
        So wie die? https://www.corsair.com/d...


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        Über was will sich denn jemand bei diesen angegebenen Daten beschweren, so lange Kapazität und Geschwindigkeit einigermaßen stimmen?
      • Von Strunzel Freizeitschrauber(in)
        Nix neues. Bei Autos war das immer schon Gang und Gäbe. Einführung mit unausgereiftem Material, ersetzt mit guten Teilen ohne Fehler, dann wieder ersetzt mit überoptimierten Teilen um Geld zu scheffeln.
      • Von pseudonymx
        Naja also jeden den es juckt ob seine ssd nun wirklich die angegebenen transferraten schaft, testet dies doch auch... Gerade bei ssds teste ich jede... Grade ne neue teamforce 1tb sata bekommen.. Unter 80euro günstig.. Wird sofort getestet... M.2s sowieso... Kann ja immer was net stimmen.... Werden die angegebenen Raten nicht ansatzweise erreicht gibt's ne Rma. Ganz einfach.... Aber was die wichtigen Datenträger im rig angeht setzte ich sowieso auf Samsung.... Die haben ihre eigenen Controller und Speicher dies.... Und wenn Samsung was ändert dann zum positiven... Schreiben Evo oder plus drauf und verlangen mehr Kohle..... Find ich in Ordnung
      • Von INU.ID Lötkolbengott/-göttin
        Das Problem ist wie man es feststellen kann. Wie kann man ohne Vergleichslaufwerk (was definitiv 1GB hat) feststellen, ob der Cache 1GB oder 512MB groß ist.

        So oder so hat mich die Antwort von Sandisk so aufgeregt, dass die Rücksendung eigentlich 100%ig sicher ist. Ich warte noch mal 1-2 Tage, und schau dann was ich mache.

        Und definitiv werde ich mir so eine Antwort für die Zukunft merken. Ich kaufe von diesem Hersteller nie mehr irgendwas, so einfach ist das.

        Ich wollte keine wirklichen Geheimnisse wissen, sondern wieviel Cache meine SSD hat, und welche Speicherzellentechnologie zum Einsatz kommt. Und dann schicken die mir so eine Antwort.
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