AMD Ryzen 9 3900XT übertaktet: Clocktuner for Ryzen im Hands-On - schneller als Ryzen 9 5900X?
Laut AMD soll ein Ryzen 9 5900X sogar einen Core i9-10900K übertrumpfen. Doch gelingt das auch einem übertakteten Ryzen 9 3900XT? Wir nutzen ein experimentelles Tool namens Clocktuner for Ryzen und geben unserem Ryzen 9 3900XT die Sporen. Wir nutzen jene Werte, um eine Ahnung für die Leistung eines Ryzen 9 5900X zu erhalten.
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Yuri "1usmus" Bibliy - wer diesen Namen schon einmal gelesen hat, hat sich womöglich schon einmal mit dem DRAM Calculator for Ryzen (3000) beschäftigt. Bibliy wird nicht müde und hat inzwischen ein weiteres interessantes Tool in der Röhre, den "Clocktuner for Ryzen" (CTR). Wir nutzen die Version 1.1 Beta 4, welche erst vor kurzem erschienen ist und zahlreiche Verbesserungen erfahren hat. Laut dem Entwickler erhält der User mithilfe des Tools die optimalen Taktraten, Spannungen, Speicher-Timings- sowie Takt und eine verbesserte Performance für seinen Ryzen-3000-Prozessor "for practically free". Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, wir haben das Tool daher mit einem kritischen Auge getestet. Am Ende waren wir überrascht, doch nimmt einem das Tool wirklich stundenlanges manuelles Tunen ab?
Zum Einsatz kommt ein AMD Ryzen 9 3900XT, welcher auf einem MSI X570 ACE mitsamt 16 GiB DDR4-3800 Speicher verbaut ist. Die aktuelle BIOS-Version mit dem "Zen-3-Ready" AGESA 1.0.8.0 ist im Betrieb. Gekühlt wird die CPU mithilfe eines NZXT Kraken X62. Als Grafikkarte ist die bekannte MSI RTX 2080 Ti Gaming Z Trio verbaut. Vergleichswerte liefern uns unsere händisch übertakteten Ryzen 9 3900X in den GPU-Testsystemen. Diese CPUs laufen mit 4,5 GHz "all core" und einem IF-Takt von 1.900 MHz bei synchronen 32 GiB DDR4-3800 Speicher mit CL14, 1T, sie sind also ein ernstzunehmender Gegner. Zudem steht ein Vergleich mit einem auf 5,2 GHz übertakteten Intel Core i9-10900K und einem auf 5 GHz übertakteten Core i9-9900K auf dem Programm. Allerdings unterscheiden sich die Systeme aus Zeitgründen hinsichtlich ihrer Speicherbestückung- sowie Frequenz. Den Core i9-10900K betreiben wir bei DDR4-3600 und den Core i9-9900K bei DDR4-3866. Wir wählen Spiele aus, bei denen der Speicher nur einen geringen Einfluss besitzt, sodass die Werte vergleichbar werden.
AMD Ryzen 9 3900XT übertaktet: Der Clock Tuner
Die Basis dieses Specials bildet der Clocktuner for Ryzen von Yuri "1usmus" Bibliy. Wie bereits in der Einleitung beschrieben, kann Ihnen dieses Tool helfen Ihren Zen-2-Prozessor gezielt zu optimieren und/oder zu übertakten. Bisher werden nur Ryzen-3000-Prozessoren unterstützt. Eine vollständig deutsche Anleitung können Sie beispielsweise bei igorslab finden. Auf den Punkt gebracht findet der CTR für jeden CCX der CPU die optimale Spannung sowie Frequenz. Das ist sinnvoll, denn bei unserem Sample gibt es unter den 12 verbauten Kernen (vier CCX) auch größere Qualitätsunterschiede. Das Tool nutzt Prime95 als Test für die Stabilität und kann optional einen Test mit Cinebench R20 durchführen, um die neuen Werte mit den alten zu vergleichen. Neben dem Tool, welches Sie zum Beispiel bei Igors Lab zum Download finden, benötigen Sie noch .Net Framework 4.8 sowie die aktuelle Version des Ryzen Master.
Quelle: igorslab
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Die Liste mit den unterstützten Prozessoren ist bereits veraltet. Mit dem Update auf Version 1.1 Beta 4 ist das Tool nun auch mit dem Ryzen 3 3100, Ryzen 5 3500 sowie Ryzen 5 3500X voll kompatibel. Der Entwickler hat bereits angekündigt, dass auch Zen 3 mit CTR kompatibel sein wird. Doch bis es soweit ist, beschäftigen wir uns weiter mit dem Ryzen 9 3900XT.
Bevor wir mit dem Tool arbeiten, gibt es einige Vorbereitungen zu treffen, die abhängig von Ihrem verwendeten Mainboard sind. Sie finden alle Informationen unter diesem Link. Sobald Sie das Tool gestartet haben, werden Sie von einer Informationsseite begrüßt, welche Ihnen klar macht, dass alle Arbeiten auf eigene Gefahr geschehen und das nicht jede CPU ein "Golden Sample" ist. Auch wir raten Ihnen dringend, dass Sie sich mit dem Thema in Ruhe zu beschäftigen und nicht wild ins offene Messer zu rennen. Wir zeigen Ihnen, welche Schritte wir gegangen sind, sodass Sie sich ein Bild davon machen können.
Quelle: PCGH
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Für das im Test verwendete MSI X570 gibt es nur eine Empfehlung, nämlich die Load-Line-Calibration (LLC) auf Stufe 3 zu setzen, was wir prompt getan haben. Nachdem das Tool gestartet ist, klicken wir auf "Diagnostic". Das hilft CTR unser CPU-Sample einzuschätzen und die richtigen Werte zu konfigurieren. Und siehe da, wir haben ein "Golden Sample". Wie glaubwürdig diese Feststellung nach so einem kurzen Test ist, überlassen wir Ihrer Fantasie. Ist das erledigt, klicken Sie auf "Start". CTR beginnt jetzt, die einzelnen CCX auf Basis der vorherigen Analysen zu übertakten. Jeder CCX wird einzeln getestet und bei Fehlern um 25 MHz korrigiert. Bleibt es hingegen stabil, wird um 25 MHz erhöht und zwar solange, bis dieser ebenfalls instabil wird. Die letzten stabilen Werte werden dann mithilfe von Cinebench einem Testlauf unterzogen.
Quelle: PCGH
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CTR gibt die Werte 4.475 MHz für CCX1 und CCX2, 4.375 MHz für CCX3 und schließlich 4.350 MHz für CCX4 bei einer Spannung von 1,263 Volt aus. Hätten wir die CPU jetzt händisch übertaktet und jene Spannung fixiert, wäre auf allen Kernen bei 4,35 GHz Schluss gewesen. Das langsamste Glied in einer Kette bestimmt die Geschwindigkeit. Unser Sample des Ryzen 9 3900XT erreicht ohne weitere Anpassungen 7.231 Punkte und rechnet dabei mit einem "all core"-Takt von rund 4.250 MHz. Das Tool lässt nun den gleichen Test noch mal laufen, allerdings mit den optimierten CCX-Taktfrequenzen. Jetzt erreichen wir satte 7.851 Punkte. Das bemerkenswerte dabei ist jedoch die Spannung sowie die Leistungsaufnahme der CPU allein. Denn unser Ryzen 9 3900XT ist jetzt nicht nur schneller, sondern auch sparsamer geworden.
Quelle: PCGH
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Im Hauptfenster können Sie das Profil abspeichern und jederzeit wieder abrufen. Ihre CPU wird dann mit den angegeben Taktraten laufen. Alternativ nutzen Sie jene Werte und tragen sie fest im BIOS ein, um damit weitere Tests durchzuführen, was das Starten und Ausführen des Tools im Hintergrund erspart. Bei den vielen Tests, die wir durchgeführt haben, ist uns zudem eine Besonderheit aufgefallen: Je höher der Arbeitsspeicher getaktet ist, desto geringer waren die OC-Ergebnisse der CPU. Offenbar zwackt der Speichercontroller essentielle Spannungsbereiche ab, wenn der Speicher schneller rechnet, die sonst der CPU bereitstehen würden.
AMD Ryzen 9 3900XT übertaktet: Automatische vs. manuelle Übertaktung
Das Tool übertaktet zwar jeden CCX an sein Optimum. Das bedeutet aber nicht, dass diese Konfiguration schneller als die Standard-Konfiguration ist. Ein Singlecore-Boost von 4,7 GHz, sofern dieser erreicht wird, hat eben auch seine Vorteile. Der große Vorteil von CTR ist, dass viel Zeit gespart wird. Das Tool nimmt Ihnen gewissermaßen die Arbeit ab, jeden CCX einzeln minimal im Takt zu verändern und die CPU dann auf Stabilität zu testen. CTR ist allerdings nicht der heilige Gral. Sollte Ihnen nämlich während der Tests der PC einfrieren oder abstürzen (weil die Spannung nicht ausreichend hoch für den jeweiligen Takt war), dann sehen Sie nach kurzer Zeit zwar Ihren Desktop wieder, das Tool hat jedoch weder den letzten stabilen OC-Wert gespeichert, noch Zeit erspart. Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt keinerlei Feedback von CTR, was jetzt eigentlich falsch gelaufen ist. Sie können natürlich daneben sitzen und jeden Wert im Log notieren, doch dann können Sie auch direkt manuell übertakten und optimieren. Am Ende hat sich folgende Konfiguration bei unserem Sample des Ryzen 9 3900XT als stabil und effizient erwiesen. Wir speichern das Profil und führen damit Benchmarks durch. Zum Vergleich haben wir zahlreiche CPUs eingeladen.
Quelle: PCGH
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Dieses zweite Profil ist mit etwas mehr Spannung entstanden, als das andere weiter oben. Die Taktraten können sich sehen lassen, sind jedoch nicht außergewöhnlich hoch. Die Punktzahl in Cinebench ist etwas geringer, doch die Spielleistung sollte höher liegen. Wir lassen das Profil gespeichert und lassen den 3900XT mit CCX-OC jetzt gegen andere, vergleichbare CPUs antreten.
AMD Ryzen 9 3900XT übertaktet: OC-Benchmarks
Am Ende zeigt sich, dass der leicht übertaktete Ryzen 9 3900XT mit CCX-OC nur wenig schneller als die Standard-Variante mit Singlecore-Boost bis 4,7 GHz rechnet. Gegen einen händisch maximal übertakteten Ryzen 9 3900X sieht unser CCX-OC-Sample kein Land. Auch Intel ist sehr weit vorn und unerreichbar. Spiele wie Anno 1800 zeigen jedoch das Potenzial auf. Wir können keine allgemeine Empfehlung aussprechen, es könnte sich jedoch lohnen, wenn Sie eigene Benchmarks anstellen. Sie können sich beispielsweise die CPU-FAQ anschauen und unsere Benchmarks nachstellen.
AMD Ryzen 9 3900X, 12C/24T, 3.80-4.60GHz, boxed (100-100000023BOX)
AMD Ryzen 9 3900XT übertaktet: Fazit
Eines können wir mit Gewissheit sagen: CTR ist technisch betrachtet ein sehr interessantes Tool. Es nimmt dem User die Arbeit ab, jeden CCX einzeln anzupassen und auf Stabilität zu testen. Die Ergebnisse auf dem Papier sehen zwar gut aus, überzeugen aber nicht in den Spielebenchmarks. Anno 1800 bildet die Ausnahme. Ob das Tool bei Ihnen den gewünschten Erfolg bringt, müssen Sie für sich herausfinden. Ein händisch übertakteter Ryzen 9 3900X ist nicht mal in Reichweite. Ein schnelles "One-Click-OC" ist zwar drin, aber hat kaum Einfluss. Was halten Sie von CTR? Haben Sie erste Erfahrungen gemacht? Oder übertakten Sie lieber von Hand? Hinterlassen Sie doch einen Kommentar.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] : Soweit hat das alles geklappt, danke für Deine Tipps.
Du hattest geschrieben
Wenn ich da so drüber nachdenke, ist das eigentlich auch schlüssig. Ich sage der CPU, welche Taktraten sie nehmen soll gebe die Spannung fest vor. Der Rest ergibt sich dann rein "rechnerisch". BIOS und CPU haben dann auch gar keine Möglichkeit mehr einzugreifen, um unterhalb eines Power Limits zu bleiben.
Parallel dazu musste ich feststellen, dass ich den 3900XT nicht mal annähernd in seine Grenzebereiche bringe. Die RTX 3080 läuft bei allen Spielen schön im Limit wie es sein soll und die einzelnen Kerne/Threads sind zu maximal 75-80% ausgelastet. Die einzig sinnvolle Manipulation an Taktraten/Spannung wären für mein System somit nur abwärts. Ein Übertakten auf 4,4 oder 4,5GHz wäre nur ein akademisches Vorhaben.
In diesem Sinne, happy Modding und guten Rutsch ins neue Jahr!
Dass der AVX-Stress von Prime95 eine absolute Ausnahme ist, sehe ich auch so. Aber ich finde, schneller kann man eine potenzielle Instabilität nicht finden.
Wirklich nötig ist das aber nicht, die 190w peak wirst du abseits von prime95 niemals sehen.
Aaaaaber wenn ich Prime95 kurz mit Small FFT starte, werden es gleich mal satte 188W. Die Temperaturen gehen dann bis knapp über 80°. Also im Grunde genommen kein Problem, aber wenn ich PBO abschalte, scheinen beim Gigabyte X570 Aorus Elite auch gleich die Limits für Leistungsaufnahme und Stromstärke aufgehoben zu sein.
Ich würde die 142W ja gerne weiter stehen lassen. Lasse ich dafür PBO einfach weiter aktiviert?
Dann wird der Sonntag ja doch nicht langweilig. Ich dachte schon, ich müsste sinnlos Battlefield daddeln...