Windows 95: Eiersortiermaschine in Düsseldorf setzt auf Retro-Betriebssystem
Windows 95 lebt, zumindest auf einer Eiersortiermaschine der Gut Aue Marken-Ei-Vertrieb GmbH aus Düsseldorf. Der Grund hierfür ist einfach, denn das altehrwürdige Betriebssystem funktioniert seit Jahrzehnten problemlos.
Windows 95 erschien am 14. Juli 1995 und erreichte am 31. Dezember 2001 sein endgültiges Supportende. Doch das altehrwürdige Betriebssystem lebt noch heute, zumindest auf einer Eiersortiermaschine der Gut Aue Marken-Ei-Vertrieb GmbH aus Düsseldorf. Wie der WDR im Beitrag "Windows 95 auf dem Hühnerhof" zu berichten weiß, leistet Windows 95 hier noch immer erstklassige Arbeit ab.
Die Gründe hierfür sind einfach, denn zum einen funktioniert Windows 95 seit Jahrzehnten problemlos, zum anderen sei der Entwickler der Software für die Zählung der Eiersortiermaschine, welche mit einer Tagesleistung von etwa 40.000 Eiern arbeitet, nicht mehr ausfindig zu machen. Eine neue Version für aktuelle Betriebssysteme könne somit nicht geschrieben werden.
Windows 95 funktioniert noch reibungslos, seitdem das Ding hier eingebaut ist. Wenn irgendwo mal was hängt, dann mache ich einen Neustart. Und dann läuft das wieder von alleine hoch. Das läuft reibungsloser als neuere Programme. - Peter Huber -
Neben der Eiersortiermaschine hängt auch ein uralter Tintenstrahldrucker von Brother an dem mit Windows 95 laufenden PC. Auch hier ist Einfallsreichtum gefragt.
Wenn der mal kaputtgeht, muss ich gucken, dass ich wieder irgendwo einen kriege, der Windows-95-kompatibel ist. - Peter Huber -
Wie der Bauer Peter Huber berichtet, sei die Gut Aue Marken-Ei-Vertrieb GmbH keine Ausnahme, vielmehr gäbe es europaweit noch einige Unternehmen, die das fast schon antike Betriebssystem auf alten PCs laufen haben, so der 59-Jährige gegenüber dem WDR. Neben der Steuerung der Maschine kümmert sich die Software auch um die Protokollierung des gesamten Prozesses. Windows 95 lebt auch 2025 noch.
Ihre Meinung ist gefragt!
Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Um zu kommentieren, müssen Sie auf PCGH.de oder im Extreme-Forum eingeloggt sein. Sollten Sie bisher noch keinen Account haben, könnten Sie sich hier unverbindlich registrieren. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die geltenden Forenregeln.

Bei einer unkritischen Anlage kann man improvisierte Lösungen ausprobieren, notfalls zurück wechseln oder nachbessern. Aber neue Lösungen für ein kritisches System, das keinesfalls ausfallen oder längere geplante Downtimes haben darf, ist ein Albtraum. Keine Testmöglichkeit, kein Zugriff auf interagierende Bestandteile, oft genug nicht einmal eine genau Dokumentation und keinerlei Toleranz für Fehler? Ehe man das auf sich nimmt, zahlt man lieber sehr hohe Preise für die letzten Ersatzteil-Antiken. Sofern keine proprietären Chips verbaut wurden, würde ich bei den zum Teil sehr einfachen Platinenlayouts sogar 1:1-Nachbauten in Betracht ziehen, anstatt das Funktionsprinzip einschließlich aller Sonderfälle zu analysieren und es auf moderner Hardware nachzubilden.
Es kommt aber einfach darauf an wie kritisch das System ist: Wenn das Unternehmen sowieso schon neuere Anlagen hat und die hier nur ab und zu läuft ist der aktuelle Status kein Problem.
Wenn die Maschine aber regelmäßig genutzt wird und ein Ausfall hohe Kosten verursacht ist der Zustand eine Katastrophe.
Und nein, da kann man nicht einfach einen Raspi mit VM reinsetzen. Hatte erst neulich mit einer CNC-Laserschneidmaschine aus dem letzten Jahrtausend zu tun. Der "PC" war eine 50 cm lange ISA-Busplatine mit einem CPU-Modul und einem Dutzend custom made IO-Karten mit insgesamt hunderten Aus- und Eingängen für alle Sensoren, Bedientasten, Anzeigelämpchen, Schrittmotoren, Relais und Ventile. Die Verdrahtung zog sich über zwei komplette Schaltschränke. Nur die Verdrahtungspläne belegten 3 fette Leitz Ordner. Die Software ist speziell für die IO-Karten und genau diese Verdrahtung geschrieben. Nix mit Standardtreiber und .ini für die Konfiguration.
Natürlich gibt es null Quellcode/Dokumentation für die Software und IO-Karten. Die Firma existiert nicht mehr.
Diese Maschine lebt, solange die Steuerung lebt. Sobald da etwas kaputt geht, was nicht mehr reparierbar ist, geht sie in den Schrott. Denn die Analyse und Neuentwicklung einer neuen Ansteuerung würde mehr kosten, als eine neue Maschine.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
Fraglich ist natürlich, wie bei allen Produktivsystemen, wieso man überhaupt etwas ändern wollte? Die Anlage hat wohl 30, eher 35 Jahre so gearbeitet, wie man das möchte und sie wird vermutlich rein physisch nicht in der Lage sein etwas anderes zu machen. Also wieso sollte man ihr ein neues Betriebssystem spendieren wollen, wenn sich dadurch im besten Fall gar nichts ändert und im Worst Case gar nichts mehr geht?
Und nein, da kann man nicht einfach einen Raspi mit VM reinsetzen. Hatte erst neulich mit einer CNC-Laserschneidmaschine aus dem letzten Jahrtausend zu tun. Der "PC" war eine 50 cm lange ISA-Busplatine mit einem CPU-Modul und einem Dutzend custom made IO-Karten mit insgesamt hunderten Aus- und Eingängen für alle Sensoren, Bedientasten, Anzeigelämpchen, Schrittmotoren, Relais und Ventile. Die Verdrahtung zog sich über zwei komplette Schaltschränke. Nur die Verdrahtungspläne belegten 3 fette Leitz Ordner. Die Software ist speziell für die IO-Karten und genau diese Verdrahtung geschrieben. Nix mit Standardtreiber und .ini für die Konfiguration.
Natürlich gibt es null Quellcode/Dokumentation für die Software und IO-Karten. Die Firma existiert nicht mehr.
Diese Maschine lebt, solange die Steuerung lebt. Sobald da etwas kaputt geht, was nicht mehr reparierbar ist, geht sie in den Schrott. Denn die Analyse und Neuentwicklung einer neuen Ansteuerung würde mehr kosten, als eine neue Maschine.
Und nein, da kann man nicht einfach einen Raspi mit VM reinsetzen. Hatte erst neulich mit einer CNC-Laserschneidmaschine aus dem letzten Jahrtausend zu tun. Der "PC" war eine 50 cm lange ISA-Busplatine mit einem CPU-Modul und einem Dutzend custom made IO-Karten mit insgesamt hunderten Aus- und Eingängen für alle Sensoren, Bedientasten, Anzeigelämpchen, Schrittmotoren, Relais und Ventile. Die Verdrahtung zog sich über zwei komplette Schaltschränke. Nur die Verdrahtungspläne belegten 3 fette Leitz Ordner. Die Software ist speziell für die IO-Karten und genau diese Verdrahtung geschrieben. Nix mit Standardtreiber und .ini für die Konfiguration.
Natürlich gibt es null Quellcode/Dokumentation für die Software und IO-Karten. Die Firma existiert nicht mehr.
Diese Maschine lebt, solange die Steuerung lebt. Sobald da etwas kaputt geht, was nicht mehr reparierbar ist, geht sie in den Schrott. Denn die Analyse und Neuentwicklung einer neuen Ansteuerung würde mehr kosten, als eine neue Maschine.