Der PC/AT mit 286er (PCGH-Retro, 14. August)
Der PC/AT mit 286er-Prozessor und ein Day Zero-minus-40-Patch kommt - das geschah am 14. August. Jeden Tag wirft PC Games Hardware einen Blick zurück in die noch junge, aber bewegte Geschichte des Computers.
…1984: Der erste IBM-PC war ein voller Erfolg - doch icht nur für seinen Erschaffer, sondern auch für die Konkurrenz, die den Rechner nachbaute und IBM Marktanteile abnahm. Mit der dritten PC-Generation, die an diesem 14. August vorgestellt wird, versucht IBM, sich wieder vom Wettbewerb abzusetzen: Der PC/AT (kurz für "Advanced Technology") verwendet erstmals Intels 80286er-Prozessor mit zunächst 6 MHz, eine legendär unzuverlässige 20-Megabyte-Festplatte und ein neues 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk, außerdem führt er einen neuen Formfaktor ein, der bald zum Standard und erst 1995 von Intels ATX-Format abgelöst wird. Der PC/AT ist trotz einiger Schwächen ein moderner Computer, doch der erhoffte Vorsprung vor der Konkurrenz hält nicht lange: Bald bieten auch andere Hersteller eigene "AT"-Rechner mit 286er-CPU an - meist zu niedrigeren Preisen. Wieder bringt die PC-Reihe ihrem Erfinder kein Glück.
…2000: Nvidia stellt den Grafikchip Geforce 2 Ultra vor. Das Topmodell der Geforce-2-Reihe basiert auf dem Geforce 2 GTS (NV15), läuft aber mit einer höheren Taktrate von 250 MHz; der DDR-Speicher taktet mit 230 MHz. Grafikkarten mit dem neuen Chip stellen neue Performance-Rekorde auf, kosten mit bis zu 1.600 D-Mark (ca. 815 Euro) aber auch ein kleines Vermögen.
…2001: Ati präsentiert den R200-Chip als Radeon 8500. Der Nachfolger von Atis erstem TnL-fähigem Grafikchip, dem Radeon 256, unterstützt DirectX 8.1 und tritt damit in Konkurrenz zu Nvidias Geforce-3-Reihe, welche jedoch nur DirectX 8 ohne .1 und damit ohne die fortschrittliche Pixelshader 1.4 bietet. Der Radeon 8500 taktet in der Retail-Variante ebenso wie die 64 MiB DDR-RAM mit 275 MHz. An neuen Features bietet die GPU unter anderem Truform-Support - die Technik, die durch eine Erhöhung der Polygonzahlen rundliche 3D-Modelle erzeugt, setzt sich allerdings nicht durch und ab der R300-Generation verbannt AMD die Tessellationstechnik vorerst wieder aus dem Chip, sodass die Polygonfluten mithilfe der CPU erzeugt werden.
…2001: Mit dem P4X266 kündigt Via als zweiter Hersteller einen Pentium-4-Chipsatz an, welcher weder auf die von Intel favorisierte, teuere Rambus-Speichermodule angewiesen ist, noch den Netburst-Prozessor durch Datenknappheit am ausgestreckten Arm verhungern lässt, wie es die im Low-Cost-Markt angebotenen SDR-SDRAM-Chipsätze mit PC133-Speicher und einer Übertragungsgeschwindigkeit aus Pentium-3-Zeiten tun. Nach dem am 10 August vorgestellten SiS645 ist Vias am heutigen 14. August präsentierter P4X266 der zweite Chipsatz, welcher mit dem modernen DDR-SDRAM auf die optimale Kombination aus Leistung und Kosten setzt.
…2001: Der Soundblaster-Schöpfer und damit quasi der Geburtshelfer digitaler Geräuscherzeugung am PC, Creative Labs, stelltam heutigen Tage die zweite, neue Generation an Audio-Chips vor. Nachdem zuvor bereits einige Jahre lang die Soundblaster Live für mehrkanalige Klanguntermalung hauptsächlich für PC-Spieler und Multimedia-Anwender gesorgt hatte, trumpft Creative mit dem am heutigen 14. August angekündigten Audigy-Chip noch einmal mächtig auf. Die Integer-Rechenleistung soll ausreichen, um in Echtzeit etliche Effekte berechnen zu können und somit Geräusche an die Spielumgebung anzupassen. Die Audigy-Reihe wird trotz oft problematischer Treiber über Jahre hinweg zur Standard-Ausrüstung für PC-Spieler, da günstigere Lösungen die CPU mit den Soundberechnungen belasten und oft wertvolle Fps kosten.
…2003: Microsoft und Ati verkünden, dass der PC-Grafikspezialist den Grafikchip der nächsten Xbox-Generation liefern wird. Die noch als "Xbox 2" bekannte Konsole, die Jahre später als Xbox 360 auf den Markt kommt, vollführt damit einen Wechsel des GPU-Lieferanten: Die erste Xbox lief noch mit einer GPU des Ati-Konkurrenten Nvidia.
…2012: Moderne Distributionsplattformen über das Internet sind nach der Pionierarbeit von Valves Steam inzwischen etabliert und mit der bequemen Auslieferung von Inhalten über das Internetz sinkt auch der Druck, ein fehlerfreies Produkt ins Presswerk zu geben - entsprechend haben sich Day-1- oder gar Day-0-Patches genannt Softwareflicken etabliert, welche direkt zur oder kurz nach der Veröffentlichung von Spielen die enthaltenen Fehler beheben sollen. Auch der sogenannte Preload, also der vorzeitige Herunterladen von Distributionsplattformen, um das Spiel dann am Veröffentlichungstag mit einem Minimaldownload zu komplettieren, ist guter Brauch geworden.
Doch was Activision/Blizzard, Konzern hinter World of Warcraft dieser Tage treibt, setzt dem ganzen Spuk die Krone auf: Mehr als 40 Tage vor Veröffentlichung der World-of-Warcraft-Erweiterung Mists of Pandaria können Käufer bereits den ersten Patch herunterladen - kein Day-0- sondern ein Day-minus-40-Patch also. Und der Softwareflicken wird mit seinen 6 Gigabyte Umfang auch dazu genutzt, Spieler zum Preload quasi zu zwingen, den niemand möchte von den zur Veröffentlichung chronisch überlasteten Servern ("Wir waren vom Ansturm auf unsere Server völlig überrascht...") nach dem Spiel noch einmal 6 zusätzliche Gigabyte mit Ansage herunterladen müssen.

In beiden Fällen gilt: Die Karten wurden zu ihrer Zeit als absolut überteuert erachtet. Zum Jahresende kauften nur die wenigsten High-End-Gamer einer 1.300-DM-2-Ultra, sondern bestenfalls eine Geforce 2 Pro für 1.000 DM. Also das Äquivalent von gut 800 Euro heute und laut Thilo Bayer (02/2001) 2-6 Prozent langsamer. Relativ zur Spitze wäre das heute also immer noch schneller als eine 5090D, nur zum Preis der teuersten RX 9070 XT.
Zwar war damals der Markt weitaus weniger differenziert und man könnte die 1.600 DM auch als "nur fünfmal so teuer wie die billigsten Einsteigerkarten" bezeichnen, aber die so beschriebene Geforce 2 MX war unter Spielern nicht ohne Grund weitaus beliebter als eine heutige 3050. Man konnte damit alle aktuellen Spiele durchaus akzeptabel spielen und schon eine Geforce 2 GTS für 700 DM (heutiges Äquivalent ~600 Euro) reichte in aktuellen Triple-AAA-Titeln für "alle Regler nach rechts". Nativ und ohne temporale KI-Artefakte, versteht sich. Daran scheitern heutige 5090er selbst in Retro Games wie Cyberpunk. (Das ist jetzt 4,5 Jahre alt, also vergleichbar mit Quake 1 zum Erscheinen der Geforce 2 Ultra.)
Auch würde ich den TV-Ausgang zum Beispiel jetzt nicht unbedingt als sonderlich exklusives Feature ansehen (hatte damals bei meiner Geforce 2 MX knapp 50 DM Aufpreis gekostet). Und ja, prozentual ist der Unterschied zwischen 300 und 350 DM nicht ganz unerheblich – relativiert sich aber dann doch wieder bei vierstelligen Summen und außerdem ging es ja um Exklusivität.
Unbestreitbar ist dafür, ich hoffe, darauf können wir uns einigen, dass es immer wieder einmal einzelne Hardwarekomponenten gibt, die zum Erscheinungstermin die Preislatte auf ein neues Höchstniveau hieven, während die allgemeine Rechenleistung pro DM/Euro tendenziell (bereinigt um seltene situationsbedingte Ausreißer) steigt.
PC
Floppy und
Amiga (hatte ~gerade ein 40 Jähriges) bzw. Atari
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Als ich vom Amiga zum PC (Pentium mit Dos 6.xx und Win 3.11) dachte ich echt ob man mich verarschen will.
Der PC war in vielen Dingen einfach nur viel rückständiger.
Hatte sich aber ein paar Jahre mit Win95 langsamm aber sicher geändert.