Ein halbes Jahrhundert später: Gates' Kritik an Software-Diebstahl
Vor 50 Jahren sorgte ein offener Brief von Bill Gates für Diskussionen innerhalb der PC-Hobbyisten-Szene. Darin kritisierte der Microsoft-Mitgründer die Software-Piraterie und stellte Grundsatzfragen zur Finanzierung von Entwicklungsarbeit.
Vor 50 Jahren veröffentlichte Bill Gates einen offenen Brief an die damalige Computer-Hobbyisten-Szene. An Open Letter to Hobbyists, datiert auf den 3. Februar 1976, befasst sich mit einem Problem, das den jungen PC-Markt bereits früh begleitete: der Verbreitung von Software ohne Bezahlung. Der Brief entstand in einer Phase, in der Computer vor allem im Hobby- und Bastelumfeld genutzt wurden. Software wurde häufig als Ergänzung zur Hardware betrachtet und innerhalb der Community frei kopiert. Gates widerspricht dieser Praxis deutlich und macht klar, dass Software aus seiner Sicht ein eigenständiges Produkt mit realen Entwicklungskosten ist.
Konkret bezieht sich das Schreiben auf Altair BASIC, das erste kommerzielle Produkt von - damals noch - "Micro-Soft". Entwickelt wurde die Programmiersprache von Gates und Mitgründer Paul Allen für den Altair 8800. Das System basierte auf dem Intel 8080 und entwickelte sich ab 1975 schnell zum Mittelpunkt der entstehenden PC-Hobbyistenbewegung. Gates beschreibt den Aufwand hinter Altair BASIC als deutlich höher, als viele Nutzer angenommen hätten. Neben der eigentlichen Programmierung seien über Monate hinweg Erweiterungen, Fehlerkorrekturen und Dokumentationen entstanden. Den Wert der dafür eingesetzten Rechenzeit beziffert er auf mehr als 40.000 US-Dollar.As the majority of hobbyists must be aware, most of you steal your software. Hardware must be paid for, but software is something to share. Who cares if the people who worked on it get paid?
- Gates (1976)
Dem stellt Gates eine für ihn zentrale Diskrepanz gegenüber. Zwar habe "Micro-Soft" Rückmeldungen von Hunderten Nutzern erhalten, tatsächlich hätten jedoch weniger als zehn Prozent der Altair-Besitzer BASIC gekauft. Die Einnahmen aus diesen Verkäufen hätten den Entwicklungsaufwand rechnerisch auf einen Stundenlohn von unter zwei Dollar reduziert.
Als Ursache nennt Gates eine verbreitete Haltung innerhalb der Szene. Hardware werde als kostenpflichtig akzeptiert, Software hingegen als etwas betrachtet, das man weitergeben könne. Diese Trennung weist er zurück. Software verursache Kosten, unabhängig davon, ob sie physisch greifbar sei oder nicht. Zudem treffe diese Praxis nicht den Hardwarehersteller MITS, sondern direkt die Entwickler, da Altair BASIC lediglich kostendeckend vertrieben werde.
Gates warnt vor den Folgen dieser Entwicklung. Ohne ausreichende Einnahmen lasse sich professionelle Softwareentwicklung nicht dauerhaft aufrechterhalten. Das wirke sich unmittelbar auf Umfang und Qualität zukünftiger Programme aus. Den Weiterverkauf von BASIC durch Dritte kritisiert er und sieht darin einen Schaden für das Ansehen der gesamten Community.
Auch wenn der offene Brief ziemlich genau 50 Jahre her ist, gibt es den Anlass zu solchen Schreiben noch immer. Viele der angesprochenen Fragen von der Vergütung von Entwicklungsarbeit bis zum Umgang mit geistigem Eigentum, prägen die Branche bis heute und noch mehr seit dem Einsatz von KI an vielen Ecken.
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Quelle: New Your Times, Tom's Hardware

Was halten Sie rückblickend von dem Wutbrief?
2.) Das ich das genauso sehe. Wäre die Software Schrott, würde sie nicht so oft kopiert werden.
3.) Ich denke, dass wenn er MS nicht abgegeben hätte, Windows heute qualitativ in einer ganz anderen Liga spielen würde.
- mitnichten umsonst sondern z.B. über Daten- oder Zeitdiebstahl ("Werbung") finanziert.
- geklaut oder im besten Fall von jemandem großzügigen verschenkt.
Ja BSD ist bekannt dafür sehr viel Werbung einzublenden und Daten mit irgendwem zu tauschen. Es ist natürlich auch von unbrauchbarer Drecksqualität deshalb nutzt das ja auch keiner. Die "geklauten" betsstdteile sind ja nicht mehr drin. Bin gerade am überlegen wer mir das alles großzügiger Weise geschenkt hat. Auch die ganze, natürlich unteridische unbrauchbare Software in Drecksqualität.
Wenn das der Preis für den "Survivorship Bias" ist, Multimilliardär zu werden und ein weltweites Betriebssystem-Monopol aufzubauen, dann hätten viele andere Entwickler 1976 sicher gerne mit Gates getauscht.
Mein Mitleid hält sich auch 50 Jahre später in Grenzen.
Ps: 1998 Hielt der selbe Gates eine Rede an der University of Washington
Zitat: "About 3 million computers get sold every year in China, but people don't pay for the software. Someday they will, though. As long as they are going to steal it, we want them to steal ours. They'll get sort of addicted, and then we'll somehow figure out how to collect sometime in the next decade."
Gates Brief war insofern kein Hilferuf eines Sterbenden, sondern der Versuch, ein Geschäftsmodell zu erzwingen, das die Community-Kultur der Hobbyisten (die den PC-Markt erst erschaffen haben) kriminalisierte.
Dass ausgerechnet die Firma, die am lautesten schrie, durch die quasi-monopolistische Verbreitung ihrer Software zum wertvollsten Konzern der Welt wurde, zeigt eher: Die Verbreitung war die Währung, nicht jeder einzelne Scheck über 20 Dollar für eine Lizenz.
Wenn du also das nächste Mal mit psychologischen Fachbegriffen um dich wirfst mach auch die Geschichtshausaufgaben dazu wenigstens ordentlich. 😉
setze ich auf Alternativen. Mittlerweile Linux und GoG. Das letzte "gekaufte" Office meinerseits war Office 2007
mit 3 Lizenzen, das ich letztens nicht mehr online aktivieren konnte, eine Aktivierung per Telefon ist auch nicht mehr
möglich,
Laptop dann in der Zukunft auch noch auf Linux only umstelle, dann kann M$ mich mal kreuzweise...