Low-Quality-Gaming: Spielen mit der RX 6500 XT, 4 GiByte und reduzierten Einstellungen
Die jüngst erschienene Einsteiger-Radeon RX 6500 XT ist mit bestenfalls gemischter Resonanz aufgenommen worden. Auf der einen Seite ist sie zu langsam für aktuelle Spiele mit vollen Details, und nur 4 GiByte Speicher sind nicht mehr zeitgemäß. Auf der anderen Seite ist die RX 6500 XT eine noch bezahlbare Grafikkarte. Wie gut kann man mit der RX 6500 XT also tatsächlich spielen, wenn bei Qualität und Details Kompromisse eingegangen werden?
Planen Sie als PC-Spieler mit einer Grafikkartenakquirierung, haben Sie es auch zu Beginn des Jahres 2022 nicht leicht. Theoretisch existiert zwar ein durchaus breites Angebot an diversen Modellen, Ausstattungen und Leistungsklassen, aus denen der geneigte Käufer je nach individuellem Bedarf den am besten geeigneten Pixelschubser wählen kann. Praktisch ist allerdings kaum eine Karte zu ergattern, und die wenigen, die es sind, gibt es auch nicht zu halbwegs angemessenen Preisen. Die Chipkrise hat die Grafikkartenproduktion empfindlich getroffen.
Um das knappe Gut, das die Produktionshallen tröpfchenweise verlässt, balgen sich obendrein Crypto-Schürfer und auf weiter steigende Preise spekulierende Kaufmannsseelen, was die Nachfrage nach prinzipiell fürs Gaming ausgelegten Grafikkarten deutlich verschärft. PC-Spieler geraten in Konkurrenz mit GPU-Zweckentfremdern und ziehen gegenüber den finanziell oft erdrückend überlegenen Crypto-Minern und GPU-Spekulanten, die trotz deutlich überhöhter Kosten noch immer gute Geschäfte wittern, zumeist den Kürzeren. Dies ist natürlich für alle Spieler ärgerlich. Selbst langjährige Zocker, abgehärtete Veteranen der Mining-Booms von 2017 und 2013, Zeitgenossen der Microsoft- und PC-Marktkrise, Überlebende des Dot-Com-Crashes und Millennium-Bugs schütteln angesichts des Zustands des Grafikkartenmarkts schockiert würdig gealterte Häupter. Ganz besonders hart trifft die aktuelle Misere allerdings Spieler, die eine neue Grafikkarte etwa aufgrund eines Defekts benötigen sowie Neu- und Wiedereinsteiger, die nicht auf eine bereits existierende GPU zurückfallen oder diese zwecks Minderung der direkten Kosten bei einer Neuanschaffung verkaufen können. Für Einsteiger und Spieler, die nicht in der Lage oder bereit sind, einen vierstelligen Betrag für eine Mittelklasse-Grafikkarte zu investieren, bieten indes AMD und Nvidia mit Radeon RX 6500 XT (Test) und Geforce RTX 3050 eine für 2022 neue Einstiegsklasse.
In diesem Artikel
Low-Quality-Gaming: Spielen mit der neuen Einstiegsklasse
Wir konzentrieren uns im Folgenden auf AMDs Beitrag in Form der RX 6500 XT. Das Nvidia-Pendant ist beim Schreiben dieser Zeilen noch nicht erschienen. Die Einsteiger-Geforce kommt obendrein mit für die Leistungsklasse üppigen 8 GiByte Speicher, während AMD deren nur knappe 4 anbietet. Wir testen, wie es sich mit einer 4-GiByte-Einsteiger-GPU im Jahre 2022 kompromissbereit mit angepassten Details und Full-HD-Auflösung spielen lässt und vergleichen die Performance der Einstiegs-Radeon mit älteren Mittel- und gut abgehangenen Oberklasse-GPUs. Wenn Sie sich für weitere Messwerte interessieren: Im Print-Artikel in der kommenden PCGH 03/2022, der als Grundlage für diese Online-Version herhielt, haben wir einige weitere Titel getestet, darunter Fortnite auf Basis der Unreal Engine 5 und Amazons MMORPG New World.
Low-Quality-Gaming: Age of Empires 4
Quelle: PC Games Hardware
Age of Empires 4 (1)
Die beliebte Age-of-Empires-Reihe hat nach mehr als 15 Jahren einen Nachfolger erhalten. Der vierte Teil der legendären Strategiespielreihe stammt indes nicht mehr von dem ursprünglichen Entwickler Ensemble Studios, sondern der Software-Schmiede Relic Entertainment, bekannt unter anderem für die Dawn-of-War- sowie die Company-of-Heroes-Reihe. Konsequent kommt bei Age of Empires 4 die hauseigene Essence-Engine in fünfter Iteration zum Einsatz. Der Grafikmotor nutzt Direct X 12 und bietet eine hübsche, wenn auch leicht stilisierte Grafik und einige nette Effekte, darunter etwa dichten Partikelqualm sowie eine recht ausgefeilte Zerstörungsphysik. Strategiespiele sind oft für hohe CPU-Anforderungen bekannt, und auch Age of Empires 4 schont Prozessoren nicht. Ein flotter Vierkerner samt SMT reicht indes für zumeist flüssige 60 Fps und bricht selbst bei größeren Gefechten nicht über Gebühr ein. Interessant bei Age of Empires 4 ist der große Hunger nach Grafikleistung sowie -Speicher, in Full HD warnt das Spiel ab hohen Einstellungen selbst bei RTX 2060 und GTX 1060 beziehungsweise 6 GiByte vor zu hoher Speicherbelastung. Die hohe Grafiklast steigt unter anderem bei Wasseroberflächen nochmals stärker an, deren Ufer zudem oft besonders polygonreiche Zierelemente wie Steine oder zerklüftete Felsen zieren. Ein solches Szenario haben wir für unsere Benchmarks auserkoren, um Grafik-, anstatt Prozessorlast in den Vordergrund zu stellen. Dies ist offenkundig geglückt, die Last auf den GPUs ist in unserer Szene sehr hoch. Bemerkenswert ist, wie stark insbesondere die 4-GiByte-GPUs im Test einbrechen, der Wechsel auf mittlere Grafikeinstellungen bringt einen massiven Bildraten-Boost. Für den Fall, dass Ihnen dieser nicht ausreicht: Die Kantenglättung in Age of Empires 4 ist gewissermaßen Alte Schule und nutzt auf hoher Stufe Multisampling. Schalten Sie die Qualität der Kantenglättung von "hoch" auf "niedrig" herunter, so kommt stattdessen ein Post-Processing-AA zum Einsatz, die Bildraten steigen nochmals relativ deutlich.
Low-Quality-Gaming: Cyberpunk 2077
Quelle: PC Games Hardware
Cyberpunk 2077
Das grafisch anspruchsvolle Cyberpunk 2077 fordert spätestens mit zugeschaltetem Raytracing nicht nur aktuellen High-End-Grafikkarten alles ab, für schwächere Hardware ist es selbst mit recht drastisch reduzierten Details eine harte Nuss. Nicht nur Besitzer Konsolen letzter Generation müssen bei der Optik kräftige Abstriche machen, auch wir mussten mit der RX 6500 XT recht drastische Maßnahmen treffen, um mit der neuen Einsteiger-Radeon auf einen halbwegs grünen Zweig zu kommen. Der Speicher ist eng und torpediert bis einschließlich mittlere Details in Full HD das Bestreben, Night City mit ansatzweise flüssigen Bildraten darzustellen. In Cyberpunk 2077 ist das aber nur die halbe Wahrheit, denn die Grafiklast ist sogar noch erdrückender. Selbst bei mittleren Details müht sich die RX 6500 XT (und auch andere Karten im Vergleich) vergeblich um flüssige Bildraten, Cyberpunk 2077 ist daher der einzige Titel in diesem Artikel, bei dem wir zusätzlich zu dem Detailverzicht auch noch die Auflösungsskalierung nutzen mussten. Mit 75 % Renderskalierung samt mittleren Details nähern wir uns mit der RX 6500 XT langsam ordentlichen Bildraten an - für flüssige 60 Fps müssten indes noch weitere Abstriche gemacht werden. Das grafisch fortschrittliche Cyberpunk 2077 ist gewisser Blick in die Zukunft. Kommende, sich aktuell in Entwicklung befindende Next-Gen-Spiele dürften nochmals höhere Anforderungen an die Hardware stellen als aktuelle Titel. Das technisch vielen anderen Titeln etwas vorausgeeilte Cyberpunk 2077 ist ein Anhaltspunkt für noch kommende Spiele.
Low-Quality-Gaming: Far Cry 6
Quelle: PC Games Hardware
Far Cry 6
Far Cry 6 erfindet das Rad nicht neu, die Gameplay-Revolution bleibt aus. Die modernisierte Dunia-2-Engine zaubert indes eine hübsche Grafik auf den Schirm und bietet insbesondere bei Sonnenauf- und -untergängen stimmigen Tropenflair. Mit maximierten Einstellungen, aktivierten Raytracing-Spiegelungen und -Schatten sowie dem optionalen HD-Texturen-Paket ist der Open-World-Shooter sehr anspruchsvoll, insbesondere betreffend den Grafikspeicher - in 4K-Auflösung werden selbst 10 GiByte locker gesprengt, erst mit 12, besser 16 GiByte und einer dicken Oberklasse-GPU ist flüssiges Spielen in hohen Auflösungen und maximalen Details realistisch möglich. Mit nur vier GiByte Grafikspeicher kommt es bei Ultra-Details selbst ohne Raytracing und HD-Texturen schnell zum Speicherüberlauf, etwa wenn Sie einen längeren Zeitraum über die hübsche Tropeninsel Yara ziehen. Die Pixeltapeten leiden zudem unter Detailschwund, die Frametimes unter sporadischen Rucklern. Dies bessert sich deutlich beim Nutzen der Grafikeinstellung "Mittel", die nicht nur die Texturqualität, sondern auch Schatten, volumetrische Effekte sowie andere Details absenkt. So sind auch mit der RX 6500 XT in Full HD flüssige 60 Fps möglich, allerdings neigt die Einsteiger-GPU noch immer zum Speicherüberlauf, etwa bei mehrfachen Schnellreisen oder wenn Sie aus dem Spiel heraus und wieder herein tappen. Daten werden zudem weiterhin vom Grafik- in den Hauptspeicher ausgelagert, optimal ist die Performance der RX 6500 XT also selbst mit mittleren Details und Full HD nicht. Ordentlich spielen lässt sich so aber auch mit der RX 6500 XT, die verringerten Details verbessern obendrein das zu Stockern neigende Streaming.

Da kommt ein dicker Dunst an PCMR rüber.
Ich bin selbst überrascht, wie gut Games nach unten skalieren, 4GB gehen doch noch gut.
Ich wette bei vielen Spielen bricht dir mit fragmentiertem Vram nach 30 min die FPS und der Spielspass weg, auf YT sieht man einige die derbe GFX Fehler und minimum Textur Darstellungen nach kurzer Spielzeit Provozieren können ...
Ältere Spiele können nicht oder nur mit Tricks die Auflösungen nutzen die akt. TFTs am liebsten haben.
(also 1080p und höher bzw. 16-9 gab es idR. nicht als Auswahl)
Vor allem in 2D-Spielen, in Sachen 3D kann man heute ja viel zaubern mittels interner Auflösung, downsampling, upsampling usw.
Wobei da an der Röhre bei unterschiedlichen Auflösungen auch nicht alles optimal war (Stichwort Scanlines etc.).
Weiß nicht wie ich das besser beschreiben soll.
Also die 85 Hz bei mir waren definitiv 85Hz, habe den Vergleich ja gemacht:
Der Sprung von 60 auf 75Hz war deutlich sichtbar; von 75 auf 85Hz wars auch nochmal deutlich flimmerfreier.
85Hz war für mich damals der Sweet-Spot in 1600x1200.
Zwar hätte man hier in Sachen Bildwiederholrate auch noch deutlich über 85Hz gehen können (113 Hz hätte der Monitor in 1600x1200 und 88Hz in 2048x1536), aber das ging dann etwas zu lasten der Bildschärfe (dies könnte auch durch die Grafikkarte bedingt gewesen sein).
85Hz ist für die meisten in Sachen Flimmerfreiheit genug, mir ist das Flimmern wie gesagt auch erst wirklich aufgefallen, als ich nach langer Zeit am LCD mal wieder "in die Röhre guckte". ; D
Außerdem würde ich die Bildschärfe vom LCD insbesondere bei Text nicht mehr missen wollen, zugunsten meiner Augen.
Da verhält sich eine Xbox Series S wie eine Xbox One S, die ungefähr wie eine GTX 750 performt (und schlechter als eine PS4 Slim). Sind wir mal gnädig und runden auf 750Ti-Performance auf, weil die Slowdowns auf unter 30 fps ausbleiben.
Du siehst also keinen Vorteil von RX6500XT-Performance gegenüber 750Ti-Performance?