RAM-Apokalypse: Bastler baut Speicher mit Raumfahrt-Technik

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RAM-Apokalypse: Bastler baut Speicher mit Raumfahrt-Technik
Quelle: Polymatt

Weil die Speicherkrise DDR5- und SSD-Preise auf Rekordniveau treibt, hat ein Tüftler die Konsequenz gezogen und sich seinen Speicher selbst gebaut: als handgefädelten Magnetkernspeicher mit Technik aus der Apollo-Ära und 64 Bit Kapazität.

Während die Speicherkrise die DDR5-Preise in Deutschland um 419 Prozent nach oben getrieben hat und AMD erst 2028 mit einer Entspannung rechnet, suchen Tüftler nach ganz eigenen Auswegen. Einer davon ist der YouTuber Polymatt, der auf teure Speicherbausteine verzichtet und stattdessen zum Lötkolben greift. Sein Ergebnis, über das zuerst Tom's Hardware berichtet hat, ist ein USB-Speicher, welcher Speicherdaten nicht auf Silizium, sondern in Eisenringen ablegen kann.

Magnetkernspeicher im Eigenbau: 64 Bit per USB-Stick

Der Entwickler hat aus 64 von Hand gefädelten Ferritkernen einen funktionierende Speicher zusammengesetzt, der eine einzige Textdatei fasst. Die Kerne stammen aus einem ausgeschlachteten russischen Rechner, alles Weitere entstand mit Lötkolben, CNC-Fräse und einem 3D-Drucker vom Typ Bambu Lab A2L. Die Entstehung dokumentiert ein sehenswertes, knapp 20-minütiges YouTube-Video.

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Speicher aus Eisenringen und Draht

Jeder der 64 Ferritkerne legt über seine Magnetisierungsrichtung genau ein Bit ab, sodass dieser Magnetkernspeicher exakt 64 Bit fasst. Die durchgefädelten Drähte übernehmen dabei zwei Aufgaben zugleich: Sie kippen die Magnetisierung eines Rings zum Schreiben der Daten und lesen sie anschließend wieder aus.

64-Bit-Magnetspeicher (1) Quelle: Polymatt 64-Bit-Magnetspeicher (2) Quelle: Polymatt

Zusammengefasst bleiben so acht Byte, genug für exakt acht Schriftzeichen. Das Silikonöl, in das Polymatt die Ringe getaucht hat, erfüllt indes keinen technischen Zweck; der Maker räumt selbst ein, dass es nur der Optik dient.

Gut genug für die Mondlandung

Magnetkernspeicher diente von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre als Standard-Arbeitsspeicher zahlreicher Großrechner und steckte in dieser Form auch im Apollo Guidance Computer. Die Technik war die erste nichtflüchtige Speicherform überhaupt: Einmal geschrieben, hält ein Ferritkern seine Information ohne Stromzufuhr.

Zugleich übersteht der Speicher Strahlungsausbrüche, welche die modernen Speicherbausteine ("ICs") beschädigen würden. Die eigentliche "Flugsoftware" der Mondmissionen lag hingegen in einem sehr eng verwandten Fädelspeicher, auch "Core Rope" genannt, den Arbeiterinnen beim US-Rüstungs- und Elektronikkonzern Raytheon seinerzeit Draht für Draht von Hand eingewebt haben.

Der schlechteste USB-Stick der Welt

Am USB-Anschluss meldet sich das Gerät als Datenträger mit einer einzigen editierbaren Datei namens core.txt, deren Inhalt auch nach dem Abziehen erhalten bleibt. Diese Beständigkeit wies Polymatt nach, indem er den Stick trennte und erneut anschloss, ohne dass die gespeicherten Zeichen verloren gingen.

Den selbstgewählten Titel "schlechtester USB-Stick der Welt" trägt das Projekt dennoch zu Recht, zumindest gemessen an der Speicherdichte pro Gramm. Eine LED je Bit hatte der Maker zwar erwogen, verwarf die Idee jedoch wieder. Verglichen mit einem Magnetkernspeicher mit 128 Byte, den ein japanischer Bastler Anfang des Jahres auf Tellergröße aufgezogen hatte, wirkt Polymatts Ausführung deutlich professioneller ausgeführt und viel sauberer verarbeitet.

64-Bit-Magnetspeicher (3) (1) Quelle: Polymatt Mit seinem DIY-Ansatz steht er nicht allein: Zuletzt hatte ein anderer Tüftler versucht, DRAM im Reinraum eines Gartenhauses zu fertigen.

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Quelle: Polymatt via Tom's Hardware

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Sidewinder Software-Overclocker(in)
        Es gab doch den Fall, dass bei defekten Satelliten der Magnetkernspeicher ausgetauscht werden musste.
        Wenn ich das richtig erinnere hat die NASA Rentner rekrutiert, die noch ein paar exemplare per Hand gefertigt hatten.

        Je feiner die Struktur auf dem Silizium, desto schneller wird er Speicher von Strahlung zerstört.
        Wir nutzen in der Verteidigungsindustrie in einigen fällen auch noch EPROM, da dieser gegen starke elektromagnetische- (Störungen, EMP) und Gamma-Strahlung (Kernwaffenexplosionen) beständig ist.

        Wenn alle unsere heutigen Daten längst unbrauchbar sind, werden zukünfige Speicherarchäologen in ferner Zukunft die TXT Datei auf diesem USB-Stick öffnen können
      • Von Sidewinder Software-Overclocker(in)
        Es gab doch den Fall, dass bei defekten Satelliten der Magnetkernspeicher ausgetauscht werden musste.
        Wenn ich das richtig erinnere hat die NASA Rentner rekrutiert, die noch ein paar exemplare per Hand gefertigt hatten.

        Je feiner die Struktur auf dem Silizium, desto schneller wird er Speicher von Strahlung zerstört.
        Wir nutzen in der Verteidigungsindustrie in einigen fällen auch noch EPROM, da dieser gegen starke elektromagnetische- (Störungen, EMP) und Gamma-Strahlung (Kernwaffenexplosionen) beständig ist.

        Wenn alle unsere heutigen Daten längst unbrauchbar sind, werden zukünfige Speicherarchäologen in ferner Zukunft die TXT Datei auf diesem USB-Stick öffnen können
      • Von vicares Freizeitschrauber(in)
        Genial, ich feier diesen Enthusiasmus
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