RPCS3: PS3-Emulator läuft jetzt auf ATi Radeon von 2007
Die Entwickler des freien PS3-Emulators RPCS3 haben die Unterstützung auf ATi-Grafikkarten der Baureihen Radeon HD 2000 bis 4000 aus den Jahren 2007 bis 2009 ausgeweitet. Neues GPU-Minimum ist die Radeon HD 2900 XT, jedoch nur unter Linux.
Wer unter Linux spielt und noch eine ATi-Grafikkarte aus der späten TeraScale-Ära im Schrank liegen hat, wird jetzt wohl aufhorchen. Das Entwicklerteam von RPCS3 hat die Systemanforderungen seines PS3-Emulators erneut gesenkt und reaktiviert damit die Hardware, welche vor fast zwei Jahrzehnten auf den Markt kam.
Dieser Schritt reiht sich in ein äußerst produktives Jahr ein: Im Januar 2026 meldete das Projekt zuerst mehr als 70 Prozent kompatible PS3-Spiele, im April folgte dann auch die vollautomatische Spielekonfiguration - wir berichteten.
RPCS3 unterstützt Radeon der ersten TeraScale-Generation
Konkret unterstützt der freie Emulator ab sofort die Baureihen Radeon HD 2000, 3000 und 4000 des kanadischen Grafikspezialisten ATi, die zwischen 2007 und 2009 erschienen und auf der TeraScale-1-Architektur basieren.
Bislang bildeten die TeraScale-2-Serien Radeon HD 5000 und HD 6000 die Untergrenze, nachdem das Projekt seine Anforderungen bereits im Jahre 2021 von der Radeon HD 7000 heruntergestuft hatte. In der offiziellen Ankündigung betonen die Entwickler, die Mindestanforderungen für RPCS3 seien seit dessen Einführung 2017 stets gesenkt und "nie auch nur ein einziges Mal angehoben" worden.
Von der Radeon HD 5550 zur Radeon HD 2900 XT
Das offizielle GPU-Minimum von RPCS3 sinkt von der Radeon HD 5550 ("Redwood") auf die ATi Radeon HD 2900 XT ("R600") aus dem Mai 2007. Beide Grafikkarten teilen sich die entscheidenden Eckdaten: 320 Shader-Einheiten, vier Compute-Einheiten sowie 512 MiB GDDR4-Grafikspeicher.
Die kleinere Radeon HD 2600 XT ("RV630") stellt Spiele zwar korrekt dar, scheidet mit 256 MiB und 120 Shader-Einheiten als Minimum indes aus; der Chip ist schwächer als der RSX-Grafikprozessor der Playstation 3 selbst. Technisch scheiterte TeraScale 1 bislang an einer Annahme im Code: RPCS3 setzte bei allen unterstützten GPUs Shader Storage Buffer Objects voraus, die alte GPUs nicht beherrschen.
Der OpenGL-Renderer brach deshalb schon bei der Initialisierung ab. Eine neue Hardware-Abfrage deaktiviert das Feature nun auf betroffenen Grafikkarten.
Radeon HD 4890, HD 3870 und HD 5850 im Praxistest
Die Radeon HD 4890 ("RV790") erreicht als stärkste TeraScale-1-Grafikkarte mit 1 GiB Grafikspeicher in einfachen Spielen wie Outrun Online Arcade oder der Metal Gear Solid HD Collection annähernd 60 Fps. Grafisch anspruchsvollere Titel laufen hingegen ins GPU-Limit.
Quelle: RPCS3
Metal Gear Solid HD Collection auf einer Radeon HD 4890 mit 60 Fps in 720p.
Die Radeon HD 3870 ("RV670") stemmt nur genügsame Spiele und benötigt teils eine auf 273p reduzierte Renderauflösung: In Portal liefert sie 26,7 FPS in 720p, während die Radeon HD 2600 XT in derselben Szene auf 12,9 Fps in 273p kommt.
Bemerkenswert ist zudem ein Nachtest der Radeon HD 5850 ("Cypress") in Persona 5: Im Vergleich zu einem alten Emulator-Build aus dem Jahre 2021 stieg die Bildrate in Kamoshidas Schloss von 35 auf 49 Fps, im Schulflur von 19 auf 25 Bilder pro Sekunde; als Unterbau diente jeweils ein AMD FX-8350.
So läuft RPCS3 auf TeraScale-Grafikkarten
RPCS3 unterstützt TeraScale-Grafikkarten ausschließlich unter Linux mit dem freien Mesa-Treiber r600 und dem OpenGL-Renderer. Unter Windows bleibt die alte Hardware außen vor, da AMDs betagter OpenGL-Treiber ("Orca") aus Adrenalin-Versionen vor 22.6.1 mit dem Emulator zu langsam und zu fehleranfällig arbeitet.
TeraScale-1-Chips melden offiziell zudem nur OpenGL 3.3 und GLSL 3.30; vor dem Start müssen Nutzer die Werte per Umgebungsvariablen auf OpenGL 4.3 und GLSL 4.40 anheben. Details listet die Treiber-Übersicht im RPCS3-Wiki auf.
Dass ausgerechnet ein PS3-Emulator derart genügsam geworden ist, passt zur jüngsten Entwicklung des Projekts: Erst im Mai verwandelten die Experten von Digital Foundry mithilfe von PS5-Linux sogar eine Playstation 5 in einen PS3-Emulator.
Mit dem neuen Minimum tritt nun eine kuriose Situation ein: Zwischen dem Marktstart der Playstation 3 im November 2006 und dem der Radeon HD 2900 XT lagen gerade einmal sechs Monate. Der Emulator begnügt sich damit erstmals mit einer Grafikkarte, welche fast so alt ist wie die emulierte Konsole.
Zudem benötigt der Emulator die PlayStation-3-Firmware. Diese kann von der offiziellen Website von Sony heruntergeladen werden, wird aber aus rechtlichen Gründen nicht mitgeliefert. Der Emulator selbst lässt sich mit der Hilfe der offiziellen Betriebsanleitung schnell und unkompliziert installieren und in Betrieb nehmen, während Spiele jetzt wie beschrieben automatisch konfiguriert werden.
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Quelle: RPCS3 via VideoCardz
