230-Volt-Netzwerk

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230-Volt-Netzwerk Bei kabellosen Netzwerken war Wireless LAN bisher die erste Adresse. Netzwerke über das hausinterne Stromnetz machen W-LANs nun mächtig Konkurrenz.

In den Vereinigten Staaten haben die so genannten Powerline-Produkte längst die Haushalte erobert. Sie müssen damit keine Netzwerkkabel mehr verlegen, um zwei Computer miteinander zu verbinden. Pro PC wird einfach ein USB-Adapter in die nächste Steckdose gesteckt und schon können Sie zwischen den beiden Rechnern Daten übertragen. Die Powerline-Technik ersetzt praktisch ein RJ45-Kabel. Da der Begriff Powerline auch eine Internetzugangstechnik bezeichnet, spricht man deshalb im Heimbereich von Homeplug-Powerline. Aktuelle Homeplug-Produkte erreichen eine Bruttoübertragungsrate von 14 Megabit pro Sekunde, in der Praxis sind es je nach Qualität der Leitung fünf bis sieben Megabit. Das entspricht den Übertragungsraten eines 10-MBit-Netzwerks. Schon in einem Jahr soll die Bandbreite auf 100 MBit/s steigen und trotzdem zur jetzigen Technik kompatibel bleiben.

Das Aufmodulieren von zusätzlichen Frequenzen auf die Stromleitung ist ein bekanntes und bewährtes Verfahren zur Datenübertragung, das bereits vor mehr als 20 Jahren mit den Babyphones genutzt wurde. Heute dient es der Verteilung von Internet- und Netzwerkzugängen. Je nach Dämpfungsfaktor der Elektroinstallation lassen sich Entfernungen bis zu 200 Metern überbrücken und bis zu 16 Computer anschließen. Jeder Hausanschluss verfügt über drei galvanisch getrennte Energieleitungen, wobei die Stromphasen der Leiter zueinander um ein Drittel der Periode verschoben sind. Das bedeutet, die Steckdose im Arbeitszimmer kann an einem anderen Stromkreis hängen als die Steckdose in der Küche. Damit die Powerline-Technik zwischen den drei verschiedenen Stromkreisen trotzdem funktioniert, müssen die Leitungen mindestens einen Meter nebeneinander verlaufen. Denn dort, wo die Kabel nah beieinander liegen, tritt das so genannte Übersprechen ein: Durch Induktion wird das Signal trotz Isolierung auf den normalerweise galvanisch getrennten Stromkreis übertragen. Da dies in der Mehrzahl aller Haushalte der Fall ist, ist die Funktion der Powerline-Technik meist sicher.

In jedem Stromkreis können Störfrequenzen oder Spannungsschwankungen durch Haushaltsgeräte auftreten. Wenn etwa die Mikrowelle läuft oder die Waschmaschine schleudert, können Streifen auf dem Fernsehgerät zu sehen sein. Damit solche Störungen nicht die Datenübertragung über das Stromnetz beeinflussen, arbeiten die Po- werline-Produkte mit automatischem Frequenzwechsel (Orthogonal Frequency Division Multiplexing, kurz: OFDM). "Selbst eine Neonleuchte mit kaputtem Starter stört die Datenübertragung der Powerline-Geräte nicht merklich", versichert Michael Stein, Geschäftsführer der Vertriebsfirma Independis.

Ein wichtiger Faktor bei offenen Datenübertragungen wie etwa W-LAN oder Powerline ist die Sicherheit. Der Vorteil von Po- werline ist, dass eine Hochfrequenzspule die Datensignale blockiert. Solch eine Spule befindet sich in jedem Stromzähler. Dieser ist damit die beste Firewall, die es gibt. Dennoch besteht die Gefahr des Übersprechens: Laufen Ihre Leitungen und die des Nachbarn nur einen Meter nebeneinander, können die Datensignale auch in der Nachbarwohnung empfangen werden. Damit Ihre Anwohner nicht "mithören" können, bieten die Hersteller zusätzlich eine 56-Bit-Verschlüsselung und einen MAC-Filter an. Ein weiterer Vorteil von Powerline gegenüber W-LAN ist die geringere Belastung durch elektromagnetische Strahlung. Funknetzwerke arbeiten mit Frequenzen von 2,4 bis 5 GHz und einer Sendeleistung von einem Watt. Powerline erhöht die elektromagnetische Strahlung der Elektroleitungen nicht und verursacht also keine zusätzliche Belastung.

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