Brain-Computer-Interface: "Gedankensteuerung" auf der Cebit getestet

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Auf der Cebit konnten wir ein experimentelles System zur PC-Steuerung per Gedankenkraft ausprobieren.

Schon auf der Cebit 2007 probierten wir den Neural Impulse Actuator (NIA) der Firma OCZ aus, besser bekannt als "Brain-Maus"; das Gerät ist seit einer Weile für rund 100 Euro auf dem Markt (siehe Preisvergleich). Nach einer kurzen Trainingsphase sollen sich damit per Gedankenkraft Kommandos an den PC schicken lassen, auch Spiele sind so zu steuern. Prinzipiell funktioniert das Gerät, doch die meisten Befehle erteilen Sie nicht durch Gehirnwellen, sondern durch leichte Muskelbewegungen.

Gänzlich auf Gehirnwellen basiert ein System der österreichischen Firma g.tec, das wir auf der Cebit in Hannover ausprobieren konnten: das 'Brain-Computer-Interface' (BCI). Dafür werden Sensoren am Kopf angebracht und über einen Biosignalverstärker an einen PC weitergeleitet. Im Probeaufbau kann das System vier verschiedene Signale des Gehirns verstehen und nach Belieben umsetzen; auf der Cebit kommt ein kleiner fahrender Tischroboter zum Einsatz, der sich per BCI und PC in vier Richtungen steuern lässt. Obwohl auch einfache Computerspiele wie etwa Pong auf diese Weise zu kontrollieren wären, zielt das System eher auf medizinische Einsatzgebiete - etwa die Steuerung eines Rollstuhls durch Menschen mit Lähmungen.
Brain-Computer Interface: Die Trainingsphase dauert etwa fünf bis sieben Minuten. Quelle: http://www.pcgameshardware.de Brain-Computer Interface: Die Trainingsphase dauert etwa fünf bis sieben Minuten.
Es reicht allerdings nicht, Kommandos wie "vor" und "zurück" einfach zu denken. Stattdessen blickt der Nutzer auf eine von vier unterschiedlich schnell blinkenden LEDs, welche für die vier Richtungen stehen: Je nach Blinkfrequenz sendet das Hirn andere Wellen aus, die von den Sensoren aufgenommen und in Befehle umgesetzt werden; dieses Messverfahren für Gehirnströme nennt sich Elektroenzephalografie (EEG). Nach einer rund fünfminütigen Trainingsphase konnten wir auf diese Weise den Roboter recht präzise auf dem Tisch herumfahren lassen. Eine andere Anwendung, die sich ebenfalls auf der Cebit ausprobieren lässt, erlaubt die bewegungslose Texteingabe: Ein PC-Bildschirm stellt blinkende Zahlen und Buchstaben dar; verweilt der Blick kurz auf einem dieser Zeichen, wird dies wiederum in den Hirnströmen erkannt und als Zeicheneingabe interpretiert. Als drittes Anwendungsgebiet schwebt g.tec die Heimsteuerung über Kommandos wie "Tür auf!" und "Fenster zu!" vor.

Auch wenn das 'Brain-Computer-Interface' noch im Experimentalstadium steckt und kaum als Mausersatz für geübte Spieler taugt, ist die Technik sehr beeindruckend - wer sie ausprobieren möchte, findet den g.tec-Stand mit der Nummer C89/3 auf der Cebit in Halle 9. Bilder gibt's in der Galerie, weitere Informationen beim Hersteller.

Bildergalerie

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    • Kommentare (14)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Henner Freizeitschrauber(in)
        Zitat von ruyven_macaran
        Ist das mit den LEDs eigentlich für die finale Lösung geplant oder dient das eher der Technologiedemonstration/der Eingewöhnung?
        Es ist eher eine Demonstration (bis auf den Biosignalverstärker, den gibt es bei g.tec schon). Sicher wird irgendwann mal ein Produkt daraus, aber wie es genau aussehen wird, weiß noch keiner.
      • Von Henner Freizeitschrauber(in)
        Zitat von ruyven_macaran
        Ist das mit den LEDs eigentlich für die finale Lösung geplant oder dient das eher der Technologiedemonstration/der Eingewöhnung?
        Es ist eher eine Demonstration (bis auf den Biosignalverstärker, den gibt es bei g.tec schon). Sicher wird irgendwann mal ein Produkt daraus, aber wie es genau aussehen wird, weiß noch keiner.
      • Von Gast20150401
        Zitat von Grunert
        Wobei es schon Gehirnelektroden gibt (z.b. bei "Tick"-Patienten)
        Terminator lässt grüßen.

        Das geht auch mit Wanzen.
      • Von Andy386 Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von PCGH_Henner
        Stimmt Aber dieses System mit den blinkenden LEDs ist ja nur ein Beispiel - entscheidend ist, dass die Sensoren Hirnwellen messen und in verwertbare Signale umwandeln können. Diese Wellen lassen sich ja auch anders stimulieren als durch Lichtblitze.
        Und dann ist man wieder bei dem Teil von OCZ: es dauert lange, bis man es erlernt hat. Von daher finde ich die neuen EEGs, auch wenn sie dem klischen eher ähneln, nicht so doll. Ferner reicht einfach für die Anwendung ein EOG (quasi EEG an den Augen) - und da kann man sogar den Roboter noch im Auge behalten...
      • Von ruyven_macaran Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von PCGH_Henner
        Das ist tatsächlich schwierig, ich konnte den Roboter nur aus den Augenwinkeln sehen. Aus gleichem Grunde eignet sich das System auch nur wenig für die Steuerung von Spielen - ich müsste ja das Spiel und die LEDs gleichzeitig im Auge behalten.
        Die Texteingabe aber funktioniert ohne separate LEDs, dabei sieht man sich einfach die Zeichen direkt an.
        Ist das mit den LEDs eigentlich für die finale Lösung geplant oder dient das eher der Technologiedemonstration/der Eingewöhnung?
        (Systeme, die direkt Gedanken erkennen, gibt es ja schon seit einiger Zeit und wochenlange Trainingsphase mag das ganze schlecht präsentierbar zu machen - aber wenn man ohne das Gerät zur Untätigkeit verdammt ist, sieht die Sache anders aus)
      • Von Grunert PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von PCGH_Henner
        Im Gespräch erfuhr ich, dass die Steuerung sehr viel besser funktioniert, wenn man Elektroden ins Gehirn implantiert ... Am Menschen hat man das aber noch nicht ausprobiert.

        Wobei es schon Gehirnelektroden gibt (z.b. bei "Tick"-Patienten)
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