Monster Hunter World für den PC: Die etwas andere Großwildjagd
Spannender Spagat: Mit Monster Hunter World will Capcom das erfolgreiche Action-Rollenspiel auch westlichen Spielern näherbringen - ohne jedoch dessen Komplexität zu reduzieren und die eingeschworenen Serienfans zu vergraulen. Kann das klappen?
Wenn ein Spiel Monster Hunter heißt, dann geht es darum mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um die Abenteuer eines Zeitungsjungen. Außerdem passen die Ungetüme in Capcoms erfolgreicher Serie nicht in einen handlichen Pokéball - sie stehen oft den größten Dinosauriern in nichts nach. Und sie sind weitaus weniger putzig als die Pokémon, bei denen selbst die fiesesten noch drollige Züge tragen.
2004 erschien der erste Teil der Monster-Hunter-Reihe für die Playstation 2. Die darauffolgenden Ausgaben fanden hauptsächlich auf Mobilkonsolen von Nintendo und Sony statt und verkauften sich in den letzten 13 Jahren über 40 Millionen Mal. Mit Monster Hunter World produziert Capcom eine brandneue Fassung des Action-Rollenspiels für die aktuelle Konsolengeneration und den PC. Grund genug, uns das Spiel auf der E3 2017 in Los Angeles hinter verschlossenen Türen anzuschauen.
Quests im Urwald
Das Spielprinzip aller Monster-Hunter-Teile ist schnell erklärt: Wir statten unseren Jäger mit den besten verfügbaren Waffen und Rüstungen aus und gehen auf die Jagd nach einem, richtig, Monster. Haben wir es mit Hilfe der Umgebung und anderer Kreaturen erlegt, nutzen wir beispielsweise sein Fell oder seine Knochen dazu, bessere Waffen und Rüstungen herzustellen beziehungsweise unsere bestehenden zu verbessern - dann geht es einmal mehr auf die Jagd.
Wie in Online-Rollenspielen hinterlassen die Monster nicht immer die gewünschten oder benötigten Goodies, so dass wir mehrere Male auf die Jagd gehen müssen. Das Verbessern unserer Ausrüstung ist dabei kein Selbstzweck - wir wollen damit nicht vor anderen Spielern angeben, sondern noch stärkere Viecher aufspüren und erlegen, um eine Quest nach der nächsten abzuschließen. Wie in einem Rollenspiel eben.
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Hilfe per Leuchtrakete
In Monster Hunter World vergrößern die japanischen Entwickler die Spielwelt und verabschieden sich von den Ladebildschirmen vorangegangener Ausgaben. Vom Jägerlager aus geht es nahtlos durch Urwälder, Lichtungen, Höhlen und andere Regionen, dynamische Tag-Nacht-Wechsel und Flora und Fauna inklusive. Das funktioniert sowohl im Solo- als auch im Mehrspielermodus für bis zu vier Jäger.
Der Wechsel zwischen den Spielweisen ist dabei fließend - und clever gelöst. Sollte ein Monster unserem Jäger zu sehr zu schaffen machen, schießen wir eine rote Leuchtrakete in den Himmel - ein Zeichen für andere Spieler rund um den Globus, dass jemand ihre Hilfe braucht. Wir entscheiden dann, welche der möglichen Helfer wir in unsere Party aufnehmen möchten.
Erlebte Völkerverständigung: Wie beim epochalen MMO Phantasy Star Online dürfen bei Monster Hunter World Spieler aus allen Erdteilen miteinander spielen, selbst wenn sie die Sprache der Mitspieler nicht beherrschen. Das funktioniert über vorgegebene Befehle und Sätze, die das Spiel in die Sprache des jeweiligen Teammitglieds übersetzt.
Hilfreiche Glühwürmchen
Hinter verschlossenen Türen des Capcom-E3-Stands spielt uns ein Mitglied des japanischen Entwicklungsteams eine der Quests von Monster Hunter World vor. Unsere Aufgabe: Wir müssen einen Anjanath aufspüren und erlegen. Dieses riesige Monster wartet aber nicht wie auf dem Präsentierteller auf uns. Stattdessen suchen wir nach Schleimspuren auf dem Boden und folgen dann einer Art Glühwürmchenschwarm, der die Fährte des Anjanath aufgenommen hat.
Unterwegs treffen wir auf einen Großen Jagras, um den wir besser einen großen Bogen machen sollten. Das Monster kann nämlich wie eine Python seine Beute an einem Stück verschlingen. Wir folgen den leuchtenden Insekten weiter, sammeln dabei unterwegs allerhand Pflanzen, Pilze und sonstige Urwaldgaben ein - für all das gibt es Erfahrungspunkte. Schließlich sind wir am Ziel angekommen: Einer gewaltigen Höhle, in der der Anjanath ein Nickerchen macht.
Ränkespiel und Lebensbalken
Nun gilt es, die Umgebung auf kluge Weise einzusetzen. Nachdem wir den Anjanath aufgeweckt haben, werfen wir ein paar Fleischbrocken in seine Richtung und locken ihn so aus der Höhle, während wir uns hinter ein paar Büschen verstecken. Dann springen wir todesmutig auf den Rücken des Ungetüms und ziehen lianenartige Ranken herab, mit dem wir seine Beweglichkeit einschränken - und dann beginnen, mit unserem Schwert herzhaft zuzuschlagen.
Wir sehen allerdings nicht, ob und wie große Auswirkungen unsere Hiebe haben. Das, so erklärt uns ein Capcom-Mitarbeiter nach der Vorführung, sähe die Spielergemeinde gar nicht gern, weil etwa ein Lebensbalken das Spiel zu leicht oder gar unrealistisch machen würde. Wie war das noch mit dem Erreichen neuer Zielgruppen?
Neue Waffen braucht der Jäger
Der Anjanath wird indes langsam sauer und verfolgt uns mit donnernden Schritten. Wir verdünnisieren uns in einen anderen Teil des Uralten Waldes, den wir erneut zu unserem Vorteil nutzen: In einer weiteren Höhle lähmen wir das Monster so etwas wie elektrischen Fliegen, dann lassen wir ihm Felsen und Geröll auf den Kopf fallen. Obendrein kehrt nun der Große Jagras nach der Fütterung seiner Jungen zurück und mischt sich in den Kampf ein. Wir sehen den beiden Giganten eine Weile zu, doch schließlich hat der Anjanath die Nase voll und klettert eine Felswand nach oben - nach den Worten des Entwicklers eine neue Monsterfähigkeit.
Doch auch auf dem Felssims hat der Anjanath keine Ruhe, denn nun stürzt sich ein Rathalos aus der Luft auf unser Ziel. Wir tarnen uns mit einem Ghillie-Umhang und eilen hinter dem nun fliehenden Anjanath her. Zwischendurch machen wir Station im Jägerlager, wo wir uns umziehen und eine neue Waffe einstecken - vielleicht richtet die ja mehr Schaden an? Auch unser katzenartiger Palico-Begleiter bekommt frische Ausrüstungsgegenstände.
Die Zeit wird knapp
Inzwischen ist die Nacht über dem Urwald hereingebrochen. Der Quest-Countdown tickt unbarmherzig herab, gerade einmal zehn Minuten bleiben uns noch, innerhalb derer wie unsere Aufgabe erledigen müssen. Behände stellen wir eine Falle für den Anjanath auf, den wir anschließend mit der neuen Waffe beharken: ein Schnellfeuergewehr, dass unser Ziel mit einem wahren Kugelheer eindeckt.
Verärgert stapft das verletzte Monster auf uns zu und in unsere Falle, wo es kurze Zeit später sein Leben aushaucht. Wir bergen rasch die für das Herstellen von neuen Gegenständen benötigten Komponenten wie Knochen, dann geht's zurück ins Lager, wo wir unsere Wunden lecken und vor der Jagd am nächsten Tag eine Mütze voll Schlaf nehmen.
Fazit
Auf den ersten Blick wirkt Monster Hunter World ein wenig sperrig. Fremdartige Waffen, Monster ohne Lebensbalken und ein Urwald, in dem wir außer unserer Palico-Katze nur wenige Verbündete haben. Doch wer sich auf das Spiel einlässt, entdeckt ein faszinierendes Ökosystem, in dem von den kleinsten Insekten bis zu den größten Monstern alle Tiere ihre eigene Aufgabe haben.
Herauszubekommen, wie man all das für seine Zwecke einsetzen kann, macht einen großen Teil des Spiels aus. Und es ist ein überaus befriedigendes Gefühl, wenn man nach langer, oft nicht einfacher Jagd sein Ziel endlich um dessen wertvolle Rohstoffe erleichtern kann. Ein ungewöhnliches Abenteuer, das nach etwas Einarbeitungszeit sicherlich Suchtpotenzial besitzt.

Wenn es gut wird ist es für den PC sogut wie gekauft.
Hoffentlich kommt ein guter Port.