Gigabyte Aorus AD27QD im Test: Der erste Rauschfiltermonitor
Mit einem Monitor hat Gigabyte nun eine weitere Hardware-Kategorie für sich entdeckt und steigt gleich mit einem Oberklasse-Modell ein, das mit Features nicht geizt. Das Software-OSD bietet nicht nur alle erdenklichen Einstellmöglichkeiten, sondern auch eine Geräuschunterdrückung für Headsets. Ob das Monitor-Debüt von Gigabyte nur mit Gimmicks glänzen kann oder auch das Panel selbst fürs Gaming taugt, klären wir im Test.
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Eher für Mainboards, Grafikkarten oder Notebooks bekannt, möchte Gigabyte nun auch bei den Monitoren mitmischen. Anfang des Jahres stellte der Hersteller zur CES 2019 in Las Vegas den ersten Gigabyte-Bildschirm vor, der natürlich voll aufs Gaming zugeschnitten ist. Dem Datenblatt nach entspricht er mit WQHD-Auflösung und 144 Hz der aktuellen Mainstream-Oberklasse. Die 144 Hz gibt es mittlerweile auch in 4K/UHD-Auflösung, die erfordert aber eine High-End-Grafikkarte, um entsprechend ähnlich hohe Frameraten liefern zu können. WQHD ist nach wie vor der Vernunftskompromiss zu einem bezahlbaren Preis.
Während die meisten IPS-Panels von LG oder AU Optronics stammen, nutzt Gigabyte eine AHVA-Variante des chinesischen Herstellers Innolux. HDR ist auch mit an Bord, wenn auch nur mit der schwächsten Variante mit ca. 400 cd/m², die kaum einen Mehrwert bietet. Die Farbtiefe mit 10 Bit wird auch "nur" mit Framerate Control erreicht, also 8 Bit nativ mit FRC, mehr können die Konkurrenz-Panels aber auch nicht. Zumal der Unterschied zu nativen 10 Bit kaum sichtbar ist. Bislang haben wir das Innolux-Panel noch nirgend woanders gesehen, wir sind daher umso gespannter auf die Messergebnisse.
Gigabyte Aorus AD27UD: Ausstattung
Dem schwarzen Monitor sieht man gleich an, dass es sich um ein Gaming-Gerät handelt. Das macht die Form des massiven Metall-Standfußes deutlich, der an den Acer X27 erinnert, ebenso wie die RGB-Beleuchtung an der Rückseite. In Sachen Ergonomie lässt der Monitor auch nichts vermissen: er lässt sich um den Fuß schwenken, neigen, um 13 cm in der Höhe verstellen sowie hochkant in der sogenannten Pivot-Funktion betreiben. Etwas unüblich bei einem Monitor sind Klinkenbuchsen für Kopfhörer und Mikrofon. Wer die bereits erwähnte softwareseitige Geräuschunterdrückung nutzen möchte, muss das Headset dort anschließen.
OSD-Sidekick: Bequeme Desktop-App, die das Monitor-Menü ersetzt
Quelle: PC Games Hardware
Gigabyte Aorus AD27QD im Test: Der erste Rauschfiltermonitor (1)
Wer nicht umständlich durch das Monitor-OSD navigieren möchte, kann das auch einfach per Maus mit der eigenen Steuerungs-App vornehmen. "OSD Sidekick" nennt Gigabyte das Tool, welches die USB-Verbindung zum Rechner erfordert. Nur wenige Hersteller bieten eine Monitor-App für Windows - etwa Asus, LG oder MSI. Neben der schnellen Bedienung per Maus bietet Sidekick auch den Vorteil, alle Funktionen übersichtlich auf einen Blick zu haben und diesen auch Tastenkürzel zuweisen zu können. Die Bildprofile können nicht nur frei erstellt werden, sondern auch Anwendungen zugewiesen werden, sodass die Software beim Spielstart automatisch umschaltet.
Wir finden zudem alle erdenklichen Gaming-Features vor, wie etwa ein Fadenkreuz, einen Timer, ein Overlay mit Bildwiederholrate und ein weiteres mit Rechnerauslastung, das Gigabyte "Dashboard" nennt. Damit dürfte der AD27QD perfekt für all jene sein, die gerne und oft Monitor-Einstellungen umschalten und sich dabei im OSD verlieren.
Der erste Monitor mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC)
Und weil der Monitor nur so vor Gimmicks strotzt, spendiert Gigabyte ihm auch noch eine Geräuschunterdrückung für den Voice Chat per Headset. Dadurch soll sich Hintergrundmusik oder Tastaturgeklapper herausfiltern lassen, was drei Mikrofone im Gehäuserand des Monitors vornehmen. Die Teamkollegen im Chat werden es einem danken. Wir konnten das ANC bereits auf der CES in Las Vegas testen, wo es erstaunlich gut, ja nahezu perfekt funktionierte. Nun wollten wir es am Testmuster erneut ausprobieren und konnten immerhin die Geräuschkulisse der mechanischen Tastatur etwas abschwächen, wenn auch nicht vollständig herausfiltern. Das Mikrofon muss dabei per Klinke am Monitor eingesteckt sein - reine USB-Headsets funktionieren damit leider nicht.
Gigabyte Aorus AD27UD: Bildqualität
WQHD auf 27 Zoll mit 144 Hz ist der aktuelle Sweet Spot aus einem gleichermaßen hochauflösenden und hochfrequenten Bild. IPS-Panels sind blickwinkelstabil, bieten eine gute Farbqualität und sind bei 144 Hz noch immer relativ schlierenarm. Mit Full HD gibt es zwar eine 240-Hz-Frequenz, die aber auf TN-Panels beschränkt sind und eher Spezialisten-Panels ausschließlich für Multiplayer-Shooter sind. 4K/UHD ist mit 144 Hz sehr teuer oder aber auf 60 Hz begrenzt. Auch wenn seit diesem Jahr ein UHD-Modell mit 144 Hz schon dreistellig kostet und Nvidia mit den RTX-Grafikkarten etwas mehr Leistung bietet, ist die WQHD-Auflösung mit 144 Hz noch immer der beste Kompromiss für die meisten Gamer ohne besondere Nischenansprüche.
Quelle: PC Games Hardware
Kontrast und Farbtreue
Bei der Farbmessung sind wir zunächst überrascht von der recht hohen Maximalhelligkeit von 444 cd/m², was von DisplayHDR 400 auch benötigt wird, aber auch im SDR-Modus anliegt. Das ist nun kein Vorteil gegenüber anderen Panels, die meist "nur" auf 300 cd/m² kommen, da in der Praxis selten mehr als 200 cd/m² gebraucht wird. Mit dem IPS-typischen Schwarzwert, hier bei 0,38 cd/m², kommt das Innolux-Panel auf einen für IPS hervorragenden Kontrast von 1.150:1.
Außerdem finden wir eine gute Farbtreue schon unter Werkseinstellung vor: Unsere Kalibrierungssoftware Calman meldet grünes Licht bei niedrigen Abweichungen des Delta-E-Werts von nur 2,9. Der Monitor verfügt zwar über ein sRGB-Profil, das bietet aber keine bessere Farbtreue, sondern verschlechtert sie nur, wie auch die anderen vorangestellten Profile.
Die Ausleuchtung des Panels schwächelt etwas mit Differenzen bis 14 Prozent. Damit ist die Homogenität zwar noch immer gut, jedoch weisen hervorragende Panels hier nur einstellige Prozente an Abweichungen auf.
Bewegtbildqualität: Reaktionszeiten, Low Motion Blur und Ghosting
Wie die meisten Gaming-Monitore möchte sich auch der AD27QD die eine Millisekunde Reaktionszeit auf die Fahnen schreiben. IPS- und VA-Panels erreichen diese jedoch nicht beziehungsweise nur mit einer kleinen Schummelei, der sogenannten Low-Motion-Blur-Technik (LMB). Bei jeder Bildwiederholung wird kurz das Hintergrundlicht abgeschaltet, es flimmert also synchron mit der Bildwiederholrate und blendet dadurch quasi die Schlieren aus. Nachteil dieser Technik ist, dass sie nicht zusammen mit Free- oder G-Sync funktioniert und sie empfindliche Augen mehr anstrengen kann, wie seinerzeit auch die Röhrenmonitore.
Gigabyte nennt die LMB-Technik im Menü "Aim Stabilizer". Dadurch wird das Bild wegen der Flimmerfrequenz etwas dunkler. Wir testen die Qualität stets mit dem Ghosting-Test von testufo.com und erkennen hier noch immer ein leichtes Ghosting. Ganz perfekt funktioniert die Funktion also nicht. Fairerweise sei dazugesagt, dass dieses Ghosting fast jeder Monitor mit LMB aufweist. Perfekt haben wir das bislang nur bei Nvidias ULMB vorgefunden, welches die G-Sync-Module bzw. Monitore haben.
Quelle: PC Games Hardware
Reaktionszeiten
Ohne LMB messen wir Reaktionszeiten zwischen 4,5 und 14,7 ms beziehungsweise 9,2 ms im Durchschnitt alle zwanzig Farbwechsel. Das ist ein mittelmäßiges Niveau selbst für IPS-Panels, das von AHVA-Varianten von AU Optronics teilweise übertroffen wird. Die Ausreißer über 10 ms zeigen auch, dass die Schlieren in dunklen Farben etwas stärker ausgeprägt sind als in hellen, was per Testufo auch sichtbar ist. Das dreistufige Overdrive fällt im AD27QD recht moderat aus und verbessert die Reaktionszeiten auch nicht großartig. Während die mittlere Stufe kaum weniger Schlieren aufweist, ist die höchste mit einem deutlichem Ghosting bereits unbrauchbar. Die zwanzig Farbwechsel messen wir stets in bester Darstellungsqualität, hier also mit mittlerem Overdrive.
HDR-Qualität
Windows hat mittlerweile im Anzeige-Menü einen systemweiten HDR-Schalter bekommen. Viele Monitore haben noch immer Probleme mit der Desktop-Farbdarstellung, wenn man den Schalter umlegt - nicht so aber der AD27QD. Wer oft HDR-Videos schaut oder Spiele mit HDR-Modus-Spielt, kann HDR getrost dauerhaft anlassen. Abgesehen davon handelt es sich mit 400er HDR ohnehin kaum um einen Mehrwert, das noch meilenweit entfernt ist vom 1.000er mit lokal dimmbarem Hintergrundlicht. Die HDR-Darstellung in Spielen kann dennoch besser aussehen wie etwa hier in unserer Stichprobe mit Shadow Warrior 2, wo die Lichter nicht ganz so überblendet, die Farben nicht ganz so übersättigt und die Details etwas besser sichtbar sind. Natürlich alles noch ohne Wow-Effekt eines OLED-TVs.
HDR-Vergleich: Gigabyte AD27QD
Gigabyte Aorus AD27UD: Freesync und G-Sync Compatible
Der Monitor unterstützt mit Freesync eine dynamische Bildwiederholrate, was ein flüssiges Spiel ohne Bildrisse (Tearing) erlaubt. Mit LFC (Low Framerate Compensation) werden auch niedrige Framerate unterhalb der 48 Hz unterstützt. Wir haben mittels Framelimiter sowohl die Frameraten schrittweise abgeklopft und können auch bestätigen, dass der Monitor vollkommen G-Sync-kompatibel ist.
Auch wenn der Monitor eigentlich alle Spezifikationen erfüllen dürfte, hat er keine Zertifizierung für Freesync 2 HDR. Per AMD Oasis Demo ließ sich Freesync 2 HDR auch nicht aktivieren. Daher funktioniert lediglich die HDR-Darstellung mit konventionellem Freesync (1) und wir können nicht sagen, ob HDR hier trotzdem wegen des zusätzlichen Tonemappings seitens des Monitors für mehr Input Lag sorgt. Das ist nur per Highspeed-Kamera nachprüfbar, was eine aufwändige Auswertung erfordert und wir zum Testzeitpunkt noch nicht vornehmen konnten.
Gigabyte Aorus AD27UD: Input Lag
Aktuell haben wir lediglich mit dem Leo-Bodnar-Tool einen Indikator für den Input Lag, der in Full HD bei 60 Hz misst. Hier haben wir mit nur 9,2 ms ein hervorragend niedriges Ergebnis erzielt. Da am oberen Rand lediglich 1,4 ms zu messen sind, dürfte der Scaler praktisch keinen bzw. mit unter einer Millisekunde kaum einen Lag verursachen.
Gigabyte Aorus AD27UD: Fazit
Für einen guten Monitor braucht es mehr als nur ein gutes Panel. Gigabyte hat das verstanden und gibt dem Gamer allerlei Gimmicks an die Hand, überzeugt aber nicht nur damit. Die Steuerungssoftware ist ein Traum für Nerds, die individuelle Einstellungen und Feintuning für Monitore lieben. Das Exklusiv-Feature, die Geräuschunterdrückung, funktionierte auf Anhieb nicht immer perfekt, ist ganz nett, aber nicht unbedingt ein Kaufargument. Davon abgesehen macht das Gesamtpaket des Monitors einen soliden Eindruck: Das Innolux-IPS-Panel bietet einen etwas besseren Kontrast als die AUO-Konkurrenz, schliert dafür einen Hauch mehr. Zudem ist die Farbdarstellung schon ab Werk im Standardprofil relativ gut.
Erfreulich auch, dass der Gigabyte-Monitor voll kompatibel zu G-Sync ist und wie Freesync auf voller Spanne zwischen 1 und 144 Hz fehlerfrei funktioniert.
Blicken wir nach links und rechts zur Konkurrenz, wirken die 600 Euro zum Marktstart des Gigabyte Aorus AD27QD etwas teuer: WQHD und 144 Hz auf 27 Zoll gibt es für unter 500 Euro mit einem Samsung C27HG70, der zudem mit kontrastreichem VA-Panel über DisplayHDR 600, local dimming und Freesync 2 HDR verfügt. Auch die direkte IPS-Konkurrenz ist günstiger: Acer ist etwa mit dem VG270UP oder dem XF270HUA schon bei ca. 400 Euro angekommen. Außerdem gibt es schon ab 650 Euro die ersten G-Sync-Monitore, wie den AOC Agon AG271QG oder Viewsonic XG2703-GS.
Nicht jeder braucht den ganzen Gaming-Schnickschnack, der den aktuellen Aufpreis gegenüber der Konkurrenz von über 100 Euro nicht unbedingt rechtfertigt. Aber der Markt wird es schon richten und den recht hohen UVP nach einiger Zeit drücken.
| Produktname | Aorus AD27QD |
|---|---|
| Hersteller | Gigabyte |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 600,-/ausreichend |
| Diagonale | 27 Zoll |
| PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/1966966 |
| Ausstattung (20 %) | 1,60 |
| Anschlüsse | 2× HDMI 2.0, 1× Displayport 1.2, 2× USB 3.0 |
| Max. Auflösung/Pixeldichte | 2.560 × 1.440/98,5 ppi |
| Panel-Typ/Diagonale | IPS (Innolux)/68,6 cm |
| Netzteil/Vesa-Halterung | Intern/100 × 100 (belegt) |
| Gewicht/Maße (inkl. Standfuß) | 8 kg/62 cm × 49 cm × 24 cm |
| Pivot 90 Grad/neigbar/höhenverst. | Ja/+21°/-5°/13 cm |
| Garantie | 3 Jahre |
| Sonstiges/Zubehör | Steuerungssoftware, Geräuschunterdrückung für Sprache |
| Eigenschaften (20 %) | 1,96 |
| Betrachtungswinkel horizontal/vertikal | 170/160 Grad |
| Bildwiederholrate/VRR | 1-144 Hz/Freesync |
| Farbtiefe/Farben | 8 Bit+FRC/1,07 Mrd. Farben |
| Kontrastverhältnis/Schwarzwert | 1150:1/0,4 cd/m² |
| Max. Leistungsaufnahme/Stand-by | 51 Watt/0,2 Watt |
| Leistung (60 %) | 1,55 |
| Input Lag (Full HD, 60 Hz) | 9,2 ms |
| Farbabweichungen (ø Delta E 2000) | 2,8 |
| ø Reaktionszeit (Min.-Max.) | 8 ms (4,7-14,4 ms) |
| Max. Helligkeit, Abweichungen | 444,2 cd/m², Bis 9 % |
| Schlieren-/Korona-Bildung | wenig/keine |
| Endnote | 1,64 |
| + | Üppige Software |
| + | Geringer Input Lag |
| - | Relativ teuer |

Es gibt jetzt schon IPS-Panels mit 144 Hz, die im Schnitt unter 5 ms kommen, daher ist der LG echt nix besonderes. Lieber ein IPS, der evtl etwas langsamer ist, dafür aber gute Farben hat. Oder aber gleich ein TN mit tatsächlichen 1 ms bzw. Werte von 2-3 ms im Schnitt(!). Solche mit brauchbarer Farbdarstellung gibt es nämlich auch.
Laut TFTCentral Test,einer der schnellsten IPS Monitore.(und das bei sogut wie kein Overshoot!.)
Und alle Schaltzeiten bleiben in der Range für 144Hz sprich es gibt keine extra Schlieren.
Und sogut wie null Lag.
Da muss auch der schon schnelle XB270HU weichen.
Hab den Test schon am Freitag sehen können,für alle andere die kein EA haben/nutzen kommt der Test heute am Montag.
Deshalb poste ich auch den EA link nicht,und keine weiteren Details aus dem Test.
Schneller gehts aber z.Z nicht bei IPS,wenn dich das dann auch nicht überzeugt,bleibt dir nur noch TN.
Welchen Gaming Monitor mit 27 Zoll würdet ihr empfehlen?
Laut Artikel erfüllt der Monitor die Spezifikationen für Freesync 2.
Wäre es denkbar/technisch möglich, dass dies per Firmware-Update nachgeliefert wird?
Wären die Angaben der Hersteller immer passend, könnte PCGH einpacken und lediglich einen Newsblog betreiben.