Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen

Schluss mit dem Mythos der einen Millisekunde Reaktionszeit! Es gibt praktisch keinen Gaming-Monitor, der nicht damit wirbt. Und bei fast allen ist die Angabe schlicht gelogen. Hier klären wir ein für alle Mal über die Reaktionszeit bei Monitoren und die damit verbundenen Marketing-Mythen auf.

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Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen
Quelle: PC Games Hardware

Seit 2017 messen wir die Pixel-Reaktionszeiten von Displays genau nach. Neben den Kollegen von Prad sind wir hierzulande die einzigen Monitortester, die diese Eigenschaft nachmessen, obwohl sie doch gar nicht so unwichtig ist für Gaming-Monitore. Mit der Reaktionszeit ist lediglich die Zeit gemeint, die ein Pixel für einen Farbwechsel benötigt, oder genauer gesagt: Die ein Flüssigkristall braucht, sich zu drehen. Wie man das Ganze so misst, welche tatsächlichen Werte dabei rauskommen und wie die zu interpretieren sind, darum geht es in diesem Artikel.

Warum interessieren uns die Monitor-Reaktionszeiten so sehr? Ganz einfach gesagt: Je höher die Reaktionszeit, umso mehr schlieren Objekte in Bewegungen. Da diese in Spielen ja nicht selten sind, ist eine kurze Reaktionszeit eine wichtige Eigenschaft für einen Gaming-Monitor. Wohl deswegen ist sie bei solchen stets mit nur einer oder wenigen Millisekunden angepriesen. Nun hat ein Monitor aber nicht nur eine Reaktionszeit, weil diese ja auch nur einen einzigen(!) Farbwechsel beschreibt - meist ist es ein Grauwechsel. Je nach Kontrast und Helligkeit kann die Reaktionszeit drastisch anders ausfallen.

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Warum erlauben sich die Monitor-Hersteller also diese eine Millisekunde? Weil leider die ISO-Norm, welche die Grauwechsel-Messungen beschreibt, es erlaubt, sich den Bestwert rauszupicken. Deswegen messen wir selbst und meinen, dass ein Durchschnittswert mehrerer Messwerte da schon wesentlich aussagekräftiger ist als so ein Bestwert.

Monitor-Reaktionszeit: Wie wir messen

Wir haben uns fünf Kontraststufen herausgesucht: Schwarz, Weiß und drei Graustufen (25, 50 und 75 Prozent). Wir messen die Reaktionszeit der Wechsel aller 20 möglichen Kombinationen der fünf Farben und erkennen somit das Verhalten sowohl bei niedrigen als auch hohen Kontrasten.

Standardmäßig ist der Monitor bei jedem Testvorgang mindestens eine halbe Stunde aufgewärmt. Das ist gerade für die Reaktionszeitmessung wichtig, denn Flüssigkristalle reagieren bei höheren Temperaturen etwas schneller. Der getestete Monitor wird mit maximaler Helligkeit, nativer Auflösung und nativer Bildwiederholrate betrieben.

Außerdem haben wir uns für die Overdrive-Stufe entschieden, welche die beste Bildqualität liefert - also relativ wenig Schlieren und gleichermaßen geringes Ghosting aufweist. Meist ist das ein mittleres Niveau, so wie es auch der Nutzer in der Praxis verwenden würde. Andere Frequenzen oder Overdrive-Stufen durchzumessen, sparen wir uns, da beides praktisch nie gewechselt wird bzw. werden sollte. Den Overdrive an sich erklären wir gleich.

Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (3) Quelle: PC Games Hardware Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (3) Die Messung läuft folgendermaßen ab. Wir haben uns Gifs gebastelt, welche die fünf Farben jeweils durch flimmert. Mit einer Fotodiode und einem Oszilloskop bekommen wir zu jeder Farbe ein Spannungsniveau angezeigt. Die untere Gerade entspricht der dunkleren und die obere der helleren Farbe. Uns interessiert der Übergang zwischen beiden Horizontalen. Das ist die jeweils steigende und fallende Flanke. Der Übergang verläuft nun nicht etwa rechteckig, wie er idealerweise, also ganz ohne jegliche Reaktionszeit wäre, sondern eher S-förmig. Das macht es für die Messung schwierig, sowohl Start als auch Ende zu definieren. Daher ist es in der Messtechnik standardisiert, Hilfsgeraden bei jeweils 10 und 90 Prozent zu verwenden und den Wert zwischen den beiden Schnittpunkten zu messen. Praktischerweise erledigt das die Software des Oszilloskops für uns und wir müssen hier nur den jeweiligen Wert ablesen.

Es geht hier auch weniger um den absoluten Wert, sondern mehr darum ein zuverlässiges, reproduzierbares und daher auch vergleichbares Messsystem zu haben. Ein Versuch, zwischen 0 und 100 Prozent zu messen, wäre daher nicht aussagekräftiger, sondern einfach ungenauer.

Nun gibt es ein paar Sonderfälle, in denen wir nicht etwa eine saubere Flanke hinbekommen. Das ist etwa mit dem Overdrive der Fall, womit heutzutage jedes Gaming-Panel ausgestattet ist.

Was ist der "Overdrive" eines Gaming-Monitors?

Kurz den Overdrive erklärt: Die Funktion erhöht die Spannung beim Farbwechsel, damit sich die Kristalle schneller drehen und die Reaktionszeit somit kürzer wird. Je nach Spannung aber schießen sie über das Ziel hinaus, der Pixel flackert also kurz heller als er sollte. Statt Schlieren treten bei Bewegungen nun helle Schatten an Kanten auf, was als Ghosting oder auch Korona-Effekt bezeichnet wird. Nein, nicht dieses "Corona".

Die Overdrive-Funktion ist im Monitor-Menü meist abgestuft, sodass der Nutzer selbst den für sich besten Kompromiss aus Schlieren und Korona wählen kann. Auch wenn man die Bildwiederholrate kaum manuell ändert, aber eine andere statische Bildfrequenz braucht oft eine andere Overdrive-Stufe - ansonsten kommt es zum Ghosting.

Die Overdrive-Stufen findet man im Monitor-OSD. Um die Beste für Ihren Monitor zu finden, schmeißen Sie das Testufo an, das wir euch in der Videobeschreibung verlinken und schaltet sie durch. Vorwiegend ist die beste Stufe eine mittlere.
Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (6) Quelle: PC Games Hardware Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (6)
Die Overdrive-Stufen haben einen Pferdefuß: Panel-Hersteller nutzen sie gerne, um eben bei den Reaktionszeiten Zahlenkosmetik zu betreiben. Denn rein messtechnisch ist die Reaktionszeit auf höchster Overdrive-Stufe am niedrigsten, somit kommt ein Panel viel leichter auf den Bestwert der berüchtigten einen Millisekunde. Nur nutzt eben niemand den stärksten Overdrive, weil das deutliche Ghosting weitaus schlimmer ist als die stärker sichtbaren Schlieren. Ein Grund mehr, warum wir für die Wertungsnote den Durchschnitt aller Reaktionszeiten auf Overdrive-Stufe mit bester Bildqualität hernehmen.

Schlieren vs. Ghosting zwischen Overdrive-Stufen

OD aus OD max

Reaktionszeiten bei IPS, VA und OLED

Mit dem jetzt erlangen Druidenwissen schauen wir uns die Ergebnisse am Beispiel des IPS-Panels im Gigabyte M28U an. Die einfache Antwort: alles im grünen Bereich. Aber dazu gesagt, dass fast jedes 144 Hz schnelle IPS-Panel so eine solide Performance in den Reaktionszeiten hinlegen. Dass IPS in den letzten Jahren auch immer schneller geworden ist, ist mit ein Grund, warum die eigentlich noch etwas schnelleren TN-Panels unter Gaming-Monitoren nahezu ausgestorben sind.

Was ist mit der soliden Performance des IPS-Panels gemeint? Mit durchschnittlich 4,0 Millisekunden ist der Wert niedrig genug für die 144 Hz. Das bedeutet, jede Sekunde wird das Bild 144 Mal aktualisiert. Es kommt alle 6,9 Millisekunden ein neues Bild (144 Hz = 1s / 144 = 6,9 ms). Läge jetzt die Reaktionszeit darüber, würde der Pixel mit dem Farbwechsel nicht mehr hinterherkommen, heißt: die Bewegungen schlieren umso stärker.

Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (11) Quelle: PC Games Hardware Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (12) Quelle: PC Games Hardware Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (13) Quelle: PC Games Hardware

Genau das ist bei VA-Panel deutlich sichtbar. Nahezu jedes VA-Panel schwächelt in der Reaktionszeit von dunklen Farben in niedrigen Kontrasten. Im Bild oben sieht man die Messreihe des Gigabyte FV43U, der einen Ausreißer im Wechsel von Schwarz auf 25-prozentiges Grau zeigt. Die 24,2 Millisekunden klingen nun ziemlich wesentlich und zeigen sich auch in Bewegungen. Das Ufo schliert auf dunklem Hintergrund sichtlich stärker als auf hellem. Die Messungen belegen also letztlich das, was man auch sieht.

Wie gesagt - fast alle VA-Panels haben diese Schwäche. Mit dem Overdrive wird die zwar etwas gelindert, aber nie vollständig eliminiert. Jede Panel-Art hat eben seine eigenen Vor- und Nachteile. Dafür ist der Schwarzwert bei VA der beste, also niedrigste, unter LCDs - das wiederum ist eine Schwäche von IPS, wenn man so will. Ein anderes Extrembeispiel sind OLED-Panels. Wir zeigen oben die Werte des FO48U. OLED-Panels haben die beste Reaktionszeit bzw. fast schon gar keine. Jedenfalls besser als jedes LCD-Panel. Wir runden mit der ersten Nachkommastelle, deswegen kommen hier durchgehend 0,1 Millisekunden raus.

Um auch das zu relativieren: Ja, die Werte sind fantastisch, aber sofern sie deutlich die Bildaufbauzeit unterschreiten, also die 6,9 Millisekunden bei 144 Hz, führen noch so kurze Reaktionszeiten auch nicht zu noch weniger Schlieren. Das sehen wir im direkten Vergleich etwa zwischen den Schlierenfotos von IPS und OLED.

Fazit bisher: Kurze Reaktionszeiten führen zu weniger Schlieren, aber eine höhere Bildwiederholfrequenz sorgt für ein schärferes Bewegtbild. Und je höher die Frequenz, umso niedriger muss die Reaktionszeit sein für eine schlierenfreie Bewegung.

Was ist die Unschärfereduzierung (Low Motion Blur)?

Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (1) Quelle: PC Games Hardware Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (1) Es gibt eine Cheat-Technik in so manchem Gaming-Monitor, die ein gestochen scharfes Bewegtbild aufs Panel zaubert. Ein pulsierendes Hintergrundlicht blendet die Schlieren quasi aus. Es gibt leider keine einheitliche Bezeichnung für die sogenannte Unschärfereduzierung von Monitoren - jeder Hersteller verwendet seinen eigenen Marketingbegriff. Wir nennen das Flimmern zur Unschärfereduzierung ganz allgemein Low Motion Blur oder kurz "LMB", da das im Englischen am häufigsten so genannt wird. Gigabyte nennt sie in seinen Gaming-Monitoren stets "Aim Stabilizer".

Die Hintergrundbeleuchtung des Monitors flimmert synchron mit der Bildwiederholrate - sie wird also ganz schnell an- und ausgeschaltet. Der Moment, in dem ein Pixel die Farbe ändert und bei konstanter Beleuchtung daher für Schlieren im Bild sorgen würde, wird dadurch ausgeblendet. Ähnlich arbeitet übrigens jeder Röhrenmonitor. Das ist auch der Grund, warum eine Reaktionszeit bei CRTs nie ein Thema war. Unser träges Auge nimmt das Flimmern nicht als solches wahr, sondern sieht einen gleichmäßigen Farbton.
Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (9) Quelle: PC Games Hardware Reaktionszeit eines Monitors erklärt: Über GtG, MPRT und andere Mythen (9)
In der Praxis gibt es aber einige Nachteile. So ist die Technik oft nicht kompatibel mit einer dynamischen Bildwiederholrate - sprich Free- oder G-Sync. In manchen Modellen aber schon. Die Hersteller haben mittlerweile beides unter einen Hut gebracht und hängen dann an der Bezeichnung ein "Sync" hinten dran. Asus schreibt etwa von "ELMB Sync" oder Gigabyte entsprechend "Aim Stabilizer Sync".

Trotzdem ist ein Flimmern mit immer niedrigerer Frequenz umso unerträglicher, daher empfehlen wir, die Technik nur bei weit über 100 Fps bzw. Hz zu verwenden. Mit der LMB-Technik nimmt außerdem die Helligkeit ab, das Bild kann also schlicht zu dunkel sein. Genauso wie PWM-Dimming ist ein Flimmern für so Manche schlicht Teufelszeug. Es steht im Verdacht, die Augen einfach stärker anzustrengen oder der Grund für Kopfschmerzen zu sein. Das ist zweifellos bei niederfrequentem Flimmern der Fall, aber strittig, ob das noch bei höheren, dreistelligen Frequenzen ungesund ist. Der Zusammenhang ist da wissenschaftlich nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Ob man die Technik mag oder nicht, ist auch einfach schlicht Geschmacksache, jeder muss sie selbst mal ausprobieren.

Zahlenkosmetik mittels MPRT

Warum erklären wir hier die Low-Motion-Blur-Technik, während es doch hier um die Reaktionszeit geht? Ganz einfach, weil auch sie die Schlieren lindert oder das Bewegtbild schärft. Und weil Hersteller auch damit gerne etwas Zahlenkosmetik betreiben. Bei manchen Modellen lesen wir hinter der einen Millisekunden ein "MPRT" in Klammern. Uns ist schier unbegreiflich, wie das branchenweite Marketing, also das aller Hersteller, darauf kommen kann, dabei handele es sich um die Reaktionszeit, aber mit einem Farbwechsel oder der Schaltzeit eines Pixels hat dieser Wert absolut nichts zu tun.

MPRT steht für "Moving Picture Response Time" und beschreibt die Leuchtdauer eines Pixels - nicht mehr und nicht weniger. Ohne LMB-Technik entspricht diese Dauer immer der Bildaufbauzeit. Also bei 144 Hz leuchtet ein Pixel 6,9 Millisekunden lang. Der Wert liest sich wirklich nicht schön im Datenblatt.

Achtung, nun kommt der Marketing-Hack: Mit der LMB-Technik, aber leuchtet ein Pixel ja viel kürzer, etwa nur eine Millisekunde, was durchaus sein kann. Ja, auch wenn der Begriff der Reaktionszeit im Namen drinsteckt, also "response time", ist sie keine Zeit, die eine Reaktion beschreibt, wie etwa bei einem Farb- oder Grauwechsel. Kurzum: Die MPRT ist schlicht keine Reaktionszeit, sondern die Leuchtdauer. Daher lesen wir die eine Millisekunde mit "MPRT" in Klammern dahinter ausschließlich bei Modellen, bei denen der Grauwechsel-Wert eher lahm ist und die eben mit LMB-Technik ausgestattet sind. Denn ohne LMB müsste ein Panel mit "1 ms MPRT" definitionsgemäß entsprechend 1.000 Hz schnell sein.

Heißt das, dieser Wert ist noch unpräziser als der Grauwechsel-Bestwert der einen Millisekunde? Nein, tatsächlich sind beide gleich nichtssagend. Wer also über die tatsächliche Performance der Reaktionszeiten, des Overdrive oder das Schlierenverhalten informiert werden will, dem hilft einfach keine Datenblattangabe. Dazu darf man eben externe Tests studieren. Das ist wiederum gut für uns, denn das sichert die Jobs von uns Monitortestern.

Reaktionszeit ist nicht Input Lag!

Letzter Hinweis: Nun wird die Reaktionszeit oft mit dem Input Lag verwechselt. Mit dem Input Lag ist aber die gesamte Signalverzögerung gemeint. Im Gegensatz zur Reaktionszeit gibt es nie eine Herstellerangabe dazu. Denn es gibt leider für den Input Lag keinerlei Norm oder sonstige feste Definition - ganz im Gegenteil zur Reaktionszeit des Monitors. Im Prinzip ist die Reaktionszeit Teil des Input Lags, wenn auch nur ein recht geringer. Daher fällt der Lag immer etwas höher aus. Auch den Input Lag messen wir mit zwei unterschiedlichen Methoden. Dazu aber mehr im hier verlinkten Artike l, denn das ist ein eigenes Thema. War der Artikel hilfreich und verständlich? Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback!

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    • Kommentare (14)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Kaboooom Komplett-PC-Käufer(in)
        Mehr Bilder pro Sekunden helfen ja nur, weil dadurch die Moving Picture Response Time gesenkt wird.
        Ein OLED, der über Blackframe Insertion die MPRT im selben Maß reduziert, erzielt den identischen Schärfegewinn.
      • Von Kaboooom Komplett-PC-Käufer(in)
        Mehr Bilder pro Sekunden helfen ja nur, weil dadurch die Moving Picture Response Time gesenkt wird.
        Ein OLED, der über Blackframe Insertion die MPRT im selben Maß reduziert, erzielt den identischen Schärfegewinn.
      • Von PCGH_Manu Software-Overclocker(in)
        Zitat von Kaboooom
        Ohne die Maßeinheit MPRT einführen, wird es zum Beispiel auch schwierig zu erklären, warum OLEDs trotz nahezu perfekter Reaktionszeiten extrem viel Bewegungsunschärfe haben.
        Das liegt an den Hz und nicht an den Reaktionszeiten. Die Bilder pro Sekunde sind für die Bewegungsunschärfe verantwortlich, die Reaktionszeiten lediglich für die Schlieren. Hätten OLEDs echte 1000 Hz, die Reaktionszeiten wären ja niedrig genug dafür, dann hätten die Panels auch eine bessere Bewegtbildschärfe.
      • Von Kaboooom Komplett-PC-Käufer(in)
        MPRT kommen hier aber sehr schlecht weg. Die Bezeichnung wird ja auch in wissenschaftlicher Literatur verwendet und steht in engem Zusammenhang mit Sample-Hold-Blur. Ich finde das hätte durchaus Erwähnung verdient. Das Kaschieren schlechter Reaktionszeiten ist ja nur so eine Art willkommener Nebeneffekt und nicht das Hauptziel von Blur Reduction.

        Ohne die Maßeinheit MPRT einführen, wird es zum Beispiel auch schwierig zu erklären, warum OLEDs trotz nahezu perfekter Reaktionszeiten extrem viel Bewegungsunschärfe haben.
      • Von SchwarzerQuader Software-Overclocker(in)
        Zitat von PCGH_Manu
        Habe ich in den Artikel geklopft. Wollte das da verlinken: https://www.pcgameshardwa...

        Absolut richtiger Hinweis und die Kollegen haben da an sich alle recht. Ich halte nicht (nur) die 10-90-Messung irreführend, sondern Reaktionszeiten-Messungen an sich und komme aber zu einem anderen Schluss. Das will ich erklären:

        Ich kenne die ganzen Beiträge natürlich und habe das intensiv studiert, aber letztlich halte ich es für wesentlich, ob andere, ausführlichere, ja sogar genauere Messungen zu anderen Bewertungen der Panels führend.

        Beispiel: HW Unboxed führt die "kumulierte Abweichung" (cummulative deviation) ein, die - absolut unbestritten - einen genaueren Wert für den Farbwechsel liefert als eine Reaktionszeit, weil dadurch die Kurvenform berücksichtigt ist. Aber: Dieser genauere Wert führt eben auch nicht unbedingt zu anderen Bewertungen des Panels. Davon abgesehen, dass es noch ein neuer und vor allem synthetischer Wert ist, der im Test nicht unbedingt dem Leser vermittelbar ist.

        Klar gibt es viele "Probleme", die einen daran hindern, einen absolut korrekten Wert einer Reaktionszeit zu bekommen. Aber wie ich schon schrieb: Darauf kommt es letztlich nicht an, finde ich. Viel wichtiger ist doch die direkte Vergleichbarkeit und dass die Methode reproduzierbar ist. Egal ob man die Messungen gammabereinigt (wie Tftcentral) oder nun zwischen 3-98 % Prozent (wie HW Unboxed) misst. Man könnte dagegenhalten, dass das dann auch noch ungenauer ist, weil man dann manuell messen müsste.

        Der Ausführlichkeit steht oft die Verständlichkeit entgegen. Daher halte ich die subjektive Bewertung der Messwerte zusammen etwa mit Schlierenbildern fast schon wichtiger als eine größere Zahlenwüste. Es läuft hier immer auf einen Kompromiss raus, der zwar ständig angepasst wird, aber eben auch jeder Reviewer anders wählt. Letztlich schreiben wir für Laien und sind auch selbst welche! Keiner(!), der Kollegen ist etwa Elektroingenieur, weder bei Prad noch bei Rtings oder sonstwo. Das ist einerseits auch gut so, um den Praxisbezug nicht zu verlieren. Aber eben andererseits nicht, wenn es darum geht, die Tests mit mehr pseudowissenschaftlichen Methoden zu ergänzen. Nein, die müssen nicht unbedingt schlecht sein, weil sie von Laien erstellt und durchgeführt werden. Aber eben dafür gibt es Fachleute. Deswegen hatte ich mich damals von einem Ingenieursbüro für Displaytechnik dazu beraten lassen, der mir nicht nur all diese Messprobleme erklärt hat, sondern mit dem ich auch meinen Messkompromiss ausgearbeitet habe.

        Ja, ich halte es für wichtig, die Reaktionszeiten überhaupt in einer Messreihe darzustellen. Aber es gibt eben eine hinreichende Genauigkeit. Ich halte es bspw. für wichtiger, das Overdrive-Verhalten und mit einem Schlierenbild als Beispiel zu belegen anstatt den Overshoot bei allen Stufen durchzumessen.

        Leider nein, weil die RGB-Abweichung ja bei jedem Farbwechsel eine andere ist. Ein Grund mehr, mit der 10-90-Toleranz zu leben, meine ich. Denn die ist ja schon eine feste Abweichung. Eine andere feste, würde keine genaueren, sondern einfach nur andere Ergebnisse liefern, wenn überhaupt.

        Mein Messkopf hat ein Öffnungskreis zur Diode von ca. 5 mm. Hatte damals 2017, als ich ihn gebaut habe, mit der "Lochgröße" etwas experimentiert. Nein, bis auf einem Pixel bin ich nicht runtergekommen Aber habe keine anderen Messwerte mit anderen Durchmessern bekommen, daher war genau das "Problem" für mich "theoretisch".

        Nochmal abschließend: Ich diskutiere gerne über Testmethoden, da ich ausführliche, aussagekräftige aber eben auch verständliche Tests erstellen möchte. Deswegen ist mir da euer Feedback von außen wichtig.
        Hi Manuel,

        danke erst einmal für die ausführliche Antwort. Ich hatte meinen Beitrag etwas eilig geschrieben, daher kam der vielleicht auch kritischer rüber als gewollt. Es sollte keine strenge Kritik an deinem Vorgehen sein, sondern eher eine Ergänzung, vielleicht auch da ich das selber erschreckend lange nicht vor Augen hatte und mich zudem vor kurzem selber mit der Vermessung anderer Displaytechnologien beschäftigen musste. Da hat der Artikel meinen inneren Nerd geweckt.

        Ich kann deine Erklärungen nachvollziehen. Die „kumulierte Abweichung“ von HW Unboxed kenne ich selber nicht, aber den Aspekt, dass der Wert weniger vermittelbar ist, kann ich dennoch sehen. Nicht umsonst führt auch TFTCentral die Messungen nach neuer UND alter Methode fort, um mit anderen Reviews vergleichbare Werte liefern zu können. Womit natürlich der doppelte Aufwand in dem Bereich einhergeht. Alleine das könnte ich als Gegenargument verstehen.

        Der Argumentation von TFTCentral stimme ich weiterhin soweit zu, als dass durch 10-90 zwei Messpunkte gewählt werden, die teilweise deutlich anders aussehen und damit eigentlich nicht mehr die gewünschten Werte repräsentieren. Natürlich kann man da auch wieder nach Praxisrelevanz fragen. In den Beispielen im Artikel sieht man ja, dass es häufig nur zu Änderungen um einige Zehntel Millisekunden kommt. Bei einigen langsamen Wechseln kommt es aber auch grob zu einer Verdopplung der Werte. Interessant wird das meiner Ansicht nach wenn der Vergleich mit anderen Zeitfenstern aufkommt, z.B. ob der Wechsel schnell genug ist, um vor dem nächsten Bildaufbau fertig zu sein, oder ob bei Strobed Backlight der Wechsel komplett in die Dunkelphase passt.

        Ich denke daher schon, dass korrigierte Messungen die korrekteren Messwerte liefern würden, aber mit allen Argumenten betrachtet nicht unbedingt die „besseren“. Und letztlich bleiben das natürlich alles Zahlen, und wie Du schon anmerkst sind Bilder am Ende mitunter aussagekräftiger. Auch daher bin ich sehr froh, dass ihr bei PCGH schon vor längerer Zeit die Pursuit Camera Tests eingeführt habt, was manche Reviews bis heute noch nicht haben. Und auch dass Du dir die Beratung eingeholt hast und uns das alles offenlegst finde ich vorbildlich, also Respekt und Dank dafür.

        Dass bei verschiedenen Diodengrößen gleiche Werte rauskamen stützt dann immerhin meine Vermutung, dass es momentan nicht praxisrelevant ist. Wobei... alleine als messtechnische Herausforderung hätte ich schon mal Bock das mit einem einzelnen Pixel zu versuchen.

        Messende Größe vom
        Schwarzen Quader
      • Von PCGH_Manu Software-Overclocker(in)
        Zitat von Rollora
        Apropos Link: ich brauche wohl noch Kaffee, aber habe den LInk zum "Inputlag" Artikel nicht gefunden
        Habe ich in den Artikel geklopft. Wollte das da verlinken: https://www.pcgameshardwa...

        Zitat von SchwarzerQuader
        Der praxisnahe: Die klassischen 10 % - 90 % sind teilweise irreführend.
        Absolut richtiger Hinweis und die Kollegen haben da an sich alle recht. Ich halte nicht (nur) die 10-90-Messung irreführend, sondern Reaktionszeiten-Messungen an sich und komme aber zu einem anderen Schluss. Das will ich erklären:

        Ich kenne die ganzen Beiträge natürlich und habe das intensiv studiert, aber letztlich halte ich es für wesentlich, ob andere, ausführlichere, ja sogar genauere Messungen zu anderen Bewertungen der Panels führend.

        Beispiel: HW Unboxed führt die "kumulierte Abweichung" (cummulative deviation) ein, die - absolut unbestritten - einen genaueren Wert für den Farbwechsel liefert als eine Reaktionszeit, weil dadurch die Kurvenform berücksichtigt ist. Aber: Dieser genauere Wert führt eben auch nicht unbedingt zu anderen Bewertungen des Panels. Davon abgesehen, dass es noch ein neuer und vor allem synthetischer Wert ist, der im Test nicht unbedingt dem Leser vermittelbar ist.

        Klar gibt es viele "Probleme", die einen daran hindern, einen absolut korrekten Wert einer Reaktionszeit zu bekommen. Aber wie ich schon schrieb: Darauf kommt es letztlich nicht an, finde ich. Viel wichtiger ist doch die direkte Vergleichbarkeit und dass die Methode reproduzierbar ist. Egal ob man die Messungen gammabereinigt (wie Tftcentral) oder nun zwischen 3-98 % Prozent (wie HW Unboxed) misst. Man könnte dagegenhalten, dass das dann auch noch ungenauer ist, weil man dann manuell messen müsste.

        Der Ausführlichkeit steht oft die Verständlichkeit entgegen. Daher halte ich die subjektive Bewertung der Messwerte zusammen etwa mit Schlierenbildern fast schon wichtiger als eine größere Zahlenwüste. Es läuft hier immer auf einen Kompromiss raus, der zwar ständig angepasst wird, aber eben auch jeder Reviewer anders wählt. Letztlich schreiben wir für Laien und sind auch selbst welche! Keiner(!), der Kollegen ist etwa Elektroingenieur, weder bei Prad noch bei Rtings oder sonstwo. Das ist einerseits auch gut so, um den Praxisbezug nicht zu verlieren. Aber eben andererseits nicht, wenn es darum geht, die Tests mit mehr pseudowissenschaftlichen Methoden zu ergänzen. Nein, die müssen nicht unbedingt schlecht sein, weil sie von Laien erstellt und durchgeführt werden. Aber eben dafür gibt es Fachleute. Deswegen hatte ich mich damals von einem Ingenieursbüro für Displaytechnik dazu beraten lassen, der mir nicht nur all diese Messprobleme erklärt hat, sondern mit dem ich auch meinen Messkompromiss ausgearbeitet habe.

        Ja, ich halte es für wichtig, die Reaktionszeiten überhaupt in einer Messreihe darzustellen. Aber es gibt eben eine hinreichende Genauigkeit. Ich halte es bspw. für wichtiger, das Overdrive-Verhalten und mit einem Schlierenbild als Beispiel zu belegen anstatt den Overshoot bei allen Stufen durchzumessen.
        Zitat von SchwarzerQuader
        Ein mögliche Lösung wäre, feste RGB-Abweichungen zu definieren und die in Spannungsabweichungen umzurechnen, sodass die Toleranz bei jeder Helligkeit kaum erkennbare Unterschiede ergibt.

        Leider nein, weil die RGB-Abweichung ja bei jedem Farbwechsel eine andere ist. Ein Grund mehr, mit der 10-90-Toleranz zu leben, meine ich. Denn die ist ja schon eine feste Abweichung. Eine andere feste, würde keine genaueren, sondern einfach nur andere Ergebnisse liefern, wenn überhaupt.
        Zitat von SchwarzerQuader
        Der eher theoretische: Die Photodiode misst keine einzelnen Pixel, sondern viele.
        Jede Photodiode hat einen bestimmten Öffnungswinkel, aus dem sie Licht erfasst. Dadurch wird die Helligkeit in einem bestimmten Bereich gemessen. Streng genommen wird also nicht die Reaktionszeit eines Pixels gemessen, sondern aller Pixel in diesem Bereich. Die Helligkeit steigt mit Beginn des Anstiegs des ersten Pixels und erreicht den höchsten Wert mit dem Ende des Anstiegs des letzten Pixels. Da das Bild auch bei LCDs zeilenweise erneuert wird (siehe z.B. Slow Mo Guys [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]) wird die Messung also um die Zeit des Zeilenaufbaus im "Sichtbereich" der Photodiode verfälscht.
        Diesen Aspekt sehe ich eher theoretisch, da der Einfluss bei LCDs aktuell gering sein dürfte bzw. klein gehalten werden kann. Als Rechenbeispiel: Ein 24"-Monitor (Bildhöhe 30 cm) mit 120 Hz zeichnet ein Bild in ca. 8,33 ms. Sitzt die Photodiode nah dran, ist ein Sichtfeld von vereinfacht 1 x 1 cm durchaus realistisch. Der Bildwechsel braucht im Sichtfeld der Photodiode also 1 cm / 30 cm * 8,33 ms = 0,28 ms. (+ ein paar µs für den Zeilenaufbau von links nach rechts...)
        Bei LCDs liegt das im vertretbaren Rahmen (solange die Photodiode nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekommt). Interessant könnte das werden, wenn deutlich niedrigere Schaltzeiten (z.B. OLED) gemessen werden sollen. (Zumindest auf dem Papier, da derart kurze Zeiten bei Sample and Hold-Displays irgendwann kaum noch relevant sind für die Bewegungsunschärfe.
        Mein Messkopf hat ein Öffnungskreis zur Diode von ca. 5 mm. Hatte damals 2017, als ich ihn gebaut habe, mit der "Lochgröße" etwas experimentiert. Nein, bis auf einem Pixel bin ich nicht runtergekommen Aber habe keine anderen Messwerte mit anderen Durchmessern bekommen, daher war genau das "Problem" für mich "theoretisch".

        Nochmal abschließend: Ich diskutiere gerne über Testmethoden, da ich ausführliche, aussagekräftige aber eben auch verständliche Tests erstellen möchte. Deswegen ist mir da euer Feedback von außen wichtig.
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