Flight Simulator 2020 im Benchmark-Test: Beeindruckende Weltenbummelei mit gigantischem CPU-Hunger
Mehr als 14 Jahre nach dem Erscheinen von Flight Simulator X ist es nun endlich soweit: Microsofts neuer Flugsimulator ist erschienen. Nach monatelanger Häppchenfütterung in Form delizöser Screenshots und appetittanregender Videoschnippsel können wir uns nun selbst von der ausgesprochen hübschen, überaus detallierten Grafik überzeugen - allerdings sind wir nach dem Testen auch überzeugt, dass Flight Simulator 2020 noch einigen technischen Feinschliff benötigt, denn die Systemanforderungen, insbesondere an CPU und Speicher, sind abnorm.
Microsofts Flight Simulator hat eine lange Tradition - der erste Teil der Simulation erschien bereits 1982, die Serie ist also nicht nur älter als so mancher PCGH-Redakteur, sie ist älter als Windows, ja selbst MS-DOS erblickte nur ein Jahr zuvor das Licht der Welt. Nicht wenige in Ehren ergraute Spieler erinnern sich noch dunkel an die Zeit, als sie als Naseweis - kaum groß genug, die Knöpfe des Pac-Man-Automaten zu erreichen - mit großen Augen die schon seit dem ersten Teil auf Polygonen basierende, verblüffend realistische (nun ja, für die damalige Zeit) Grafik bestaunten. Und auch der Umfang des Flight Simulators war schon immer sehr beeindruckend - bereits im zweiten Teil konnte die gesamte Fläche der Vereinigten Staaten überflogen werden. Außerdem stellt der Flight Simulator traditionell hohe Anforderungen an die Hardware.
Doch selbst mit diesem historischen Hintergrund ist der Flight Simulator 2020 sehr beeindruckend. Wegweisend ist sicherlich insbesondere die ausgesprochen schmucke Grafik und der extrem dichte Detailgrad in Kombination mit der beinahe unfassbaren Größe der Spielewelt - ist es überhaupt noch eine Spielwelt, wenn sie ein fast vollumfängliches, ob der Größe beeindruckend akkurates Abbild unserer echten ist, ist der Flight Simulator eigentlich noch ein Spiel?
In diesem Artikel
Flight Simulator 2020: Technik & Inhalt
Der Flight Simulator 2020 enthält die gesamte Oberfläche der Erde, Sie können jeden Punkt der Erdkugel in Echtzeit bereisen. Dabei nutzt der Flugsimulator Bing-Satellitendaten, um anhand von Höheninformationen Geometrie zu erzeugen und diese mit hochauflösenden Fotos zu tapezieren. Dies allein ist allerdings noch keine Grafik-Revolution, Flugsimulationen nutzen ein ähnliches Prinzip bereits seit Jahrzehnten, Flight Unlimited aus dem Jahre 1995 war einer der Titel, die insbesondere durch die Nutzung von Satellitendaten berühmt wurden - allerdings in deutlich begrenzteren Arealen. Das Wegweisende beim Flight Simulator 2020 ist die Detaildichte der bildhübschen Grafik in Kombination mit den gewaltigen Ausmaßen und die beeindruckend hohe Abbildungstreue gegenüber der Realität.
Um diese Detaildichte zu realisieren - kein Entwicklerteam der Welt wäre groß genug und hätte ausreichend Zeit, jedes Haus, jeden Baum und jede Straße von Hand zu modellieren und texturieren - kommt eine KI zum Einsatz. Der französische Entwickler Asobo Studios (bekannt unter anderem durch A Plague Tale Innocence, Fuel, Kinect Rush) holte sich dazu Unterstützung des Grazer Spieleentwicklers Bongfish, genauer, deren Tochterfirma Blackshark.ai ein. Diese Firma hat sich darauf spezialisiert, mithilfe einer Künstlichen Intelligenz aus 2D-Daten 3D-Objekte zu erzeugen. Blackfish.ai nutzte diese Herangehensweise - natürlich in einer sehr frühen und vergleichsweise primitiven Form - bereits vor dem Flugsimulator, erste Gehversuche können Sie etwa in dem Snowboarding-Titel Stoked aus dem Jahre 2009 begutachten. Für die umfangreichen Berechnungen nutzte Blackshark.ai die Rechenpower von Microsofts Cloud-Dienst Azure. 341 Städte weltweit weisen obendrein einen besonders hohen Detailgrad auf, da diese mittels hochauflösender Photogrammetrie-Luftbildaufnahmen umgesetzt wurden. Zumindest zum Teil stammen diese von der ebenfalls im österreichischen Graz ansässigen Firma Vexcel Imaging.
Erzeugung von Objekten aus Satellitendaten via Blackshark AI
Das Ergebnis ist ohne Übertreibung das wohl authentischste virtuelle Echtzeitabbild der Erde - und die Detailtreue ist ob der Ausmaße beinahe aberwitzig. Selbst einzelne Häuser sind individuell erkennbar - etwa das Elternhaus des Redakteurs im rheinland-pfälzischen Umland, der in der Nähe befindliche Segelflugplatz, der selbstredend auch angeflogen werden kann und die weite Grüne der benachbarten Eifel sowie der nicht weit entfernte Nürburgring (inklusive des Feldes, auf dem für Rock am Ring alljährlich die Zelte aufgeschlagen wurden) sind klar zu erkennen und beeindruckend realistisch. Auch Nürnberg und das angrenzende Fürth sind sehr authentisch umgesetzt - beim virtuellen Tiefflug über unser Verlagsgebäude meint man sich beinahe selbst bei der Arbeit beobachten zu können. All das ist wirklich bildhübsch, vor allem die dynamischen Lichtstimmungen, und wird nur von Kleinigkeiten getrübt. Da wäre die vereinzelt etwas bröselige Umgebungsverdeckung unter den Flugvehikeln, so manches Temporal-Artefakt bei geringen Bildraten sowie ein Klassiker: Blickwinkelabhängig verschwindende Reflexionen auf dem Wasser, da es sich um instabile Screen Space Reflections (SSR) handelt. Ein künftiges Raytracing-Update könnte die Grafik hier und bei weiteren Details ein weiteres Stück Richtung Fotorealismus bringen.
Die enorme Detailtreue trifft indes nicht auf alle Umgebungen, Gebäude und Objekte zu - nicht immer waren die Satellitendaten hochauflösend oder aktuell und einige Gebiete sind ganz einfach nicht vollständig enthalten. Die Frankfurter Skyline beispielsweise - tatsächlich so ziemlich die einzige mit Wiedererkennungswert in ganz Deutschland - wird im Spiel mit Platzhalterobjekten dargestellt. Dieser Umstand ist sehr ärgerlich und es wirkt beinahe lächerlich, dass die Entwickler ausgerechnet die ikonischste Skyline Deutschlands und den viertgrößten Flughafen Europas so lieblos umgesetzt haben - außer natürlich, man geht davon aus, dass Frankfurt ähnlich wie London zu einem späteren Zeitpunkt als kostenpflichtiges DLC nachgeliefert werden soll. Eine nicht ganz unberechtigte Annahme, denn Microsofts Flight Simulator ist - auch wenn man sich über den Begriff "Game" streiten könnte - ein "Game as a Service".
Und an dieser Stelle müssen wir auch Kritik ansetzen, denn Flight Simulator 2020 ist Stand Ende August 2020 schlicht und einfach unfertig. Es fehlen Inhalte, statt einer modernen API kommt das veraltete und ob der Detaildichte, dem gewaltigen Draw-Call-Aufgebot und damit einhergehend der Je nachdem, in welchem Flugzeug Sie sitzen, unterscheidet sich die Performance gravierend.
massiven CPU-Last im Grunde untaugliche DirectX-11-Schnittstelle zum Einsatz, die Stabilität ist insbesondere mit weniger als 32 GiByte Hauptspeicher sehr wackelig und es kommt häufig zu Abstürzen (des Spiels, also nicht des Flugzeugs, tatsächlich fehlt auch noch ein Schadensmodell) beziehungsweise System-Crashes, der Grafik- und Hauptspeicher wird extrem belastet, je nachdem, in welchem Flugzeug Sie sitzen, unterscheidet sich die Performance gravierend (zwischen Cessna und Airbus liegen beispielsweise knapp 50 Prozent Leistungsunterschied - selbst im Stand und noch vor dem Start! Man fragt sich unweigerlich, ob jeder einzelne Liter Flugbenzin extra berechnet wird) und es gibt aktuell praktisch keinen noch so potenten PC, der Flight Simulator 2020 selbst mit recht deutlich reduzierten Details flüssig darstellen kann. Bei allem Lob ob der tollen Grafik und der beeindruckend authentischen, ja wegweisenden, Umsetzung der Erde - im Grunde handelt es sich bei der aktuell verfügbaren Version um einen Early Access.
Flight Simulator 2020: Systemanforderungen
Die offiziellen Systemanforderungen für den neuen Flight Simulator fallen durchaus hoch aus. Microsoft gibt je drei Empfehlungen für reine AMD-Hardware (CPU + GPU) sowie für eine Kombi aus Intel- und Nvidia-Komponenten heraus. Allen Empfehlungen gemein ist, dass Windows 10 1909 (November-Update) und 150 GByte Plattenplatz vorausgesetzt werden. Es bleibt auch bei der schon im April genannten, starken Differenzierung bei den Internet-Geschwindigkeiten: Minimal sind 5 MBit/s nötig, empfohlen werden 20 MBit/s und ideal sind 50 MBit/s. Für Live-Traffic, Echtzeitwetter und Bing-Daten braucht es ergo eine potente Internetanbindung.
Durchweg schlüssig sehen die Empfehlungen nicht aus, weshalb wir im Folgenden prüfen, was man wirklich minimal haben sollte und welche Hardware flüssigen Fliegen erlaubt. So steht weiterhin der Business-Prozessor Ryzen 7 Pro 2700X als "ideale" AMD-CPU in den Akten und auch die Radeon VII erscheint "unnötig" - immerhin gibt es mit der Radeon 5700 XT eine deutlich passendere und aktuelle Alternative. Der auf Intel-Seite als ideal bezeichnete Core i7-9800X wurde als HEDT-CPU gerade erst in die End-of-Life-Phase abberufen. Hier würde es auf jeden Fall gut verbreitete Alternativen im Desktop-Bereich bei Intel geben. Insofern ist es schade, dass Microsoft die Systemempfehlungen nicht auf den neuesten Stand gebracht hat.
Die Ultra-Detailstufe, die noch nicht einmal das Maximum darstellt, ist dabei mit aktueller Hardware kaum genießbar. Nicht einmal ein Core i9-10900K schafft es, durchschnittlich 30 Fps zu halten, obendrein ruckelt es häufig kräftig. In Auflösungen jenseits 1080p wird außerdem schnell der Grafikspeicher eng, in Ultra HD reichen nicht einmal die 11 GiByte einer Geforce RTX 2080 Ti. Wir empfehlen daher nicht nur sehr beziehungsweise sogar möglichst potente Hardware, sondern außerdem dringend ein wenig Zurückhaltung im Grafikmenü - erst ab hohen Details ist Flight Simulator 2020 mit der aktuell maximalen Hardware-Power halbwegs genießbar. Zeit für Praxistests, um die aktuelle Performance zu skizzieren.
| Minimal (AMD) | Minimal (Intel) | Empfohlen (AMD) | Empfohlen (Intel) | Ideal (AMD) | Ideal (Intel) | PCGH-Empfehlung (hohe Details) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Windows | Win 10 1909 | Win 10 1909 | Win 10 1909 | Win 10 1909 | Win 10 1909 | Win 10 1909 | Win 10 2004 |
| CPU | Ryzen 3 1200 | Core i5-4460 | Ryzen 5 1500X | Core i5-8400 | Ryzen 7 Pro 2700X | Core i7-9800X | Core i9-10900K OC, Ryzen 9 3900X(T) OC |
| RAM | 8 GiB | 8 GiB | 16 GiB | 16 GiB | 32 GiB | 32 GiB | min. 32 GiByte RAM und min. 64 GiByte Auslagerungsdatei |
| VRAM | 2 GiB | 2 GiB | 4 GiB | 4 GiB | 8 GiB | 8 GiB | 11+ GiB |
| Grafikkarte | RX 570 | GTX 770 | RX 590 | GTX 970 | Radeon VII | RTX 2080 | RTX 2080 Ti, Titan RTX |
| Speicherplatz | 150 GByte (HDD) | 150 GByte (HDD) | 150 GByte (HDD) | 150 GByte (HDD) | 150 GByte (SSD) | 150 GByte (SSD) | 150 GByte (PCI-E-SSD) |
| Internet | 5 MBit/s | 5 MBit/s | 20 MBit/s | 20 MBit/s | 50 MBit/s | 50 MBit/s | 50 MBit/s |
Flight Simulator 2020: Impressionen
In der Galerie finden Sie einige Impressionen, die wir in 4K DCI bei absolut maximalen Details und Downsampling angefertigt haben. Das kostet viel Leistung, liefert auf der anderen Seite aber auch ein hochwertiges Bild ab.
Bildergalerie
Flight Simulator 2020: Benchmarkszene
Einen Ersteindruck, auch von der Benchmarkszene, sowie Hintegründe aus dem Test des Flight Simulator 2020 finden Sie im folgenden Video.

Übrigens habe ich die CPU-Benchmarks gemacht. Und ja, die standen auf dem jeweiligen Preset-Standard-Setting. Wir haben nur das AF und das Texturen-SSAA angepasst.
ich hab eben den Benchmark mit euren Setting mit meinem 5950X nachgestellt und hatte -- trotz 1080 Ti -- um den dreh 60fps gehabt. Also kein CPU Limit
Kann das sein? Ist der Ryzen so viel stärker oder hab ich was vergessen?
Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn ihr das Game noch mal mit den neuen Ryzen testen könntet.
Die Welt sieht so toll aus... in der Tat kann ich VFR fliegen und kenne mich in bekannten Umgebungen gut aus. Wenn ich ununterbrochen flegen kann, ist es wunderbar. Auch die Flugmodelle sind sehr gut, auch wenn noch nicht so genau wie in andere Spiele.
ABER
Crash, crash, crash und nochmals crash.
Es ist viel zu selten, dass ich einen Flug von Anfang bis Ende fliegen kann.
Das ist ............. sehr entäuschend.
AAAAber einen Crash hatte ich noch nie. Das ist toll.
Hintergrund - mein PC ist ziemlich gut, hat viel RAM und eine hochwertige Grafikkarte und alle Treiber sind auf dem neuesten Stand.
Updates? Addons? Halt! Erstens - mache das Spiel stabil!
Die Welt sieht so toll aus... in der Tat kann ich VFR fliegen und kenne mich in bekannten Umgebungen gut aus. Wenn ich ununterbrochen flegen kann, ist es wunderbar. Auch die Flugmodelle sind sehr gut, auch wenn noch nicht so genau wie in andere Spiele.
ABER
Crash, crash, crash und nochmals crash.
Es ist viel zu selten, dass ich einen Flug von Anfang bis Ende fliegen kann.
Das ist ............. sehr entäuschend.
Wenn Sie bereits mit einem anderen Simulator fliegen, dann warte ein halbes Jahr oder mehr und dann lese im Internet ob MSFS besser geworden ist.