AMD Threadripper 7000: Der Sockel TR5 im Detail - Mechanik, Kühlung und Rätselraten
AMDs Threadripper sind, erneut, die leistungsfähigsten CPUs, welche für Heimanwender vermarktet werden. Doch was bieten entsprechende Systeme dem Nutzer eigentlich außer vielen CPU-Kernen? Wir haben uns die zugehörige Plattform mit TRX50 und WRX90 genauer angeschaut.
AMD führt eine neue Prozessorserie oberhalb der Mainstream-AM5-Plattform ein und damit gibt es, natürlich, auch wieder einen neuen Sockel. Nach dem 2017er-TR4, dem nur sieben Monate genutzten 2019er-TRX4 und seiner seit 2020 amtierenden Ablöse WRX8 folgt nun der TR5. Die zugehörigen Prozessoren (Codename: Castle Peak) werden seit letzter Woche als Threadripper 7000 und Threadripper Pro 7000 angeboten, passende Mainboards machen sich aber bislang rar. Dabei sind mehr Speicher, mehr Erweiterungen oder mehr Laufwerke für Teile der potenziellen Kundschaft sogar wichtiger als mehr CPU-Kerne. Zeit also für einen genauen Blick auf die TR5-Plattform.
Auf dieser Seite
- 1 Sockel TR5: Zwei Plattformen zum Preis von einer
- 2 Sockel TR5: Ist das noch Desktop?
- 3 Sockel TR5: Das Speicher-Subsystem
- 4 Sockel TR5: PCI-Express (und SATA) mit WRX90
- 5 Sockel TR5: Rätselraten mit TRX50
- 6 Sockel TR5: Wiedersehen mit einem alten Bekannten
- 7 Sockel TR5: Mechanik und Kühlung
- 8 Sockel TR5: Fazit
Sockel TR5: Zwei Plattformen zum Preis von einer
Quelle: AMD
Threadripper Pro 7000 bietet grob das Doppelte der normalen "HEDT"-Ausführung. Wer nur die 96 CPU-Kerne möchte, kann die CPUs aber auch in einfachere TRX50-Boards setzen.
Oder besser gleich zwei Blicke, denn mit dem Sockel TR5 führt AMD eigentlich anderthalb neue Plattformen ein. Die "Pro Plattform" mit WRX90-I/O-Hub nimmt, Nomen est Omen, Threadripper-Pro-7000-Prozessoren auf und stellt somit den direkten Nachfolger des Sockel WRX8 mit WRX80-I/O-Hub für Threadripper Pro 3000 und 5000 dar. Diese große Ausgabe des Sockel TR5 wirbt erneut mit Octa-Channel-RAM, mit satten 128 PCI-Express-5.0-Lanes und mit bis zu 96 CPU-Kernen bei 350 TDP. De facto handelt es sich hier um "Genoa"-Epyc-9004-CPUs mit leicht reduziertem Speicherinterface und ohne Dual-CPU-Fähigkeit.
Deutlich stärker eingeschränkt ist Threadripper 7000 (ohne Pro). 64 Kerne bei ebenfalls 350 W TDP erscheinen einzig im Vergleich zum noch größeren Bruder wenig, vier Speicherkanäle sind aber ein deutlicher Schritt zurück und es gibt auch nur "88", teils deutlich langsamere Lanes, für die gesamte Plattform. Selbige besteht neben der CPU noch aus einem TRX50-I/O-Hub und dem gleichen Sockel TR5, den auch Threadripper Pro 7000 nutzt. Ähnlich wie Intels W-2400er- und W-3400er-Xeons lässt AMD also zwei unterschiedliche I/O-Klassen in der gleichen mechanischen und elektrischen Fassung laufen. Dabei besteht einseitige Kompatibilität: Normale Threadripper-7000-CPUs funktionieren nicht in großen WRX90-Mainboards - deren zusätzliche Steckplätze wären ohne die zugehörigen Controller einer Pro-CPU aber sinn- und funktionslos. Die umgekehrte Kombination ist dagegen möglich, wenn auch ähnlich fragwürdig, da mit einer Pro-CPU in TRX50-Systemen ein Teil der teuer bezahlten Controller mangels nach außen führender Leiterbahnen nicht genutzt werden kann. Allerdings gibt es Threadripper 7000 mit 96, mit 16 oder mit 12 Kernen nur als Pro-Ausführung - wer gar keinen Bedarf an zusätzlichen Kernen gegenüber AM5 hat oder umgekehrt genug Geld für das Flaggschiff 7995WX, der kann dieses also auch in die Sockel-TR5-Sparausgabe stecken.
Sockel TR5: Ist das noch Desktop?
Eigentlich bedient die Quad-Channel-Version der Plattform aber einen anderen Markt, den AMD mit "HEDT" angibt. Das Kürzel steht formell für High-End-Heimanwender, bezeichnete seit den ersten derartigen Plattformen aber oberhalb des normalen High-Ends angesiedelte Enthusiast-Systeme. Klassische Merkmale: mehr RAM, mehr Erweiterungen, mehr Leistung - auch für Spieler. Hauptzielgruppe sind aber Prosumer, die an einem PC sowohl mit hoher Leistung arbeiten als auch daran spielen wollen. Zuletzt war dieser Markt praktisch ausgestorben. Während sich Intels Sockel 2011-v3 2014 noch großer Beliebtheit erfreute, ebbte das Interesse ab 2017 stark ab. Die zusätzlichen PCI-Express-Lanes, welche schon alte Enthusiast-Mainboards mit normalen Desktop-Sockeln prägten, wurden nach dem Ende von AMDs Crossfire und Nvidias SLI kaum noch nachgefragt und viele Kerne gibt es seit AMDs Ryzen 7, spätestens aber seit den 2019 eingeführten Ryzen 9 auch in günstigen Mainstream-Plattformen.
Quelle: AMD/PCGH
Threadripper 7000 sprengt nicht nur die Desktop-Kern-, sondern auch Preisgrenzen. Die Pro-Modelle sind jeweils noch einmal eine Stufe teurer.
Intels letzter HEDT-Sockel 2066 und AMDs TR4-Angebote wurden zusätzlich dem "auch gut spielen"-Versprechen nicht mehr gerecht, sondern hinkten zeitgenössischen High-End-Pendants hinterher. Threadripper 3000 wiederum erschienen deutlich nach den günstigeren AM4-Ryzens der gleichen Generation und wurde dann schnell vom Ryzen 9 5950X deplatziert. Threadripper 7000 stapft nun tendenziell in beide Fettnäpfchen: Über ein Jahr nach dem Ryzen-7000-Launch (und vermutlich weniger als ein Jahr vor Ryzen 9000) unterliegt unseren Tests zufolge selbst das Topmodell guten Oberklasse-Achtkernern, manchmal sogar Mittelklasse-Sechskernern auf aktuellen Mainstream-Plattformen. Teilweise soll eine Teildeaktivierung der teuer bezahlten Kerne dagegen helfen, aber ohne Reboot geht AMDs AM5-Flaggschiff Ryzen 9 7950X3D um bis zu 60 Prozent in Führung und unsere Gaming-Universalempfehlung Ryzen 7 7800X3D schlägt den Threadripper-7000-Topdog 7970X im Spiele-Schnitt um ein gutes Drittel.
Das heißt nicht, dass ein Threadripper-7000- oder gar -Pro-7000-System spieleuntauglich wäre. Aber für den drastischen Mehrpreis deutliche Nachteile zu liefern, passt nicht in AMDs "HEDT"-Darstellung. Threadripper 7000 sind waschechte Workstations-Prozessoren mit ihren typischen Vor- und Nachteilen - wobei Heimanwender vor allem die Nachteile spüren. Entfesseln lässt sich das ungeheure Leistungspotenzial nur mit entsprechend massiv parallelisierbaren, professionellen Anwendungen. Damit treten die kleinen TR5-Angebote unfreiwillig in die Fußstapfen der ersten beiden TR4-Threadripper-Generationen, obwohl AMDs I/O-Hub-Namensgebung "TRX50" offensichtlich den Bezug zum Sockel TRX4 mit seinem TRX40-I/O-Hub und den universell einsetzbaren dritten Threadripper 3000 sucht.
Sockel TR5: Das Speicher-Subsystem
Aber wir bei PCGH behandeln bekanntermaßen nicht nur Themen, die alle unser drei Namensbestandteile erfüllen, sondern gucken auch gerne über den Tellerrand. Was bekommen Beyond-HEDT-Workstation-Anwender also für ihr Geld? Zunächst einmal die Verpflichtung zu weiteren Ausgaben: Im Gegensatz zu den TR4- und TRX4-Vorgängern verlangen alle TR5-Prozessoren nach den von Epyc- respektive WRX-Plattformen bekannten RDIMMs. Beispielsweise 64 GiB DDR5-5600 CL36 (der von AMD spezifizierte DDR-5200 wird nicht im PCGH-Preisvergleich angeboten) kosten daher 340 statt 200 Euro. Zudem ist Registered-RAM bei gleicher nomineller Latenzangabe in der Regel ein Stück langsamer. Dass er umgekehrt prinzipiell deutlich mehr Chips respektive Module pro Kanal ermöglicht, ohne dass es zu Signalproblemen kommt, merken Threadripper-7000-Käufern dagegen nicht - AMD limitiert die neue Generation auf ein Modul pro Kanal.
Quelle: PCGH
Passt nicht und soll auch nicht: Normaler DDR5-Speicher (Crucial als Beispiel) ist weder mechanisch noch elektrisch mit dem in aktuellen Worsktations und Servern genutzten RDIMM-Format kompatibel
Die "HEDT"-TRX50-Platinen nehmen daher maximal vier Module auf. Gegenüber dem AM5-Mainstream gibt es aber den doppelten Datendurchsatz oder sogar etwas mehr, denn für ein mit 4× 32 GiB voll bestücktes Dual-Channel-AM5-System kann DDR5-5200-Takt nicht garantiert werden, für die TR5-Plattform mit vier unabhängigen, parallel arbeitenden Speicherkanälen schon. Threadripper Pro 7000 ist noch einmal doppelt so breit und dank achtmal Single-DIMM auch doppelt so weit ausbaubar. Anwender, die 1 TiB oder mehr an RAM verbauen wollen, müssen bei AMD aber zu den voll freigeschalteten Epyc-CPUs mit sechs oder zwölf Speicherkanälen und je zwei Modulen im Sockel SP6 respektive SP5 greifen. Hier dürfte eine Nische für Intels Workstation-Angebote verbleiben, denn bereits die kleinen W-2400-Xeons bedienen typischerweise 8 Module, für die LGA4677-Topmodelle gibt es 16er-Mainboards.
Sockel TR5: PCI-Express (und SATA) mit WRX90
Einen klaren, wenn auch kleinen Vorteil gegenüber Xeon W-3400 genießt Threadripper Pro 7000 dagegen in Sachen PCI-Express. Wer nur Desktop-Systeme mit maximal 24 5.0-Datenleitungen gewöhnt ist, findet bereits die 112 Lanes des erstgenannten beeindruckend. AMD legt aber noch einmal 16 Stück obendrauf für runde 128 Stück insgesamt - das entspricht sieben-Komma-drei-Mal einem High-End-AM5-System! Und damit man keine einzige davon an irgendwelche langsamen Gigabit-LAN-Controller oder Ähnliches verschwenden muss, gibt es noch acht "Bonus Lanes" (Zitat AMD) mit 3.0-Geschwindigkeit als Dreingabe dazu.
Quelle: PCGH
Die Gesamtzahl der I/O-Ports unterscheidet sich bei Threadripper Pro 7000 nur wenig von der WRX8-Generation oder von Intels Xeon W-3400 im Sockel 4677. Die TR5-Systeme bieten im Gegensatz zu den Vorgängern aber PCI-Express 5.0 und dies auch an etwas mehr Lanes als die offizielle Konkurrenz.
Vier dieser insgesamt 136 Datenleitungen werden formell benötigt, um den WRX90-I/O-Hub anzubinden. Abzuwarten bleibt aber, wie Mainboard-Hersteller mit dieser Forderung umgehen - bislang sind keine WRX90-Retail-Platinen vorgestellt worden und es erscheint fraglich, ob derartige Monster-CPUs jemals in Desktop-CPUs landen werden, welche die zusätzlichen USB-Ports des I/O-Hubs benötigen könnten. Aber selbst wenn man jeden der im ATX-Standard spezifizierten Slots mit einem 5.0-×16-Steckplatz versehen würde, um sieben (wassergekühlte, Single-Slot-)High-End-GPUs unterzubringen, zusätzlich vier M.2 mit je 16 GiB/s-Anbindung auf die Platine packt und einen Dual-10-GBit-LAN-Controller verlötet, hätte Threadripper Pro 7000 immer noch vier der 3.0-Lanes übrig, um anstelle des I/O-Hubs zum Beispiel ein paar USB-Controller zu verbauen. Bislang werden solche Monster-Prozessoren nur für Server eingesetzt, die kaum Schnittstellen für Ein- und Ausgabegeräte benötigen. Als vollwertiges System on a Chip könn(t)en die neuen CPUs hier, wie es prinzipiell mit allen Ryzens möglich und für Epycs typisch ist, auch ohne I/O-Hub betrieben werden. Dies gilt übrigens auch für einen Einsatz als Daten-Server, denn 32 der PCI-Express-5.0-Lanes fungieren alternativ als SATA-Anschlüsse. So lassen sich mehre 100 TB Festplattenspeicher nativ anbinden - zusätzlich zu beispielsweise einem Dutzend M.2-SSDs und zwei Grafikkarten und und und... .
Sockel TR5: Rätselraten mit TRX50
Sinnvoller und allgemein üblich ist die Verwendung eines I/O-Hubs dagegen bei der Quad-Channel-Ausgabe der TR-Plattform. Hier bietet AMD "nur" noch 48 PCI-E-5.0-Lanes - genug für zwei Grafikkarten, sobald es diese mal mit 5.0-Geschwindigkeit gibt, und vier M.2-SSDs. Aktuelle GPUs könnte man dagegen ebenso gut über zusätzlich verfügbare 4.0-Leiterbahnen anhängen. Davon gibt es mindestens 24 Stück, abzüglich der I/O-Hub-Anbindung also 20 nutzbare, wie Mainboards von Asrock und Asus beweisen. Das wären beispielsweise ein dritter (4.0-)×16 und ein ×4-Link für kleinere Controller-Karten oder eine fünfte NVME-SSD. Jenseits dessen wird es leider diffus, denn AMD hat im Rahmen verschiedener Präsentationen verschieden Angaben zur Gesamtausstattung der Nicht-Pro-Threadripper-7000 gemacht, von denen uns auch nach längerer Wartezeit bislang keine bestätigt wurde.
Quelle: PCGH
AMD hat seit dem kurzlebigen TRX4 keine Plattform mehr als "HEDT" vermarktet. Obwohl dessen TRX40 deutlich breiter als der neue TRX50 baut, verfügt die TR5-Plattform nicht nur über neuere, sondern auch mehr Schnittstellen insgesamt. Nur Intels Xeon W-2400 setzten noch einmal einen obendrauf, aber bereits dem TRX4-Angebot ging teils einfach der Platz auf den Platinen aus.
Das von uns abgebildete Minimum sind acht weitere PCI-Express-3.0-Leitungen, welche sowohl auf Asrocks TRX50 WS als auch Asus' TRX50-Sage zu Zusatz-Controllern mit je zwei weiteren ×4-Uplinks führen. Die Mehrheit der AMD-Angaben unterstützt diese Gesamtzahl von acht zusätzlichen Lanes, macht aber keine Angaben zu deren Geschwindigkeit. Technisch handelt es sich um den gleichen, 5.0-tauglichen Controller wie bei Threadripper Pro 7000, aber die 5.0-Geschwindigkeit ist definitiv nicht freigeschaltet. Da die von Asrock und Asus verbauten Aquantia- und ASMedia-Controller ihrerseits aber maximal PCI-Express 3.0 unterstützen, können wir derzeit nicht beurteilen, ob es sich um acht "Bonus"-3.0-Lanes oder um acht weitere 4.0-Ports handelt (für insgesamt 32, davon 28 nutzbar). Verwirrend kommt noch hinzu, dass AMDs detaillierter Reviewer Guide 48-mal 5.0, 32-mal 4.0 und zusätzlich 8-mal 3.0 verspricht. Diese Gesamtzahl von 88 CPU-Lanes wird allerdings von keinem Mainboard am Markt genutzt und mehrere andere AMD-Quellen sprechen von maximal 80 Lanes zuzüglich I/O-Hub. Da die 8×-3.0-Angabe ein expliziter Zusatz ist, der Reviewers Guide aber auch an anderer Stelle Zahlenfehler enthält (so werden beispielsweise 1.152 MiB L3 Cache statt 576 MiB für den 7995WX illustriert) gehen wir derzeit von 24 plus 8 Lanes aus, was zumindest keiner anderen Quelle explizit widerspricht.
Quelle: AMD
Was denn nun? AMDs Launch-Präsentation zeigt aktive Controller für 80 bis-zu-PCI-E-5.0-Lanes, der Reviewer Guide listet 88 Lanes detailliert. Mainboards bestätigen bislang 48× 5.0 + 24× 4.0 + 8× 3.0. In Sachen SATA stehen 16 in den Launch-Dokumenten, 2 auf der Webseite und davon werden real bis zu 8 genutzt.
Ebenso ungesichert ist derzeit die SATA-Ausstattung der kleineren Threadripper. Einer der 16er-Controller-Blöcke der Pro-Version wurde definitiv abgeschaltet, der andere bedient die eingebremsten PCI-E-Lanes. Wie Asrocks TRX50 WS beweist, beherrschen mindestens acht seiner Ports weiterhin 4.0-Geschwindigkeit und den SATA-Standard als alternative Belegung. Dass Letzteres auch für die anderen, mutmaßlich auf PCI-Express 3.0 beschränkten Ausgänge gilt, können wir derzeit aber nur vermuten. AMD selbst sichert in den aktuellen Online-Spezifikationen gerade einmal zwei native SATA-Ports an der CPU zu - das wäre AM4-Niveau und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.
Sockel TR5: Wiedersehen mit einem alten Bekannten
Glasklar ist die Situation hingegen bei WRX90 und TRX50 selbst. Wie bereits beschrieben verbrauchen diese I/O-Hubs vier CPU-Lanes, wobei alles unter 4.0 sie ausbremsen würde. Im Gegenzug stellen sie acht PCI-E-4.0-Lanes im Downstream bereit, vier SATA-Ports, viermal USB 3.1 und einmal USB 3.2. Alternativ lässt sich der USB-3.2-Anschluss in zwei weitere 3.1er teilen und die SATA-Ports zu vier PCI-Express-Lanes mit 3.0-Geschwindigkeit umwidmen. Diese Angaben gelten sowohl für den "großen" als auch den "kleinen" TR5-I/O-Hub und wem sie bekannt vorkommen, der hat vermutlich noch unsere Besprechung der AM5-Pendants in Erinnerung: Die Neuzugänge entsprechen exakt einem B650(E), also dem Vollausbau des Promontory21-Siliziums. Dieses wird in doppelter Ausführung bereits als X670(E) und in beschnittener als A620 vermarktet, nun kommen noch zwei weitere Namen hinzu. Weitere vier USB-3.1-Ports gibt es übrigens, genau im Desktop-Sockel, direkt von der CPU selbst.
Quelle: PCGH
Und täglich grüßt das Murmeltier: AMD nutzt für alle aktuellen I/O-Hubs das gleiche Promontory-21-Silizium, mit Ausnahme des A620 sogar immer in der gleichen Konfiguration. Da es auf TR5-Mainboards nur einmal verbaut wird, fallen diese in Sachen nativem USB-Support allerdings auf B650(E)-Niveau zurück.
Dass TR5-Platinen dabei weniger I/O-Hub als das AM5-High-End-Segment bekommen, ist in Sachen SATA verschmerzbar und bei den PCI-Express-Lanes praktisch egal - wie bereits oben dargelegt haben die Threadripper-CPUs von beidem mehr als genug. Bereits bei TRX4 fehlte es eher an Platz auf den Platinen, denn an elektrischen Ressourcen. Leider ebenfalls nahe an 2020er-TRX4-Niveau bleibt aber die USB-3.2-Ausstattung: Während einzelne Luxus-Sockel-1700-Platinen schon 2021 drei native Ports boten, müssen Asrock und Asus je einen Zusatz-Controller und somit, wie beschrieben, vier PCI-Express-Lanes aufbringen, um zumindest Front- und Rear-USB-3.2 zu unterstützen. Gigabyte verzichtet beim TRX50 Aero interessanterweise darauf und ist somit auf B650-/B760-Niveau unterwegs, verbaut aber zusätzlich Intels Maple Ridge für zwei weitere USB-3.1-Ports - vermutlich haben Zeit oder Budget hier mal wieder nicht gereicht, um diese Implementation für das eigentlich mögliche und bei Workstations als USB-3.2-Ersatz durchaus willkommene Thunderbolt 4 zertifizieren zu lassen. Echte USB4-Controller, wie man sie von einer neuen Luxus-Plattform erwarten könnte, bietet dagegen kein angekündigtes TR5-Mainboard.
Sockel TR5: Mechanik und Kühlung
Quelle: PCGH
AMD übernimmt die kombinierte CPU- und Kühlerhalterung unverändert von TR4 und TRX4; der für die CPU-Montage benötigte Drehmomentschlüssel gehört zum Lieferumfang. Bestehende (Wasser-)Kühler können weitergenutzt werden, für Asetek-KoWaKüs liegt den CPUs weiterhin ein angepasster Halterahmen bei.
Ebenfalls Stillstand, aber willkommener, herrscht beim eigentlichen Sockel. Zwar hat AMD den elektrischen Teil des TR5 neu entwickelt - und mit seiner abweichenden PCI-Express-Ausstattung sowie vier bis acht statt zwölf respektive sechs Speicherkanälen handelt es sich diesmal auch nicht um eine einfache Kopie der Server-Sockel SP5 respektive SP6, wohingegen WRX8, TRX4 und TR4 allesamt (inkompatible) Interpretationen ein und desselben SP3 waren. Aber deren kombinierte CPU- und Kühlerhalterung übernimmt AMD für den TR5 unverändert von den Vorgängern. Verglichen mit Intels 4677 ist der Einbau der CPU hier somit weiterhin einfacher und bestehende Kühler können weiterverwendet werden - wenn sie die gesteigerte Wärmeentwicklung verkraften. Nach 180 W bei Threadripper 1000, 250 W bei 2000 und 280 W bei 3000 stellen die 350 W von Threadripper 7000 erneut eine Herausforderung für Luftkühler dar.
Quelle: Supermicro
5+5+3+2 Phasen unter zwei zierlichen Kühlkörpern: Während Spannungsversorgungen und Preisschilder im Retail-Bereich explodieren, halten sich reine Workstation- und Server-Anbieter angenehm zurück. Die OC-Tauglichkeit solcher Platinen könnte sich allerdings deutlich unterscheiden.
PCGH rät in dieser Leistungsklasse ohnehin schon länger zu Wasserkühlern, denen die große Wärmeabgabefläche sogar zugutekommt - ein Threadripper 7980X erzeugt zwar mehr als dreimal so viel Wärme wie ein Ryzen 7 7700X, verteilt diese aber auch auf eine achtmal so große Fläche. Auch das kleinste HEDT-Modell, der 7960X, verfügt über immerhin vier aktive CCDs. Nur bei den Threadripper-Pro-7000-Einsteiger-Prozessoren könnte es Probleme geben: AMD gibt für 7955WX (16 Kerne) und 7945WX (12 Kerne) weiterhin 350 W TDP, aber nur zwei aktive CCDs an. Das entspricht der Kern-Konfiguration von Ryzen 9 7950X und 7900X, welche eine TDP von 170 W haben. Wenigstens 100 W der zusätzlichen Wärmeentwicklung dürften auf den großen IOD von Storm Peak entfallen, der die vielen RAM- und PCI-E-Controller beherbergt, aber für die CCDs bleibt eine ansehnliche Wärmedichte übrig. Unkritisch, aber möglicherweise akustisch störend könnten bei konsequentem Wasserkühlungseinsatz übrigens die Spannungswandler werden, die alle Hersteller mit mehr oder minder vielen Miniatur-Lüfter versehen - bei den Endkunden-Desktop-Modellen, wohlgemerkt. Eher für professionelle Workstations gedachte Platinen verlassen sich dagegen auf einen hinreichenden Luftstrom in der Umgebung und kommen, wie so oft, mit weitaus weniger (möglicherweise aber höherwertigeren) Power Stages und kleinen Passiv-Kühlern aus.
Sockel TR5: Fazit
Insgesamt folgt die TR5-Plattform der alten Threadripper-Philosophie: "mehr". Mehr RAM, mehr PCI-Express, mehr CPU-Kerne - von allem, was nicht am I/O-Hub hängt, bietet Threadripper Pro grob das vier-, teils sogar sechsfache gegenüber einem Ryzen-9-7950X-System, die non-Pro-Variante mindestens das Doppelte. Für Spiele ist aber eigentlich schon ein Ryzen 9 7950X mehr als genug und die wahre Messlatte wären AMDs 3D-CPUs, zu denen es dem neuen Sockel an einem Pendant fehlt. Threadripper 7000 startet somit von einem der mittleren Plätze ins Desktop-Rennen - und fällt dann, ausgebremst von niedrigeren Werkstaktraten, RDIMM-Latenzen und der komplexeren internen Kommunikation, weiter zurück. Mainboard-seitig stören die zusätzlichen Lanes und Speicherkanäle freilich weniger, ihr Routing will aber ebenso bezahlt werden, während viele Anwender schon X670E-Mainboards als (preislichen) Overkill empfinden. Hinzu kommen Spannungswandler für 350 W TDP zuzüglich Übertaktung - und übertakten lässt sich Threadripper 7000 sehr gut, denn die Werksleistung wird eben auf einer viel größeren Fläche verteilt erbracht und es dauert lange, bis das riesige Package überall an der Takt- oder Temperaturgrenze ist, die manch AM5-CPU schon fast ab Werk ausreizt.
Weitaus positiver fällt die Bilanz aus, wenn man den Sockel TR5 nicht als angebliche HEDT-, sondern als Workstation-Plattform betrachtet. Hier gibt es Anwendungsgebiete für seine vielen Kerne sowie die fürstliche PCI-Express-Ausstattung und hier tritt AMD auch nicht gegen kleine Konkurrenten aus eigenem Hause an, sondern gegen Intel-CPUs mit der Architektur und der Fertigung von Alder Lake - aber ohne die im Desktop angewandte Spannungskeule, denn professionelle Anwender würden eine viel höhere Package Power als bei AMD kaum dulden. Das Ergebnis dürfte, außer vielleicht beim Speicherausbau in Spezialszenarien, ein klarer Sieg für AMD werden; vor dem zweiten Halbjahr 2024 ist gar keine Konkurrenz zu erwarten.
Auch die CPU läuft schon im automatic OC modus sehr "nice" ... (custom WaKü mit MO-RA 420)
4.65Ghz all core - hab gesehen bei last auf 6 oder 4 cores mit 5.4Ghz und bei last auf nur 2 cores waren sogar (laut HWiNfo) die 2 kerne mit 5.9Ghz unterwegs (was ich net ganz glauben kann ... aber wer weis ..)
Wenn ich wieder etwas mehr zeit habe kommt noch manuelles OC ....
Einziges problem ist noch das meine soundkarte nicht erkannt wird (Asus Xonar DX2) ..... mal schaun ob das noch zu fixen ist mit bios einstellungen oder ein bug im bios/Mobo ..
Falls es in der laufenden Berichterstattung (Ausgabe 02/2024) nicht aufgefallen ist: Die Chance auf EMR-W hat sich seit meinem Post von Anfang Dezember noch weiter verschlechtert. Xeon W-3400 sind die einzigen SPR, bei denen alle PCI-E-Controller aktiv sind; bei den Xeon SP wird ein Teil deaktiviert. EMR wurde jetzt, zumindest soweit man sehen kann, auf dieses Maß beschnitten und wäre somit als "W-3500" schlechter ausgestattet als ein W-3400. Wenn Intel keine komplett neue Config einführt (womit ich nicht mehr rechne), bräuchten sie einen kompletten EMR-XCC mit zwei Chips, um einen SPR-MCC-W2400 von halber Größe zu ersetzen. Eher unwahrscheinlich wäre mein Urteil.^^
Wenn du einen Achtkanal-Intel (oder allgemein was monolithisches in dieser Größe) haben wolltest, hast du also genau richtig gekauft. Einen Nachfolger würde ich erst auf GNR-Basis erwarten, aber da gibt es nicht einmal Gerüchte zu und SPR hat von der detaillierten Vorstellung (für GNR wohl im Spätsommer) bis zum Verkauf als Workstation-Produkt immerhin 1,5 Jahre gebraucht.
Diese stellen nämlich "nicht" die im RAM hinterlegten XMP3 werte ein - diese muss man selbst über eine in zig untermenüs des Bios versteckte seite auslesen (merken oder aufschreiben) und diese werte dann manuel eingeben.
Dann läuft es auch tagelang stabil.
Alles, was ich bislang von Emerald Rapdis gesehen habe (und das war unerwartet viel), betraf jedenfalls nur das Dual-Tile-Package, dass Gelsinger auch öffentlich hochgehalten hat. Das hat, wie schon geschrieben mit ziemlicher Sicherheit zweimal 33 CPU-Kerne und zweimal 4 Speicher-Controller auf zweimal der Fläche eines Sapphire Rapdis MCC. Das heißt für W-3500er müsst Intel immer die volle Dual-Chip-Ausbaustufe verbauen, um genug Speicherkanäle haben. Bei Sapphire Rapdis reicht der MMC dagegen für bis zu 34 Kerne und nur für 3475X und 3495X muss der 4-Tile-XCC mit einer EMR-vergleichbaren Siliziumfläche bemüht werden. Bei den W-2400 wäre eine Umstellung von SPR MCC auf EMR in Single-Tile-Konfiguration dagegen gut denkbar, sollte aber außer der Option auf größere Caches keine Vorteile für etwaige -2500 mit sich bringen. Und genau diese Option würde man ohnehin nicht ergreifen, solange die W-3500 nicht mindestens das Gleiche bieten können.
Meine Vermutung: EMR für Workstations werden wir entweder erst als spätes Abverkaufs-Refresh nehmen, wenn die Server-Nachfrage schon zugunsten vonn GNR sinkt und mehr als genug Chips herumliegen oder aber als neues Flaggschiff mit ~40 und ~60 Kernen über einem größtenteils aus Sapphire Rapid Rebrands bestehenden Portfolio. Vielleicht verwurstet Intel zusätzlich teildefekte EMR als W-2500, wenn es keine Xeon-Salvage-SKUs mit kleinem Cache gibt. Aber so ein Chip hätte dann vermutlich auch keine Vorteile gegenüber SPR MCC.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]: Zwischen CPUs und GPUs herrscht eine Aufgabenteilung. Die wird zwar immer weiter zugunsten der GPU verschoben und theoretisch könnte man eine Retro-Engine entwickeln, die wie anno dazumal zum Beispiel die Beleuchtungsberechnung oder, bei Raytraycern, die BVH auf der CPU berechnet. Das wäre aber ein enormer Entwicklungsaufwand und CPUs sind für solche Aufgaben einfach ziemlich schlecht geeignet. Das Ergebnis wäre also nicht einmal effizient, sondern nur eine Spezialanfertigung für die wenigen Spieler, die viel zu viele CPU-Kerne herumliegen haben.
Wie wenig? Zu TR4-Zeiten habe ich von einem Mainboard-Hersteller mal niedrigste 5-stellige Absatzzahlen gehört. Für seine gesamte Produktpalette. Global. Und nein, es war nicht Biostart oder eine noch kleinere Marke. Wenn die andern nicht viel mehr verkauft haben, dürfte es also deutlich weniger als 100.000 Retail-Systeme dieser ersten, zugegebenermaßen weniger beliebten, Generation gegeben haben und darunter waren dann noch viele Creator oder professionelle Anwender, die genauso wie die meisten Käufer fertiger Workstations gar nicht darauf zocken. TR4-Gamer dürfte es weltweit nur einige tausend gegeben haben und damals war das initiale Endkunden-Interesse an der Plattform größer als bei heute bei TR5.
Danke für die Info (hatte ich dann wohl falsch gelesen - oder einfach nicht so interessiert verfolgt - da ich auf keinen fall zurück zu nen 4 kanal RAM interface möchte, darum war die 2xxx serie eh nicht interessant für mir - und wie du schon anmerktest ist der preis unterschied bei den gesamtkosten von ~10k+ nicht wirklich die beschränkung auf quad channel wert)
Was halt jetzt noch offen bleibt ist ob es ein update der 3xxx reihe mit Emerald Rapid geben wird - möchte mir net ne 1.8k€ cpu kaufen und 2 wochen später gibts den nachfolger ..... (der ganze rest blieb ja gleich) - mal schaun.