Skylake: Kühler können Sockel-1151-CPUs beschädigen [Update: Stellungnahmen zu hohen Anpressdrücken]
Intels neuer Mittelklassesockel hat zwar die gleiche Form wie seine Vorgänger, aber der Aufbau der Prozessoren hat sich mit der Core-i-6000-Baureihe geändert. Mit möglichen fatalen Folgen: Wie jetzt bestätigt wurde, können Kühler trotz passender Form schweren Schaden an CPU und Mainboard anrichten. Kühler-Hersteller Scythe prescht vor und informiert seine Kunden.
In diesem Artikel
- Seite 1 Darstellung des Problems
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Seite 2
Reaktionen von Anbietern
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2.1
Stellungnahmen der Hersteller
- 2.1.1 Originalmitteilung von Scythe
- 2.1.2 Update vom 30.11.2015: EKL Alpenföhn
- 2.1.3 Update vom 30.11.2015: Noctua
- 2.1.4 Update vom 01.12.2015: EK Water Blocks
- 2.1.5 Update vom 02.12.2015: Arctic
- 2.1.6 Update vom 02.12.2015: Thermaltake
- 2.1.7 Update vom 02.12.2015: Thermalright
- 2.1.8 Update vom 04.12.2015: Cooler Master
- 2.1.9 Update vom 04.12.2015: Prolimatech
- 2.1.10 Update vom 04.12.2015: Silentium PC
- 2.1.11 Update vom 07.12.2015: Stellungnahme von Intel
- 2.1.12 Update vom 07.12.2015: Watercool
- 2.1.13 Update vom 08.12.2015: Cryorig
- 2.1.14 Update vom 09.12.2015: Enermax
- 2.1.15 Update vom 09.12.2015: Be quiet
- 2.1.16 Update vom 11.12.2015: Silverstone
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2.1
Stellungnahmen der Hersteller
- Seite 3 Zusammenfassung und eigene Messungen
- Seite 4 Bildergalerie
Intels neue Skylake-Plattform passt mit starken Quadcores, flottem Speicher und mächtigen PCHs perfekt auf die Bedürfnisse moderner Spieler; die Nachfrage insbesondere nach den Übertakter-Modellen Core i5-6600K und Core i7-6700K ist ungebrochen hoch und übersteigt oft das Angebot. Insbesondere für Besitzer alter Sockel-1156- und -1155-Systeme mit Lynnfield, Sandy Bridge oder Ivy Bridge-CPU ist die Gelegenheit günstig: Mainboard, CPU und RAM werden gegen die moderne Plattform getauscht - der Rest der Plattform einschließlich des Kühlers kann übernommen werden.
Ursprüngliche Mitteilung von Scythe
Zumindest ging man bislang davon aus, denn alle Kühlerhersteller haben ihre Sockel-1150/1155/1156-Halterungen auch für den neuen Sockel 1151 freigegeben. PCGH liegen aber Berichte über Skylake-Komplett-PCs vor, bei denen die CPU und teilweise das Mainboard während eines Versandes beschädigt wurde. Von Kühlerhersteller Scythe kommt jetzt die erste offizielle Stellungnahme zu dem Problem, weitere werden nach unseren Informationen folgen.
Die Firma Scythe EU GmbH gibt bekannt, dass bei mehreren Kühlern aus ihrem Portfolio eine Änderung des Montagesystems für Skylake/Sockel 1151 vorgenommen wird. Sämtliche Kühler sind zwar generell kompatibel zu Skylake-Sockeln, allerdings kann es in einzelnen Fällen zu Beschädigungen an CPU und Mainboard kommen, wenn der PC stärkeren Erschütterungen (z.B. bei Versand oder Umzug) ausgesetzt ist. Um dem vorzubeugen, wurde durch eine Anpassung des Schraubensatzes der Anpressdruck verringert. Den neuen Schraubensatz schicken wir Ihnen natürlich auch gerne kostenfrei zu. Richten Sie bitte ihre Anfrage per E-Mail an support@scythe.com oder nutzen Sie das Kontaktformular unserer Webseite (http://www.scythe-eu.com/support/technische-anfragen.html).
Update vom 03.12.2015: Eingrenzung der Kühler
Mittlerweile hat Scythe den Kreis der betroffenen Kühler eingegrenzt. Demnach sind nur Modelle mit H.P.M.S.-Halterung betroffen, das heißt Ashura, Fuma, Grand Kama Cross 3, Mugen 4 (inklusive PCGH-Edition), Mugen Max und Ninja 4. Scythe-Kühler mit Push-Pin-Halterung sind unbedenklich und benötigen keine Nachrüstung.
Update vom 08.12.2015: Weitere Eingrenzung
Quelle: PC Games Hardware
Das von Scythe Anfang Dezember verschickte Nachrüstkit enthält ein Päckchen Wärmeleitpaste und zwei verlängerte Halterungsschrauben. Mit den Originalen (rechts) lässt sich die Halterung um 2 mm weiter anziehen. Langfristig möchte Scythe die gleichen Lockerung durch Unterlegscheiben erreichen.
Inzwischen führt Scythe auf seiner Supportseite nur noch den Mugen 4 (plus PCGH-Edition) auf der Liste der problematischen Kühler - und grenzt das Problem damit deutlich ein. Das hatte uns Scythe bereits vorab per Mail mitgeteilt, man wollte diese Info vor Veröffentlichung aber noch verifizieren. Offenbar ist dies nun erfolgt. Eine erste Version der Ersatzschrauben ist ebenfalls bei uns eingetroffen und wir bereiten eine Nachstellung des Problems vor; ein entsprechendes Video finden Sie bald auf PCGH.de.
Update vom 14.12.2015: Mifcom bietet weiter den Mugen 4 an
Parallel zu unseren Anfragen bei Kühlerherstellern haben wir auch versucht, Informationen aus dem OEM-PC-Geschäft zu bekommen. High-End-Assemblierer Mifcom sticht hierbei besonders hervor, denn da wird der auch der Mugen 4 (mutmaßlich mit neuem Schraubensatz) weiterhin in Komplett-Rechnern angeboten. Wie uns jetzt bestätigt wurde, auch absichtlich: Mifcom ist sich der hauseigenen Versandmethode mit gepolstertem Umkarton und Innenraumpolsterung im Gehäuse so sicher, dass man auch beim Versand von schweren Kühlern mit hohem Anpressdruck Garantie auf etwaige Schäden gibt.
Analyse des Problems
Der Verweis auf Erschütterungen und auf den Anpressdruck passt zu dem Schadensbild, das uns mehrere Quellen vertraulich geschildert haben. Demnach ist das Substrat der CPU die Problemzone, also die Platine auf deren Unterseite, die die elektrische Verbindung zwischen dem eigentlichen Silizium-Chip und den Kontakten im Sockel herstellt. Diese Platine wird unter bestimmten Bedingungen so weit in den Sockel hineingebogen, dass entweder dessen Kontaktfedern oder aber Leiterbahnen im Substrat selbst Schaden nehmen. Ein wichtiger Faktor hierbei dürfte die geringere Dicke und somit geringere mechanische Stabilität des Skylake-Substrates im Vergleich zu früheren Generationen sein. Da Intel den Sockel-1151-Kühler-Design-Guide im Gegensatz zu älteren Plattformen nicht frei zum Download anbietet, können wir derzeit nicht überprüfen, ob der spezifizierte Anpressdruck gesenkt wurde.
Quelle: PC Games Hardware
Skylake (links) im Vergleich mit Broadwell (rechts): Das Substrat der CPU fällt deutlich dünner aus.
Wir gehen aber von unveränderten Spezifikationen aus, da bislang kein einziger Kühlerhersteller Anpassungsbedarf für die neue Generation sah. Naheliegend ist aber eine kleinere Toleranz Skylakes gegenüber Spezifikations-Überschreitungen. Diese Toleranz war bislang groß, es gab bei einigen Herstellern sogar spezielle Schraubensätze, mit denen der Anpressdruck auf eigene Gefahr über die spezifizierte Grenze hinaus angehoben werden konnte, um die Kühlleistung zu steigern. Sollten die Sicherheitsreserven bei Skylake kleiner ausfallen, könnten Kühlermodelle mit zu hohem Anpressdruck erheblichen Schaden anrichten, obwohl sich auf robusteren Sockel-1150/1155/1156-CPUs keine Symptome zeigten. Wir bemühen uns um entsprechende Stellungnahmen von Intel und von weiteren Kühlerherstellern und werden diese News nach und nach erweitern.
Update vom 01.12.2015: Fallbeispiel
Eine anonyme Quelle hat uns Bilder einer beschädigten Skylake-CPU und eines beschädigten Sockel 1151 zugespielt. Bild 1 zeigt das gekrümmte Substrat des Prozessors, Bild 2 den zugehörigen Sockel mit beschädigten Kontakten. Die Lage der Schäden auf der dem RAM zugewandten Seite, im rechten Winkel zur Querstrebe des verwendeten Kühlers, wurde mit hoher Sicherheit nicht durch Kippbewegungen des Kühlers um die Querstrebe verursacht, also nicht durch eine zu lockere Halterung. Ein zu hoher Anpressdruck oder ein Kippmoment parallel zur Querstrebe wären dagegen eine gute Erklärung. Ob in diesem Einzelfall die statische Belastung durch die Halterung oder die dynamische Belastung durch eine Erschütterung den Schaden verursacht hat, lässt sich anhand der Bilder aber nicht beurteilen.
Bildergalerie
Empfehlungen für Betroffene
Bis auf Weiteres rät PCGH davon ab, Skylake-PCs mit montierten, großen CPU-Kühlern zu transportieren. Besitzer von Scythe-Kühlern sollten die Service-Initiative nutzen und den neuen Schraubensatz anfordern. Wir sind gespannt, was andere Kühlerhersteller anbieten. Unseren eigenen Messungen mit einem Wasserkühler zufolge bleibt die positive Wirkung eines hohen Anpressdrucks übrigens fast vollständig erhalten, wenn die Verschraubung nach kurzer Zeit wieder gelockert wird (nachzulesen in PCGH 08/2014 oder im Wasserkühlungs-Sonderheft). Skylake-Nutzer, deren Kühler eine Einstellung des Anpressdrucks zulassen, können diese also nach erfolgter Verteilung der Wärmeleitpaste auf ein Minimum reduzieren.
Hi Freunde
Im Februar habe ich mir einen neuen Rechner zusammen gestellt, Motherboard Asrock z270 extrem 4 ein I7 7700k, und besagtem kühler. Mein erstes Intel system. Nun gab es ja viele negative Dinge bezüglich Intel , zu heiß , Software im Proci unsicher und nun das hier mit dem kühler.
Aufgrund des Artikels habe ich meinen Rechner zerlegt und überprüft , und ja mein i7 ist ein wenig gebogen , ich habe es mit einem Metal Winkel gemessen :/ , ich muss aber auch sagen das die Fassung in dem der Proci eingeklemmt wird schon ordentlich auf ihn drückt , und da die Platine wirklich dünn ist trägt das dazu bei.
Schade , für mich, hätte ich Mal ein wenig auf AMD gewartet aber na ja einmal tritt jeder ins Fettnäpfchen
PS die Leistung meines Systems
ist nätürlich gut, keine Frage
Hallo Torsten,
ich wollte nur mal nebenbei anmerken, dass ich es extrem angenehm finde, mit welcher Akribie Du Dich in das Thema einarbeitest und uns immer wieder neue und gute Informationen gibts, völlig kostenlos und neben Deiner Arbeit. Ich freue mich auf die nächsten Artikel von Dir in der PCGH, sie sind immer angenehm zu lesen und fachlich taugen sie zum Aufschlauen. Einfach mal Danke.
- Offtopic Ende -
Mir ist bislang nur ein anderer Fall eines verbogenen Skylake bekannt, an dem kein Mugen 4 beteiligt war. Mit dieser statistischen Grundlage kann ich das Risiko bei Einsatz eines Macho nicht abschätzen. Aufgrund der zweifelhaften Funktionsweise des Spacers (s.o.) würde ich persönlich (zusätzlich) das originale Nachrüstkit mit Unterlegscheiben nutzen. Damit sollte die Anpresskraft zwar immer noch deutlich über den Spezifikationen liegen, aber in der gleichen Größenordnung wie zahlreiche andere Kühler.
Fälle in denen nur ein einzelner Pin beschädigt wurde sind mir gar keine bekannt und mechanisch auch sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn man das Substrat der CPU knicken und nicht nur verbiegen würde, verteilt sich die Last auf mehrere hundert Pins. Typisch sind räumlich begrenzte Schäden aber für Montage- und Fertigungsfehler. Letztere hätte man aber vor Einbau dem Händler melden müssen; nachträglich kann man nur auf Kulanz hoffen. Ähnliches gilt vermutlich für Folgeschäden an CPU und Mainboard. Zwar hat man hier selbst keine Schuld, aber Händler, Kühler-, Mainboard- und CPU-Hersteller könnten diese ebenfalls dem jeweils anderen zuschieben. Wenn niemand freiwillig die Verantwortung übernimmt ist der Rechtsweg bei Hardware-Fehlern leider oft teurer als ein Neukauf.
Erfahrungswerte zu Langzeitschäden liegen mir keine vor. In den mir bekannten Fällen mit entsprechender Prüfung funktionierten die CPUs in neuen Mainboards vorerst einwandfrei, aber über den Zustand des Substratinneren ist nichts bekannt.
Hallo muss den Thread hier nochmal reaktivieren,
habe mir vor mehreren Tagen einen PC zusammen gestellt :
CPU: i5 Skylake und Kühler: Macho Rev B. Beim Zusammenbau habe ich festgestellt dass was nicht passt, habe daraufhin das MB untersucht und festgestellt, dass dieses verbogen ist, bzw einem leichten Knick hat und ein Pin im Sockel nach unten gebogen ist . Der Lüfter war mit Support Spacer montiert, die Schrauben bis zu festem Sitz (sobald Widerstand spürbar war noch eine halbe Umdrehung, wie es sein soll) angezogen, jedoch nicht bis zum Anschlag. Transportiert wurde das Gehäuse nicht, lediglich aus liegender Position aufrecht hingestellt und zurück.
War es dann vielleicht doch kein Schaden der schon bei Auslieferung vorhanden war und vom Kühler verursacht wurde?
Nun zwei Fragen :
Da ich den Kühler eh aus einem anderen Grund einschicken muss, soll ich auf den ekl Alpenföhn Brocken 2 wechseln, oder sonst einen mit geringerem Anpressdruck oder kann ich den Macho ruhig benutzen?
Zweitens, ich habe Angst dass auch die CPU beschädigt sein könnte. Habe diese zum Testen auch mit dem Board zurück geschickt mit der Bitte zur Überprüfung (kann es aufgrund des fehlenden Board nicht selbst machen, biso könnte es erst machen wenn das Board zurück wäre).
Nur es könnte ja auch durchaus sein, dass die CPU Schaden genommen hat der jetzt noch nicht technisch feststellbar ist, also alles einwandfrei funktioniert aber aufgrund einer verbiegung o.ä. In naher oder ferner Zukunft auch technische Schäden dann im Nachhinein auftreten, wie soll ich nun verfahren?
Kann ich solche Schäden, selbst feststellen, in dem ich zb auf Krümmung des pcb schaue oder muss ich um sicher zu gehen, die CPU zurück schicken bzw widerrufen und eine neue kaufen um auf Nummer sicher zu gehen, was würdet ihr tun?
Habe ich denn allgemein überhaupt irgendwelche Ansprüche wenn der zu hohe Anpressdruck des kühlers die CPU beschädigt? Also bei fachgerechter Nutzung / Installation?
Kauf ist weniger als 14 Tage her.
Gruß ShutUp
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