PCGH antwortet: Wie testet man eigentlich Wärmeleitpasten?

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PCGH antwortet: Wie testet man eigentlich Wärmeleitpasten?
Quelle: MEV

Tag für Tag erhält PCGH Anfragen, Vorschläge und Kritik von Lesern. Im PCGHX-Forum beantworten die Redakteure nicht nur Fragen zum Heft und zu konkreten Hardware-Fakten, sondern äußern auch fachlich fundierte Einschätzungen zu Hintergründen und künftigen Entwicklungen.

Seit April gibt es unter der Marke PCGH Gear eine Wärmeleitpaste namens Carbonite Ultra (Werbung: PCGH Gear Carbonite Ultra: Die neue Hochleistungs-Wärmeleitpaste vorgestellt). Aktuell organisieren wir einige User-Tests im Forum, in diesem Zuge kam die Frage auf, wie man eigentlich am besten Wärmeleitpaste testet.

Mottekus (unter anderem), per Frage im Extreme-Forum:

"Was teste ich wie am besten? Gibt es Tipps, Anleitungen etc.?"

Die Antwort von Torsten Vogel (Fachgebiet Kühlung):

"Als Teil des Redaktions-Teams halte ich neutralen Abstand, aber für Wärmeleitpastentests braucht man vier Dinge
1. Eine reproduzierbare Wärmequelle. Ich persönlich bevorzuge bei CPUs Prime 95 mit auf 8K festgenagelten in-place-FFTs und sehr hoher Laufzeit. (Für alte Architekturen kann man auch Core Damage nehmen) Bei einem 7800X3D dürfte es sich zusätzlich anbieten, die PPT im UEFI leicht herabzusetzten, damit er tatsächlich ins Power-Limit läuft - dann ist die Heizleistung konstanter als einfach nur mit gleicher Rechenlast.
2. Ein reproduzierbare Wärmeabfuhr. Am besten ist ein Wasserkühler mit Wassertemperatursensor im Zu- und Ablauf und nach Wassertemperatur geregelten Lüftern auf dem Radiator, aber mit einem Luftkühler mit fixierter Drehzahl und fixiertem Lufttemperatursensor in dessen Ansaugbereich kann man auch schon sehr viel machen. Auswerten tut man am Ende auf alle Fälle nur die Temperaturdifferenz zwischen Kühlluft (bzw. Wasser) und CPU, um einigermaßen unabhängig von der Raumtemperatur zu sein.
3. Reproduzierbare Montagebedingungen. Das ist der schwierigste Part - ein Kühler mit durch Anschlag vorgegebenen Anpressdruck ist praktisch Pflicht, zusätzlich muss man sich eine Möglichkeit einfallen lassen, die Paste möglichst reproduzierbar aufzubringen. Ich persönlich mache einen Streifen quer rüber, der dann auf die volle Breite des Heatspreaders breit gespachtelt wird. (Wenn man von einer Seite schlechter an die CPU rankommt, weil z.B. Kühler im Weg sind: Zu der Seite versetzt auftragen und erst in diese Richtung verteilen. Solange man noch viel Material auf einem Haufen hat, geht das leichter. Flachstreichen kann man dann in die Richtung, aus der man besser rankommt.) Hauptgrund für den flächigen Auftrag ist dabei die bessere Mengenabschätzung. Bei einem runden Klecks in der Mitte, also was kugelähnlichem, muss man drei Dimensionen abschätzen und Menschen sind bei Volumina chronisch schlechte Schätzer. Durch die Verteilung über die vorgegebene Fläche des Heatspreaders bleibt nur noch die Schichtdicke als eindimensionale Variable, die hat man besser im Blick.
4. Zeit und Bereitschaft für Replikationen. Trotz allem wird die Kühlleistung von Auftragung/Montage zu Auftragung/Montage zufällig schwanken. Erfahrene Tester kommen mit vier Messwiederholungen je Produkt aus, Anfänger sollten vielleicht lieber deren acht einplanen. Bei jedem Wechsel muss man gründlich sauber machen und möglichst alle Kandidaten durchrotieren (also A-B-A-B-A-B-A-B nicht A-A-A-A-B-B-B-B), sodass sich keine langsame Veränderung der Messbedingungen einseitig auswirken kann.

Wer es auf die Spitze treiben will, testet auch noch verschieden Auftragemengen und Kühler aus. Je nach Passgenauigkeit von Kühlerboden und IHS gibt es nämlich Unterschiede, welche Menge optimal ist und auch die Rangfolge von Pasten mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit und Verteilbarkeit kann schwanken. Das wird aber sehr schnell sehr arbeitsintensiv: 2 Pasten * 2 Kühler * 2 Schichtdicken * je 4 Replikationen sind schon 32 Messungen. Mit 8 Replikaten, neben "dünn" und "normal" noch "extra dünn" und "dick" sowie einer zweiten CPU für vier CPU-Kühler-Kombinationen und drei Vergleichspasten wäre man bei 256 Messungen und der leidende Redakteur sagt "soviel Arbeitszeit steht nicht zur Verfügung"."

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