LS22 als Kantenglättungs-Wunder: Praxistest und Vergleich mit FSR, TAA, MSAA, DLSS sowie DLAA
Den beliebten Landwirtschafts-Simulator, aktuell ist der LS22, haben wir bei unseren Technik-Tests bisher sträflich vernachlässigt. Dabei ist die entspannende virtuelle Landarbeit auch technisch interessant und es steht eine Armada von Pixelaufbereitern bereit: Downsampling, MSAA, TAA sowie Upsampling in Form von FSR 1.0, FSR 2.0 und DLSS. Kommen Sie mit ins Eldorado des Anti-Aliasings!
In diesem Artikel
Fallen wir direkt mit den spannenden Technik-Fakten ins Haus: Der Landwirtschafts-Simulator 22 hat vor einigen Wochen als eines der ersten Spiele Support für FSR 2.0 erhalten und ist auch darüber hinaus ein Fest für alle, die sich selbst ein Bild von der Funktionsweise diverser Anti-Aliasing-Modi verschaffen möchten. Da wären AMDs Upscaling-Modi FSR 2.0 und FSR 1.0 zu nennen, oder Nvidias DLSS inklusive des selten anzutreffenden "Deep Learning Uber Sampling" namens DLAA. Obendrein bietet der Landwirtschafts-Simulator 22 eine eigene temporale Kantenglättung, altehrwürdiges Multisample-Anti-Aliasing und verfügt darüber hinaus über eine Auflösungsskalierung, mit der Sie Supersampling betreiben oder das Bild nochmals hochskalieren lassen können. Selbstverständlich lassen sich die TAA-Modi außerdem stufenweise nachschärfen. Zur Pixelkultivierung stehen also eine Vielzahl Werkzeuge zur Verfügung - Zeit für den Anti-Aliasing-Megatest.
Landwirtschafts-Simulator 22: Technik
Der LS22 wurde vom europäischen Entwickler und Publisher Giants Software kreiert. Die unter anderem in Zürich und Erlangen ansässige Firma nutzt den hauseigenen Grafikmotor Giants Engine 9, welcher für den Landwirtschafts-Simulator 22 ein großes technisches Update erhalten hat. Der Landwirtschafts-Simulator 22 setzt nun etwa auf DirectX 12 statt OpenGL und DirectX 11, bietet eine neue temporale Kantenglättung, eine verbesserte Schattendarstellung und Parallax Occlusion Mapping, um feine plastische Details abzubilden. Das Parallax Mapping dient für die dynamischen Reifenspuren und Furchen, die Sie in Ihre Felder ziehen können. Für gröberes Gestein und einige andere Elemente nutzt der LWS 22 obendrein Tessellation. In unserem Klickvergleich ist der Grund etwa mit Parallax Occlusion Mapping veredelt, der Streifen um die Scheune nutzt Tessellation respektive Displacement-Mapping.
Quelle: Giants Games
Landwirtschafts-Simulator 22 - Parallax Occlusion Mapping
Des Weiteren hat die Engine einige Optimierungen erhalten, darunter Texture Streaming und Occlusion Culling. Durch Ersteres sind größere und detailliertere Umgebungen sowie komplexere und hochauflösendere Pixeltapeten möglich, da die Engine die benötigten Daten nun nicht im Speicher vorhalten muss, sondern diese zur Laufzeit in passender Qualität herein streamen kann. Das Occlusion Culling verhindert, dass von der Levelumgebung und Objekten verdeckte Geometrie gerendert werden muss.
Die Grafik des Landwirtschafts-Simulator 22 kann mit einer Vielzahl Optionen im Grafikmenü den individuellen Wünschen und Performance-Zielen angepasst werden, es gibt viele Einzeloptionen, etwa für verschiedene Arten von Schatten. Obendrein steht eine Reihe von Reglern zur Verfügung, die Sie zumeist von 50 bis 200 Prozent anpassen können, um etwa Sichtweite für Objekte und Vegetation, die Anzahl Reifenspuren oder das Level-of-Detail der Terraindarstellung zu steuern. Sie können obendrein die Anzahl Schatten werfender Lichtquellen und der dynamischen Spiegel festlegen, die in der Innenansicht der Fahrzeuge angezeigt werden.
Quelle: PC Games Hardware
Die Fahrzeugspiegel in der Ego-Ansicht werden mittels Planar Reflections dargestellt
Grafisch hat der Landwirtschafts-Simulator 22 durchaus einiges zu bieten, aber natürlich sollten Sie kein spektakuläres Effektfeuerwerk erwarten. Technisch kommen eine ganze Reihe fortschrittlicher Werkzeuge zum Einsatz, die sich oftmals eher in Großproduktionen oder etwa Spielen mit der Unreal-Engine finden. Neben der Vielzahl an Kantenglättungs- und Upsampling-Verfahren nutzt das Spiel auch einige andere interessante Rendertechniken, darunter etwa eine dynamische, volumetrische Wolkendarstellung, die mit dem Wettersystem interagiert und etwa Regen mit zunehmender Düsternis ankündigt. Die Vegetation ist ebenfalls ansehnlich gestaltet und mit einem netten Physiksystem ausgestattet. Fenster von Häusern nutzen anhand 3D-Modellen vorberechnete Cube Maps und projizieren deren Inhalte in Relation mit der Kamera so auf die Scheiben, dass ein dreidimensionaler Eindruck entsteht (zur Verdeutlichung, hier ein technisch ähnliches Beispiel, das mit der Unreal-Engine umgesetzt wurde).
Quelle: PC Games Hardware
Die Scheiben der Häuser nutzen vorberechnete Cube Maps, um abhängig von der Kamera-Position Innenräume hinter den Scheiben zu simulieren.
Der Landwirtschafts-Simulator 22 bietet obendrein wechselnde Jahreszeiten und sogar dynamischen Schnee. Umgebung und Vegetation ändern sich während eines Jahreswechsels, es gibt unterschiedliche Witterungsumstände von klarem, blauem Himmel über Regenschauer und Hagel bis zu Schneegestöber. Um die unterschiedlichen Witterungen, Tages- und Jahreszeiten glaubhaft abbilden zu können, nutzt der Landwirtschafts-Simulator 22 Physically Based Rendering, die Globale Beleuchtung wird offenbar mittels Environment Maps respektive Cube Maps und Image Based Lighting appliziert - Umgebung und Objekte lassen also eine gewisse, stark simplifizierte Licht- und Farbübertragung erkennen.
Quelle: PC Games Hardware
Auch Seen und Flüsse werden von Planar Reflections veredelt. Für diese werden Teile der Umgebung nochmals aus Perspektive der spiegelnden Fläche berechnet, darauf auf eine Textur gerendert und diese anschließend auf die reflektierende Fläche gelegt. Das LoD ist abgespeckt, die Häuser des Dörfchens im Hintergrund sind etwa nicht in der Spiegelung enthalten.
Statt Screen-Space-Reflections (SSR) nutzt der Landwirtschafts-Simulator für Spiegel und Wasseroberflächen Planar Reflections. Diese rendern Teile der Umgebung erneut, und projizieren diese auf eine Textur, die wiederum auf die spiegelnde Fläche gelegt wird. Eine etwas andere Variante kommt für die Rückspiegel der Fahrzeuge zum Einsatz, wenn Sie in die Ego-Perspektive schalten. Diese fallen ebenfalls simplifiziert aus und verfügen etwa über ein deutlich schärferes LoD. In der Außenperspektive wird in den Spiegeln eine Cube-Map-Reflection angezeigt.


MfG
Raff