Der Breitbandausbau ist ein Mammut-Thema, oder doch nicht? - Ein Kommentar von Tom Loske
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Zum Abschluss dieser Woche äußert sich Tom Loske über den schwierigen Breitbandausbau in Deutschland.
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Zum Abschluss dieser Woche äußert sich Tom Loske über den schwierigen Breitbandausbau in Deutschland.
Mit schöner Regelmäßigkeit kommt die Debatte über die Qualität der Telekommunikationsmittel in Deutschland immer wieder hoch. Aktuell geht es beispielsweise um den Breitbandausbau im gesamten Bundesgebiet, der es bis zum Jahr 2018 selbst in ländlichen Gebieten ermöglichen soll mit Geschwindigkeiten um die 50 Mbit/s zu surfen. Vielen Dank hier an die Initiative der Bundesnetzagentur. Ob das ganze klappen wird steht allerdings in den Sternen, schließlich kostet der Ausbau der Netze viel Geld, eine Ressource, welche die Netzbetreiber nur ungerne investieren, insbesondere wenn es um den Anschluss kleiner potentieller Kundenzahlen geht. Und auch die Aussicht auf Subventionen seitens der Bundesrepublik und der Gemeinden schafft hier nur geringe Anreize. Wie lange es also wirklich dauert, bis wir hierzulande wirklich von flächendeckender Breitbandverfügbarkeit sprechen können kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner abschätzen.
Im Mobilfunksektor sieht es wenig besser aus. Zwar ist 3G-Empfang in den Großstädten stets verfügbar, angesichts der steigenden Nutzerzahl aber steht es häufig nicht allzu gut um die tatsächlich erreichbare Datenrate. Hier wäre ein weiterer Ausbau der Netzkapazitäten nötig. Und obwohl sich die Situation verbessert hat, finden sich auf dem Lande häufig Versorgungslücken bei der 3G-Verfügbarkeit. Ich persönlich wohne beispielsweise im Nürnberger Süden, und trotz D-Netz kann ich mich nicht auf ein durchgehendes UMTS- oder HSDPA-Signal verlassen, im Gegenteil: Allzu häufig zeigt mir mein iPhone nur ein schnödes "E" für Edge an. Halb so wild zu Hause kann ich schließlich auf W-LAN ausweichen. Dennoch möchte ich hier gerne David Pogue von der New York Times zitieren der treffend formulierte: "Surfen mit Wifi-Verbindung ist schnell und zufriedenstellend, ausweichen auf Edge quälend langsam und vergällt den Spaß am mobilen Internet." Und ja ich weiß, ich jammere hier auf extrem hohem Niveau und sollte mir vielleicht besser Gedanken darum machen, dass unsere Wasserversorgung immer stärker privatisiert wird. Aber ich möchte hier nicht politisieren, sondern vor Allem unterhalten.
Warum schwadroniere ich aber knapp 2.000 Zeichen lang über eine doch allgemein bekannte Situation? Weil ich im Urlaub feststellen durfte, dass es auch anders geht, einfacher, unbürokratischer und noch dazu günstiger. Im Schwellenland Malaysia etwa durfte ich feststellen, dass ich selbst auf einer winzigen Insel, kleiner als ein Quadratkilometer, die noch dazu eine Stunde Fahrtzeit mit dem Speedboat vor der nächsten Küste liegt, problemlosen 3G-Empfang hatte. Gekostet hat mich die dortige SIM-Karte übrigens umgerechnet drei Euro, inklusive unbegrenztem Datenvolumen und Telefonminuten. Einige Tage später in der Millionenstadt Kuala Lumpur war ich ähnlich positiv überrascht: Überlastetes Datennetz? Keine Spur. Wer spekuliert, dass dies an der geringeren Verbreitung von Smartphones liegt täuscht sich. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens im Entwicklungsland Vietnam: Das Mobilfunknetz ist extrem gut ausgebaut, gleiches gilt für den kabelgebundenen Breitbandausbau. Selbst in ländlichen Gegenden steht DSL zur Verfügung, an vielen Stellen gibt es sogar bereits "Fiber to the home".
So schwierig scheint es also nicht zu sein ein belastbare und flächendeckend verfügbare Telekommunikationsnetze zur Verfügung zu stellen wie Telekom und Co. es uns gerne darstellen. Flächenmäßig sind beide genannten Länder übrigens durchaus mit Deutschland vergleichbar und Bevölkerungstechnisch gesehen hat Vietnam uns bereits überholt. Es scheint so als wäre der Investitionswille der Unternehmen in Südostasien einfach höher als bei uns.
Redaktions-Kolumne
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

Dort ist ein Breitbandanschluß ein Grundrecht der Bürger, es müssen aktuell noch mindesten 1MBit geliefert werden, ab 2015 sollen es aber 100MBit sein und der Ausbau geht deswegen vorran.
Finnland hat nur 5,4 Millionen Einwohner, die Bevölkerungsdichte bei weniger als einem sechszehntel gegenüber DE.
Dies ist mehr als eine Machbarkeitsstudie, es geht flächenddeckend und so wie es aussieht für die finnischen Telekommunikationsunternehmen auch kostendeckend.
Da rechnet sich das auch irgendwie und zeigt, das es geht.
Also wer oder was ist jetzt dämlich?
Das von Dir zitierte Projekt ist meiner Meinung nach nicht mehr als eine Machbarkeitsstudie und sicherlich auch eine ziemlich gute Werbung für das Unternehmen. Die 1,4 Millionen Euro Aufwendung die sie hatten (lt. Heise), hätten wahrscheinlich nicht besser angelegt sein können.
Selbiges kannst Du als Unternehmen auch in Deutschland tun und eine Kleinstadt oder ein Dorf an Glasfaser anbinden und Dich dann in den Medien dafür feiern lassen (Vergleichbar damals: "T-City"). Daraus aber dann abzuleiten, dass so etwas dann flächen- und vor allem kostendeckend auch in DE oder auch in einem anderen Land wie Norwegen möglich ist, nur weil die Norweger das in einem Dorf mit günstigen Bedingungen vorgemacht haben (Zitat: "In nur wenigen Fällen lägen die Häuser so weit von Hauptglasfaserkabel entfernt, dass man sich darüber Gedanken machen sollte, ob das Vorhaben wirtschaftlich ist."), halte ich für falsch. Vielleicht hatten die einfach Glück, dass das "Hauptglasfaserkabel" zum nächsten Knotenpunkt direkt am Dorfrand vorbei führt. Was wäre gewesen wenn es 80km entfernt verlegt worden wäre?
Ich hätte gedacht, dass man das nicht weiter begründen muss, da es offensichtlich ist, dass man ein Projekt dieser Größenordnung nicht mit dem Glasfaserausbau für ein ganzen Land gleichsetzen kann. Letztendlich schreibt das Unternehmen selbst, dass es sich um einen "Testfall" handelt. Und so ein Test kann natürlich auch negativ verlaufen. Allerdings muss man ihnen zugute halten, dass sie wenigstens einen solchen Test wagen.
Netzausbau? Kostet ja Geld, und selbst wenn, niemand will sich den Schuh anziehen.