Starlink Gen 3: 100.000 Satelliten beantragt - die Technik ist spannend, der Austauschzyklus das Problem
SpaceX beantragt bis zu 100.000 Starlink-Gen-3-Satelliten. Mehr Kapazität und neue Frequenzen klingen stark - doch Ausfälle, Ersatz und Wiedereintritte machen den Austauschzyklus zum Kernproblem.
SpaceX plant offenbar den nächsten massiven Ausbauschritt für Starlink: Ein neuer FCC-Antrag mit dem Aktenzeichen SAT-LOA-20260630-00264 soll die Genehmigung für bis zu 100.000 Gen-3-Satelliten umfassen. Laut Berichten geht es um eine neue Starlink-Generation in sehr niedrigen Erdumlaufbahnen, unter anderem bei rund 323 bis 327,5 Kilometern sowie 473 bis 477,5 Kilometern Höhe. Ein Antrag ist allerdings noch keine Genehmigung. Die US-Regulierungsbehörde FCC müsste Frequenznutzung, Kollisionsrisiken, technische Angaben und öffentliches Interesse prüfen. Die Anzahl an Kleinstsatelliten bleibt jedoch bemerkenswert, da die Konstellation aktuell aus etwas über 10.000 aktiven Satelliten besteht und schon jetzt eine Umweltdebatte geführt wird.
Für technikinteressierte PCGH-Leser ist der Fall doppelt spannend: Gen 3 verspricht mehr Kapazität, neue Funktechnik und perspektivisch schnelleres Satelliteninternet. Gleichzeitig wächst mit jeder neuen Starlink-Generation der Austauschzyklus im Orbit. Wie groß dieser Kreislauf bereits heute ist, zeigt ein aktueller PCGH-Bericht: SpaceX ließ zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 insgesamt 260 Starlink-Satelliten kontrolliert in der Atmosphäre verglühen; weitere 349 Geräte waren außer Betrieb und sollen ebenfalls entsorgt werden.
Mehr Bandbreite, mehr Hardware im Orbit
Der technische Reiz von Starlink Gen 3 liegt nicht allein in der Zahl. Die neue Generation soll laut Berichten auf fortgeschrittenes Phased-Array-Beamforming, elektronische Strahlschwenkung, optische Inter-Satellite-Links und dynamische Leistungssteuerung setzen. SpaceX will demnach bestehende Ku-, Ka-, V- und E-Bänder um neue W- und D-Band-Frequenzen zwischen 92 und 275 GHz ergänzen. Das Ziel ist klar: Starlink soll mehr Datenverkehr aufnehmen, Funkzellen entlasten und langfristig als globale Netzinfrastruktur dienen.
Die neuen Frequenzen sind der spannendste, aber auch heikelste Teil von Starlink Gen 3. W- und D-Band zwischen 92 und 275 GHz liefern SpaceX potenziell enorme zusätzliche Bandbreite, weil dort viel mehr Spektrum verfügbar ist als in klassischen Ku- und Ka-Bereichen. Gleichzeitig sind diese Millimeterwellen deutlich empfindlicher: Regen, Wolkenwasser, Wasserdampf und Sauerstoff können die Verbindung stärker dämpfen, weshalb solche Frequenzen präzise Antennen, hohe Link-Reserven und clevere Ausweichstrategien benötigen.
Die FCC behandelt das W-Band zudem noch als Regulierungsbaustelle für künftige Satellitendienste; SpaceX müsste also nicht nur Hardware bauen, sondern auch Koexistenz mit anderen Funkdiensten nachweisen.
Für Nutzer wäre entscheidend, ob daraus niedrigere Latenzen, höhere Kapazität pro Funkzelle und stabilere Verbindungen entstehen. Berichtet werden für Gen 3 unter anderem bis zu 1 Tbit/s Downlink-Kapazität pro Satellit, 160 bis 200 Gbit/s Uplink und rund 4 Tbit/s kombinierte RF- und Laser-Backhaul-Kapazität. Diese Leistungswerte stammen aus der Berichterstattung zum FCC-Filing und nicht aus einer von PCGH unabhängig validierten Praxisangabe. Sie sollten daher vorsichtig behandelt werden: Schon die theoretische Mehrleistung von Gen 2 kam nicht eins zu eins beim Endnutzer an.
Außerdem dürften Stand heute bestehende Starlink-Terminals die volle Gen-3-Leistung nicht automatisch ausnutzen, wenn neue Frequenzbereiche und Beamforming-Funktionen neue Hardware erfordern. Mehr Gen-3-Spektrum heißt nicht automatisch, dass die vorhandene Schüssel schneller wird. Wahrscheinlicher ist, dass W-/D-Band zunächst für Gateway-, Backhaul- oder Spezialverbindungen genutzt wird. Sollte SpaceX diese Bereiche bis zum Endkunden bringen, wären neue Terminals praktisch Pflicht.
Die Umweltfrage wächst mit der Konstellation
Starlink-Satelliten sind keine jahrzehntelang genutzte Infrastruktur, sondern kurzlebige Komponenten einer Megakonstellation. Im letzten PCGH-Bericht unterstreichen wir die im Schnitt rund fünf Jahre Lebensdauer; danach werden die Satelliten per Deorbit entsorgt und verglühen größtenteils in der Atmosphäre. Kontrollierte Wiedereintritte reduzieren das Risiko von Weltraumschrott, werfen aber Fragen zu Rückständen, chemischen Reaktionen und möglichen Langzeitfolgen in der oberen Atmosphäre auf.
Genau hier wird der 100.000er-Antrag politisch und wissenschaftlich relevant. Je größer die Konstellation, desto größer wird auch die Zahl regelmäßiger Starts, Ausmusterungen und Wiedereintritte. Hinzu kommt die Masse: Alte Starlink-Satelliten wiegen rund 260 bis 295 Kilogramm, neuere Modelle sogar zwischen 800 und 1.250 Kilogramm. Für Gen 3 kursieren noch höhere Werte. Damit geht es nicht nur um schnelles Internet, sondern um die Frage, wie ein permanenter Massenbetrieb im niedrigen Erdorbit reguliert werden soll, denn dort tummelt sich nicht nur SpaceX, sondern auch andere Marktteilnehmer.
Eine Besonderheit kommt hinzu: Der Ausbau hängt außerdem an Starship. Sollten die Gen-3-Satelliten deutlich schwerer ausfallen als ältere Starlink-Generationen, wäre die Massenbereitstellung eng mit SpaceX' Schwerlastrakete verknüpft. Ohne hohe Startkadenz bleibt auch eine 100.000er-Konstellation vorerst Theorie, da eine Falcon 9 nur 20 bis 60 Satelliten der Gen 2 in den Orbit bringen kann. Mit erfolgreichem Starship-Hochlauf würde dagegen nicht nur die Netzkapazität steigen, sondern auch der Materialdurchsatz im Orbit.
Während die Falcon 9 mit Kerosin (RP-1) und flüssigem Sauerstoff (LOX) betrieben wird, sind es bei Starship verflüssigtes Methan und flüssiger Sauerstoff. Methan verbrennt rußfreier als Kerosin und ließe sich auf dem Mars theoretisch über das sogenannte Sabatier-Verfahren gewinnen, was der Hauptgrund für diesen Treibstoffmix ist.
Unterm Strich ist Starlink Gen 3 deshalb mehr als ein größeres Satelliteninternet. SpaceX arbeitet an einer Infrastruktur, die Bandbreite, Mobilfunk, Backhaul und möglicherweise künftige Datenanwendungen aus dem Orbit verbinden soll. Der Nutzen für Nutzer wird sich an realen Tarifen, Terminals, Latenzen und Kapazität zeigen. In manchen Bereichen ist Starlink heute schon ein wichtiger Infrastrukturbaustein - in militärischen Anwendungen, auf Schiffen und in Flugzeugen. Die offene Frage für Behörden und Forschung lautet dagegen: Wie bewertet man ein System, bei dem Tausende Satelliten regelmäßig starten, arbeiten und wieder in der Atmosphäre enden? Und das mehrfach, denn Starlink steht im Wettbewerb mit Kuiper, IRIS² und nationalen Systemen wie etwa dem aus China. Starlink fällt als Name einfach häufiger, weil SpaceX beim Ausbau sehr viel weiter ist.
Industrieller Massenaustausch auch ein Logistikproblem
Von bislang rund 11.600 gestarteten Starlink-Satelliten wurden nach Analysen bereits etwa 1.500 aus dem Betrieb genommen und kontrolliert entsorgt oder befinden sich auf dem Weg dorthin. Entscheidend ist dabei nicht nur das reguläre Lebensende nach einigen Jahren, sondern auch der Ersatz ausgefallener oder vorzeitig ausgemusterter Einheiten. Diese Mengen muss SpaceX kompensieren, bevor die Konstellation netto weiter wächst. Skaliert man das auf eine Flotte von 100.000 Satelliten, hat man schnell reges Treiben an der Startrampe.
Ein generelles Problem dabei: Anfang 2026 wurde die Umlaufbahn für Teile der Konstellation von ca. 550 km auf ca. 480 km reduziert. So wird das Kollisionsrisiko reduziert und Satelliten können einfacher in der Atmosphäre entsorgt werden. Dieses Bahnmanöver kostet Treibstoff, der am Ende zur Positionierung fehlt, und je näher die Satelliten an der Erde operieren, desto mehr muss verlorengegangene Höhe regelmäßig gutgemacht werden. Der niedrige Orbit trägt also ebenfalls negativ zur hohen Austauschrate bei.
Laut FAA gab es zudem 2025 acht Beinahezusammenstöße mit Starlink-Satelliten - bei einer Flotte von etwas über 10.000 aktiven Einheiten. Nun sucht SpaceX die Genehmigung für 100.000 Satelliten. Bisher gab es keine fatalen Zusammenstöße, aber das Risiko steigt und damit das sogenannte Kessler-Syndrom, bei dem eine Wolke aus kleinsten Trümmern in einem Orbit verteilt wird, die weitere Satelliten gefährdet.
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Quellen: FCC, S.E. Robinson, Jr. auf X, Space, Wikipedia, FAA

2. Ist der Orbit nicht bereits voller Müll?
3. Was ist, wenn andere Anbieter ebenfalls 100.000 Satelliten hochschicken wollen? Werden die von Elon dann abgeschossen? Wer hat die Hoheit über den Orbit?