Firefox vs. Edge: Studie sieht Browser-Zwang in Windows 11
Mozilla wirft Microsoft vor, die freie Browser-Wahl unter Windows 10 und Windows 11 weiterhin gezielt zu untergraben. Wer in der EU sitzt, ist laut der Studie "Over the Edge 2.0" besser dran als Nutzer in den USA, Indien und Großbritannien.
Mozilla hat zwei Jahre nach dem ersten Bericht eine Neuauflage seiner Untersuchung zur freien Browser-Wahl unter Windows vorgelegt. Die beiden Forscher Harry Brignull und Cennydd Bowles haben für die Foundation erneut sämtliche Wege nachgestellt, welche Anwender beim Download, beim Festlegen als Standard und auch beim späteren Behalten eines alternativen Browsers durchlaufen.
Untersucht wurden vier Regionen: die USA, Großbritannien, Indien und Deutschland, letzteres stellvertretend für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum ("EWR"). Für ein aktuelles Windows 11 fällt das Ergebnis dabei ebenso aus wie für das auslaufende Windows 10. Mozilla selbst steht bei der eigenen Anhängerschaft gegenwärtig wegen einer verstärkten KI-Integration in Firefox in der Kritik, tritt hierbei indes lediglich als Auftraggeber und nicht etwa als Autor auf. Das sagt Over the Edge 2.0 im Detail.
Sechs schädliche Muster von Trick Wording bis Forced Action
Die Forscher dokumentieren sechs Kategorien manipulativer Gestaltungsmuster in Windows, Edge, Bing und Copilot: Trick Wording, Obstruction, Visual Interference, Preselection, Nagging und Forced Action. Diese greifen nach Darstellung des ausführlichen Berichts bei nahezu jedem Schritt der Nutzererfahrung.
Das Fazit fällt entsprechend deutlich aus: In keiner der vier untersuchten Regionen bleibt ein alternativer Browser ohne störende Eingriffe von der Installation bis zum dauerhaften Einsatz gesetzt. Bereits der erste Bericht vom Januar 2024 kam zu vergleichbaren Ergebnissen und einem ähnlichen Schluss.
Windows Backup setzt den Standardbrowser still auf Edge zurück
Der Umzug von Windows 10 auf Windows 11 per Windows Backup überträgt einen alternativen Standardbrowser nicht, sondern trägt stattdessen Edge ein. Die Forscher haben dafür ein Windows-10-System mit installiertem und als Standard gesetztem Fremdbrowser gesichert und auf einem Windows-11-Gerät wiederhergestellt.
Der Browser tauchte auf dem Zielsystem nicht auf, Edge war lautlos gesetzt. Brisant ist der Befund wegen seines Zeitpunkts: Seit dem Support-Ende von Windows 10 im Oktober 2025 laufen über eine Milliarde PCs mit Windows 11, und ein großer Teil davon hat den Umzug hinter sich. Hier wurde Edge heimlich zurückgebracht.
Copilot übergeht den Standardbrowser und öffnet Links in Edge
Microsofts KI-Assistent Copilot ignoriert den eingestellten Standardbrowser und öffnet angeklickte Links in Edge. Die Autoren der Studie gehen einen Schritt weiter und beschreiben eine Kette kleiner Einwilligungsabfragen in Windows und Edge, die sich zu einer Pipeline von Daten in den Werbe- und Personalisierungssystemen zusammensetzen könne, einschließlich Daten aus alternativen Browsern.
Dass die Copilot-App ohnehin eine eigene, private Installation von Microsoft Edge mitbringt, passt dabei ins Bild. Wer darauf verzichten möchte, kann die KI-Funktionen in Windows 11 auch ohne Zusatztools abschalten.
DMA wirkt, aber nur bis zur EU-Außengrenze
Innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums hat das US-Unternehmen mehrere der 2024 dokumentierten Muster fallen gelassen, darunter irreführende Hinweise in Bing und Windows 10. Die Datenschalter für Copilot stehen im EWR und in Großbritannien standardmäßig auf "aus", in den USA und Indien hingegen auf "an".
Die Forscher führen das nicht auf einen Sinneswandel zurück, sondern auf den Digital Markets Act. Microsoft kann eine faire Browser-Wahl technisch also liefern und tut es dort, wo ein Gesetz es verlangt. Mehrere Muster überdauern allerdings auch im EWR.
Browser Choice Alliance erhöht den Druck auf Microsoft
Die Browser Choice Alliance hat Microsoft-Chef Satya Nadella bereits am 3. Juni 2026 einen offenen Brief unter dem Titel "Enough is Enough" geschickt und darin sieben Forderungen gestellt. Dazu zählen der Verzicht auf Windows-Updates, welche Nutzer zurück zu Edge führen, eine Rückkehr zur Browser-Auswahl mittels Klick sowie eine Möglichkeit für Konkurrenten, sich um Vorinstallationen bei OEMs zu bewerben.
Der Browser Choice Alliance gehören unter anderem Opera, Vivaldi, Midori, Wavebox und BrowserWorks an. Prominentestes Mitglied ist ausgerechnet Google, dessen Chrome den Browser-Markt seit Jahren dominiert.
Marktanteile: Edge kommt trotz aller Eingriffe kaum voran
Microsoft Edge erreicht laut Statcounter im Juni 2026 weltweit 5,21 Prozent Marktanteil, während Google Chrome auf 69,65 Prozent kommt. Firefox liegt bei 3,33 Prozent und damit hinter Safari mit 15,31 Prozent. Der Aufwand, den Microsoft nach Darstellung der Studie betreibt, zahlt sich in der Statistik bislang nicht aus.
Umgekehrt lässt sich der seit Jahren anhaltende Niedergang von Firefox schwerlich allein mit Windows und einem möglichen Browser-Zwang erklären, denn Millionen Anwender haben den Weg zu Chrome trotz aller Hürden gefunden.
Deutschland: Firefox liegt hier vor Edge
In Deutschland kommt Firefox laut Statcounter im Mai 2026 auf 10,16 Prozent Marktanteil und liegt damit vor Microsoft Edge mit 8,23 Prozent. Chrome führt auch hierzulande mit 51,23 Prozent, Safari folgt mit 19,4 Prozent. Der deutsche Markt war in dieser Studie stellvertretend für den EWR vertreten, weshalb die hier geltenden DMA-Regeln direkt in die Bewertung eingeflossen sind.
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Quelle: Mozilla
