Kathy Rain 2: Soothsayer im Test - Retro-Abenteuer für Erwachsene
Kathy Rain 2: Soothsayer führt das Point-and-Click-Genre mit erzählerischer Tiefe, stilsicherem Retro-Charme und cleverem Rätseldesign in die Moderne. Warum sich das düstere Detektiv-Abenteuer für Genre-Fans ebenso lohnt wie für Einsteiger, verrät unser Test.
In diesem Artikel
Ich habe das Gefühl, wann immer man über Point-and-Click-Adventures spricht, kommt man um eine gewisse Nostalgie nicht herum. Immerhin war deren goldene Zeit in den 90er-Jahren und ist damit schon ein Weilchen her. Zwar gab es noch Studios wie Telltale Games, das sich durch bekannte Universen wie Walking Dead, Game of Thrones, Batman oder Minecraft gearbeitet hatte, und auch Spiele wie Heavy Rain oder Until Dawn, die eher als interaktiver Film zu sehen sind, liegen nicht weit weg von den Gameplay-Wurzeln eines Point-and-Click-Adventures. Im Großen und Ganzen ist das Genre heute aber im Indie-Bereich zu Hause, wo es meiner Ansicht nach gut aufgehoben ist. So kann Clifftop Games in seinem neuen Thriller, Kathy Rain 2: Soothsayer, nämlich auch sensible Themen wie Drogensucht und Suizid verbauen, ohne sich von einem Mainstream-Korsett einengen lassen zu müssen. Doch wie gut ist die Fortsetzung des 2016er-Abenteuers denn jetzt geworden?
Ein Detektiv-Thriller, wie er im Buche steht
Diesen hatte ich seinerzeit leider versäumt, weswegen ich mich über die kurze, von Kathy-Sprecherin Arielle Siegel eingesprochene Handlungszusammenfassung vor Spielbeginn gefreut habe. Während es damals noch mit Kathys Großvater begann, hat sie sich mittlerweile eine eigene Detektei aufgebaut, die allerdings nicht allzu gut zu laufen scheint. Ihre Freundin Eileen, die zeitweise auch ihre Partnerin war, hat die lasterhafte Schnüfflerin wohl entlassen. Und auch von ihrem einstigen Mentor und Klischee-Detektiv Lucas hat sie sich losgesagt. Die Karriere als Selbstständige scheint aber zu stagnieren, weswegen Kathy sich nun der gefährlichen, aber lukrativen Aufgabe annimmt, den sogenannten Soothsayer zu fassen. Dieser Serienkiller hat kürzlich seinen fünften Mord begangen und versetzt die Großstadt Kassidy damit in zunehmende Unruhe.
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Da die Story unmittelbar mit dem weiteren Verlauf dieses Falls zu tun hat, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf Handlungsdetails eingehen. Doch ich kann sagen, dass mich die Film-Noir-artige Geschichte von Anfang bis Ende am Ball gehalten hat. Und obwohl mir eine emotionale Verbindung zu bereits etablierten Figuren fehlte, hat es das Spiel zumindest geschafft, dass ich mich für das Schicksal der ebenso sympathischen wie amoralischen Kathy interessiere. Das verwebt sich im Laufe der Zeit zunehmend mit dem Fall, wenngleich dessen Showdown für mich etwas zu schnell und einfach aufgelöst wird. Bis dahin ist es neben der Story aber vor allem die wahnsinnig dichte Atmosphäre, die mich immer tiefer in das Spiel hineingesogen hat.
Kathy Rain 2 ist düster, dreckig und dabei wunderschön
Die Story wird maßgeblich aus zwei Komponenten gebildet. Zum einen der dröhnende Synthwave-Soundtrack, der mal bedrohlich, mal tiefenentspannt daherkommt. Und zum anderen wäre da die hervorragend umgesetzte Pixel-Optik. Kathy Rain 2: Soothsayer ist ein ganzes Stück hübscher als sein Vorgänger und spielt mit Details wie Spiegelungen, Parallax-Effekten und insbesondere mit Licht. Vom lichtdurchfluteten Nachtleben Kassidys über das sanft erleuchtete Büro - hier sieht selbst ein blutiger Tatort wunderschön aus.
Dazu kommen detailreiche Charaktermodelle, denen mit geschmeidigen Animationen zusätzlich Leben eingehaucht wird. So wirbelt der Wind auf Constance Hill durch Kathys Haare, was einmal sogar für eine Aufgabe relevant ist. An anderer Stelle kommt es etwa darauf an, genau hinzuschauen, da sich im Hintergrund Hinweise für das weitere Vorgehen befinden. Lediglich Kathys Laufgeschwindigkeit war mir gelegentlich etwas zu geschmeidig, und ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie einen Zahn zugelegt hätte. Immerhin kann sie Gebiete per Doppelklick schnell verlassen.
Grips statt Glück
Der Look wird also nicht nur als nette Kulisse genutzt, sondern verleiht auch dem Gameplay weitere Facetten. Im Grunde handelt es sich natürlich um das "Pointen and Clicken", es gibt aber auch einige sinnvolle Quality-of-Life-Verbesserungen, wie die Möglichkeit, sich per Leertastendruck alle interaktiven Elemente hervorheben zu lassen. Und auch von den Zeiten, in denen man verschiedene Verben auswählen musste, hat man sich glücklicherweise verabschiedet. Stattdessen interagiert Kathy mit jedem Gegenstand auf andere Weise, sagt etwas dazu oder lässt ihn in ihren Genre-üblich merkwürdig tiefen Taschen verschwinden. Erfordert ein Rätsel wiederum das Kombinieren mehrerer Gegenstände, können diese einfach per Drag-and-drop umhergezogen werden.
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Ferner trägt die selbst ernannte Detektivin ein Notizbuch mit sich herum, wo sie Indizien und Telefonnummern festhält oder bei Bedarf auch mal daran erinnert, was als Nächstes zu tun ist. Mal gilt es, Zeugen zu befragen, in ein Haus einzubrechen oder bei der Autoreparatur zu assistieren; und manchmal kommt es sogar auf Timing an. Dabei sind selbst die schwierigsten Rätsel stets mit Logik und Nachdenken zu lösen, anders als bei diversen Klassikern. Ich erinnere mich an nicht wenige völlig an den Haaren herbeigezogene Lösungen, die ich nur durch stumpfes Ausprobieren gefunden habe. Ich sage nur Monkey Wrench. Mein liebstes Rätsel in Kathy Rain 2 hatte mit einem PC zu tun, wobei ich allerdings einräumen muss, dass "schwierigste" hier in Anführungszeichen gesetzt werden kann. Denn wirkliche Kopfnüsse habe ich hier schmerzlich vermisst. Andererseits habe ich so bereits nach rund 11 Stunden die Credits gesehen und mich durchweg gut unterhalten gefühlt.
Kathy Rain 2: Soothsayer - Fazit
Das fasst mein Erlebnis mit Kathy Rain 2: Soothsayer auch schon wunderbar zusammen. Der kleine Titel ist ein Paradebeispiel dafür, wie klassisches Point-and-Click-Design modern interpretiert werden kann, ohne dabei die Wurzeln des Genres zu verleugnen. Statt Trial-and-Error ist hier nämlich Logik gefragt, wobei ich mir tatsächlich noch etwas mehr Anspruch gewünscht hätte.
Das allein wäre bereits Stoff für ein wirklich gutes Spiel. Ergänzt wird das noch durch eine atmosphärisch dichte Noir-Geschichte, die trotz eines etwas abrupten Finales durch glaubwürdige Charaktere und spannende Themen überzeugt. Und besonders detailverliebte Pixelgrafik, die mit Lichteffekten und subtilen Animationen beeindruckt, wird mir noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Wer sich für Detektivgeschichten mit emotionaler Tiefe, starkem Stilbewusstsein und einem Touch Retro-Charme begeistert, findet hier ein narratives Abenteuer, das sich auch ohne Vorkenntnisse des Vorgängers absolut lohnt.

Viel zu pixelig. Und auch sonst hat mich die "Atmosphäre" nicht eingefangen.
Leider schaffe ich es kaum noch zum PC und muss mir deswegen wirklich gut aussuchen, wofür ich
meine Zeit nutze, da rutscht dann das eine oder andere mal durchs Raster...
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Das war damals auch ganz gut.
Leider schaffe ich es kaum noch zum PC und muss mir deswegen wirklich gut aussuchen, wofür ich
meine Zeit nutze, da rutscht dann das eine oder andere mal durchs Raster...
Z.B. ist "Day of the Tentacle" DIE Standardempfehlung wenn es um P&C geht.
Dementsprechend steht das schon in allen Listen drinnen, während "The Dig" oder "Resonance" nicht so viel
Aufmerksamkeit bekommen, aber mindestens ebenso gute Spiele sind.
Kennst du noch das hier:
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Das war damals auch ganz gut.
Außerdem "Simon the Sorcerer".
Z.B. ist "Day of the Tentacle" DIE Standardempfehlung wenn es um P&C geht.
Dementsprechend steht das schon in allen Listen drinnen, während "The Dig" oder "Resonance" nicht so viel
Aufmerksamkeit bekommen, aber mindestens ebenso gute Spiele sind.