Steam sperrt Horror-Spiel Horses: Indie-Studio droht das Aus
Das italienische Studio Santa Ragione steht nach einer undurchsichtigen Steam-Sperre kurz vor dem Aus. Der experimentelle Horror-Titel Horses darf nicht auf Valves Plattform erscheinen.
Seit über anderthalb Jahrzehnten gilt das italienische Entwicklerteam Santa Ragione als renommiertes Indie-Studio aus Europa. Mit einem kleinen Team geht es seit jeher ungewöhnliche Projekte mit künstlerischem Anspruch an (Beispiel: Saturnalia). Doch ausgerechnet ihr neues Horror-Projekt Horses könnte nun das letzte Kapitel markieren.
Valve weigert sich nämlich, das Spiel Horses auf Steam zu vertreiben. Und dieser Bann hat die wirtschaftliche Grundlage des Studios offenbar massiv beschädigt. Ohne Zugang zur wichtigsten PC-Plattform schrumpfen so Markt und Finanzierungsmöglichkeiten auf ein kritisches Minimum.
Steam-Bann ohne klare Begründung
Die Probleme begannen bereits 2023, als Santa Ragione die Coming-Soon-Seite von Horses einreichen wollte. Valve verlangte eine unfertige Vollversion samt Komplettlösung. Für dieses Vorhaben war dies ein unübliches Vorgehen. Kurz vor der öffentlichen Enthüllung folgte dann eine automatisierte Absage: Das Spiel sollte angeblich Darstellungen sexueller Handlungen mit Minderjährigen enthalten. Eine konkrete Szene wurde aber nicht genannt.
Santa Ragione widerspricht der Einschätzung deutlich und verweist in einem Interview mit Eurogamer darauf, dass alle Figuren klar erwachsen seien und das Material nicht auf Erregung ausgelegt sei. Trotz mehrfacher Rückfragen blieb Valve bei der Entscheidung ohne detaillierte Begründung und verweigerte jede erneute Prüfung.
Für das Studio war die Ablehnung ein Schock - nicht nur künstlerisch, sondern auch existenziell. Horses wurde inzwischen von Epic, GOG, Humble und anderen Stores freigegeben, doch Steam bleibt nun mal der zentrale Marktplatz. Laut Santa Ragione werden dort rund 75 Prozent ihres potenziellen Publikums erreicht. Als die Publisher das Risiko einer Veröffentlichung von Horses erkannten, sprangen sie reihenweise ab. Die geplante Finanzierung brach zusammen, ebenso der Verkauf geplanter Bundles, da Valve gleichzeitig restriktiver mit Key-Kontingenten wurde.
Um die Entwicklung abzuschließen, griff Creative Director Pietro Righi Riva auf Privatkredite von Freunden zurück, während das Team Neben- und Hauptjobs annahm, um finanziell zu überleben. Die fertige Version von Horses, einem experimentellen Horrorspiel über eine Farm mit einem "Viehbestand" aus nackten, vermummten Menschen, erscheint jetzt ohne Steam. Das birgt das Risiko, dass die Produktionskosten kaum eingespielt werden könnten. In den eigenen FAQ spricht das Studio deshalb auch offen davon, nach Release von Horses den Betrieb offiziell einzustellen. Die Gründe für Valves Entscheidungen bleiben weiterhin vage. In einer Stellungnahme heißt es: "Wir haben das Spiel bereits 2023 geprüft. Zu diesem Zeitpunkt gab der Entwickler mit seinem Veröffentlichungsdatum in Steamworks an, dass er eine Veröffentlichung einige Monate später plante. Aufgrund der Inhalte auf der Store-Seite teilten wir dem Entwickler mit, dass wir den Build selbst überprüfen müssten", so ein Sprecher von Valve. Das komme "manchmal vor, wenn die Inhalte auf der Store-Seite Anlass zu der Befürchtung geben, dass das Spiel selbst nicht unseren Richtlinien entspricht". Nach der Überprüfung des Inhaltes, einem Einspruch und einer finalen Ablehnung teilte man dem Entwickler die endgültige Entscheidung mit, dass das Spiel nicht auf Steam veröffentlicht werden könne.
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Quelle: Pietro Righi Riva via Eurogamer

Wem es nicht passt, kann den Laden ja boykottieren und woanders einkaufen.
Zwischen Steam und Gog gibt es einen durchaus bedeutsamen Unterschied. Gog ist m. W. n. zwar nett, wenn man da etwas findet (für mich persönlich präferiert), aber für das Überleben eines kleinen Studios nicht wirklich relevant.
Steam wiederum ist mit seiner Dominanz marktbeherrschend.
Siehe Pcgh.
Wenn gog ein Spiel sperrt, ist es doof, aber das war es auch. Wenn Steam in seiner Position etwas sperrt, bedeutet dies aus meiner Sicht das Recht sichere Ende.
Damit hat Steam die Macht, den Spielemarkt nach Gutdünken zu beeinflussen. Und insofern greift deine Aussage, Steam zu beukottieren, m. E. n. etwas zu kurz. Denn Steam bemerkt das nicht, ob ich einkaufe. Das kleine Studio hingegen schon, denn es greift heutzutage die Existenz an.
Deshalb: Ich vermisse das Spiel nicht. Aber den Zug seitens Steam halte ich dennoch nicht für gut, Hausrecht hin oder her.
Dafür hat Steam bereits etwas. Könnte man mit Ausweispflicht etc. verbinden. Dann wäre Steam m. E. n. raus. Wer das Spiel haben will, kann es eh bekommen.
Nun ja, es ist geschehen und für das Studio war es das wohl.
Ich frage mich nur, was wohl passiert, wenn ein Spiel kommt, was sich über gewisse Machthaber lustig macht (XII, Trump usw.). Wenn solche Spiele gesperrt würden, wäre dies dann auch Hausrecht und in Ordnung?
Sprich: Wo ist Sperren in Ordnung, wo verkehrt?
Davon spricht inzwischen keiner mehr.
Was die Rollen angeht, bin ich flexibel.
Anfangen würde ich als "Pferd", aber auch die Karotte stelle ich mir spannend vor. Den Strick ebenfalls.
Der trailer ähnelt doch ziemlich dem, was ich nachts so träume.
Bei der Sperrung geht es aber nicht um Gewalt oder Gewaltverherrlichung. Außerhalb des Geltungsbereichs deutschen Jugendschutzrechts hat Steam da wenig Berührungsängste. "Horses" bringt sich wohl wegen Sexualität in die Schusslinie: Der Handlungsort von Horses ist eine Pony-Ranch, auf der alle Vierbeiner durch nackte Menschen mit Pferde-Masken ersetzt wurden. Bereits die im Trailer gezeigten Gewalt- und Mystik-Szenen (eine Erhängung, ein Transport einer leblosen Frau ohne Maske, eine Altar-ähnliche Szene mit einer grob humanoiden Puppe) deuten dabei an, das es keineswegs bei Handlungen bleibt, die gegenüber Pferden typisch wären, und eine eingeschnittene Real-Filmsequenz zeigt echte Pferde beim Geschlechtsverkehr. Kombinationen aus "nackte, unterdrückte Menschen", "tödliche Gewalt" und "Sex" können durch bedenklich werden. Insbesondere wenn der Spieler die aktive Rolle übernimmt. In der zuerst eingereichten Fassung haben die Entwickler als i-Tüpfelchen auch noch, passend zu Pony-Setting, "Minderjährige" mit in die Mischung geworfen. (Ich würde mich nicht einmal wundern, wenn letzteres ein absichtlicher Schocker für Zensoren und Öffentlichkeit, die Revision dieser Szene als von Anfang an eingeplant war.)