Webcam-Test: Obsbot Tiny 2 vs. Macbook Air M3 vs. Logitech C270
Während die Kameras in Smartphones von Jahr zu Jahr besser werden, war bei Webcams lange Zeit Stillstand angesagt. Selbst in aktuellen Macbooks von Apple lässt die Qualität der Webcam stark zu wünschen übrig. Doch welche Alternativen gibt es?
Während der Corona-Zeit gab es einen regelrechten Boom auf Webcams, nachdem Video-Calls über Zoom, Google Meet oder Microsoft Teams stark an Bedeutung zugenommen haben. Gleichzeitig hat die hohe Nachfrage dafür gesorgt, dass die Preise von Webcams explodiert sind. Laut PCGH-Preisvergleich kostete die absolute Einsteiger-Webcam von Logitech mit der Bezeichnung C270 am 14. Mai 2020 mindestens 124 Euro.
Glücklicherweise haben sich die Preise schon lange wieder normalisiert und man bekommt die Webcam jetzt für schlappe 16 Euro. Der günstige Preis spiegelt natürlich auch die Qualität wider und hier darf man keine Wunder erwarten. Gleichzeitig haben wir uns das aktuelle Macbook Air mit M3-Chip von Apple angesehen und auch hier sieht es so aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Die Aufnahme sieht matschig aus und gerade unter schlechten Lichtbedingungen darf man nicht zu viel erwarten. Doch gibt es überhaupt hochwertige Webcams?
4K-Webcam Obsbot Tiny 2 im Test
Der Hersteller Obsbot hat das Problem mit minderwertigen Webcams während der Corona-Zeit erkannt und war einer der ersten Hersteller, der 4K-Webcams mit KI-Unterstützung auf den Markt gebracht hat. Wir haben jetzt das aktuelle Model Obsbot Tiny 2 getestet, welches es am Markt für rund 280 Euro zu kaufen gibt. Der Preis könnte für eine Webcam zunächst abschreckend wirken, doch die Qualität und der Funktionsumfang sind auf einem ganz anderen Level und die Einsatzmöglichkeiten sind mit einer herkömmlichen 20-Euro-Webcam nicht vergleichbar. Dank KI-Unterstützung kann beispielsweise mit Hand-Gesten mit der Kamera kommuniziert werden. Eine Gesichtserkennung sorgt dafür, dass die Linse automatisch auf das Gesicht ausgerichtet wird und Sie sich selbst dann im Fokus befinden, wenn Sie sich vor dem Rechner bewegen. Das KI-Tracking mit automatischer Zoom-Funktion funktioniert dabei erstaunlich gut.
Die Webcam verfügt über ein herkömmliches Stativ-Gewinde. Dadurch sind völlig flexible Positionierungen möglich. Falls sich jemand daran stört, dass die Webcam am Monitor nicht richtig hält, kann sich auch einen Webcam-Ständer mit 1/4-Zoll-Gewinde kaufen, das ist unsere bevorzugte Befestigungsmethode für das Büro oder Homeoffice. Obsbot bietet eine Software an, die auch installiert werden sollte, damit die Kamera z. B. nach einer Inaktivität in den Standby-Modus geht. Besonders praktisch dabei ist, dass der Kamera-Gimble dann nach unten schwenkt und so die Privatsphäre geschützt wird. Mit Presets kann man voreingestellte Kamerapositionen bequem aufrufen und auch eine Fernbedienung wird optional angeboten, die wir recht praktisch finden. Die Verarbeitung der Kamera ist sehr gut und insgesamt wirkt die Hardware sehr wertig.
Webcam-Bildqualität: 3 Webcams im Vergleich
Wenig überraschend schlägt sich die Logitech C270 Webcam nicht sehr gut, die Auflösung ist mit 1.280 x 720 Pixeln sehr gering, doch viel schlimmer ist der Weißabgleich sowie generell die schlechte Bildqualität. Im aktuellen Macbook Air mit M3-Prozessor verwendet Apple laut den technischen Daten eine 1080p-Kamera. Auch hier lässt die Schärfe stark zu wünschen übrig. Die Farbwiedergabe könnte zudem deutlich besser sein. Durch das flache Display ist es anscheinend nicht möglich, hochwertige Linsen wie im iPhone 15 einzubauen. Gerade unter schlechten Lichtbedingungen wird das Bild schnell matschig. In einer ganz anderen Liga spielt da die Obsbot Tiny 2. Die Bildqualität ist mit einer guten Smartphone-Kamera vergleichbar. Auch die Bildschärfe ist wesentlich besser, auch wenn die Kamera unter schlechten Lichtbedingungen etwas rauscht. Doch bilden Sie sich am besten selbst Ihre Meinung und werfen Sie einen Blick in die nachfolgende Bildergalerie.
Bildergalerie
Fazit: Webcam-Vergleich
Am Ende hängt es natürlich immer davon ab, wofür man eine Webcam benötigt. Für einen grundlegenden Video-Call ist für die meisten Anwender sicherlich auch die rund 16 Euro teure Logitech-Webcam ausreichend. Das Macbook Air von Apple zeigt, dass die Kameras in besonders flachen Geräten immer noch viel Luft nach oben haben. Aber auch hier dürften die meisten Anwender mit gelegentlichen Facetime-Calls oder Online-Meetings zufrieden sein, der Unterschied zur Logitech-Einsteiger-Webcam ist natürlich auch hier im direkten Vergleich gewaltig.
Wer dagegen eine Begeisterung für gute Linsen hat und nicht seine spiegellose Kamera oder DSLR als Webcam einsetzen möchte, bekommt mit der Obsbot Tiny 2 ein sehr gutes Produkt. Hier lohnt sich der Kauf vor allem für Streamer, die sich vor dem PC bewegen und sich eine Verfolgung der Kamera wünschen. Wer ein halbwegs brauchbares Objektiv für Kameras von Sony, Canon, Nikon und Co. kauft, ist in der Regel auch einige Hundert Euro los. Dementsprechend ist der Preis von rund 280 Euro schon zu rechtfertigen. Gute Bildqualität war eben noch nie günstig.

Der größte Sensor ist zB bei der Kiyo Pro Ulta. Die hat 1/1.2". Also 1 durch 1.2 = 0.83"
Die Insta 360 hat hingegen einen 1/2". Also 1 durch 2 = 0.5"
Mittlerweile gibt es ja doch einige hochqualitative 4k Cams auf dem Markt. Ich hatte dazu einmal ein paar Daten zusammengetragen (die sind teils gar nicht so leicht zu finden):
OSBOT Tiny 2, 1/1.5" Sensor, 30 fps auf 4k, 85,5° FOV, um 300€ (370€ auf Amazon)
wurde ja hier kurz angesprochen. Legt aber aber eben wert auf AI features legt, die jetzt nichtmal für jeden Content Creator sinnvoll sind.
Elgato Facecam Pro, 1/1.8" Sensor, 60 fps auf 4k, 90° FOV, 349€
An sich wohl eine gute cam, mit hoher framerate, hohen FOV, allerdings recht kleiner Sensor im Vergleich
Razer Kiyo Pro Ultra, 1/1.2" Sensor, 30 fps auf 4k, 82° FOV, 350€
Der größte Sensor, aber es wird die Razer Software benötigt, von der ich persönlich kein Fan bin. Zudem gibt es das Teil auschließlich direkt bei Razer zu kaufen. Und auch dort hatte ich eher schlechte Erfahrungen.
Ich warte aktuell noch auf eine Cam, die es mit dem Sensor (und damit u.a. auf der Lichtempfindlichkeit) der Kiyo Pro Ultra aufnehmen kann, aber eben nicht von Razer ist...