AMD Radeon R9 295 X2 im Test: Extrem schnell, extrem stromdurstig - und überraschend leise [Test der Woche]
Radeon R9 295 X2 im Test: Wasser, Marsch! Erstmals in der Geschichte setzt ein Grafikkarten-Referenzdesign auf eine Hybridkühlung, welche sich nicht nur Luft-, sondern auch Wasserkraft zunutze macht. Ihr ist es zu verdanken, dass AMD zwei übertaktete 290X-Grafikkarten mit bis zu 560 Watt Leistungsaufnahme vereinen kann. Kostenpunkt: rund 1.300 Euro. PC Games Hardware prüft, ob die Radeon R9 295 X2 diese stolze Summe wert ist.
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Original-Artikel vom 08. April: Man nehme zwei Grafikkarten des Typs Radeon R9 290X, vereine sie auf einer Platine, übertakte sie auf 1.018 MHz und setze eine Wasser-Luft-Hybridkühlung darauf: Fertig ist das neue 1.300-Euro-Flaggschiff Radeon R9 295 X2. Sie haben richtig gelesen, AMD lässt sich nicht lumpen und verlangt mit 1.499 US-Dollar mehr als jemals zuvor für das aktuelle Top-Produkt. Die Vorgänger der 295 X2 trugen noch Preisschilder von 999 Euro (HD 7990) und vergleichsweise moderate 630 Euro (HD 6990). Doch seit Nvidia mit der Geforce GTX Titan das extreme Hochpreissegment erfolgreich besetzte, scheint es in dieser Hinsicht kaum noch Grenzen zu geben. Dass insbesondere das Wettrennen um die Performance-Krone ("fastest graphics card in the world") zu reinem Prestige geworden ist und nur noch sehr wenig mit den Wünschen normaler Nutzer zu tun hat, wird spätestens mit der Ankündigung der Titan Z für rund 3.000 US-Dollar klar
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Lange Zeit versuchten AMD wie auch Nvidia, ihre jeweiligen Multi-GPU-Lösungen als Upgrade-Pfad für Jedermann zu positionieren. Rasante Weiterentwicklung bei der Leistungsfähigkeit machte dieses spätere Nachrüsten aber meist unattraktiv. Inzwischen ist es bei Nvidia sogar so weit, dass die neueste Generation Maxwell zumindest in Form des Fahnenträgers GTX 750 (Ti) die SLI-Technologie überhaupt nicht mehr unterstützt. Bei AMD hat man dagegen den internen Anschluss abgeschafft und arbeitet bei aktuellen Karten nurmehr mit dem Datenaustausch via PCI-Express.
1.300 Euro, das entspricht etwa dem Preis zweier Geforce GTX 780 Ti - damit ist das passende Vergleichsgespann in den Benchmarks gefunden. Bevor wir mit den Zahlenspielen beginnen, empfehlen wir Ihnen einen Blick in unser Video zur Radeon R9 295 X2, in dem wir nicht nur das Design genau beleuchten. sondern auch erste "8K"-Tests wagen:
Radeon R9 295 X2 im Test: Technik und Spezifikationen
Wie eingangs erläutert, besteht die Radeon R9 295 X2 aus zwei R9-290X-Karten in komprimierter Form. AMDs Grafiksparte vereint zwei vollwertige Hawaii-Grafikchips mit je 2.816 Shader-ALUs und zweimal 4 GiByte GDDR5-RAM auf einer 30,5 Zentimeter langen Platine. Bemerkenswert obwohl kaum messbar ist, dass AMD den beiden via Crossfire-Technologie verbundenen Grafikprozessoren einen höheren Boost auf den Weg gibt als einer Radeon R9 290X im "Uber Mode": Die R9 295 X2 arbeitet mit 1.018 statt 1.000 MHz und überbietet damit zwei 290X-Einzelkarten im Crossfire um 1,8 Prozent.
Spannender als dieser kosmetische Vorsprung ist, ob das Umdenken beim Kühldesign es ermöglicht, diese Frequenzen konstant aufrecht zu erhalten. Wir erinnern uns: Betreibt man eine Radeon R9 290X (Referenzdesign) im "Uber Mode", führt das zwar zu einem nahezu stabilen 1.000-MHz-Boost, allerdings auch zu einer enormen Lautheit von bis zu 9,6 Sone. AMDs Partner haben mit ihren Eigendesigns gezeigt, dass eine 290X nicht zwingend wie eine Turbine klingen muss, um stabil jenseits der Gigahertz-Marke zu arbeiten. Im Folgenden klären wir, ob AMD es gelingt, diese Entwicklung auch mit zwei Grafikchips fortzusetzen. Die Spezifikation der Radeon R9 295 X2 neben der aktuellen Single-GPU-Elite:
| Modell | AMD Radeon R9 295 X2 | Nvidia Geforce GTX Titan Black | Nvidia Geforce GTX 780 Ti | AMD Radeon R9 290X |
|---|---|---|---|---|
| Circa-Preis (Euro) | 1.300,- | 900,- | 580,- | 470,- |
| ALUs/TMUs/ROPs | 2x 2.816/176/64 | 2.880/240/48 | 2.880/240/48 | 2.816/176/64 |
| GPU-Basistakt (Megahertz) | unbekannt | 889 | 876 | 727 (inoffiziell) |
| GPU-Boost-Takt (Megahertz) | 1.018 | 980 | 928 | 1.000 |
| Rechenleistung SP (GFLOPS) | 11.467 | 5.645 | 5.345 | 5.632 |
| Durchsatz Pixel/Texel (GPixel/s) | 130,3/358,3 | 39,2/235,2 | 37,1/222,7 | 64,0/176 |
| Dreiecksdurchsatz (Mio./s) | 8.144 | 7.350 | 6.960 | 4.000 |
| Takt Grafikspeicher (MHz) | 2.500 | 3.500 | 3.500 | 2.500 |
| Speicherübertragungsrate (GB/s) | 2x 320 | 336 | 336 | 320 |
| Übliche Speichermenge (MiB) | 2x 4.096 | 6.144 | 3.072 | 4.096 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 2x 8-Pol | je 1x 6-/8-Pol | je 1x 6-/8-Pol | je 1x 6-/8-Pol |
*Angaben mit GPU-Boost-Frequenzen
Radeon R9 295 X2 im Test: Kühlung, Lautheit und Leistungsaufnahme
Quelle: AMD
AMD Radeon R9 295 X2 zerlegt
Falls Sie das Video übersprungen haben, hier eine Erläuterung des Designs in Prosa: AMD kooperiert mit dem Kühlspezialisten Asetek, welcher den meisten Lesern vermutlich wegen seiner Kompaktwasserkühlungen ein Begriff ist. So überrascht es nicht, dass auch die Radeon R9 295 X2 auf die Kraft des Wassers setzt, kombiniert mit ordinärer Luftkühlung in Form mehrerer Lüfter. Jeder einzelne Grafikchip verfügt über einen Mini-Wasserkühlblock, welche zusammen mit dem Single-Radiator einen wartungsfreien Kreislauf bilden. Äußerlich dem Fullcover-Prinzip folgend, handelt es sich faktisch um keinen vollbedeckenden Wasserkühler: Die mittig platzierten Spannungswandler werden mithilfe eines Kupferfächers und einem darauf platzierten Axiallüfter gekühlt; eine massive Metallplatte verbindet alle Komponenten, sorgt für Stabilisierung und Wärmeverteilung auf der ganzen Platine. Der Wärmetauscher ist ab Werk mit einem 120-Millimeter-Lüfter bestückt und muss vor Inbetriebnahme im Gehäuse untergebracht werden.
In der Praxis überzeugt das Kühldesign der Radeon R9 295 X2 mit einem vernünftigen Kompromiss aus Lautheit und Temperaturen. Im Vergleich mit dem 290(X)-Referenzdesign ist die 295 X2 sogar ein echter Leisetreter - zumindest unter Volllast. Unsere Messwerte belegen jedoch auch, dass die Radeon R9 295 X2 im Leerlauf unnötig viel Lärm erzeugt, da AMD auf einen Niedrigtour-Modus der Lüfter verzichtet hat. Den erzeugten 4,7 Sone steht übrigens eine maximale Kerntemperatur von weniger als 70 Grad Celsius (pro Grafikchip) gegenüber; die im Catalyst Control Center gesetzte Temperaturgrenze liegt bei 75 Grad Celsius.
Angesichts der - für eine Dual-GPU-Grafikkarte - gemäßigten Lautstärke mag die maximale Leistungsaufnahme überraschen, sie passt aber perfekt zur Hardware unter der Hybridhaube. Werte jenseits von 500 Watt erreicht die Radeon R9 295 X2 indes nur, wenn man ihr richtig zu tun gibt - wer nur in Full-HD mit MSAA spielt, bewegt sich unter der 500-Watt-Marke, sollte sich jedoch fragen, ob er mit einer 150-Euro-Grafikkarte nicht besser bedient wäre. Ultra High Definition und Supersampling sind die Schlagworte, mit denen wir an dieser Stelle zu den Benchmarks überleiten.
| Lautstrke | R9 295 X2 | R9 290X* | Radeon HD 7990 | Radeon HD 6990 | Geforce GTX 690 | Geforce GTX 780 Ti | Geforce GTX 590 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Leerlauf | 2,7 Sone | 0,6 Sone | 0,4 Sone | 1,9 Sone | 0,8 Sone | 0,6 Sone | 2,0 Sone |
| Hohe Spiele-Last (max. aus Anno 2070, BF BC2) | 4,7 Sone | 4,4 - 9,6 Sone | 4,7 Sone | 10,2 Sone | 4,3 Sone | 4,6 Sone | 3,7 Sone |
| Leistungsaufnahme | |||||||
| Leerlauf | 33 Watt | 21 Watt | 30 Watt | 42 Watt | 25 Watt | 16 Watt | 54 Watt |
| Hohe Spiele-Last (max. aus Anno 2070, BF BC2) | 560 Watt | 249 - 289 Watt | 359 Watt | 328 Watt | 274 Watt | 248 Watt | 343 Watt |
* Werte für die R9 290X im Quiet- und Uber-Modus. PCGH testet mit Powertune (AMD) respektive Power Target (Nvidia) auf Standard. Für diesen Test haben wir uns entschieden, das jeweilige Maximum unserer Messungen der Leistungsaufnahme anzugeben - je nach Karten tritt dieses innerhalb unserer Messungen entweder in Anno 2070 oder Battlefield Bad Company 2 auf.
Leistung außerhalb der PCI-E-Spezifikation
Eine Anmerkung noch zur Leistungsaufnahme. Nach unseren Messungen werden einzelne 12-Volt-Schienen selbst ohne OC oder Erhöhung des Power Targets mit dem Rekordwert von knapp 23,5 Ampere belastet - bei der verbleibenden Restspannung unseres Test-Netzteils von 11,58 Volt sind das über 271 Watt. Unsere diesbezügliche Nachfrage hin kommentierte AMD wie folgt. Die R9 295 X2 sei ein Produkt, welches mit extremer Vorsicht zu behandeln sei und welches nicht dazu entworfen wurde, mit jedem Netzteil zusammen zu arbeiten. Um die schnellste Grafikkarte der Welt abzuliefern, brauche man mehr Leistung als in der PCIe-Spezifikation ursprünglich vorgesehen. Auf amd.com/295X2 soll nach dem Ablauf des NDA eine Liste geeigneter Netzteile erscheinen.
AMD sagt weiter, die PCIe-Spec empfiehlt aufgrund des Formfaktors und thermischer Gesichtspunkte zwar 150 Watt pro 8-Pin-Anschluss, aber die Anschlüsse selbst seien elektrisch nicht auf diese Wattleistung beschränkt. Daher benötige die R9 295 X2 auch nur zwei 8-Pin-Anschlüsse und könne über zwei weitere (mit dann entsprechend mindestens 100 Ampere combined) auch im Crossfire mit einer zweiten gleichartigen Karte betrieben werden.
Auch zwei eigene Seiten im Reviewer's Guide gehen auf diese Thematik ein. AMD empfiehlt generell Netzteile, welche über zwei 8-Pin-Anschlüsse ohne Adapter und auf getrennten 12-Volt-Schienen verfügen. Jede 12-Volt-Schiene sollte 28 Ampere zu liefern im Stande sein und zwei Schienen müssten kombiniert 50 Ampere schaffen.

wenn man High-End kauft und kostet 3500€, dagegen sind die 1300€ rückblickend für diese Dual-GPU ein Schnäppchen gewesen.
Hmm, schön schön. Aber Strom wird ja auch nur gebraucht nach bedarf, musste man doch auch er wehen.
Feine Karte, könnte meine nächste werden, endlich 4K für lau.
Wenn du neben einem Umspannwerk wohnst