Leistungsdaten
Über zwei Jahre hat es gedauert, doch jetzt meldet sich mit S3 Graphics ein 3D-Urgestein zurück, um dem AMD-Nvidia-Duopol den Kampf anzusagen. Wir verraten, ob dieser Angriff von Erfolg gekrönt sein könnte.
Der Leistung auf der Spur
Mangels offizieller Aussagen machen wir uns manuell auf die Suche nach der Anzahl an Textureinheiten. Der Multitexturing-Füllratentest des 3DMark06 spricht von 2.500 Megatexeln pro Sekunde. Das passt mit 625 MHz GPU-Takt exakt zu vier TMUs - gleich viele wie eine HD 3450 und die neue Revision der 8400 GS. Laut S3 verfügt die 430 GT über 32 skalare Shader-ALUs, die dank eigener Domain mit 900 MHz takten. Das entspricht einem Verhältnis von 1:1,44 zur TMU/ROP-Domain. Im Pixel-Shader-Test des 3DMark06 berechnet sie rund 40 Fps, eine HD 3450 erreicht 48 und eine 8400 GS 42 Fps.
Die theoretischen Leistungstests des 3DMark06 (Bild: PCGH)
Die meisten Tests werden offensichtlich durch das schmale Speicherinterface limitiert, denn selbst eine 39-prozentige Übertaktung der GPU führt zu kaum wahrnehmbaren Leistungssteigerungen. Über den gesamten Testzeitraum legte die Karte durch 870 MHz GPU-Takt um maximal 15 Prozent an Leistung zu (HL2, kein FSAA, 16:1 AF). Die ALUs arbeiten dann immerhin mit 1250 MHz. Nur Powerstrip ist momentan in der Lage, eine Chrome-Grafikkarte zu übertakten. Das funktioniert jedoch nur bei der GPU - der hier wichtigere VRAM ignoriert Taktänderungen.
FSAA und Texturfilter
Die Chrome 430 GT ist die erste S3-Karte, welche Multi-Sampling-FSAA (MSAA) beherrscht. Die uns zur Verfügung gestellten Treiber listen die Modi 2x, 4x und nur unter Windows Vista sogar 8x. Doch egal was wir im Panel wählen, die Karte appliziert stets 4x MSAA. Dieses glättet dank des rotierten Abtastmusters genauso gut wie die Modi von AMD und Nvidia. Die GPU ist übrigens definitiv zu 8x SGMSAA fähig, S3 gedenkt diesen Modus - ebenso wie Transparenz-AA - mit einem kommenden Treiber zu aktivieren. Die Chrome-S2x-Serie bot noch hochwertiges Super-Sampling (SSAA), welches zwar sehr rechenintensiv ist, aber zusätzlich die Texturen glättet.
Chrome 430 GT: 4x RGMSAA (Bild: PCGH)
Der anisotrope Filter erfuhr gegenüber der Chrome-S20-Serie etwas Feintuning. Neigte das AF des Vorgängers noch zum Flimmern, filtert die Chrome 430 GT etwa auf Augenhöhe mit aktuellen Geforce- und Radeon-Karten. Der theoretische Blick mit dem AF-Tester offenbart einige Unzulänglichkeiten. Erstens weist jede Stufe inklusive 8:1 AF eine dezente Winkelabhängigkeit auf - um 45 Grad geneigte Texturen bekommen weniger Samples ab als die anderen. Erkennbar ist dies an den Einkerbungen der Farben, welche die einzelnen MIP-Maps verkörpern. In der Spielepraxis ist es jedoch fast ausgeschlossen, dass dies ins Auge sticht. Schlimmer ist es beim 16x-Modus, welcher ähnlich wie bei aktuellen Radeon-GPUs an Genauigkeit verliert. Des Weiteren sind bei der Chrome deutlich Farbabstufungen zu erkennen, welche bei der Konkurrenz nicht auftreten. Hier der Vergleich des 16x-Modus zwischen Chrome, Geforce und Radeon:
Chrome 430 GT: 16:1 AF (Bild: PCGH)
Radeon HD 3450: 16:1 AF (Bild: PCGH)
Geforce 8: 16:1 AF (Bild: PCGH)
Wir testen die AF-Qualität praktisch mit eine bewährten Speicherstand aus Half-Life 2 (dt.). Die dort eingesetzte Kiesel-Textur ist wegen der feinen Hell-Dunkel-Kontraste sehr hochfrequent. Spart ein Texturfilter Samples, ist es hier deutlich sichtbar. Doch die Chrome liefert eine überzeugende Vorstellung: Es flimmert nur leicht, MIP-Map-Banding ist angedeutet sichtbar. Die Qualität ist einer Radeon 3xx0 mindestens ebenbürtig, nur eine Geforce 8 filtert bei "hoher Qualität" im Treiber einen Tick sauberer. Damit Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen können, liefern wir Ihnen ein unkomprimiertes Fraps-Video der Stelle.
Auch das für einige kritische Texturen bekannte World of Warcraft bescheinigt dem AF der neuen Chrome ein Ergebnis, das sich nicht vor AMDs Filter verstecken muss. Von der exzellenten, flimmerfreien Texturqualität einer aktuellen Geforce mit HQ-Treibereinstellung sind beide ein Stück entfernt.
Chrome 430 GT: HL2 (dt.) mit 4x FSAA/16:1 AF (Bild: PCGH)
Geforce 8/9: HL2 (dt.) mit 4x FSAA/16:1 AF (Bild: PCGH)
