Spielepraxis
Über zwei Jahre hat es gedauert, doch jetzt meldet sich mit S3 Graphics ein 3D-Urgestein zurück, um dem AMD-Nvidia-Duopol den Kampf anzusagen. Wir verraten, ob dieser Angriff von Erfolg gekrönt sein könnte.
Die Spielepraxis
Crysis: Die Chrome 430 GT führt das Feld an. (Bild: PCGH)
Prey: Der Open-GL-Teil des Chrome-Treibers könnte Tuning vertragen. (Bild: PCGH)
Auch wenn Auslegung und Leistungsklasse auf den HTPC-Bereich abzielen, testen wir den Neuling in aktuellen Spielen. Dort liefert die Karte in ihrer Gewichtsklasse eine bemerkenswerte Vorstellung ab. Crysis läuft mit minimalen Details schneller als auf der Konkurrenz, bei den anderen Spielen waren nahezu keine Geschwindigkeitsvorteile auszumachen. An FSAA und AF sollten Sie bei aktueller Software jedoch nicht denken; gerade 16:1 AF ist sehr teuer:
Half-Life 2 mit Fakefactory Cinematic Mod: 16:1 AF kostet sehr viel Leistung; zusammen mit 4x FSAA werden die Fps halbiert. (Bild: PCGH)
Treiberqualität
Crysis DX10 auf der Chrome 430 GT (Bild: PCGH)
Crysis DX10 auf der Chrome 430 GT (Bild: PCGH)
Auf dem Papier verfügt die GPU über DX10.1-Features, praktisch fehlt die Software zum Testen. Unsere Bewährungsprobe besteht aus einem DX10(.0)-Parcours unter Vista x64, denn bei dieser Kombination schwächelten die Treiber von AMD und Nvidia noch lange nach dem Erscheinen des Betriebssystems. World in Conflict läuft fehlerfrei (aber langsam), Bioshock ist problemlos spielbar. Selbst Crysis ist kooperativ - bis inklusive mittlerer Shader-Qualität. "Hoch" und "Sehr Hoch" führen im Spiel zu schwarzen Bildern, alle anderen Details lassen sich maximieren. Die DX9-Qualität lässt sich aber über die system.cfg anheben. Das sieht folgendermaßen aus (mehr Bilder in der Galerie):
Crysis DX9 tweaked auf der Chrome 430 GT (Bild: PCGH)
Quelle: PC Games
Crysis DX9 tweaked auf der Chrome 430 GT (Bild: PCGH)
Daneben zeigen sich für Grafikkartenlaunches typische Treiberfehler: Uns war es nicht möglich, AF über S3s Screen Toys zu forcieren, nur die Applikationen sind dazu in der Lage. Außerdem stand Multichrome noch nicht zur Verfügung. S3 versicherte uns, dass die nächsten Treiber mit den Problemen aufräumen.
S3s "Screen Toys" - das Treiberpanel. (Bild: PCGH)
Video, Lautstärke und Stromverbrauch
Unser Testsystem verbraucht inklusive der 430 GT unter 3D-Last 140 Watt. Mit einer Radeon HD 3450 oder Geforce 8500 GT sind es 141 Watt, der Unterschied ist also marginal. Warum die Chrome 430 GT bei diesem Verbrauch mit rund einem Sone (30 dBA) aktiv gekühlt wird, bleibt ein Rätsel. Wir empfehlen den Kauf eines passiven Chipsatzkühlers, etwa den Zalman NBF 47 (ab 6 Euro) in Kombination mit einem leise belüfteten Gehäuse. Hier ist aber noch nicht aller Tage Abend, man denkt bei S3 momentan über andere Kühllösungen nach.
Die aktuelle Version von Power DVD kommentiert das Abspielen einer Blu-ray-Disk mit einer "inkompatiblen Treiberversion", diverse HD-Trailer funktionieren einwandfrei. Im Falle eines AVS-kodierten Exemplars aber noch ohne Videobeschleunigung . Laut S3 ist auch eine neue Version von Win DVD (build 8.011.068) in der Mache, die die "Chromotion Engine" der Chrome 430 GT voll ausnutzt. Diese soll in Kürze verfügbar sein.
Fazit und Verfügbarkeit
Die Chrome 430 GT erlaubt sich im Spielebereich keine gravierenden Schnitzer und ist damit eine Alternative zu den Low-Cost-Karten von AMD und Nvidia. Die Treiber sind erfreulich fortgeschritten und die Kinderkrankheiten vermutlich in den nächsten Wochen beseitigt. Dann soll auch Multichrome funktionieren, welches nicht nur die Koppelung von zwei, sondern sogar drei und vier Karten ermöglichen soll. Multichrome-Tests, Analysen der Treiberentwicklung und mit gepatchten Video-Playern liefern wir selbstverständlich nach.
Wenn Sie Interesse an den Karten haben, müssen Sie sich noch ein klein wenig gedulden. Noch im April wird es die Chrome 430 GT bei Memorysolution zu kaufen geben. Das ist ein deutlicher Fortschritt zu früher, denn die S20-Serie gab es nur bei Ebay oder als Import.
Quo vadis, S3?
Laut unserer S3-Kontakte wird die Chrome 430 GT nicht das Ende des Portfolios bleiben. Die Treiber erkennen schon jetzt eine Chrome 440. Auf Nachfrage teilte man uns mit, dass es noch dieses Jahr eine "Chrome 440 GTX" geben wird - ein Schelm, wer bei der Namensgebung ein Déjà-vu erlebt. Das kommende Flaggschiff wird vermutlich über ein 128-Bit-Speicherinterface und 512 MiByte GDDR3-RAM verfügen. Genaue Takte und GPU-Verbreiterungen bleiben geheim - Letztere deutete man uns jedoch unmissverständlich an.
