PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5)
Der PC Games Hardware-Rückblick zeichnet die Entwicklung der Grafikkarten seit dem Durchbruch der Voodoo Graphics von 3Dfx im Jahre 1996 bis heute nach. Wie kam es zum Untergang der 3D-Pioniere und wie wogte der Wettstreit zwischen Ati und Nvidia mal in die eine, mal in die andere Richtung - all dies klärt unsere Rückblicks-Reihe.
In den ersten vier Teilen (Links siehe unten) haben wir nachvollzogen, wie es zum Siegeszug der 3D-Beschleunigung, angeführt von Massenmarkt-Pionier 3Dfx (später mit kleinem "d") gekommen ist. Auch die Bereinigung des Marktes beziehungsweise das Abdriften von ehemals bedeutsamen Herstellern wie S3 und Matrox in Nischenmärkte haben wir thematisiert.
• PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 1)
• PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 2)
• PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 3)
• PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 4)
Quelle: C. Spille
Rückblick: Duopol Ati/Nvidia
Ende 2000 erwischte es leider auch den ehemaligen Marktführer 3dfx (nun mit kleinem "d"): Dank Missmanagement wie dem Zukauf der ehemaligen STB-Fabrik, um die Voodoo-3-Reihe exklusiv vermarkten zu können, zu langem Ausruhen auf ehemals guter Technologie und Problemen bei der Entwicklung und Produktion des konkurrenzfähigen VSA-100-Chips reihte sich ein rotes Quartal ans nächste, und schließlich konnten sich der ehemalige Mitbewerber Nvidia für kleines Geld an der Konkursmasse gütlich tun.
Seit diesem Zeitpunkt beherrschten also Ati, die heutige Grafiksparte von AMD, und Nvidia den Markt - auch ein kurzes Strohfeuer der interessanten Power-VR-Technologie in Form von Kyro und Kyro II (beide mit Tile-Based-Deferred-Rendering) änderte daran nichts.
Quelle: Bild: PCGH
Nvidia war spätestens seit Einführung der Geforce im Jahre 1999 unumstrittener Marktührer und konnte dies durch geschicktes Marketing und kleine Häppchen an Technologie-Fortschritt in steigende Aktienkurse umsetzen, ohne an Fahrt zu verlieren. Ati, welche die Anfangstage der 3D-Beschleunigung komplett verschlafen hatte und deren Hardware nicht zuletzt an damals noch schlechten Treibern laborierte, konnte sich nur dank exzellenter, langfristiger Kontakte und Geschäfte im OEM-Bereich gegen die 3D-Retailkarten behaupten. In fast jedem Media-Markt-PC der späten 1990er-Jahre steckte eine Rage 3D - mit Zusätzen wie "II", Pro und Turbo künstlich aktuell gehalten. Erst die Rage-128-Reihe konnte durch Feature-Set und Technik zumindest in Sachen 32-Bit-Rendering, welches deutlich effizienter arbeitete als bei Nvidias Riva-TNT-Reihe, wieder mithalten.
Quelle: Carsten Spille
Doch erst im Jahre 2000 stieg man mit den ersten Karten der Radeon-Generation wieder voll in den Gamermarkt ein. Radeon 256 samt Nachfolger/Ableger 7500 konnte sich Dank des Effizienzpaketes "Hyper-Z" zwar beim 32-Bit-Rendering erneut gut gegen die jeweiligen Geforce-Karten behaupten, die Treiber und (in den Benchmarksparcours der Zeit) immer noch wichtige 16-Bit-Rendering machten immer noch einen Strich durch das gute Gesamtpaket.
So änderte dann auch die Radeon 8500 nichts an der Nvidia-Dominanz, obwohl sie einige interessante Techniken, wie zum Beispiel Truform (N-Patch-basierte higher-order-surfaces, Freiformflächen), Unterstützung für Pixelshader 1.4, weiter verbessertes Hyper-Z und einen extrem schnellen aber aus heutiger Sicht extrem schlechten anisotropen Texurfilter aufbieten konnte und die Geforce 3 mit ihrem langsamen aber guten AF in einigen Benchmarks auch durchaus schlagen konnte. Letztere punktete dafür mit effizientem 2x Multisampling, während die eigentlich ebenfalls für Multisampling designte R200 aufgrund eines Fehler nur unter sehr speziellen und seltenen Umständen Multisampling nutzen konnte und ansonsten auf ein langsames Ordered-Grid-Supersampling zurückgreifen musste.
Nvidia schob kurze Zeit später die höher getaktete Geforce 3 TI 500 nach und im Frühjahr 2002 die Geforce 4, welche mit bis zu 325 MHz nochmals höher taktete und auch sonst eine leicht verbesserte NV20-Architektur aufwies.
Im September 2002 schlug Ati jedoch mit einem Paukenschlag zurück. Der R300, als GPU auf Grafikkarten der Radeon-9700- und 9500-Reihe eingesetzt, machte kurzen Prozess mit Geforce 4 und dem rundum verkorksten Nachfolger, der Geforce FX. In der Folgezeit konnte Ati mit Radeon 9700 Pro, dem Preisleistungs-Knaller 9500 Pro, der ebenfalls legendären 9800-Reihe und hernach der X800 Marktanteile und Sympathien gewinnen.
Nvidia konterte erst 2004 mit der Geforce 6 wieder erfolgreich, nachdem der 256-Bit- und FP16-Refresh FX5900 samt mildem Speed-Grade FX5950 keine Chance gegen die Radeons hatten. Die Geforce 6 bot nicht nur (endlich sinnvoll) nutzbare 2.0-Shader-Einheiten, auch die höchste DX9-Ausbaustufe, Shader-Model 3.0 wurde unterstützt. Ati konnte hier technologisch nicht mithalten, sparte aber dafür eine Menge Transistoren und konnte die eigenen GPUs entsprechend deutlich höher Takten, als es Nvidia mit der Geforce 6 gelang. Entsprechend lagen die Radeon-Karten in Sachen Spieleleistung weiterhin meist in Front, Nvidia war nunmehr aber ein ernster Konkurrent, kein Opfer mehr.
Einige Refreshes und Ausbaustufen später standen sich Mitte 2005 die Radeon X850 XTPE und die Geforce 7800 GTX gegenüber - letzte eine deutlich aufgebohrte GF6-Architektur mit 50 % mehr Pixel-Pipelines und mehr als der doppelten Rechenleistung als der Urahn. Ati hingegen hatte mit dem abgesagten, offenbar zu ambitionierten R400-Projekt und der Zwischenlösung X800-, aka R420-481-Reihe nur weitere Taktsteigerungen zu bieten und lag - wenig verwunderlich - zu diesem Zeitpunkt deutlich hinten. Das R520-Projekt hatte sich um ein halbes Jahr verspätet.
In diesem Artikel
- Seite 1 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Einleitung und Rückblick
- Seite 2 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Ati X1000-Reihe
- Seite 3 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Nvidia Geforce 7,5
- Seite 4 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Geforce 8 und Direct X10
- Seite 5 Bildergalerie
- Seite 1 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Einleitung und Rückblick
- Seite 2 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Ati X1000-Reihe
- Seite 3 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Nvidia Geforce 7,5
- Seite 4 PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafikkarten (Teil 5) - Geforce 8 und Direct X10

Sehr interresanter Artikel. ATI und N.Vidia- die ewigen Konkurrenten.
War nicht die X1950XTX die erste karte mit GDDR4 Ram?
Eine 1900XTX hatte schon GDDR4 interessant.
Aber teilweise las es sich wie ein Märchenbuch, da ich nichts mehr von den technischen Details verstanden habe.
Aber die x1800 war im Grunde nen Flop... Zu warm, zu laut und zu stromhungrig. Trotz der etwas schlechteren Bildqualität war hier die 7800GTX die eindeutig besserer Wahl.
Auch hätte man erwähnen können das die Geforce 6 auf Grund des SM3.0 Supports ins späteren Spielen (mit SM3.0 Unterstützung) deutlich besser da stand als die x800 Serie. Wer ne zukunftssichere Grafikkarte wollte hat auch hier zu ner Geforce gegriffen. Ich kenne viele die sich dann wegen ihrere x800 in den Arsch gebissen haben.
Ähnliche Vergleiche könnte man natürlich auch jetzt mit DX10 (Nvidia Geforce 200er) vs DX10.1 (ATi HD4000er) anstellen.