PCGH Rückblick: Entwicklung der 3D-Grafik (Teil 2)
Grafikchips rechnen schneller als selbst modernste CPUs und verfügen bald über mehr als eine Milliarde Transistoren. PCGH blickt zurück auf einen langen Weg, den die Pixelbeschleuniger bis heute zurücklegten.
3dfx-Schock: Die Pleite
Warum 3dfx im Dezember 2000 trotzdem die Pforten schließen und Patente und Markenrechte an Nvidia verkaufte lag vermutlich an mehreren Dingen: Zum einen sollen seit der Übernahme der STB-Fabrik bei 3dfx mehr und mehr die Marketing-Leute das Sagen übernommen haben und die Ingenieure, welche bis zum Sxhluss mit hoffnungslos veralteten Design-Tools arbeiten mussten, kamen nicht mehr zum Zuge. Zum anderen lief die Marketing-Maschinerie Nvidias, Microsofts und später auch Atis auf Hochtouren, um das Killer-Feature der neuen Direct-X-Version 7 und der passenden Chips Geforce und Radeon anzupreisen: Hardware-TnL. Da es zu Lebzeiten der Karten kaum eine Bedeutung bei Spielen erlangte, war das einzige, was dieser Hardware-Block in den Chips wirklich tötete die Firma 3dfx.
In der damals wichtigen Benchmark-Welt, in welcher hauptsächlich ein indiziertes MP-Spiel von id-Software, ein ebenfalls indizierter Multiplayer-Shooter von Epic und der TnL-unterstützende 3D Mark 2000 von Madonion, wie Futuremark früher hieß, zum Zuge kamen, konnte das Performance-Flaggschiff Voodoo5 5500 nur schwer mithalten, da trotz andauernden propagierens von 32-Bit-Rendering viele Benchmarks noch in 16 Bit Farbtiefe entstanden, welche den Geforce-Karten eher lag. In 32 Bit und besonders bei Spielen, welche noch über einen Pfad in der proprietären 3dfx-API Glide verfügten, sah die Voodoo5 5500 oft nicht schlecht gegenüber der Geforce 2 GTS aus, welche zu diesem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr Nvidias Top-Modell darstellte.
Geforce-Updates und Update-Updates
Quelle: Bild: C.Spille/PCGH
Nvidia Geforce 2 Ultra mit 64 MiB VRAM hier von Elsa (Bild: C.Spille/PCGH)
Nvidia hatte das größte Problem der Ur-Geforce - die mangelnde Speicherleistung - offenbar frühzeitig erkannt und konnte nur wenige Monate nach deren Veröffentlichung bereits eine Variante mit Unterstützung für DDR-RAM (Double Data Rate, doppelte Datenrate) bereitstellen. Dieser Speichertyp arbeitet bei gleicher Frequenz fast doppelt so schnell wie herkömmlicher SDR-RAM (Single Data Rate, einfache Datenrate), indem er pro Takt zweimal ein komplettes Datenpaket überträgt. Parameter wie zum Beispiel Latenzen ändern sich jedoch nicht, sodass die doppelte Geschwindigkeit meist nicht erreicht wird. Neben dieser DDR-Geforce kam aus der Hinterhand noch ein "echter" Refresh der Geforce-Reihe - kreativ Geforce 2 betitelt. Deren Standardversion, die Geforce 2 GTS, verfügte im Vergleich zur Geforce nochmals über einen höheren Takt (166 zu 120 Megahertz) und über zweimal soviele Textureinheiten (acht anstelle von vier), sodass die wichtige Texel-Füllrate mehr als verdoppelt wurde. Das schlug sich auch im Namen nieder, denn das GTS steht für nichts anderes als "Giga-Texel-Shader" - auch wenn das "Shader" für heutige Verhältnisse etwas hochgegriffen scheint. Ermöglicht wurde diese Funktionsdichte durch den Wechsel auf einen moderneren Fertigungsprozess, welcher zusätzlich Wärmeentwicklung und Leistungsaufnahme - ein großes Problem noch der ersten Geforce-Generation in Verbindung mit bestimmten Mainboards - zugute kam.
Quelle: Bild: C.Spille/PCGH
Nvidia Geforce 2 MX mit32 MiB VRAM auf einer Hercules 3D Prophet MX (Bild: C.Spille/PCGH)
Der wirklich entscheidende Schritt kam aber ein wenig später mit dem NV11. Hierbei handelte es sich um eine abgespeckte Geforce 2 die mit nur zwei Pixel-Pipelines à zwei Textureinheiten und 128-bittigem SDR-RAM (es gab auch Modelle mit 64-Bit-DDR-RAM) taktbereinigt wieder auf dem Niveau der alten Geforce lag. Allerdings verfügte Sie sowohl über den prestigeträchtigen Namen Geforce als auch über das komplette Featureset der großen Geschwister. Dank des günstigen Preises entwickelte sie sich zum Verkaufssschlager und trug maßgeblich zu Nvidias enormem finanziellen Erfolg und den ebenso schnell wachsendem Marktanteil der Geforce-Karten bei. Neben Geforce 2 MX und GTS, sowie der schneller getakteten Pro-Version, bot Nvidia kurz vor Jahresschluss die vermutlich als Konkurrent zur Voodoo5 5500 geplante Geforce 2 Ultra an. Diese selektierten Chips erreichten die damals enorme Taktrate von 250 Megahertz und damit erstmals eine Füllrate von über 2 Gigatexel Pro Sekunde.
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