Geforce verschwindet: Nvidia opfert die Spieler dem KI-Rausch! - Ein Kommentar von Sven Bauduin

85 Prozent mehr Umsatz, 211 Prozent mehr Gewinn: Nvidia eilt von Rekord zu Rekord und Geforce taucht im aktuellen Quartalsbericht nur noch als Sammelposten unter "Edge Computing" auf. Für Spieler und Hardware-Enthusiasten ein Schlag ins Gesicht. Ein Kommentar von Sven Bauduin.

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Geforce verschwindet: Nvidia opfert die Spieler dem KI-Rausch! - Ein Kommentar von Sven Bauduin
Quelle: Nvidia

Es ist das Quartal eines neuen Wachstums-Allzeithochs für Nvidia, und ausgerechnet in diesem Moment "beerdigt" das Unternehmen aus Santa Clara die eigene Gaming-Sparte leise, fast schon nebenbei. Denn im am 20. Mai 2026 veröffentlichten Quartalsbericht für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027, das sich von Februar bis Ende April 2026 erstreckt, meldet der US-Konzern einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von schier aberwitzigen 85 Prozent im Jahresvergleich. Nvidia eilt momentan von einem Rekord zum nächsten, und das ist absolut beeindruckend und nötigt einem auch als Beobachter den größtmöglichen Respekt vor dieser unternehmerischen Ausnahmeleistung ab, aber ...

Nvidia opfert die Spieler dem KI-Rausch

Der Nettogewinn explodiert um 211 Prozent auf 58,3 Milliarden US-Dollar, die Bruttomarge zementiert sich bei satten 75 Prozent. Für das laufende Quartal stellt der Konzern abermals einen neuen Rekordumsatz von 91 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Nur mal so als Vergleich: Der kleine Konkurrent in Rot - die Rede ist hier von AMD - erwirtschaftet im Gesamtjahr etwa ein Drittel davon. Nvidia ist allen Wettbewerbern im KI-Wettrennen inzwischen um mehrere Lichtjahre voraus und denkt gar nicht daran, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Im Gegenteil: Die Vera-CPU und die neue Rubin-Architektur werden Nvidia sowohl bei Rechenleistung als auch bei den Umsätzen noch weiter enteilen lassen, aber ...

Geforce verschwindet als Sammelposten unter Sonstiges

Ganz besonders eine Zeile in der offiziellen Pressemitteilung von Nvidia sollte jeden einzelnen PC-Spieler, jeden Hardware-Enthusiasten und jeden der langjährigen Geforce-Käufer, die das US-Unternehmen erst zu dem gemacht haben, was Nvidia-CEO Jensen Huang später zum Weltmarktführer und letztlich zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht hat, aufhorchen lassen. Zukünftig wird es nur zwei Plattformen bei Nvidia geben:

Nvidia geht zu einem neuen Berichtsrahmen über, der die aktuellen und zukünftigen Wachstumstreiber des Unternehmens besser widerspiegelt. Nvidia wird zwei Marktplattformen haben — Data Center und Edge Computing.

— Nvidia

Die nackten Zahlen zeigen, warum Nvidia diesen Schritt geht: Das Data-Center-Geschäft, also der Verkauf von KI-Beschleunigern an Hyperscaler wie AWS, Google, Meta, Microsoft sowie an "AI Clouds, Industrial and Enterprise" spülte allein im ersten Quartal 75,2 Milliarden US-Dollar in Nvidias Kassen - ein enormes Umsatzplus von 92 Prozent im direkten Jahresvergleich. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt ebenfalls bei 92 Prozent.

Gaming wird für Nvidia zum statistischen Rundungsfehler

Das gesamte Edge-Segment, in dem sich nun die Geforce-Grafikkarten, Custom-Silicon für die Nintendo Switch und Switch 2, RTX-Pro-Workstations und Automotive zusammengeworfen werden, kommt dagegen auf gerade einmal 6,4 Milliarden US-Dollar, also nur in etwa acht Prozent des Gesamtumsatzes. Geforce-GPUs allein dürften davon maximal die Hälfte ausmachen, mehr nicht. Gaming wird damit für Nvidia endgültig zur Randnotiz.

Aus Sicht eines börsennotierten Konzerns ist die Aufschlüsselung damit ehrlicher denn je: Geforce ist statistisch ein Rundungsfehler geworden. Eine Position, die für die Aktionäre und die Wall-Street-Analysten aus nachvollziehbaren Gründen schlicht und ergreifend nicht mehr berichtspflichtig erscheint.

— Sven Bauduin

Und Nvidia forciert diese Logik konsequent weiter: Der Vorstand hat ein zusätzliches Aktienrückkauf-Programm in einem Volumen von 80 Milliarden US-Dollar ohne Enddatum genehmigt. Zusammen mit dem bisherigen Polster stehen damit 118,5 Milliarden US-Dollar für Rückkäufe bereit. Die Quartalsdividende wird um den Faktor 25 angehoben, von vormals einem auf jetzt 25 US-Cent pro Aktie. Allein die Quartalsausschüttung übersteigt damit den AMDs Nettogewinn des vergangenen Quartals um mehr als das Vierfache.

Das ist nicht mehr nur ein Wachstumsunternehmen, das ist eine Geldverdienmaschine, die ihre Erträge gezielt an Anleger ausschüttet - nicht in ein dynamischeres, breiteres Produktportfolio investiert.

— Sven Bauduin

Soviel Fairness muss sein: Aus rein betriebswirtschaftlicher Perspektive ist die Entscheidung Nvidias kein Skandal, sondern kalte, eiserne Logik. Wenn dieselbe Wafer-Kapazität von TSMC - und dieselbe Menge Speicher - wahlweise eine Geforce RTX 5090 für 1.999 US-Dollar UVP oder aber eine Handvoll Vera-Rubin-KI-Beschleuniger für mehrere Millionen US-Dollar pro Server-Rack produziert, dann braucht es keinen Harvard-MBA, aber ...

Jensen Huang würde sich gegenüber seinen Aktionären strafbar verhalten, würde er die margenstärksten Chips der Welt freiwillig in einen preissensiblen Endkundenmarkt umlenken.

— Sven Bauduin

Hinzu kommt: Nvidia hat im ersten Quartal massiv in den Vera-Arm-Prozessor investiert, den der Konzern gerade in Volumenproduktion bringt. Das US-Unternehmen will allein damit bis Anfang 2027 weitere 20 Milliarden US-Dollar Umsatz generieren und sich zu einem der weltweit größten Hersteller für Server-CPUs aufschwingen, auf Augenhöhe mit oder möglicherweise sogar über Intel und AMD. Das nächste riesige Statement.

Auch das ist eine Botschaft an Spieler: Selbst außerhalb des Gaming-Bereichs, der jetzt im Edge-Computing verschwindet, werden CPUs und Workstation-Beschleuniger von Nvidia künftig deutlich stärker priorisiert als Geforce-Grafikkarten.

Was das konkret für Spieler und Hardware-Enthusiasten bedeutet

Erstens: Die Speicherkrise - innerhalb der Branche längst "RAMageddon" genannt - wird sich weiter verschärfen. Die Vera-CPUs setzen auf SOCAMM2-Module mit LPDDR5X-Speicher; die Vera-Rubin-Plattform benötigt obendrein riesige Mengen an HBM4 und GDDR7-Komponenten in den begleitenden Beschleunigern. Branchenanalysten beziffern den Mehrbedarf an DRAM allein durch Nvidia mit einer Größenordnung, die dem gesamten Smartphone-Segment entspricht. Die Auswirkungen sind schon heute spürbar und werden noch zunehmen.

Die Folge wird sein, was wir in den vergangenen Monaten bereits dokumentiert haben: DDR5-RAM in Deutschland kostet im Mai 2026 +414 Prozent mehr als im Juli 2025. Und auch beim GDDR7-Speicher der Geforce RTX 5090 soll Nvidia die Boardpreise bereits um 300 US-Dollar angehoben haben. Eine Entspannung ist - zumindest bis ins Jahr 2027 - nicht in Sicht.

Zweitens: Die Preise bleiben oben. Wenn Geforce-Grafikkarten in Nvidias Bilanz nur noch eine bilanzielle Randnotiz darstellen, verringert sich zudem der unternehmensinterne Druck, im Endkundenmarkt aggressiv über den Preis zu konkurrieren - ohnehin keine Stärke des Unternehmens. Im High-End-Segment ist Nvidia zudem absolut konkurrenzlos.

Das ist keine Marketing-Floskel, das ist die offizielle Botschaft eines CEOs, der seine einst so sehr umgarnte Gaming-Klientel inzwischen mehr als eine Premium-Sammlernische statt als Massenmarkt einsortiert.

Drittens: Innovationen wandern verzögert in den Consumer-Bereich. Was früher zuerst auf Geforce-Grafikkarten ankam und dann erst in den Profibereich diffundierte, läuft heute genau andersherum. Neue Architekturen, Tensor-Core-Generationen, Treiber-Optimierungen - alles, was wirtschaftlich relevant ist, fließt zuerst in Rechenzentren. Spieler dürfen sich die Brotkrumen davon abholen, sobald die Profi-Roadmap es zulässt.

Was bedeutet das für Geforce RTX 6000 und die Rubin-Architektur?

Hier liegt der wirklich kritische Punkt. Die Nachfolgegeneration zu Blackwell hört bei Nvidia auf den Codenamen Rubin - benannt nach der Astronomin Vera Rubin - und wird intern bereits als die vermutlich stärkste Generation seit Jahren gehandelt.

Wir gehen weiterhin von einem Marktstart der Server-Variante in der zweiten Jahreshälfte 2026 aus, die Consumer-Grafikkarten- also eine potenzielle Geforce RTX 6090 und RTX 6080 auf Rubin-Basis - werden vermutlich erst Mitte 2027 oder sogar später folgen. Genau in dem Zeitfenster trifft Rubin auf AMDs RDNA-5-Architektur und möglicherweise auch auf Intels Druid-Generation mit Xe-Next-Architektur.

Drei konkrete Befürchtungen ergeben sich aus dem aktuellen Quartalsbericht:

1. Die Geforce RTX 6090 wird teurer als die RTX 5090. Wenn Nvidia bei Rubin denselben Leistungsvorsprung bei den Consumer-Topmodellen halten kann und die Margen-Logik und die Speicherkrise aufeinandertreffen, dann ist von einem deutlich höheren UVP für eine weiterhin konkurrenzlose Geforce RTX 6090 auszugehen.

2. Das VRAM-Wachstum bleibt auf der Strecke. Während die RTX Pro 6000 Blackwell mit 96 GiB GDDR7 bestückt wird, dürfte selbst eine kommende Geforce RTX 6090 voraussichtlich bei 32 oder maximal 48 GiB stehen bleiben. Nvidia wird sehr genau darauf achten, dass keine Consumer-Grafikarten versehentlich zum günstigen KI-Inferenz-Beschleuniger wird - ein Phänomen, das wir bei der RTX 3090 und RTX 4090 noch beobachten konnten.

3. Verfügbarkeit wird zur Glückssache. Wenn Hyperscaler Vera-Rubin-Beschleuniger im sechs- und siebenstelligen-Stückzahlen-Bereich abnehmen, dürften Wafer-Allokationen für Geforce-Karten knapper ausfallen denn je. Paper-Launches, monatelange Wartezeiten und Scalper-Preise sind eine sehr realistische Möglichkeit für 2027.

Was Spieler jetzt tun können - und vielleicht sogar müssen

Die unbequeme Wahrheit lautet: Wir Spieler und Hardware-Enthusiasten sind für Nvidia kein strategisch wichtiger Markt mehr. Wir sind eine Liebhaber-Nische, die aus historischen und Branding-Gründen weiterhin bedient wird, aber bilanziell nicht mehr ins Gewicht fällt.

Wer sich mit dieser Realität nicht abfinden möchte, hat - und das ist die positive Nachricht - konkrete Handlungsoptionen.

Erstens: Konkurrenz unterstützen. AMD bringt mit RDNA 5 ("GFX13") voraussichtlich 2027 einen echten Generationssprung, der den lange als "Zen-Moment für Radeon" gehandelten Architektur-Wurf bedeuten könnte, und Intel arbeitet an der Xe-Next-Architektur ("Druid").

Wer Vielfalt am GPU-Markt will, sollte beim nächsten Upgrade ernsthaft prüfen, ob es nicht vielleicht auch mal eine Radeon- oder Arc-Grafikkarte sein darf - nicht aus Trotz, sondern aus marktwirtschaftlicher Vernunft. Ein Duopol oder Triopol diszipliniert Nvidia mittelfristig wirksamer als alle Kommentare und Shitstorms dieser Welt.

Zweitens: Längere Nutzungszyklen einplanen. Eine Geforce GTX 1070 lieferte vor 10 Jahren noch Titan-X-Leistung zum halben Preis. Wer 2026/2027 kauft, sollte ehrlich mit sich selbst sein und einen sechs- bis siebenjährigen Nutzungshorizont einplanen. Auch die Upscaling-Technologien helfen dabei, ältere Grafikkarten länger nutzen zu können.

Drittens: Den Gebrauchtmarkt strategisch nutzen. Eine gebrauchte Geforce RTX 4000 oder Radeon RX 7000 sind unter Umständen oft die wirtschaftlich vernünftigere Wahl als eine neue Mittelklasse-Grafikkarte, welche oberhalb ihrer offiziellen UVP im Handel angeboten wird.

Nvidia ist kein Gaming-Unternehmen mehr

Es ist Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Nvidia ist 2026 kein Gaming-Unternehmen mehr. Es ist ein KI-Infrastrukturkonzern, der nebenbei noch Grafikkarten für Spieler baut - mit absteigender Tendenz und sinkender bilanzieller Priorität. Was in den Anlegerpräsentationen als "Edge Computing" euphemistisch zusammengefasst wird, war einst der Ursprung des heutzutage wertvollsten Unternehmens der Welt.

Es war das Geforce-Geschäft, das Jensen Huang vor 30 Jahren überhaupt erst in die Position gebracht hat, die KI-Welt heute nach Belieben zu beherrschen. Diese historische Schuld erkennt der Konzern aktuell nicht mehr an, zumindest nicht in seinen rekordverdächtigen Quartalsberichten.

— Sven Bauduin

Das ist legitim. Das ist betriebswirtschaftlich vernünftig. Und es ist gleichzeitig eine bittere Realität, mit der die Community der PC-Spieler und Hardware-Enthusiasten lernen muss, umzugehen. Auch die schnellste Gaming-Grafikkarte der nächsten Generation wird erwartungsgemäß von Nvidia stammen - die Frage ist nur: zu welchem Preis?

Ein Kommentar von Sven Bauduin

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    • Kommentare (140)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von blu3fire Freizeitschrauber(in)
        Zitat von Severnaya
        Aktuell läuft alles und sieht Mega aus. Viel Spaß mit deiner 9070xt

        Ebenso viel Spaß in 007 (falls du es willst) mit FSR3
        BTW eine 9070XT performt in Forza 6 Horizon besser als deine 4080S oder eine 5070ti mit RT auf MAX
      • Von blu3fire Freizeitschrauber(in)
        Zitat von Severnaya
        Aktuell läuft alles und sieht Mega aus. Viel Spaß mit deiner 9070xt

        Ebenso viel Spaß in 007 (falls du es willst) mit FSR3
        BTW eine 9070XT performt in Forza 6 Horizon besser als deine 4080S oder eine 5070ti mit RT auf MAX
      • Von JTRch Software-Overclocker(in)
        Zitat von Blackfirehawk
        Vielleicht Mal nach Jahren n Treiber Update machen..

        Es gibt das Nvidia Control Panel (das klassische)
        Und die Nvidia APP .. das ist das neue was das alte Control Panel langsam ersetzt
        Ok es heisst anders, aber sieht immer noch gleich aus, zumindest der Studio Treiber.
      • Von blu3fire Freizeitschrauber(in)
        Zitat von Severnaya
        Aktuell läuft alles und sieht Mega aus. Viel Spaß mit deiner 9070xt

        Ebenso viel Spaß in 007 (falls du es willst) mit FSR3
        Brauche ich nicht, nicht mein Genre. Mal davon abgesehen ist das ja wohl wieder eine Nvidia Demo, wenn FSR4 nicht geht.

        Und du viel Spaß mit dem Inputlag von FrameGen um PT mit halbwegs gescheiten FPS zu spielen.
      • Von Severnaya Kabelverknoter(in)
        Zitat von blu3fire
        Haha PT total überbewertet und schaut echt manchmal übertrieben unnatürlich aus und wenn du das wirklich noch zukünftig nutzen willst, dann hättest du dir mal lieber eine 5090 gekauft, da ist deine 4080 schon mau.😂
        Aktuell läuft alles und sieht Mega aus. Viel Spaß mit deiner 9070xt

        Ebenso viel Spaß in 007 (falls du es willst) mit FSR3
      • Von blu3fire Freizeitschrauber(in)
        Haha PT total überbewertet und schaut echt manchmal übertrieben unnatürlich aus und wenn du das wirklich noch zukünftig nutzen willst, dann hättest du dir mal lieber eine 5090 gekauft, da ist deine 4080 schon mau.😂
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